Aufbau Ost : Städte im Ruhrgebiet fordern Ende des Solidarpaktes

Angesichts der hohen Verschuldung stellen mehrere Oberbürgermeister des Ruhrgebiets den Solidarpakt infrage. Der Angleich des Ostens an den Westen sei erreicht.

Die Städte des Ruhrgebiets wollen nicht mehr länger für den Osten zahlen. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge halten die Oberbürgermeister Nordrhein-Westfalens die Ziele des Solidarpakts II für erreicht. "Der Solidarpakt Ost ist ein perverses System, das keinerlei inhaltliche Rechtfertigung mehr hat", sagte Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau dem Blatt. Es sei nicht mehr zu vermitteln, dass die armen Städte des Ruhrgebietes sich hoch verschulden müssten, um ihren Anteil am Solidarpakt aufzubringen. 

Ostdeutsche Länder haben von 2005 bis 2019 156 Milliarden Euro durch den Solidarpakt II erhalten. Bund, Länder und Kommunen müssen unabhängig von ihrer eigenen Finanzsituation dafür bezahlen. Etwas mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung haben lediglich 8 von 400 Kommunen in Nordrhein-Westfalen einen ausgeglichenen Haushalt. "Der Osten ist mittlerweile so gut aufgestellt, dass die dort doch gar nicht mehr wissen wohin mit dem Geld. Und bei uns im Ruhrgebiet brennt der Baum", sagte Dortmunds Oberbürgermeister Sierau.

Allein die Stadt Essen ist mit 2,1 Milliarden Euro verschuldet. Ein Drittel dieser Schulden seien durch den Solidarpakt verursacht, schreibt die Süddeutsche Zeitung . Duisburg musste dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren Kredite im Wert von einer halben Milliarde Euro aufnehmen, um die Finanzhilfen für den Osten zu bezahlen. In Oberhausen, der am höchsten verschuldeten Stadt Deutschlands, sind es 270 Millionen Euro. "Es muss Schluss sein mit der Verteilung nach Himmelsrichtung", sagte Oberhausens Oberbürgermeister Klaus Wehling.

Mitten im Landtagswahlkampf in NRW wollen die Oberbürgermeister der Städte für ein Ende der Zahlungen plädieren. Die neue Landesregierung müsse eine Bundesratsinitiative zur Abschaffung des Solidarpakts starten, forderte der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski. "Wir können nicht bis 2019 warten."

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

172 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

DDR - Der Dumme Rest

Ich kann Ihnen sagen, woher die anderen Zwei Drittel der Schulden kommen: ein Drittel kommt direkt von Bund und Ländern, die zu Lasten der Kommunen ihre Haushalte "schönen" - sprich: Lasten nach unten verteilen, damit das potemkinsche Dorf der "Schuldenbremsen" greift. Und das letzte Drittel kommt aus einer völlig verfehlten Strukturpolitik - und die wurde in Brüssel und in Bonn/Berlin veranstaltet und ist auch dort zu verantworten. Es ist ein Irrglaube, zu meinen, man könne eine Region, die über 100 Jahre ausschließlich von Kohle und Stahl gelebt hat, von heute auf morgen par ordere de mufti in eine Dienstleistungsregion "umbauen".

Diesem Irrglauben ist man jedoch bei der EU und bei der Bundesregierung aufgesessen. Die Kommunen an Rhein und Ruhr wurden bei den Beschlüssen hinsichtlich Kohle und Stahl nicht gefragt, erst recht durften sie nicht mitentscheiden.

Die heruntergekommenen Städte an Rhein und Ruhr haben heute ein gravierendes Imageproblem - sie sind heruntergekommen, haben massive Kriminalitätsprobleme und leiden unter starkten sozialen Spannungen. In solchen Städten investiert niemand mehr. Dort, wie auch im platten Land Mecklenburg-Vorpommerns, Sachsen-Anhalts oder Brandenburgs gilt: zurück bleibt DDR - Der Dumme Rest.

