Wulffs Abschied : Aus dem Amt gepfiffen

Der Abschied passte zum Abgang: Als erster Präsident überhaupt ist Christian Wulff mit einem gigantischen Pfeifkonzert verabschiedet worden.
Der frühere Bundespräsident Christian Wulff mit Horst Seehofer (l.), der zurzeit die Geschäfte des Bundespräsidenten führt, und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (r.) beim Zapfenstreich © AFP/Getty Images/Odd Andersen

Um 18 Uhr ist es noch ruhig um Graf von Moltke. Das steinerne Denkmal steht mitten im Berliner Tiergarten. Es ist der Ort, an dem für diesen Abend eine kleine Demonstration mit Vuvuzelas angekündigt ist. 20 Leute hätten die Veranstalter angemeldet, sagt ein Polizist. Doch ihre Tröten würden ihnen abgenommen. Lärm ist nicht erwünscht.

Schließlich erstrahlt ein paar Hundert Meter weiter nördlich Schloss Bellevue in gelber und rötlicher Festbeleuchtung. Die Umgebung ist weiträumig abgesperrt. Aus den Schlossfenstern leuchtet warmes Licht. Dem militärischen Abschiedszeremoniell des Großen Zapfenstreichs, das hier in einer Stunde Christian Wulff zu Teil werden soll, scheint nichts im Wege zu stehen.

Um 18:35 ertönt ein erster langgezogener Trötenton durch die Dämmerung des kühlen Märzabends. In der Dunkelheit sind da schon viele kleine, flackernde Lichter zu sehen. Die Fackelträger nähern sich, nehmen Aufstellung vor dem Schloss. Doch schnell ist es nicht mehr eine Vuvuzela, auf einmal ist es der Lärm von vielen, unterstützt von Trillerpfeifen und Hupen, der sich als Klangteppich über den vornehmen Park legt. Nicht 20, eher 250 Demonstranten hätten an unterschiedlichen Stellen im Tiergarten Aufstellung genommen, schätzt die Polizei später.

Dass bei diesem Zapfenstreich für Christian Wulff nichts so ist, wie es sonst war, man hört es an diesem Abend nicht nur, man sieht es auch. Vor allem daran, wer alles nicht da ist. Es fehlen vier Bundestagsvizepräsidenten, es fehlt die Spitze der Opposition, die gar nicht erst eingeladen war, es fehlen die Vorgänger Wulffs, es fehlen der Vorsitzende und der Vize-Vorsitzende des Bundesverfassungsgerichts.

Da hilft es wenig, dass die Kanzlerin da ist, der Vize-Kanzler und fast das gesamte Kabinett. Die, die fehlen, dürften Wulff gleichwohl schmerzen, geht es doch immer um die Frage, wie viel Würde ihm am Ende seiner kurzen Amtszeit noch geblieben ist. An diesem Abend ist es offensichtlich zu wenig, nicht nur wegen des Lärms.

"Kein Geld, kein Geld"

Christian Wulff  ist in den vergangenen Wochen fast nichts erspart geblieben. Auch nach seinem Rücktritt war er in den Schlagzeilen geblieben. Erst wurde in Frage gestellt, ob ihm die jährlich 200.000 Euro Ehrensold, die jeder Altbundespräsident erhält, zustehen. Dann ging es um Büro und Mitarbeiter. Schließlich darum, ob er überhaupt eines Zapfenstreichs würdig sei.

Nun steht Wulff auf dem roten Ehrenpodest, neben sich den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Verteidigungsminister Thomas de Maizière, und wirkt wie versteinert. Er lässt das Gewehre-Präsentieren über sich ergehen, die gebrüllten Befehle, die Meldung. Dann die Musik, die er selbst ausgesucht hat. Das sehnsüchtige Over the rainbow , das optimistische Kirchenlied, das vom Neuanfang handelt, und die feierliche Ode an die Freude . Doch die Trillerpfeifen spielen mit, die ganze Zeit sind sie zu hören, in jeder Musikpause gibt es nur noch sie. Auch Rufe erklingen zwischendurch. Es klingt wie "Schande, Schande", vielleicht heißt es auch "kein Geld, kein Geld".

