Wahlkampf im SaarlandEin seriös-seltsamer Wahlkampf

CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer kämpft um jede Stimme für die Landtagswahl. Sie kokettiert dabei mit ihrem braven Image.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bittet um Ruhe – für die Rede von Kanzlerin Merkel.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bittet um Ruhe – für die Rede von Kanzlerin Merkel.

In Sankt Wendel an der Saar haben sie die Kanzlerin übersehen. Zugegeben, nur für einen Moment: Rhythmisch beklatschen die rund 1.000 CDU-Anhänger und Bürger am Freitagnachmittag ihre Ministerpräsidentin: Annegret Kramp-Karrenbauer. In ihrer Rede hat sie soeben für den Schuldenabbau geworben, für gute Wirtschaftsperspektiven, für stabile Verhältnisse in einer großen Koalition – natürlich unter ihrer Führung. Sie wird dafür vom Saal gefeiert. Die 49-Jährige ist schon vom Podium zu den rustikalen Bierbänken zurückgegangen, dreht sich noch mal um, strahlt und winkt in den Saal.

Vorne am Rednerpult steht da schon der eigentliche Stargast dieses Wahlkampftermins, Angela Merkel. Erst wartet sie lächelnd ab, dann unterbricht sie freundlich-ungehalten die jubelnde Menge: "Der Applaus sagt, was ich auch gleich sagen werde: Annegret Kramp-Karrenbauer muss Ministerpräsidentin bleiben." Die Kanzlerin ist zur Unterstützung des Wahlkampfes an den südwestlichen Rand der Republik gereist. In zwei Wochen wird gewählt und es wird knapp: SPD und CDU liefern sich in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

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Ein seltsamer Wahlkampf

Daher stellt Angela Merkel schon gleich mal klar, das strukturschwache Saarland habe erst, seitdem die Christdemokraten 1999 das Ruder übernahmen, eine "richtig tolle Entwicklung" gemacht: "Aus Kohle und Stahl ist Schritt für Schritt eine moderne Wirtschaft geworden." Sie betont, dass SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas sich erst seit Kurzem zum grundgesetzlich geforderten radikalen Sparkurs für das Saarlandes bekennt, während die CDU sich schon lange den unschönen Zukunftsaufgaben stelle: "Wem trauen Sie wirklich zu, zur Schuldenbremse zu stehen? Wir brauchen das Original."

Es ist ein seltsamer Wahlkampf, sagen die Organisatoren an der Saar. Nachdem die CDU-Ministerpräsidentin im Januar überraschend das instabile schwarz-gelb-grüne Jamaika-Regierungsbündnis aufkündigte, war wenig Zeit, um Kampagnen zu entwerfen. Außerdem steht das Ergebnis eigentlich schon fest: Sozial- und Christdemokraten haben angekündigt, gemeinsam koalieren zu wollen – mangels Alternativen. FDP und Grüne werden nach bisherigem Umfragestand an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, und die Saar-SPD hat keine Lust auf die Allmacht Oskar Lafontaines in der saarländischen Linkspartei.

Also ist die einzige Frage, die den Wahltermin am 25. März bestimmt: Wer wird Ministerpräsident? Er oder sie? Der schon bei zwei Landtagswahlen gescheiterte SPD-Mann Maas oder eben Annegret Kramp-Karrenbauer, die erst seit vergangenem August den langjährigen saarländischen CDU-Landesvater Peter Müller im Amt abgelöst hat, sich aber nach zehn fleißigen Jahren in der christdemokratischen Landesregierung mit dem Titel "Dienstälteste Ministerin in der Geschichte des Saarlandes" schmücken kann?
 

Leserkommentare
  1. Sie muss ja noch vor dem Untersuchungsausschuss wegen der Affaire um den ehemaligen, inzwischen verurteilten Museumsdirektor Melcher aussagen.

    Mal sehen, ob man sie dann immer noch für so brav hält.

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  2. Die CDu regiert schon zu lange im Saarland und hat vor allem im Bildungssystem so viel katastrophal falsch gemacht, dass es an ein Wunder glänzte, dass Peter Müller nochmals Ministerpräsident wurde.