Wenn ich das nächste mal in den Osten fahre,

dann gucke ich mal, beim letzten Mal war davon noch nicht viel zu sehen. Und ich bin öfter dort.
Ja, es gibt schön gestaltete Innenstädte, die sehe ich im Westen, wie im Osten. Im Osten waren sie vorher am Zusammenfallen, das wäre auch nicht toll gewesen. Wenn ich sehe, dass sich verschuldete Städtchen im Westen millionenteure öffentliche Edelklos bauen lassen, dann ist das Ganze wohl kein Problem der Himmelsrichtungen.

Ich habe im OSTEN noch nie irgendwo goldene Wasserhähne

gesehen. Ich habe aber Vermutungen wo welche sein könnten: bei Privatiers, sogenannten Unternehmern oder Politiker der ersten Stunde (also Wessis, die im Osten seit 1990 ihr Heil suchten und suchen; .zB. Hr.Biedenkopf und sein Netzwerk) bzw. schnell angepaßte Ossis (z.B. Herr Tillich in Sachsen)! Der werktätige Ossi (sofern er denn eine Arbeit fand) kann über Ihre Behauptung nur müde lächeln ... Wir können aber auch die mittelalterliche Kleinstaaterei wieder einführen. Vielleicht wird es dann in Dtl. wieder gerechter. Kleine (und gefühlt große) Könige haben wir ja inzwischen wieder genug. Die Menschheit entwickelt sich (trotz Aufklärung). TOLL !

Polemik, Polemik, Recht?

Also, das wir Ossis nen Computer haben und lesen können, tatsächlich auch mal durch Zufall "Zeit-Online" lesen dürfte Ihnen ja klar gewesen sein, als sie diesen leicht retardierten und provokanten Kommentar verfassten. Ich erlebte auf einer (selbstbezahlen) Reise nach Neuseeland als Jugendlicher etwas erstaunliches als ich "Deutsche" traf: Man erkannte einen Wessi einfach daran, dass er einen gigantischen Wirbel um seine Herkunft machte und sich in den buntesten Faben des gesamten Spektrums an verfügbaren Klischees über Ossis ergoss. Ich war damals verwirrt, erklärte man mir doch als Kind ich sei ein Deutscher wie jeder Andere auch (geboren: Rostock, DDR (ja, da leben nicht nur Nazis liebe Mitbürger)).

Ich Irrte, musste ich mir die klügsten und neusten Wahrheiten über meine Heimat gefallen lassen. Ich fragte dann irgendwann oft demütig und höflich (Die Kindererziehnung der DDR war grauenvoll, man lernte Dinge wie Respekt, Disziplin und Demut... völlig Überflüssig und vor allem masochistische Werte in der heutigen Welt, wie ich meinen kann) ob sie denn Waren an der Müritz kennen? Natürlich kennt man sowas nicht, is ja Osten. Ich wüsste ja auch nicht wo der Schwarzwald liegt...

Es kam wie es kommen musste, der Soli. Die Köpfe der Jungs und Mädchen wurden rot; Ereiferung und wildes Geschnatter jeder Couleur ergoss sich über unsere Köpfe. Mein vorsichtiger Finger stieg empor zur Meldung eines Kommentars, ich erhielt die Chance und sprach: "Den zahlen wir auch."

demütige Grüße

Recht haben sie

die Ossis sollten erwachsen werden.

1. Alle Wessi (meist verbeamtet) in den ostdt. Ämtern (dürften bei 60+%) liegen wieder in den Westen zurücksenden.
2. Auftragsvergabe nur noch an Firmen mit Hauptsitz im Umkreis von 100 km, ist hier in Canada Gang und Gäbe.
3. Weiterbildung der westdt. Finanzbeamten, um diese auf den Stand der Ostdt. zu bringen. Aussage eines bayrischen Unternehmers, würde im Osten nie eine Firma gründen. Die Angestellten in den ostdt. Finanzämtern sind nicht flexibel genug. Heißt die reißen ihm den Arsch auf.