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Kommentare

350 Kommentare Seite 1 von 43 Kommentieren

Wulff ging mit "Neugier" und "Vorfreude"

Wulff: "Ich gehe mit dem Gefühl der Neugier und der Vorfreude auf das, was kommt"

Na, was soll schon kommen? 40 Jahre Kreuzfahrten durch alle Weltmeere, Karibik- und Seychellenstrände, Träume in der Südsee, ausgiebige Urlaube auf Sylt, Sektempfang hier und dort - und ab und zu vielleicht doch noch mal eine Einladung, einen lukrativen Vortrag über den Seegen von Agenda 2010 und Hartz-IV zu halten...

Unerträglich

Wie hier die Elite unseres Landes mit Füßen getreten wird! Haben diese Vuvuzela-Linksradikalen nichts besseres zu tun als einen hochherrschaftlichen Abschied eines verdienten Staatsmannes in das Altenteil zu verplärren?

Wo ist denn das Hetzblatt der Gewöhnlichen? Hier ein Beispiel für die Schmähungen...

Link entfernt. Bitte beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke, die Redaktion/kvk

Meines Erachtens nach sollte die Kanzlerin künftig mittels Verfassungsänderung das oberste Staatsamt gleich mitbekleiden, damit diese Querulanten sich fortan die Hälfte der Vuvuzelas sparen können, wenn sie denn schon jedes Ansehen unserer hart arbeitenden Politiker beschmutzen wollen.

Gut dass der Seehofer das gerade kommsiarisch leitet,... ein Paradebeispiel unserer bayrischen Aufrichtitgkeit.

Die Zeit von Leuten wie ihnen ist abgelaufen!

Dummer Kadavergehorsam und ein Volk ohne Gehirn ist die Vergangenheit. So Leute mit Meinungen wie sie machen sich auch strafbar. Und zwar durch Gehirnwäsche von gesunden Menschen. Ekelhaftes Hierarchiegetue und Gouvernementalität die sie fördern wollen hat schon Millionen Menschen getötet und ins Unglück gestürzt.
Folge niemals einem Führer! Sie verstehen in welcher Ecke sie stehen hoffe ich!

Schon wieder ein Irrtum

Mir deucht, Sie sind es eher mit ihrer polemischen Art, in der Sie versuchen die Rechtschaffenheit der konservativen politischen Kaste mit bräunlichem Schmutz zu beflecken. Ich wünschte mir, Christian Wulff wäre noch im Amt um ein verschärfendes Gesetz gegen solche Hetze des kleinen Mannes zu unterschreiben. Hiernach hätte er den doppelten Ehrensold sowie das Bundesverdienstkreuz verdient.

Wo sind nur die guten Zeiten geblieben, in denen die Bürger ihrem Staat noch blind vertraut haben?

Jetzt gebärden sie sich wie schwer erziehbare Kinder mit Plastiktröten...

Armes Deutschland...

Was da kommt?

Ein neuer Posten wird das sein was da kommt. Oder glaubt jemand wirklich es wäre nicht schon lange ein Amt in Aussicht? Bis jetzt wurde noch jeder Verlierer untergebracht, entweder in der EU (da scheint man ja großen Bedarf zu haben) oder in der Wirtschaft (Banken) oder wie man an Guttenberg sieht weiter weg. Nun, ich denke auch Wulff wird sich erst mal zu diesem Schritt entschliessen und Deutschland für eine Zeit verlassen. Er wird sich zwar einschränken müssen, aber direkt hungern ist ja wohl auch nicht nötig. Wichtiger ist, was wir Wähle aus diesem Vorgang lernen und welche Werte wir als wichtig ansehen, die von den Vertretern unseres Volkes erfüllt werden sollten. Man kann nur hoffen das die Bürger von jetzt ab etwas kritischer vorangehen. Die zweite Lehre ist, hier für Gauck, leg dich nicht mit der Presse an, zumindest nicht mit einer bestimmten Presse. Aber ich denke mal da ist er zu konform, wenn er sein Sendebewusstsein in den Griff bekommt. Was sollte man ihm denn schon vorwerfen? Seine Nähe zu Sarrazin?