    Die große Koalition ist ja schon fest verabredet, aber den Führungswechsel brauchen wir, damit sich auch etwas ändert.

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    >>Die große Koalition ist ja schon fest verabredet<<
    ===========================================================
    Seit je her stelen schwarz oder rot den MP. Was soll das also für ein Führungswechsel sein, und was bitte soll sich mit einer Großen Koalition ändern? Die Zahl der Träumer hat sich seit 60 Jahren scheinbar nicht verringert. Darum bleibt auch alles so wie es ist.

    >>Die große Koalition ist ja schon fest verabredet<<
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    Seit je her stelen schwarz oder rot den MP. Was soll das also für ein Führungswechsel sein, und was bitte soll sich mit einer Großen Koalition ändern? Die Zahl der Träumer hat sich seit 60 Jahren scheinbar nicht verringert. Darum bleibt auch alles so wie es ist.

    • fse69
    • 10.03.2012 um 11:35 Uhr

    "...dass es an ein Wunder glänzte, dass Peter Müller nochmals Ministerpräsident wurde...."

    Kein Saarländer hat damals vor der Wahl ahnen können, dass sich die Grünen als Mehrheitsbeschaffer für schwarz-gelb verdingen. Niemand, der Linke, SPD und Grüne gewählt hat - also eine glasklare Mehrheit der Saarländer - wollte Müller weiter im Amt. Die verdiente Quittung bekommen die Grünen bei der nun anstehenden Wahl.

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  3. >>Die große Koalition ist ja schon fest verabredet<<
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    Seit je her stelen schwarz oder rot den MP. Was soll das also für ein Führungswechsel sein, und was bitte soll sich mit einer Großen Koalition ändern? Die Zahl der Träumer hat sich seit 60 Jahren scheinbar nicht verringert. Darum bleibt auch alles so wie es ist.

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    • Kelhim
    • 10.03.2012 um 12:34 Uhr

    Wer sehr weit links oder sehr weit rechts oder thematisch sehr verengte, aber dafür in diesen Fragen verbissenere Parteien wählt, wird die Unterschiede zweier Volksparteien naturgemäß weniger deutlich wahrnehmen. Das bedeutet allerdings nicht, dass es sie nicht gäbe.

    Ich schreibe das ohne eine Wertung - ich glaube nur, dass es auf die Perspektive ankommt.

    • Kelhim
    • 10.03.2012 um 12:34 Uhr

    Wer sehr weit links oder sehr weit rechts oder thematisch sehr verengte, aber dafür in diesen Fragen verbissenere Parteien wählt, wird die Unterschiede zweier Volksparteien naturgemäß weniger deutlich wahrnehmen. Das bedeutet allerdings nicht, dass es sie nicht gäbe.

    Ich schreibe das ohne eine Wertung - ich glaube nur, dass es auf die Perspektive ankommt.

  4. Der Bau heißt Gasgebläsehalle, nicht Glasgebläsehalle. Hier stehen Gebläsemaschinen, die zur Aufrechterhaltung der Verbrennung in den Hochöfen verwendet wurden. Mit Glasbläserei hat das nichts zu tun.

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    Redaktion

    Stimmt! Schon geändert. Danke für den Hinweis und Gruß aus Saarbrücken, Lisa Caspari

    Redaktion

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  5. aber verschont mich bitte mit den folgenden Jammertiraden.

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  6. Redaktion

    Stimmt! Schon geändert. Danke für den Hinweis und Gruß aus Saarbrücken, Lisa Caspari

    • Kelhim
    • 10.03.2012 um 12:34 Uhr

    Wer sehr weit links oder sehr weit rechts oder thematisch sehr verengte, aber dafür in diesen Fragen verbissenere Parteien wählt, wird die Unterschiede zweier Volksparteien naturgemäß weniger deutlich wahrnehmen. Das bedeutet allerdings nicht, dass es sie nicht gäbe.

    Ich schreibe das ohne eine Wertung - ich glaube nur, dass es auf die Perspektive ankommt.

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