@Thema
Das Problem ist nicht der Soli sondern die Versorgungsmentalität im Westen. Denn ein Großteil der Haushalte wird durch Lohn- udnd Pensionskosten aufgefressen. Denn der ÖD hat sich von der realen Wirtschaft schon längst abgekoppelt. Und besonders die Pensionsbelastungen werden expot. steigen und das wissen auch die Kämmerer.
Hinzukommt die Speziwirtschaft und die Korruption, die den Städten und Gemeinden massive Einnahmeverluste bescheren.

Auch die Inkompetenz der ÖD Angestellten spielt eine Rolle, das fängt bei grundlegenden Defiziten in BWL an und endet dann bei s.g. Cross-Border-Leasing Geschäften, die die OB der westdt. Städte so gerne abgeschlossen und dabei nicht mal den Vertragstext verstanden haben.

Da waren ostdt. Städte mit ostdt. OB cleverer, die behielten ihre städtische Infrastruktur und können mit den Einnahmen (z.B. Stadtwerke) andere Felder ausgleichen.

Ich gebe Ihnen recht

Wenn ich Schwaben treffen will, dann gehe ich 100 Meter zur Schönhauser Allee. Sprich; ich verstehe den Satz. :D Aber das ist ein anderes Thema. Ja für mich war es unbegreiflich, dass man mich für einen Schmarotzer und für einfältig hielt, "nur" weil ich ein Ossi bin. Fragen sie mal einen jungen Ossi, wie der eine Wessi-Bub in der Klasse behandelt wird. Fragen Sie dasselbe im Westen über den einzigen Ossi-Bub im Klassenzimmer. Wenn die Antwort klar ist sollte man vllt nochmal ca. 20 andere Themen auf die Medien-Agenda nehmen, als so ein "spaltendes" Thema wie den Soli. Zeit Online ist eigentlich ein solides "Blatt". Ein Medieninstrument dem ich etwas mehr gesellschaftliche Verantwortung zutraue als so einen Artikel (der inhaltlich kaum anzufechten ist). Ich würde nur gerne mal das gleiche Thema von der anderen Seite beleuchtet sehen. Ein paar Stichworte dazu:
- Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur
- Kommunaler Finanzausgleich (z.B. Unterschied: Müritzkreis - Kreis Demmin (okay, die sind ja jetzt Einer - Bezug vor 2011))
- Solidaritätszuschlag (Bitte bei Wikipedia mindestens den ersten Satz lesen und nochmal nachdenken wer eigentlich der BUND ist)

Das Wissen über diese drei Stichworte und ein bisschen Gehirnschmalz würden ca 30% der Kommentare zu diesem Artikel verstummen, oder zumindest anders aussehen lassen. Das war viel zu lesen, daher schließe ich mich Hickey an und erwarte Taten (drei Artikel bei Wikipedia lesen und etwas weiterbilden ist auch eine Tat ;) )

Wer sagt denn das diese Artikel

recht haben? Lassen sie sich nicht von punktuellen Ausnahmen wie Dresden und Jena täuschen. Schauen sie doch mal wo die Unternehmen ihre Steuern zahlen. Das ist doch das große Problem, das der Osten weitgehend deindustralsiert wurde nach der Wende, das wächst nur sehr langsam.
Was man machen sollte ist nicht mehr nach OSt und west zu fördern sondern nach Bedarf, aber da werden sie sehen das trotzdem der größere Teil in den Osten geht.

Vielleicht ...

kann der Osten auch selber was dafür, dass er massive Abwanderungsprobleme hat, während einige Städte im Westen Probleme haben, den wegen Zuwanderung notwendigen Ausbau zu finanzieren.
Und - wer die Ansiedelung größerer Unternehmen möchte, muss erst mal dafür sorgen, dass sich die ausländischen Arbeitnehmer, die diese Unternehmen üblicherweise haben, dort auch wohl fühlen.

Situation ist schon vergleichbar

Leider ist es im Ruhrgebiet ganz ähnlich. Es wandern immer mehr Menschen aus, zumindest die gut qulifizierten. Genau wie im Osten. Auch im Ruhrpott gibt es immer mehr Rechtsradikale. Ein Phänomen das in solchen wirtschaftlichen Situationen "normal" ist. Der Unterschied besteht vorwiegend darin, dass das Ruhrgebiet einer der größten Ballungsgebiete Europas ist und Ostdeutschland vorwiegend ländlich geprägt. Im Ruhrgebiet würden daher viele Strukturmaßnahmen viel mehr Sinn ergeben. In ländlichen Gebieten haben sie selbst im hochgelobten Bayern Schwierigkeiten einen Job zu bekommen.