@ 21. Unerträglich

Zitat:
"Wie hier die Elite unseres Landes mit Füßen getreten wird! Haben diese Vuvuzela-Linksradikalen nichts besseres zu tun als einen hochherrschaftlichen Abschied eines verdienten Staatsmannes in das Altenteil zu verplärren?"

"Elite unseres Landes"? "Verdienter Staatsmann"? "Linksradikale"? Da Sie unmöglich selbst glauben können, was Sie hier posten, gehe ich von Satire aus. Es sei denn, Sie sind tatsächlich der letzte Hurra-Deutsche.

ich wünschte nur

das mit derselben eindringlichkeit, derselben beharrlichkeit, der selben genauigkeit damals hingesehen worden wäre als tausende von alt-nazis die millionen mal schlimmere, wirkliche verbrechen begangen haben in die regierungen adenauer/kiesinger aufgenommen wurden.
aber es ist halt so. ein finazielles vergehen ist in deutschland eben weit höher einzuschätzen als ein menschliches.

Geld ist die wirkliche moralische Währung in Deutschland

nur damit kann man die Masssen - für die Geld der moralische
Gott schlechthin ist - mobilisierne. Was sind dagegen schon andere Werte?
Eine Gesellschaft, für die - auch in der Mehrzahl der Journalisten - inzwischen Gerechtigkeit - welche? - die
Freiheit - kann man die relativieren(s.z.B Gauck) - weit vorangestellt wird, hat fast nichts anderes verdient.Es lohnt sich gerade deshalb dem Monitären-Moralterror kämpferisch zu begegnen.

Steigende Sensibilität für moralische Belange

Kommentar 2: "...ein finazielles vergehen ist in deutschland eben weit höher einzuschätzen als ein menschliches."

Das glaube ich eher nicht. Aber die Zeiten haben sich geändert. Die Nachkriegszeit mit den Ex-Nazis folgte sowiewo anderen Regeln. Und in den letzen zwei Jahrzehnten ist die Sensibilität der Bevölkerung gegenüber moralischen und finanziellen Verfehlungen (und was dafür gehalten wird) von Amtsträgern und Funktionären viel höher geworden. Nicht nur in Deutschland, nach meinem Eindruck auch z.B. in den USA. Und nicht nur in der Politik, auch in der Wirtschaft. Siemens z.B. (und viele andere) haben im Ausland immer fröhlich bestochen, und jetzt steht plötzlich der Staatsanwalt auf der Matte. Auch in anderen Bereichen (z.B. beim Essen) gewinnen moralische Argumente einen immer höheren Stellenwert, und nicht nur in Deutschland.

Das deutet darauf hin, dass hier etwas im Gange ist, das über nationale Grenzen hinausgeht; mir ist noch nicht klar was.

Diesen Vergleich im Zusammenhang mit Wulff zu wählen, ist

meiner Meinung nach abenteuerlich. Versuchen Sie beides zu relativieren, die Schuld der Großelterngeneration und die des Herrn Wulff bzw. aller, die, was immer Sie damit meinen, "ein finanzielles Vergehen" begangen haben?
Finanzielle Vergehen sind, möglicherweise auch im Fall von Wulff, in den meisten Fällen Beispiele menschlicher Unzulänglichkeit und Fehlerhaftigkeit. Ob die Gier auch bei Wulff zum Gesetzesbruch führte, prüft ja gerade die Staatsanwaltschaft.

