Für ihre Rolle beim Scheitern einer Auffanggesellschaft für 11.000 Schlecker-Mitarbeiter muss sich die FDP mit heftiger Kritik auseinandersetzen. SPD , Grüne, Linke und auch die CSU zeigten sich empört und warfen der FDP vor, sie lasse die Beschäftigten aus parteipolitischen Gründen im Stich.

Der Verhandlungsführer der Länder, der Stuttgarter Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD), kritisierte: "Es geht also nicht um Geld und Bürgschaften, sondern um das politische Schicksal einer Splitterpartei von ein bis zwei Prozent."

SPD-Vize Manuela Schwesig sagte Spiegel Online mit Blick auf Bundeswirtschaftsminister und FDP-Parteichef Philipp Rösler: "Jetzt hat das Auslaufmodell Rösler mit drei schon fast abgewählten FDP-Landesministern den Stab über 11.000 Frauen gebrochen."

Ähnliche Kritik kam von den Grünen . Parteichef Cem Özdemir sagte, es passe "offenbar nicht in das neoliberale Weltbild der FDP, zwischen einem Unternehmen und den dort beschäftigten Menschen zu unterscheiden".

Noch schärfer ging die Linkspartei die Freidemokraten an. Linkenchefin Gesine Lötzsch sagte, die FDP sei "die Partei der sozialen Kälte", die "im marktradikalen Ideologiegefängnis gefangen" sei.

Aber auch Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) attackierte den Koalitionspartner: "Das sind wohl mehr politische statt fachlich nachprüfbare Motive."

Rösler kritisiert Krisenmanagement der SPD

Rösler wies die Vorwürfe zurück. Es sei nicht Aufgabe des Staates, für Transfergesellschaften zu sorgen. Zudem warf er der baden-württembergischen Landesregierung vor, beim Krisenmanagement im Fall Schlecker versagt zu haben. Mit der von ihr geplanten, aber nun gescheiterten Auffanggesellschaft habe sie hohe Erwartungen bei den 11.000 Beschäftigten geweckt, sagte Rösler. "Diese Erwartungen wurden jetzt jäh enttäuscht." Das sei schäbig.

Die Mitarbeiter hätten viel Zeit verloren. Es seit jetzt Aufgabe der Bundesagentur für Arbeit, eine Verwendung für die Betroffenen zu finden. "Die Arbeitsmarktsituation ist gut. Das sagt die Bundesagentur für Arbeit, aber auch der Einzelhandelsverband", sagte der FDP-Vorsitzende.

Brüderle weist Kritik zurück

Auch Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) verteidigte sein Nein. Es sei mit einer Vermittlungsquote von 80 Prozent in den kommenden sechs Monaten zu rechnen, sagte er MDR Info. Der sächsische FDP-Fraktionschef Holger Zastrow warf Schlecker "hausgemachte Probleme durch Missmanagement" vor.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat die Kritik an seiner Partei zurückgewiesen. "Der Staat darf in einer Sozialen Marktwirtschaft den Wettbewerb nicht aushebeln. Er ist nicht der bessere Unternehmer", sagte er der Leipziger Volkszeitung .

Nach tagelangen Verhandlungen war der Plan für eine Schlecker-Transfergesellschaft am Widerstand der FDP gescheitert . Drei Länder mit FDP-Wirtschaftsministerium – Sachsen, Niedersachsen und Bayern – waren nicht bereit, sich an einer Kreditbürgschaft zu beteiligen. Unmittelbar nach dem Scheitern sprach der Insolvenzverwalter von Schlecker 11.000 Mitarbeitern die Kündigung aus .