Zeit, das Ruhrgebiet gesundzuschrumpfen?

Vielleicht zeigt sich jetzt einfach, daß das Ruhrgebiet eine unnatürliche Zusammenballung von Menschen darstellt, die nur durch den Steinkohleabbau im 19. / 20. Jahrhundert gerechtfertigt war.
Nun, da die Kohle „alle“ ist bzw. sich der Abbau nicht mehr lohnt (man kann ja auch mal was für die kommenden Generationen übrig lassen...), ist es eigentlich nicht mehr gerechtfertigt, warum ausgerechnet da so viele Menschen leben. Warum müssen sich in NRW 16 Millionen Menschen auf die Pelle rücken? Noch dazu, daß dies noch nicht einmal ein Landstrich ist, der sich durch Schönheit, Meeresnähe oder sonstige „Spektakularität“ auszeichnet wie New York, die Randstad, Rio de Janeiro, Barcelona, Paris, London oder Istanbul.
[...]

Aber im Osten Deutschlands gibt es Städte wie Rostock, Wismar, Greifswald, Stralsund, die haben Sonne, Strand und Meer zu bieten, dazu noch schöne Altstädte, also Potential für Lebensqualität. Aber leider gibt es dort keine Arbeit, dafür viele Rentner, Billiglöhner und Transferleistungsempfänger.

Warum nicht mal die schöneren Seiten der Republik fördern, um die Ansiedlung von Unternehmen in MeckPomm zu fördern? In Dänemark, einem ländlichen Gebiet, geht es ja auch... Andernfalls darf man sich nicht wundern, wenn Deutschland sich selbst als freudloses, tristes Land empfindet, von wo aus man immer ins Ausland verreisen muß, um sich zu erholen.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

Abfällige Äußerung und unterschiedliche Maßstäbe

"Gut, es gibt eine Art Regionalkultur, die sich grob mit Fußball und Fäkalsprache umreißen läßt…

Aber im Osten Deutschlands gibt es Städte wie Rostock, Wismar, Greifswald, Stralsund, die haben Sonne, Strand und Meer zu bieten, dazu noch schöne Altstädte, also Potential für Lebensqualität. Aber leider gibt es dort keine Arbeit, dafür viele Rentner, Billiglöhner und Transferleistungsempfänger."

Wenn sich jemand hier in diesem Forum, dermaßen abfällig, statt über das Ruhrgebiet, sich über den Osten äußern würde, würde der Kommentar ganz sicher sofort gelöscht.

Und vielleicht sollten Sie sich die Frage stellen, warum "...gibt es dort keine Arbeit, dafür viele Rentner, Billiglöhner und Transferleistungsempfänger...."

Offensichtlich wollen die Menschen lieber im runter gekommenen Ruhrgebiet leben, als im schönen, neu glänzend aufgebauten Osten.

Warum bloß nur? Kann das vielleicht mit der charmanten Art zu tun haben, die Sie hier so schön vorführen?

Bildung und Kultur

"Gut, es gibt eine Art Regionalkultur, die sich grob mit Fußball und Fäkalsprache umreißen läßt…"

Ich empfehle Ihnen einen Bildungsurlaub im Ruhrgebiet ;)

Es ging darum, die durch den Strukturwandel weggefallenen Arbeitsplätze anderweitig neu zu schaffen und die vorhandene Bevölkerung mit Arbeitsplätzen zu versehen.

Dazu ein paar eindeutige Zahlen :
1957 Beschäftigte im Bergbau und der Stahlindustrie 770 000
2007 Beschäftigte im Bergbau und der Stahlindustrie 97 000

Ich sehe es als große Leistung aller Beteiligten, dass trotzdem die Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet nur unwesentlich höher ist als im Bundesdurchschnitt !

