SaarlandWahlkampf mit Gekuschel und Gemaule

Im Saarland ist die große Koalition eigentlich schon beschlossene Sache. Das ärgert die kleinen Parteien. Sie tun alles, um im Gespräch zu bleiben. von 

Postkarte der Linkspartei im saarländischen Landtagswahlkampf

Postkarte der Linkspartei im saarländischen Landtagswahlkampf  |  © Linke/Saar

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ( CDU ) trägt ein blütenweißes Brautkleid, SPD-Chef Heiko Maas blickt im schwarzen Anzug verliebt in die Ferne. "Dann doch liewer de Oskar", steht unter der Fotomontage, die die Linkspartei derzeit an der Saar als Postkarte verteilt. Die Botschaft: Nur Lafontaines Partei sei die Alternative zur bereits arrangierten Ehe von Sozial- und Christdemokraten nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag.

Auch Politikwissenschaftler sprechen von einer Quasi-Direktwahl im Saarland : Schon als Kramp-Karrenbauer im Januar das instabile Jamaika-Bündnis mit Grünen und FDP aufkündigte , bot sie dem damaligen Oppositionsführer Maas eine große Koalition "auf Augenhöhe" an – unter ihrer Führung, versteht sich. Der SPD-Chef setzte lieber auf Neuwahlen , um selbst Ministerpräsident werden zu können.

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Die große Koalition will auch er. Da beide Volksparteien in den Umfragen bei 33 bis 34 Prozent liegen, stellt sich damit tatsächlich nur noch eine Frage: Wer wird das Land künftig anführen? Sie oder Er?

Keine Liebesheirat, aber viel Sympathie

Nein, eine "Liebesheirat" sei es nicht, beteuert der SPD-Spitzenkandidat, der die CDU als Oppositionsführer früher oft scharf attackiert hat. Aber das Land brauche stabile politische Verhältnisse wegen der notwendigen harten Einsparungen im Landeshaushalt.

Beide Kandidaten machen kaum einen Hehl daraus, dass sie persönlich gut miteinander können. Bei einer Diskussionsveranstaltung scherzte Maas letztens in Richtung Kramp-Karrenbauer: Man führe öffentliche Koalitionsverhandlungen. Auffällig war auch die Sitzordnung bei einer Fernsehrunde mit den im Landtag vertretenen saarländischen Spitzenkandidaten: Die Ministerpräsidentin und ihr Herausforderer waren einträchtig nebeneinander plaziert, erst nach einer gut wahrnehmbaren Lücke folgten die Stühle der drei Oppositionsvertreter.

Als Kramp-Karrenbauer in der Sendung sagte, sie wolle künftig 2.400 Stellen im öffentlichen Dienst einsparen, pflichtete Maas ihr bei: "Ich halte das für leistbar." Im SPD-Wahlprogramm hingegen steht keine konkrete Zahl. Bevor die Neuwahl beschlossen wurde, hatten SPD und CDU stundenlange Sondierungsgespräche geführt. Schon damals war man sich fast überall einig.

Lisa Caspari
Lisa Caspari

Lisa Caspari ist Redakteurin im Ressort Politik bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Die kleinen Parteien sind empört

Die kleinen Parteien an der Saar empört dieses "undemokratische Schauspiel", wie sie es nennen. "Wir sind die einzig verbliebene Partei der Mitte", pflegt FDP-Spitzenkandidat Oliver Luksic bei Wahlkampfauftritten in Richtung CDU zu sagen. Die Linke hingegen richtet sich mit dem süffisanten Slogan "Soziale Gerechtigkeit ab sofort nur noch mit uns" an die SPD. Die Grünen bleiben trotzig indifferent: "Grün. Die echte Wahl!" 

Die grüne Spitzenkandidatin Simone Peter hat angekündigt, im Landtag die "Oppositionsführerschaft" übernehmen zu wollen, dabei liegt die Partei in Umfragen gerade mal bei fünf Prozent. Linke Wähler haben ihr übel genommen, dass sie bei der letzten Wahl 2009 ein rot-rot-grünes Bündnis ausschlug und mit CDU und FDP zusammenging. Mit diesem "Verrrat" verbinden viele den langjährigen Landesvorsitzenden der Grünen, Hubert Ulrich . Daher macht jetzt Peter Wahlkampf für die angeschlagene Partei. In der Jamaika-Koalition war sie Umweltministerin.

Leserkommentare
  1. Die Linken im Saarland leben ausschließlich von ihrem Aushängeschild Oskar Lafontaine. Ansonsten ist das ein völlig desolater und völlig zerstrittener Haufen.

    Die Stimmen für die Linken sind überwiegend dem Nimbus von Oskar Lafontaine geschuldet. Als Partei ernst nehmen kann man die Linken im Saarland eher nicht.

    Bei den Linken geht es ungefähr so turbulent zu, wie bei den Grünen - die man im Saarland, siehe Jamaika-Debakel und diverse Affairen von Hubert Ulrich in Zusammenhang mit Herrn Ostermann - ebenfalls nicht wählen kann.

    Über die FDP kann man nur vornehm den Mantel des Schweigens decken.

    Wer also ernsthaft etwas gegen die droße Koalition tun möchte, der müsste die Piraten wäheln. Die sind noch nicht in den Sumpf integriert. Aber wahrscheinlich wird daraus wieder mal nichts. Was nichts daran ändert, dass jede Stimme für die Linken im Saarland gleichzeitig eine Stimme für die große Koalition ist.

    2 Leserempfehlungen
  2. sind als Tiger gesprungen und landen als Bettvorleger bei den nächsten Landtagswahlen.

    Zur Erinnerung: auch Matschie wollte mit den Linken keine Koalition und ist nun Stift in der großen Koalition in Thüringen.
    Heikochen im Saarland wird es genauso gehen...

    4 Leserempfehlungen
  3. ...wer dieses Dilemma noch als demokratisch ansieht, hat das Selbstverständniss für jegliches rationales Handeln komplett verloren!
    da geh ich doch gleich ins Spielcasino und bin dort wenigstens mit der kleinen Hoffnung zugange,eventuell durch Zufall zu einem akzeptabelen Ergebniss..( sprich : Gewinn) für den Bürger zu erhalten...
    ,,awwer e bisje toutswitt !

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  • Schlagworte CDU | SPD | FDP | Saarland | Wahlkampf | Oskar Lafontaine
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