Ich finde, es hat sich schon geändert

Herr Wulff hat nämlich in genau der von Ihnen genannten Manier Fehler nie eingesehen oder eingestanden und sich darauf berufen, dass er nicht gegen geltende Gesetze verstoßen hat.

Das ist genau die Verteidigungslinie, die Mitwirkende an Unrecht in Unrechtsstaaten für sich in Anspruch nehmen.

Wulff selbst hat einmal gesagt, dass nicht alles richtig ist, was Recht ist. Aber im Endeffekt passt er sehr genau zu denen, die Sie gerne verfolgt gesehen hätten. Er hat vielleicht sogar nach Recht und Gesetz gehandelt aber er hat gegen jeglich Moral verstoßen, genau wie damals.

Ich bin froh, dass so etwas heute aufgedeckt wird.

ich wünsche nur

Adenauer hätte keine Verwaltung und keine Regierung aufstellen können, die völlig Nazifrei gewesen wäre.
Der Vergleich ist nicht in Ordnung. Die damalige Gesellschaft war u.a. wegen der eigenen Schuldgefühle nicht in der Lage demokratisch zu reagieren. Sie hatten Protest nie gelernt. Damit will ich nicht die Übertreibungen der letzten Monate im Fall Wulff beschönigen. Der Spiegel und die Bild-Zeitung haben eine erbarmungslose Hetzjagd gegen Wulff betrieben. Wulff fehlt jegliches Gefühl für die Dinge. Seine Frau Bettina wird als nett und kompetent dargestellt. Ja meine Güte, merkt keiner wie sehr sie versagt hat. Eine Frau in dieser Position müsste doch ihren Mann beraten. Es sind nicht seine finanziellen Vergehen, die ihn stürzten, sondern seine Feigheit.

Herr Wulff hat es nicht begriffen!

Leider sind damit auch die Demonstrationen gegen ihn ins Leere gelaufen. Er steht immer noch da und fragt sich "Warum sind die eigentlich so wütend?" Vielleicht glaubt er, die Merkel wurde ausgepfiffen.

Die Schande bleibt immerhin, Herr Wulff findet seinen Namen als Synonym für einen anstandslosen Schnäppchenjäger in der deutschen Sprache, vor kurzem wurde ich um Hilfe bei dem "zusammenwulffen" von Rabatten gefragt. Da wurden Erinnerungen an den Guttenberg wach, der auch nicht einsehen wollte das die Grenze zwischen Fehlern und vorsätzlicher Täuschung eben nicht durch ihn gezogen wird.

Leid tat mir allerdings seine Frau, diese schien begriffen zu haben warum das Volk pfeift.

Wulff als Zyniker zu bezeichnen, ...

... zeugt lediglich davon, das Wesen des Zynismus nicht verstanden zu haben.
Wulff ist ein Abzocker ohne Moral und Empathie – er paßt also prächtig in diese Zeit. Aber Zyniker? Das wäre eine Beleidigung für alle echten Zyniker.
Denn wie hat es Gabriel Laub einmal formuliert: "Der Zynismus der Zyniker besteht nicht darin, daß sie sagen, was sie denken, sondern darin, daß sie denken."

Fraglich!

"Leid tat mir allerdings seine Frau, diese schien begriffen zu haben warum das Volk pfeift."

Ihnen tat die Frau, die versteht, warum gepfiffen wurde mehr Leid als der Berufspolitiker, der immer noch nicht kapiert hat, warum die Vuvuzelas tröten?

Das hört sich ganz nach Christus an: "Selig sind die geistig Armen". Aber ganz im Ernst: Ich glaub es nicht!
Wulff weiß selbst ganz genau, was da gestern passiert ist - es juckt ihn nur nicht, schließlich kann man von 200000 € im Jahr ganz passabel leben (Was ist eigentlich mit seinen Pensionsansprüchen als Niedersachsen MP?)