Dass die Einnahmen der Städte und Gemeinden ebenso wie des Landes in den letzten Jahren immer mehr zum Bund verlagert wurden (z.B. KFZ- Steuer), den Städten dafür Bundesausgaben (Soli- Zahlungen) aufs Auge gedrückt wurden , hat dafür gesorgt, dass die Städte handlungsunfähig wurden.

Deshalb ist der Vorstoß der Ruhrgebietsbürgermeister zu begrüßen, löst aber nur einen Teil des Problems.

Bedarfsorientierte Förderung

Für die von Ihnen genannte bedarfsorientierte Förderung gibt es etliche Fonds der EU. Da braucht es nicht noch weitere nationale Umverteilungsprogramme, die immer auch Reibungsverluste und deshalb Steuergeldverschwendung mit sich bringen.

Die Forderung nach einem Ende des Solis hat auch nichts mit "Entsolidarisierung" zu tun, wie manche Kommentatoren anmerken, sondern einfach nur mit Anerkennung der veränderten Realität.

Der Soli gehört ersatzlos gestrichen.

Na, das kling ja sehr anziehend...

"wem unsere Mentalität und unsere Lebensart gefiel, der blieb und wurde schnell 'eingebürgert, und die anderen zogen freiwillig wieder weg."

Das gleiche könnte auch ein NPD-Ortsverein von sich behaupten... :-)

Aber mal im Ernst: Ich bevorzuge doch eher ein gewisses Mindestmaß von Toleranz und Laisser-faire. Erschreckend, wenn ein so dicht besiedeltes Land wie NRW eine derartige mentale Provinzialität pflegen würde!

Das kann man so pauschal nicht sagen...

OK, bitte meinen polemischen Schreibstil zu entschuldigen. Aber den Ruhrgebiets-Dialekt finde ich wirklich nicht so schön. Sächsisch ist wenigstens lustig :-)

"Offensichtlich wollen die Menschen lieber im runter gekommenen Ruhrgebiet leben, als im schönen, neu glänzend aufgebauten Osten"

Das kann man so pauschal nicht sagen...

Ost-Berlin und Leipzig sind selbst international ein Renner, was die Popularität angeht!
Probleme gibt es in manchen strukturschwachen Gegenden. In der dortigen Skinhead-Problematik sehe ich eher Parallelen zur organisierten Kriminalität in Süditalien. Auch dort liegt ein Teil der Ursachen in Armut und Ausgrenzung (hier durch arrogante Wessis, dort arrogante Norditaliener).

Im äußersten Nordosten ist dann noch der Sonderfall zu beobachten, daß Polen aus Stettin sich Wohneigentum jenseits der Grenze kauften und dann täglich pendeln...

Im Übrigen will ich eigentlich gar nicht Ost und West gegeneinander ausspielen; das Problem ist nicht der Soli, sondern die Verschuldung. Und die haben die Kommunen bei privaten Finanzinstituten! Ich plädiere daher für einen Schuldenschnitt für kommunale Haushalte. Dann sehen eben einige Banker ihr verliehenes Geld nicht wieder. Pech gehabt...

Skinheads = Mafia?!?

"In der dortigen Skinhead-Problematik sehe ich eher Parallelen zur organisierten Kriminalität in Süditalien. Auch dort liegt ein Teil der Ursachen in Armut und Ausgrenzung (hier durch arrogante Wessis, dort arrogante Norditaliener)."

Ich glaube da bringen Sie leider was durcheinander. Mafia ist das:
http://de.wikipedia.org/w...

Und das andere ist das:
http://de.wikipedia.orght...

Und das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Oder haben Sie schon mal gehört, dass die Mafia einen Weltkrieg angefangen oder einen Genozid vorgenommen hat?

Ich fürchte, sie unterschätzen das Gefahrenpotential:
http://www.zeit.de/2011/4...

Und hierzu:
"(hier durch arrogante Wessis, dort arrogante Norditaliener)"

sag ich mal lieber nichts.

Schon klar...

...aber:

"Es ging darum, die durch den Strukturwandel weggefallenen Arbeitsplätze anderweitig neu zu schaffen und die vorhandene Bevölkerung mit Arbeitsplätzen zu versehen."

