UntersuchungsausschussSoko-Leiter räumt Irrtum bei Ermittlung zu NSU-Morden ein

Die bayerischen Fahnder sind der Zwickauer Neonazi-Terrorzelle offenbar deshalb nicht auf die Spur gekommen, weil sie die Mörder im Großraum Nürnberg vermuteten.

Vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss zu den Morden der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat die bayerische Polizei zu ihrem Vorgehen bei den Ermittlungen Stellung genommen – und mehrere Irrtümer zugegeben. Sie sei zwar durchaus der Frage nachgegangen, ob die Morde auf das Konto von Neonazis gehen könnten, sagte der ehemalige Leiter der Sonderkommission "Bosporus", Wolfgang Geier. Es habe aber zunächst keinerlei Hinweise auf ein Motiv gegeben. Man sei eher von einem Hintergrund aus dem Bereich der organisierten Kriminalität ausgegangen.

Geier räumte außerdem ein, dass seine Kommission fälschlicherweise von Tätern aus dem Großraum Nürnberg ausgegangen sei. Man habe einen "möglichen Ankerpunkt" vermutet, da eine Täteranalyse eines Profilers von einem rechtsextremistischen Zusammenhang ausgegangen sei – und in Nürnberg habe es mit drei Taten eine ungewöhnliche Häufung gegeben. "Eine Überprüfung aller in Deutschland befindlichen Rechtsextremisten wäre wohl schwierig gewesen", sagte Geier auf die Frage, warum man sich auf Nürnberg fokussiert habe.

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Liste kam nach einem halben Jahr

Nach einer Fallanalyse aus dem Jahr 2006, die von einem möglichen rechtsextremen Hintergrund sprach, habe die Sonderkommission Auskunft über Rechtsextremisten beim bayerischen Verfassungsschutz angefordert. Eine Liste mit über 200 Namen sei erst über ein halbes Jahr später auf Nachfragen übermittelt worden. "Ich fand das nicht normal, deshalb habe ich nachgebohrt", sagte Geier.

Das zögerliche Verhalten des bayerischen Verfassungsschutzes wurde von Mitgliedern des Untersuchungsausschusses kritisiert. "Im Moment sieht es so aus, dass an der Ungenauigkeit der abstrakten Täteranalyse eine genaue Verfolgung gescheitert ist", sagte Wolfgang Wieland, Obmann der Grünen. Der Vorsitzende des Gremiums, Sebastian Edathy (SPD), nannte das Vorgehen "merkwürdig", die Linken-Abgeordnete Petra Pau sagte, sie sei "entsetzt".

Razzien in Thüringen und Hessen

Beamte des Bundeskriminalamts haben am Donnerstag mehrere Wohnungen durchsucht. Mit der Razzia in Thüringen und Hessen solle geklärt werden, woher die Waffen des NSU kamen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. "Es liegen allerdings keine zureichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass die beiden Personen den NSU wissentlich unterstützt haben könnten", sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft. Es habe keine Festnahmen gegeben. Außerdem wurde die Wohnung einer Frau in Sachsen durchsucht, die seit Längerem als mögliche Unterstützerin des NSU unter Verdacht steht.
 

 
Leserkommentare
  1. 1. Klar,

    nun kann trefflich aus Profilierungssucht auf die SoKo verbal eingedroschen werden!

    Aber wer von den "Besserwissern" hätte sich mit einer solchen Hypothese, selbstverständlich ohne diese gerichtsfest erhärten zu können, zum Staatsanwalt getraut?

    Und was hätte der auf eine solche Vermutung geäußert?

    MfG Karl Müller

    3 Leserempfehlungen
  2. ...wie verkommen die deutsche Polizeiarbeit mittlerweile ist!

    Unter Wolfgang Schäuble wurde hart daran gearbeitet, den maroden deutschen Polizeiapparat in Schuss zu bringen, doch leider ist dieses Projekt seid Schäubles Rücktritt im Sande verlaufen.

    Gerade bei der internen Kommunikation muss dringendst etwas geschehen!

    Mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

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    jetzt kommt der Vorschlag von Bürgerwehren.

    Bin ich auch für, dann wissen wir wenigstens wo die Nazis sind!

    jetzt kommt der Vorschlag von Bürgerwehren.

    Bin ich auch für, dann wissen wir wenigstens wo die Nazis sind!

    • BerndL
    • 26.04.2012 um 18:44 Uhr

    - ich denke, die Polizei hat ganz normal ihre Arbeit gemacht.
    Dass dabei die Umgebung der Opfer (Verwandte etc) in den Kreis der Verdächtigen einbezogen wurde, ist normale Polizeiroutine, denn bei den meisten Morden sind Motiv und Täter im unmittelbaren persönlichen oder beruflichen Umfeld des Opfers zu finden.

    4 Leserempfehlungen
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    sie versuchen es schönzureden.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

    sie versuchen es schönzureden.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

  3. Friederichs zB.

    Grenzen zu machen - was bringt das, die Nazis sind doch schon drin!

    im Gegenteil wir müssen die Grenzen öffnen, damit die Nazis den Weg nach draussen finden!

  4. jetzt kommt der Vorschlag von Bürgerwehren.

    Bin ich auch für, dann wissen wir wenigstens wo die Nazis sind!

    Antwort auf "Es ist eine Schande..."
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    • BerndL
    • 26.04.2012 um 22:17 Uhr

    Nachher wollen es manche Leute, die sich natürlich nie irren, immer gewusst haben. Das ist wie im Krimi: Nachher kennen alle den Täter- wie gesagt, nachher.
    Was haben die Orte Dessau, Hamburg mit diesen Morden zu tun?

    • BerndL
    • 26.04.2012 um 22:17 Uhr

    Nachher wollen es manche Leute, die sich natürlich nie irren, immer gewusst haben. Das ist wie im Krimi: Nachher kennen alle den Täter- wie gesagt, nachher.
    Was haben die Orte Dessau, Hamburg mit diesen Morden zu tun?

    • BerndL
    • 26.04.2012 um 22:17 Uhr

    Nachher wollen es manche Leute, die sich natürlich nie irren, immer gewusst haben. Das ist wie im Krimi: Nachher kennen alle den Täter- wie gesagt, nachher.
    Was haben die Orte Dessau, Hamburg mit diesen Morden zu tun?

    Eine Leserempfehlung
  6. kein Problem mit der Wehrsportgruppe Hoffmann. Die CSU wollte diese Gruppe erst nicht verbieten. Die CSU fand das damals geradezu völlig normal das 600 schwerbewaffnete Rechtsradikale durch die bayrischen Wälder robbten. Das auch zum Thema, etablierte Volksparteien wie die CDU/CSU warnen vor Rechtsradikalismus.

    3 Leserempfehlungen
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    Anschlag auf das Oktoberfest verübt, um Strauss Wahlkampfhilfe zu leisten.

    Anschlag auf das Oktoberfest verübt, um Strauss Wahlkampfhilfe zu leisten.

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