Die Würde des Menschen

Man tritt nicht noch auf einen Menschen ein, der schon am Boden liegt.
Gerade nicht dann, wenn man sich ihm moralisch überlegen fühlt.

So sehr ich ihn als Politiker schon immer missachtet habe, sehe ich das als sehr unwürdig an.

Ich halte zwar nicht viel von solchen Zapfenstreichen, sie sind allerdings Teil der politischen Kultur.

Den Ehrensold bekommt er, weil er gewählter Bundespräsident war.
Dieser Sold steht ihm laut Verfassung zu.

Den Staat wird dieses Geld kaum belasten. Man könnte zwar sagen, es gehe ums Prinzip, aber dann hätte man sich als Volk bessere Vertreter wählen müssen. Somit trägt man an dem Desaster Wulff Mitschuld. Schwarz-Gelb wurde nicht von einigen wenigen, sondern leider von der Mehrheit gewählt. Und die, die jetzt meinen, dass sie ihn nicht selbst gewählt haben, sollten nochmal schnell in den Nachhilfeunterricht für Demokratie. Hättet ihr euch halt mehr für eure Stimme eingesetzt.

hmmmm

das seh ich absolut nicht so, wer das amt eines repräsentanten der bevölkerung innehat, hat sich auch dementsprechend zu verhalten. was wulffi da angerichtet hat, ist an schaden nicht zu unterschätzen, insofern find ich´s wichtig, dass die leute endlich aufwachen und sich dessen wirklich bewusst werden, was hier gerade eigentlich passiert und wie unsere demokratie grad den bach runtersegelt. nicht begreifen kann ich meinungen wie heute im radio, wo jemand sagte "jeder mensch macht halt fehler, das ist doch nur menschlich" - das ist ne ganz gefährliche naive sicht der dinge, da werden äpfel mit birnen verglichen.
außerdem, wer tritt auf wulff herum? er steht doch völlig über den dingen, der nimmt das doch gar nich wahr, was abgeht.

"Nachhilfeunterricht für Demokratie"

Zum "Nachhilfeunterricht für Demokratie" gehört aber auch, dass der Wähler bei der Wahl des Bundespräsidenten außen vor ist. Das haben die Parteien im Bundestag (außer der Linke) sogar kürzlich eindrucksvoll demonstriert, indem die Parteivorsitzenden mit der Kanzlerin zusammen den Nachfolger präsentierten, bevor die Bundesversammlung überhaupt zusammenkommen konnte.

Re: Die Würde des Menschen

> Den Ehrensold bekommt er, weil er gewählter
> Bundespräsident war. Dieser Sold steht ihm laut
> Verfassung zu.

Es ist doch wohl reine Auslegungssache, ob er aus politischen (wie es in der Verfassung steht) oder persönlichen Gründen zurücktritt, um eben keinen Ehrensold zu bekommen. Glauben Sie alles, was Ihnen am Tag so propagiert wird?

> Der Chef des Bundespräsidialamtes ist ein gewisser Lothar
> Hagebölling. Hagebölling wurde im Juni 2010 von Christian
> Wulff in diese Position befördert. Zuvor war er Chef der
> Staatskanzlei des Landes Niedersachsen und somit ein
> direkter Vertrauter von Wulff. Dass Hagebölling seinem
> Förderer nicht den Ehrensold verweigert, ist natürlich
> klar.

http://www.nachdenkseiten...

Naiv ist, die Würde des Amtes von der Person abhängig zu machen

Naiv ist es in Wahrheit, die Würde des Amtes von der Person abhängig machen zu wollen.

Angela Merkel, die nicht gerade meine politische Richtung vertritt, hat intuitiv wieder mal alles richtig gemacht: zur Würde des AMTES, zur Ehre des AMTES, nicht der Person, ist der Große Zapfenstreich gedacht. Und aus Respekt vor dem Amt war es für sie selbstverständlich, an der Zeremonie teil zu nehmen, ließ íhr Sprecher verlauten.