Eben das meine ich: Warum muß man denn die Arbeitsplätze genau da schaffen, und nicht woanders, wo es vielleicht schöner ist? Dann müßten eben ein paar Ruhrgebietler nach Mecklenburg umziehen statt umgekehrt.

Ist ja erstmal nur so eine raumplanerische Grundsatzüberlegung; daß man politisch-pragmatisch (aus anderen guten Gründen) anders denkt, ist mir natürlich klar...

Das wird super schwierig...

Wir reden hier immer von Infrastruktur. Also, die Infrastruktur im Osten mag ja in Takt sein. Aber es ist nunmal so, dass die meisten Industriebetriebe in Bayern, BaWü und NRW ansässig sind. Und nun mal knapp überschlagen:
Rostock - München: ca. 800 km
Neubrandenburg - Stuttgart: ca. 760 km
Cottbus - Düsseldorf: ca. 650 km

Jeder, der industrielle Prozesse versteht, versteht auch, dass man Zuliefererfirmen gerne in der Nähe hat. Das steigert die Flexibilität und senkt die Transportkosten (wenngleich letztere ohnehin sehr niedrig sind).

Es mag aus unserer Sicht sinnvoll sein, in MeckPomm Industrie anzusiedeln. Aus unternehmerischer Sicht macht es keinen großen Sinn. Mit lediglich zwei Universitäten (Rostock und Greifswald) wirkt MeckPomm auch nicht gerade wie ein HighTech-Staat wie Bayern oder BaWü.

Aber gut. Diese festgefahrene Situation sollte uns eine Lehre sein - zu was so kleine Experimente mal führen können. Die Teilung wird noch lange lange bestehen bleiben und ich weiß nicht, ob ich mit meinen 30 Jahren noch erleben werde, dass Ost und West wirklich zusammengewachsen sind.

Da haben Sie natürlich Recht

Historisch betrachtet bitte ich jedoch zu bedenken, daß viele der Konzerne, die München und Stuttgart heute reich machen (z.B. Siemens oder AEG) ursprünglich Berliner Unternehmen sind, die es nur durch die deutsche Teilung nach Süddeutschland verschlagen hat.

Und Dänemark, Schweden, Finnland nagen ja wirtschaftlich auch nicht am Hungertuch, obwohl sie noch weiter von der Rheinschiene entfernt liegen.

Genau das meinte ich...

...mit den kleinen Experimenten :-)

Berlin könnte eigentlich ein Traum für jeden Unternehmer sein, wenn die Politik auch etwas industriefreundlicher wäre - bzw. die Bevölkerung Industrie nicht nur als Feind sehen würde. Jeder Unternehmer, der mal durch Berlin gefahren ist und an jeder zweiten Hauswand liest, dass sich Industrie blos verpi**en soll wird wohl eher in einen anderen Standort investieren.
Meines Wissens hatte sich BMW auch für das Werk in Leipzig entschieden, da man der Firma dort etwas mehr entgegen gekommen ist. Man kann da natürlich schimpfen, aber eine solche Milliardeninvestition tätigt eine Firma wie BMW auch nicth jeden Tag.
Bayern war bis in die späten 80er ein Agrarland - der Mauerbau fand 1961 statt.
Im Übrigen sollten wir nicht vergessen, dass die meisten Firmen in Deutschland Mittelständige Unternehmen sind. Dazu ein kurzer Auszug aus Wikipedia:
"Klein- und Mittelständische Unternehmen in Deutschland umfassen:
- rund 99.7% aller umsatzsteuerpflichtigen Unternhemen
- 65.8% aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen
- 37.5% aller Umsätze
- 83.0% aller Ausbildungsplätze"

Solche Firmen mit 200 bis 500 Mitarbeitern bauen nicht jeden Tag ein neues Werk. Wenn überhaupt, dann haben sie meist eine Zweigstelle. Und diese MÜSSEN sie ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien auswählen, denn entgegen der großen, von denen wir immer i.d. Zeitung lesen sind das keine Superbonzen, die in Milliarden schwimmen.

@ 65

Waren Sie vor 50 Jahren zuletzt im Ruhrgebiet?

[...]

Mittlerweiler haben Sie in NRW/Ruhrgebiet die dichteste Universitäts- Theater- und Museenlandschaft Deutschlands.
Und nein, nicht Kleinkunst oder Knopfmuseum.(Die allerdings auch)

Aber- hunderttausende weggebrochene Arbeitsplätz, zerstörte Landschaften, Malocher-Rentner ; das Alles verschwindet NICHT in 10 Jahren.

Ach ja, von der Kulturhauptstadt Essen/Ruhrgebiet haben Sie sicher noch nie gehört.

Gekürzt. Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen, wurde bereits moderiert. Die Redaktion/ls

“Mittlerweiler haben Sie in NRW/Ruhrgebiet die dichteste...

...Universitäts- Theater- und Museenlandschaft Deutschlands.”

So uninformiert bin ich nun auch nicht, daß ich das nicht wüßte, daß im Ruhrgebiet kulturell Einiges abgeht.

Aber dieses kulturelle Aufgebot besteht doch nicht, weil das Ruhrgebiet das Ruhrgebiet ist, sondern weil von außen viel Geld hineingepumpt wurde. Das verurteile ich ja auch nicht pauschal, zumal vorher das Ruhrgebiet Deutschland ja einigen Wohlstand beschert hatte und die Menschen nun einmal dort leben, wo sie leben.

Trotzdem bleibt die Grundsatzüberlegung, daß man theoretisch die Theater und Universitäten ja auch woanders hätte gründen und finanzieren können. Um wieder polemisch zu werden: Ist ja rührend und liebevoll, Bochum eine Uni zu schenken, aber wenn ich Student von außerhalb wäre, könnte ich mir eventuell auch vorstellen, in einer anderen Stadt meinen Studiengang zu belegen. Und ich weiß nicht, ob man ausländischen Gaststudenten einen positiven Eindruck von Deutschland mitgibt, wenn sie ihr Auslandssemester an einer Beton-Uni zwischen Flachland und Mittelgebirge verleben. Umgekehrt, wenn ich als deutscher Student nach Spanien ginge, würde ich auch Valencia attraktiver finden als – sagen wir – Ciudad Real.

Raumplanerisch könnte man ja auch Städte wie Hannover, Magdeburg, Kiel oder Rostock zu echten Großstädten aufbauen statt eine zersiedelte Agglomeration von Mittelstädten aufrecht zu erhalten.

Aber immerhin: Das Ruhrgebiet hat Helge Schneider hervorgebracht. Den möchte ich doch nicht missen :-)

@ 163

Unis und Kultur anderswo "gründen".

Haben Sie sich schon mal mir der Geschichte der "Reviers beschäftigt?

Es wurden bewußt NIE Bildungsstätten im Revier gebaut - bis zur "Bildung für Jedermann" der SPD unter Brandt.
Die "Ruhris" sollten malochen und "Fresse" halten.( - Da will man scheints wieder hin -bzw. - wir schaffen die Menschen dort ab.)
Außer einige Lehrstühle für Ing.-Wissenschaften im Montanbereich und Pädagogische Leherausbildung gab es hier null und gar nichts.
Das Ruhrgebiet besteht aus 3 Regierungsbezirken damit es um Gottes Willen nicht seine eigenen Interessen vertreten konnte/kann. Und glauben Sie mir, diese 3 Bezirks"regierungen" legen keinen gesteigerten Wert auf den Regierungsbezirk Ruhrrevier. (Heute vielleicht schon -Problemregionen mag keiner)
Daher hat das "Revier" auch nie gehandelt -es wurde "behandelt".
Und natürlich gibt es auch "hausgemachte" Fehler - in anderen Regionen Deutschlannds nicht?
Aber an denen wird deutlich weniger Kritik, teilweise in übelster Form geübt - warum eigemtlich?

Einfach vor Kritik ein bißchen informieren - empfehle ich hier einigen Kommentatoren.

Von mir aus...

