Lyrik: Reich-Ranicki nennt Grass-Gedicht "ekelhaft"
Der Literaturkritiker Reich-Ranicki hat Günter Grass für dessen Israel-Gedicht scharf angegriffen. Und Rolf Hochhuth ruft Grass entgegen: "Ich schäme mich als Deutscher."
© Ralph Orlowski/Getty Images

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (Archiv)
Es sei "ein ekelhaftes Gedicht", sagte Marcel Reich-Ranicki der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Literaturnobelpreisträger stelle "die Welt auf den Kopf". "Der Iran will Israel auslöschen, das kündigt der Präsident immer wieder an, und Günter Grass dichtet das Gegenteil. Das ist eine Gemeinheit, so etwas zu publizieren", sagte Reich-Ranicki, der aus einer jüdischen Familie stammt.
Das Gedicht sei ein geplanter Schlag nicht nur gegen Israel, sondern gegen alle Juden. Grass hatte in seinem am Mittwoch veröffentlichten Gedicht angeprangert, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne. Dies hatte ihm harsche Kritik und den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht.
Reich-Ranicki sagte auch, Grass sei kein Antisemit, aber er spiele gezielt auf antisemitische Neigungen in Teilen der Bevölkerung an. Darum mache ihm das Gedicht auch Angst.
Kritik kam auch von Schriftstellerkollegen Grass'. Rolf Hochhuth griff Grass direkt an: "Du bist geblieben, was Du freiwillig geworden bist: Der SS-Mann, der das 60 Jahre verschwiegen hat, aber den Bundeskanzler Kohl anpöbelte, weil der Hand in Hand mit einem amerikanischen Präsidenten einen Soldatenfriedhof besuchte, auf dem auch 40 SS-Gefallene liegen", schrieb er in einem offenen Brief, den Münchner Merkur und Die Welt veröffentlichten.
Hochhuth, der das Drama "Der Stellvertreter" über den Vatikan in der NS-Zeit verfasst hat, meinte: "Ich (...) schäme mich als Deutscher Deiner anmaßenden Albernheit, den Israelis verbieten zu wollen, ein U-Boot deutscher Produktion zu kaufen, das möglicherweise allein ihrem kleinen Staat die letzte Sicherheit geben kann, von einer engst benachbarten Atommacht buchstäblich über Nacht nicht ausgerottet zu werden!" Der Iran habe schließlich, den Nazis gleich, dem jüdischen Volk mit Ausrottung gedroht.
Der US-Autor Daniel Jonah Goldhagen nannte Grass in der Welt einen "Verfälscher seiner eigenen Nazi-Vergangenheit". Mit seinem Gedicht kaue Grass, "nicht anders als jene am Stammtisch, die kulturellen Klischees und Vorurteile seiner Zeit" durch, schrieb Goldhagen in seinem Essay. Grass' Warnung, Israel könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen, sei absurd. "Grass führt die Perversion – die Verkehrung von Opfern zu Tätern – auf ein neues Niveau." Grass hatte in dem Gedicht auch geschrieben, die Atommacht Israel gefährde den Weltfrieden.





Grass hat die Ausrichtung seines Gedichtes völlig verdreht.
Ranicki hat mit seiner Meinung völlig Recht
....peinlich. Die Tatsache, dass sie die deutsche Seele so genau wiedergibt ist peinlich.
[...]
Genau eine solche Verklemmtheit ein Thema von allen Seiten zu beleuchten, wie es hier zu erkennen ist, lässt allen Beteiligten ja überhaupt keine andere Möglichkeit der Stellungnahme. Die die hier schreiben und Kommentieren und sich empören, oder Gedichte verfassen sind gar nicht das Problem. Die behäbige, träge, geiststeife Masse aber, die solche Pseudoregeln aufstellt, dass bestimmte Dinge nur noch auf EINE Art angesprochen werden dürfen und sonst gar nicht sind die, die letztlich auch fatale Fehlentscheidungen einfach mittragen und so erst ermöglichen.
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag
aber wann trifft man schon mal einen echten Antideutschen: Sie leugnen also das Existenzrecht Deutschlands?
Frohe Ostern :-).
...Das mag sogar sein. Ich habe da meine eigene Meinung dazu, aber warum sollte - und hier nehme ich nur den alten bekannten Vergleich um die Lage eines Laien konfrontiert mit einem komplizierten Fachproblem zu beschreiben verwendet und meine keinesfalls GG, will ihn nicht beleidigen oder so etwas- ein Affe, der so lange in die Tasten schlägt nicht auch einmal Krieg und Frieden schreiben?
Und in gewisser Weise hat er ja auch genau das. Er hat die Gefühle seines Volkes offensichtlich genau getroffen. Er ist ja auch einzigartig dazu prädestiniert. Wer könnte das besser, als jemand, der sein ganzes leben damit verbrachte Anderen moralische Vorwürfe zu machen, während er verbarg, dass er bei einer kriminellen Organisation der Superklasse eingetreten war, als man ihm die Möglichkeit bot?
Jetzt meldet sich Wolf Biermann auch noch zu Wort. Ich dachte, er wär schon tot. Das ist ja ein richtiges Auferstehungsfest, was GG da ausgelöst hat.
Und wenn auch alle Toten und Totgeglaubten noch aus dem Grab geholt werden, die meisten Menschen haben glücklicherweise so viel Verstand, dass sie durchaus selbst entscheiden können, ob das, was Grass sagt, richtig oder falsch ist. Und die meisten finden es halt richtig.
Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag
Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag