Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan erhält nun doch nicht den Steiger Award. Der Veranstalter verwies zur Begründung auf die kurzfristige Absage seines Besuchs der Bochumer Preisverleihung. Erdoğan hatte dies mit dem Absturz eines türkischen Militärhubschraubers in Afghanistan begründet.

Erdoğan sollte den Preis für Menschlichkeit und Toleranz in der Kategorie Europa stellvertretend für das türkische Volk erhalten. Die Laudatio sollte Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) halten . Der ebenfalls für einen der Preise vorgesehene Musiker Lou Reed hatte zuvor auch abgesagt – aus gesundheitlichen Problemen. Die Kategorie wurde deshalb komplett aus dem Programm für die diesjährige Preisvergabe gestrichen.

In der Kategorie Toleranz ging die Auszeichnung an den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler . Königin Silvia von Schweden wurde in der Kategorie Charity für ihr soziales Engagement ausgezeichnet. Geehrt wurden auch der Designer Wolfgang Joop , der Journalist Peter Kloeppel , die Musiker Steven Sloane und Tim Bendzko sowie die Schauspieler Hannes Jaenicke und Christine Neubauer . Der nicht dotierte Preis ist nach der traditionellen Aufsichtsperson im Bergbau, dem Steiger, benannt.

Proteste gegen Auszeichnung für Erdoğan

Am Samstagnachmittag hatten in Bochum Zehntausende Menschen gegen Erdoğan und seine Politik demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich etwa 22.000 Menschen an einem Protestmarsch, zu dem eine alevitische Organisation aufgerufen hatte. In der Innenstadt demonstrierten zudem kleinere Gruppen von Kurden und Armeniern.

"Wir fühlen uns nicht von Erdoğan repräsentiert. Er ist ein lupenreiner Antidemokrat, der keinen Preis für Humanismus und Geradlinigkeit bekommen darf", sagte der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde, Ali Dogan. Die Begründung für die Absage Erdoğans sei für ihn eine "Schutzbehauptung".

Kritik kam auch vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV). Erdoğan trage "die politische Verantwortung für permanente Verstöße gegen die Pressefreiheit in der Türkei , für Repressalien gegen regierungskritische Journalisten und für willkürliche Verhaftungen von Berichterstattern", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken . Eine Ehrung Erdoğans komme einer Missachtung des Grundrechts der Meinungsfreiheit gleich.