Ich wohne am Rand Berlins, in Brandenburg. Soweit ich weiß, hat meine Kommune keine Haushaltsprobleme, stattdessen ist hier einiges gebaut worden, was ich im Westen so noch nicht gesehen habe.
In der Uckermark oder in Sachsen-Anhalt mag das anders sein, aber so marode wie manche an machen Orten im Ruhrpott, und nicht nur da, sieht es im Osten nirgends mehr aus.
Ich würde den armen Menschen im Ruhrgebiet gerne etwas abgeben, Solidarität ist ja keine Einbahnstraße. Nur sollten die dann auch lernen damit zu wirtschaften und nicht aus NRW eine Art Binnengriechenland machen - und danach sieht's jetzt irgendwie aus...

Ich kenne da durchaus noch solche Gegenden im Osten

"aber so marode wie manche an machen Orten im Ruhrpott, und nicht nur da, sieht es im Osten nirgends mehr aus."

Dazu kommt, dass es in den entsprechenden Gegenden im Osten tatsächlich keine Arbeitsmöglichkeiten gibt, und die Infrastruktur auch keine erhoffen lässt, im Gegensatz zum Ruhrgebiet, was gut erschlossen ist und im etwas weiteren Umkreis viele Möglichkeiten bietet.
Das Ruhrgebiet ist im Moment schlecht dran, keine Frage, aber wenn Firmen investieren, dann bestimmt nicht in den Flächen von Meck-Pom, Sachsen Anhalt oder Brandenburg, die gehen vorher nach NRW.

So ein bisschen Ironie..

war in meinem Posting schon auch dabei. Allerdings vergleichen Sie nun wieder Äpfel mit Birnen. Natürlich hat das Ruhrgebiet eine ordentliche Infrastruktur - das Problem ist, dass dort mehr Menschen vom "Verfall" betroffen sind als eben in der Uckermark oder im Binnen-MeckPomm. Die "maroden" Flächen sind im Osten größer, aber allein im Ruhrgebiet leben mehr Leute als in der ganzen Fläche den Ostens, wenn man mal die Ballungsräume abzieht.
Zum erfolgreichen Wirtschaften gehört aber leider (und das ist auch eine Lehre des Aufbau Ost) nicht nur gute Strukturen, sondern auch eine Bevölkerung, die nicht bildungsfern ist und bestrebt ist, sich vom Staat zu emanzipieren - da ist das Ruhrgebiet eher mit den fiesen Gegenden von Berlin zu vergleichen - und da liegt der Hase im Gewürz - Sie bekommen kein Hightech in einen Pott voller Hilfsarbeiter, die womöglich nicht einmal die Sprache richtig beherrschen.
Ernsthaft würde ich den Damen und Herren Bürgermeistern des Ruhrgebiets zunächst empfehlen, das Münsterland zu plündern bevor sie ernsthaft den Osten beneiden.

Die Hilfsarbeiter im Pott

kommen doch großteils aus dem Osten. (Weils im Osten einfach nix oder zu wenig gibt)

Ich will hier niemanden angreifen, nur zu Klarstellung.

Aber wenn ich mich an meine vergangen Hilfsjobs in meiner Jugend erinnere, kommt mir ins Gedächtnis, das ich hier in München mit 13 Dresdnern und 2 Münchner hier am Flughafen gearbeitet habe.

Berlin ist ein Loch, hohe Arbeitslosigkeit, die Stadt ist pleite und Künstler mögen ja ganz nett sein, aber finanziell ist da nicht viel zu holen.

Wie schon Vorposter schrieben, man kann nicht den Osten, aber auch nicht den Westen über einen Kamm scheren.

Das alles sind ganz individuelle Entscheidung, was Kommunen im Osten sowie im Westen betrifft.

Re: ? ? ? Redaktion

> Nicht der "Soli" ist das große schwarze Loch, sondern die
> Verschuldung und deren galoppierende Verzinsung!

Das ist die Wahlkampftaktik für CDU-Freunde, zuerst über verschwendete Haushalte zu debattieren und danach die Schuldenbremse einführen zu wollen.

Und die verhassten Linken kommen mit der Ost-West-Spaltung in NRW ebenso schlecht weg.

[...]

Gekürzt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak