Gelöbnis der Bundeswehr am Reichstag (Archivbild)

Wenn Karsten Hein mit dem Info-Truck der Bundeswehr auf Dortmunder Marktplätzen steht, hat er ein paar überzeugende Argumente dabei. Einen sicheren Arbeitsplatz, kostenloses Wohnen und nicht zuletzt: Geld. Bis zu 1.150 Euro kann der Bundeswehr-Berater potenziellen Wehrdienstleistenden bieten. Steuerfrei.

Bald aber wird Hein wohl neue Argumente brauchen. Das Bundesfinanzministerium legte am Mittwoch einen Entwurf vor, nach dem künftig auch der Sold von Wehrdienstleistenden steuerpflichtig ist. Nach ersten Berechnungen bleiben den freiwilligen Soldaten dadurch 65 Euro weniger im Monat. "Das wird es für uns natürlich nicht einfacher machen", sagt Hein.

Die Aufregung über die Pläne des Finanzministeriums ist seither groß in der Truppe. Verteidigungsministerium , Bundeswehrverband und Soldatenverbände äußerten sich, obwohl es um vergleichsweise wenig Geld geht. Dass die Bundeswehr derart allergisch auf die Steuerpläne reagiert, zeigt, wie angespannt die Situation beim eilig aus dem Boden gestampften Freiwilligenwehrdienst ist. Nach holprigem Start wurden die Bewerberzahlen zuletzt besser . Seit Juli 2011 hat die Truppe 8.000 neue Wehrdienstleistende gewinnen können. Knapp über 20.000 Freiwillige dienen momentan laut Bundesverteidigungsministerium insgesamt bei der Bundeswehr. Auch Berater Karsten Hein berichtet von einem steigenden Interesse bei den Jugendlichen.

Das zarte Pflänzchen des Erfolges will sich die Bundeswehr durch das Finanzministerium nicht kaputt machen lassen – und bekämpft daher auch Minimalbelastungen wie die 65-Euro-Steuer vehement. "Wir erwarten vom Verteidigungsministerium, dass es die Besteuerung des Wehrdienstsolds verhindert", fordert Bundeswehrverbandssprecher Jan Meyer und beklagt das falsche Signal, das die Politik an die Bundeswehr sende.

Abwehrstrategien gegen die Steuer

Durch das Ende der Wehrpflicht und den Streit um Standortschließungen hat die Truppe zuletzt viel durchmachen müssen. Auch der freiwillige Wehrdienst ist bisher keine reine Erfolgsgeschichte. Im Dezember wurde bekannt, dass mehr als ein Viertel der Wehrdienstleistenden den Dienst noch im ersten halben Jahr wieder quittiert .

Im Verteidigungsministerium werden daher bereits Abwehrstrategien gegen die Steuerpläne diskutiert. Eine Möglichkeit wäre, den Sold für die Wehrdienstleistenden zu erhöhen, um die Steuerbelastung auszugleichen. "Das wäre im Endeffekt aber nur eine Umverteilung von der linken in die rechte Tasche", sagt Bundeswehrverbandsprecher Meyer. Besser sei es, die Steuerpläne komplett zu begraben.

Steuerexperten halten die Besteuerung von Wehrdienstleistenden zwar grundsätzlich für gerechtfertigt, sehen aber auch Raum für Sonderregelungen. "Es ließen sich durchaus Gründe für eine Ausnahmeregelung finden", sagt Joachim Englisch , Steuerrechts-Professor an der Universität Münster . Man könne zum Beispiel argumentieren, dass der Dienst an der Waffe kein Beruf wie jeder andere sei und als Förderung des Gemeinwohls besonders unterstützt werden müsse.