Und genau das ist die starke Funktion des Rituals oder der Zeremonie. Die 250 lächerlichen Wutbürger haben nicht gegen Wulff angetrötet, sondern gegen das Amt als solches. Gabriel und die ach so mutige Phalanx der versammelten Opposition hat sich vergeblich dermaßen kalkuliert und scheinheilig entrüstet - denn es trifft nicht Wulff, es trifft das Amt. Denn sie zeigen, dass sie das AMT für schwach halten. Und sie instrumentalisieren das AMT für den kleinen tagespolitischen Vorteil, vielleicht endlich der Frau Merkel mal ans Bein treten zu können.

Außer, dass es nun wirklich zum Anstand gehört, einen Menschen formgerecht zu verabschieden. Egal was war. Hier geht mit vielen der kleinkarierte Spießbürger durch, der in Nachtreten und Einprügeln auf einen am Boden Liegenden seine selbstgefällig moralische Befriedigung findet.

Aber das war in Deutschland schon immer ein bisschen das Problem gewesen. Souveräne Noblesse ist bis heute eine Fremdwort.

P.S. Der stereotype Einwand, es habe ja Wulff die Würde des Amtes verletzt - ist der beste Beweis für mein Argument.

Wie bitte?

Herr Wulff ist da ganz anderer Meinung. Er liegt nicht am Boden. Warum denn, denn er hat doch nichts gemacht. Er hat kein Unrechtsbewusstsein.

Nein, Herr Wulff hat sich -sehr bewusst- fuer die Annahme eines Amtes entschieden, dem er nicht gewachsen war. Frau Merkel hat ihn -auch sehr bewusst- dafuer vorgeschlagen. Und er leidet nur unter Groessenwahn, und hat aber in seiner sichtbaren Beschraenktheit kleingeistige Fehler gemacht. Allein die Sylt-Geschichte ist so arm ...

Wie, ich habe Herrn Wulff nicht gewaehlt, haette ich nie im Leben, fuer kein Schmiergeld dieser Welt. Er hat sich schmieren lassen, und hat geschmiert, -ganz bewusst-.
Ebenso wie er nun den "Ehren"sold annimmt. Tut auch gar nicht weh.

Nur, weil ich als freier Buerger meine Meinung sage, trampele ich auf ihn herum?

Haben Sie eigentlich eine Ahnung, was rumtrampeln auf am Boden liegende in Deutschland wirklich bedeutet?
Mussten Sie schon einmal Hartz IV beantragen? Geschweige denn davon leben? Geschweige denn versuchen aus dem Teufelskreis als heilwegs gebildeter Mensch wieder dort raus zu kommen?

Mitleid zu haben mit Herrn Wulff ist mehr als nur geheuchelt. Das ist gegen jede Demokratie.

Mag sein, daß auch unschöne Instinkte den Protest befeuern.

Aber Ihr Bild eines am Boden liegenden Wulff, auf den die Meute immer noch eintritt, kann ich nicht teilen. Wulff wird in den Medien z.T. immer noch überhöht, und zwar als “Präsident der Integration”. Im Deutschlandfunk ist z.B. ständig zu hören, das Thema Integration habe Wulff besonders am Herzen gelegen. So ein Quatsch! Diesem Menschen liegt nichts am Herzen außer seinem persönlichen Wohlergehen und seiner völlig unglaubwürdigen Selbstinszenierung. Die Kommentatorin Deniz Başpınar hat es auf den Punkt gebracht: “Muss ich Wulff gut finden, weil er sich das Thema Integration auf die Fahnen geschrieben hatte? Welche Denkanstöße brachte er denn zu diesem Thema ein, außer diesen einen Satz? In dem ich mich übrigens gar nicht wiederfinde, weil er die Einwanderer über ihre Religion definiert. [...] Ich möchte keinen todlangweiligen Bundespräsidenten, der den Türken in diesem Land immer mal wieder lobend über den Kopf streichelt. [...]Ich möchte Joachim Gauck zum Bundespräsidenten, weil ich mir von ihm erhoffe, dass er intellektuell mehr produzieren kann als Werbeagentur-Sprüche zum Thema Einwanderung.”
http://www.zeit.de/gesell...

In der Tat, dieser eine, lächerliche Satz (“Der Islam gehört zu Deutschland”) muß nun dafür herhalten, daß ein Peter Hintze allen Ernstes behauptet, Wulff habe sich sehr um die Integration von Migranten in die deutsche Gesellschaft verdient gemacht.

Solange dies noch geschieht, darf man sich auch noch empören.

Zum Thema Ehrensold:

“Den Staat wird dieses Geld kaum belasten.”

Ähnlich gönnerhaft (“Soll er ihn doch haben”) hatte sich auch Andrea Nahles geäußert. Haben Sie sich schonmal überlegt, wie viele Hartz-IV-Empfänger man von dem Ehrensold ernähren könnte? Und Wulff ist erst 52 Jahre alt! Wenn der 110 Jahre alt wird, ist das ein teurer Spaß.
Ein einzelner Transferleistungsempfänger belastet den Staat sehr viel weniger als ein Ex-Präsident mit Ehrensold.
Wenn ich mir vergegenwärtige, wie mit subalternen Beamten hierzulande umgesprungen wird, wie wegen geringfügigen und in der Sache vollkommen legalen bloßen “Ungehorsams” ihren Vorgesetzten gegenüber kurz vor der regulären Pensionierung mithilfe von Disziplinarverfahren eiskalt in Hartz-IV gestoßen werden (ich kenne ein Beispiel aus meinem persönlichen Umfeld), oder wenn ich an die berühmte Kassiererin denke, der wegen Unterschlagung einer Pfandmarke nach zig Dienstjahren fristlos gekündigt wurde, habe ich keine Veranlassung, bei Wulff Mitleid, Nachsicht und Mildtätigkeit walten zu lassen. Als Anwalt kann man noch ein menschenwürdiges Einkommen erzielen.

Und die Würde des Menschen ?

Die Wertung liegt wohl in der Sichtweise und der Betrachtungshöhe. Nach dem Lügenbaron kumuliert eben der
Ärger bei ähnlicher Verhaltensweise unserer Eliten.
Es wird nur zu oft vergessen wird, die Figuren sind Amts oder Mandatsträger durch die Wähler.
Etwas Positives wird von der langen Amtszeit des Herrn Wulff
bestehen bleiben, er schenkte uns das neue Verb "wulffen",
als Synonym für seine Tätigkeit die Bestand staatsanwaltlicher
Ermittelungen sind.

Dazu muss aber auch ...

... Würde im wirklichen Sinne des Wortes vorhanden sein.

Alle Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt mit dem Kehren von Straßen, dem Putzen von Büros und Toiletten oder dem Fortschaffen von Unrat verdienen und dabei Kinder anständig erziehen haben um Potenzen mehr Würde als Herr Wulff.

Er ist jetzt nur noch - Verzeihung für meine harte Wertung - ein Abzocker, und als solcher soll er auch in Erinnerung bleiben.

... die politik braucht bestechliche politiker denn....

betrachten sie doch mal de maizière... wie kann ein mann eines der höchsten und einflussreichsten ämter in deutschland einnehmen der immer noch aufgrund schwerer strafvereitelung im bundesland sachsen angeklagt ist. hier geht es nicht um geschenkte bobbycars und privatkredite sondern um geheimhaltung von akten die
sächsische justizbeamte, polizisten und politiker in einer Reihe von schweren Straftaten der organisierten kriminalität bis hin zu mord und kinderzuhälterei schwer belasten... DAS sind für mich gründe einen mann aus dem amt zu hebeln.... herr wulf wurde unbequem und in der konsequenz der presse zum fraß vorgeworfen! denn bedenken sie, die presse bekommt nur die infos die sie auch wirklich bekommen soll...