OB-WahlSchizophrener Wahlkampf in Frankfurt

Der CDU-Kandidat spielt eine Doppelrolle, die Grünen-Kandidatin widerspricht sich selbst, mittendrin die schwarz-grüne Koalition: Frankfurt wählt einen neuen OB.

"Mama, ist der Mann tot?" Manche der schwarzweißen Wahlplakate des CDU-Kandidaten Boris Rhein übertreiben es offenbar mit der seriösen Gestaltung. "Frankfurt muss man können, nicht nur wollen", so wirbt der Frankfurter Bub staatstragend dafür, dass ihn die anderen Frankfurter am Sonntag in den Römer wählen, das Rathaus der Stadt. Nach den jüngsten Umfragen wollen das 30 Prozent tun.

Rheins Hauptkonkurrent, Peter Feldmann von der SPD, steht auf seinen Plakaten neben einem halb aufgebauten Regal, das schwer nach Ikea aussieht und bezahlbaren Wohnraum symbolisieren soll. Dass er einen Schraubenzieher in der Hand hält statt den nötigen Sechskantschlüssel, hat ihm nicht geschadet: Feldmann hat den Abstand zum hoch favorisierten Rhein verringert und bekommt immerhin 22,3 Prozent.

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Rosemarie Heilig von den Grünen schafft es mit öden Plakaten und schwachem Wahlkampf nicht, ihr Potenzial zu erschließen; sie liegt bei 10,9 Prozent. Abgeschlagen sind die Kandidaten von Linken, Piraten, Flughafen-Ausbau-Gegnern und Titanic-Partei sowie drei Parteilose. 18 Prozent der Wähler hatten sich gut eine Woche vor dem Wahltermin noch nicht entschieden.

Petra Roth (CDU), seit 17 Jahren Oberbürgermeisterin, hat alles getan, um Rhein den Weg in den Römer zu ebnen: Im Herbst verkündete sie ihren vorzeitigen Rückzug im Juli und präsentierte den 40-jährigen hessischen Innenminister als Nachfolger. Die anderen Fraktionen waren überrumpelt. Die Grünen hatten gerade eine potenzielle Kandidatin verloren: Der Abschied von Umweltdezernentin Manuela Rottmann aus der Politik gab den Anlass für Roths Schachzug.

Kaum jemand kennt die Grünen-Kandidatin

Grünen-Verlegenheitskandidatin Heilig ist in der Stadt kaum jemandem ein Begriff. Das sollte wohl ein Vorteil sein, weil sie sich nicht an den Kompromissen der in Frankfurt mit der CDU regierenden Grünen die Finger schmutzig gemacht hat. Sie versucht verzweifelt, sich etwa mit der Forderung nach einer höheren Gewerbesteuer von der Koalitionslinie abzusetzen. Die SPD hetzte zwei potenzielle Kandidaten in einen internen Vorwahlkampf, den Feldmann als der innerparteilich besser Vernetzte gewann.

Da war der CDU-Kandidat Rhein schon längst in den Wahlkampf eingestiegen; Termine des Innenministers in Frankfurt begannen sich zu häufen. Vergeblich versuchen seine Gegner, ihn als Rechten darzustellen, der ein schlechter Nachfolger für die weit über die Parteigrenzen beliebte Roth wäre. Der Noch-Minister macht zwar in Fragen der inneren Sicherheit gern einen auf harter Hund und übersieht dabei manchmal rechtsstaatliche Grenzen, wenn er etwa ankündigt, er wolle gewalttätige Fußballfans bei ihren Arbeitgebern verpfeifen.

Sonst aber ist er gemessen am Standard der notorisch konservativen Hessen-CDU ein Liberaler: Er freut sich, dass seine Frau arbeiten geht, will "Menschen nicht in ihre Lebensführung reinreden, ihnen nicht vorschreiben, wie ihre sexuelle Orientierung zu sein hat", und streitet für ein Aufenthaltsrecht bisher nur geduldeter Ausländer. Rheins sanfte Seite sollen viele seiner Plakatmotive betonen: "Ich dachte erst, das wäre Reklame für ein neues Herrenparfüm", kommentiert ein Frankfurter.

Leserkommentare
  1. Frankfurts dominierendes Bildungsproblem sind immer noch dreckige Schul-Toiletten. Das Problem ist offenbar nicht in den Griff zu kriegen.

    Da versenkt man lieber Millionen in ambitionösen Kultur-Projekten. Macht anscheinend mehr Spaß.

    Nach meinem Eindruck ist der Standpunkt in Sachen Fluglärm das einzige Ziel, in dem sich die Kandidaten unterscheiden. Insofern könnte das vielleicht doch noch zu Buche schlagen.

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  2. Pirat oder Titanic?

    Aber es wird wohl der Pirat Herbert Förster werden, Oliver Maria Schmitt von der Titanic ist zu sehr verwechselbar mit den anderen Kandidaten.

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    Ich dachte, das Plakat sei ein Witz...

    Ich dachte, das Plakat sei ein Witz...

  3. Ich dachte, das Plakat sei ein Witz...

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  4. Bei einer Schizophrenie handelt es sich um eine ernste psychische Erkrankung, die auch heutzutage noch mit einem großen Stigma behaftet ist. Die unpassende umgangssprachliche Verwendung des Begriffs "schizophren" von Seiten der Medien im Sinne von "widersprüchlich, absurd" tragen zur Erhaltung festgefahrener falscher Ansichten/Vorurteile über die Krankheit bei und haben meiner Meinung nach bei ZEITonline eigentlich nichts zu suchen.

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    • myamar
    • 10.03.2012 um 22:36 Uhr

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine neutrale Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

    ...habe ich mir auch gedacht. Soviel zum Thema Qualitätsmedium. Aber der Mensch braucht eben seine Schemata.

    • myamar
    • 10.03.2012 um 22:36 Uhr

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine neutrale Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

    ...habe ich mir auch gedacht. Soviel zum Thema Qualitätsmedium. Aber der Mensch braucht eben seine Schemata.

    • myamar
    • 10.03.2012 um 22:36 Uhr

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine neutrale Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

    • tbw
    • 11.03.2012 um 0:41 Uhr

    Es ist mir in dem Artikel auffallend viel von den in Frankfurter derzeit kaum zu übersehenden Wahlplakaten die Rede.

    Der dadurch entstehende Eindruck, dass der Autor des Artikels möglicherweise ebenso wenig fundiertes Hintergrundwissen über die Frankfurter Kommunalpolitik wie die meisten Frankfurter Bürger haben könnte, wird leider noch dadurch verstärkt, dass Peter Feldmanns Sieg innerhalb der SPD vom Autor vorrangig damit erklärt wird, dass Feldmann innerhalb der Frankfurter SPD besser vernetzt sei.

    Das entspricht aber nicht dem, was die beiden großen Frankfurter Zeitungen (FAZ und Frankfurter Rundschau) in ihrem jeweiligen Lokalteil berichtet hatten. Dort hieß es nämlich, dass die beiden innerparteilichen Bewerber um die OB-Kandidatur in vielen gut besuchten parteiinternen Diskussionsveranstaltungen gegeneinander angetreten seien - und dass Peter Feldmann dabei auf das Gros der SPD-Mitglieder überzeugender gewirkt habe.

    Seltsam finde ich auch, welche Argumente vom Autor bemüht werden, um Boris Rhein als einen Liberalen porträtieren zu können. Mit denselben Argumenten ließe sich ja sogar Erich Honecker als Liberaler porträtieren, denn ebenso wie der CDU-Mann Boris Rhein, wird sich wohl auch Herr Honecker darüber gefreut haben, "dass seine Frau arbeiten geht", und nachweislich wollte Herr Honecker den Menschen ebenfalls "nicht vorschreiben, wie ihre sexuelle Orientierung zu sein hat". Reicht das schon, um bei der ZEIT als Liberaler zu gelten?

  5. Stimmt. Also die Wahl des SPD-Kandidaten über Wahlveranstaltungen in den verschiedenen Bezirken nach ausführlicher Vorstellung, der Gelegenheit, Fragen zu stellen und langen Diskussionen. Rhein wurde als Kandidat ausgekungelt und ernannt.

    Dass Herr Rhein ein Liberaler sein soll, überrascht mich auch erheblich.

    • Sidiki
    • 11.03.2012 um 11:00 Uhr

    Das Wahlplakat von Fr Rosemarie Heilig ist ja nicht so extrem hässlich und ich bin nun keine Frau mit einem platten oder oberflächlichen Humor.
    Wenn ich aber lese:
    Frauen für Frankfurt. Und OB!
    Also da bekomm ich Gänsehaut. Das hätte man nun wirklich gescheiter formulieren sollen. Ich denke dabei nicht an Oberbürgermeister.
    Grässlich. Aber "O.B." wirds wohl gefallen ;)

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