Mordfall Burak B.Hunderte trauern in Berlin um erschossenen 22-Jährigen

Bewegender Abschied in Berlin-Neukölln: Hunderte begleiten den Sarg eines 22-Jährigen, der vor Ostern erschossen wurde. Die Tat lässt die Polizei rätseln.

Manchmal meint man Burak B. auf seiner eigenen Beerdigung zu erblicken. Als ob er noch am Leben wäre. Immer dann, wenn eine der roten Schirmmützen in der Menge vor der Sehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln aufblitzt. Freunde und Angehörige tragen sie aus Solidarität. Die Mütze war Buraks Markenzeichen. Jetzt ist sie sein Grabstein. Ruhe in Frieden, steht mit Filzstift darauf geschrieben. Doch auf der Suche nach seinem Mörder fehlt der Polizei weiter jede Spur.

Etwa tausend Menschen sind es wohl, die nach dem Freitagsgebet bleiben, um Burak B. die letzte Ehre zu erweisen. Die Polizei spricht von "bis zu 2000", inklusive derjenigen, die zum Gottesdienst kamen. Einige Beamte und Einsatzwagen stehen vor der Moschee. Sie sollen Sicherheit schaffen, denn die Hintergründe von Buraks Tod sind völlig unklar. Am Gründonnerstag hatte ein Unbekannter unvermittelt auf eine Gruppe junger Männer in der Rudower Straße im Stadtteil Buckow geschossen, zwei Jugendliche lebensgefährlich verletzt und den 22-jährigen Burak getötet.

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Viele der Trauernden haben sich ihre Meinung darüber schon gebildet. Freunde tragen Buraks Sarg auf ihrem Weg zum Grab an einer Handvoll Demonstranten vorbei. "Rassismus ist ein Verbrechen", steht auf ihren Transparenten. Auch viele Teilnehmer des Trauermarsches glauben an Ausländerhass als Tatmotiv. Burak B. war türkischstämmig. Dass es auch eine Woche nach dem Mord keinen Fahndungserfolg gibt, nährt Gerüchte. Die Polizei ermittle nicht intensiv genug, wie damals bei den Taten der rechten Terrororganisation NSU, hört man oft. 

Polizei setzt hohe Belohnung für Hinweise auf Täter aus

Noch hat sich da nicht herumgesprochen, dass die Staatsanwaltschaft 15.000 Euro für entscheidende Hinweise ausgelobt hat. Eine ungewöhnlich hohe Summe. Üblich sind bei Tötungsdelikten 5.000 Euro. Doch die Spurenlage ist laut Polizei extrem dürftig und die hohe Belohnung wohl auch ein Signal an die muslimische Gemeinde. "Die Tat führte zu einer erheblichen Beunruhigung in der Bevölkerung", begründet Polizeisprecher Thomas Neuendorf.

An diesem Freitag wollten die meisten Gäste aber nur eines, in Stille Abschied nehmen. Nur aus einem tragbaren weißen Lautsprecher knarzt die Stimme des Imans, damit auch die Menschen in den hinteren Reihen ihn verstehen können. Auf dem muslimischen Friedhof nahe der Moschee spricht er für Burak B. ein Gebet, dann schaufeln Freunde und angehörige Sand auf sein Grab. Der Trott von Schaulustigen, Kamerateams und auch der wahrhaft Trauernden löst sich langsam auf.

"Das ewige Leben gehört Gott"

Das gibt den Blick frei auf ein weiteres Grab. Es gehört Jusef al-A. Gestorben mit 18 Jahren. Erstochen bei einem Streit in Berlin-Neukölln vor gerade einmal einem Monat. Zu Jusefs Trauermarsch waren seinerzeit fast 3.000 Menschen erschienen. Viele von ihnen stehen heute wieder schweigend an seinem Grab. Doch diesmal haben sie das Foto von Burak ans Revers geheftet. Von der aufgebrachten Stimmung von damals ist nichts zu spüren.

Die Gräber liegen direkt nebeneinander. Buraks letzte Ruhestätte ist übersät mit Blumen und Glückwünschen von Freunden. Ganz oben liegt seine rote Kappe. Nur sie verrät, wessen Grab es ist. "Bu Rak" steht darauf – ein Spitzname, den er auch auf Facebook verwendete. Und das Sterbedatum.

Der Tod des jungen Mannes macht die ganze Gemeinde betroffen. Ein arabischstämmiger Mann, der eigentlich gekommen war, um seine eigene Verwandte zu beerdigen, geht schließlich zu Buraks Trauerfeier herüber und spendet den Angehörigen Trost: "Al-Baka lilah", sagt er. Das ewige Leben gehört Gott.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. Entfernt. Verzichten Sie auf polemische und diffamierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

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  2. ...soweit so richtig. Ob Ausländerhass allerdings in diesem Fall eine Rolle spielt, möchte ich anzweifeln.In Neukölln geraten z.B.regelmäßig junge Türken und Araber aneinander.
    Auch unter Zuwanderern gibt es das Phänomen, dass andere Bevölkerungsgruppen als minderwertig betrachtet werden,Migranten hassen also Migranten.Diese Fälle von Rassismus,werden allerdings statistisch nicht erfasst.

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    Sie bezweifeln, dass das Ausländerhass war? Bei der dürftigen Beweislage können Sie das schon sagen? Warum weil das Opfer Türke war?

    Damit sind wir wieder da, wo wir schon mal waren - oder? DAS ist Auländerfeindlichkeit! Ob die Tat eine war - oder nicht, weiß man schlicht noch nicht. Weder so noch so.

    • joG
    • 14.04.2012 um 11:16 Uhr

    ....Bevölkerungsgruppen als minderwertig betrachtet werden,Migranten hassen also Migranten."

    Das mag sein. Es ist aber ein schlechtes Zeichen, wenn aus der Mehrheit mit solchen Argumenten das eigene Fehlverhalten klein geredet wird. Das erinnert mich an Diskussionen zum Holocaust, bei denen mir jemand sagte, die Engländer hätten das KZ erfunden.

    Sie bezweifeln, dass das Ausländerhass war? Bei der dürftigen Beweislage können Sie das schon sagen? Warum weil das Opfer Türke war?

    Damit sind wir wieder da, wo wir schon mal waren - oder? DAS ist Auländerfeindlichkeit! Ob die Tat eine war - oder nicht, weiß man schlicht noch nicht. Weder so noch so.

    • joG
    • 14.04.2012 um 11:16 Uhr

    ....Bevölkerungsgruppen als minderwertig betrachtet werden,Migranten hassen also Migranten."

    Das mag sein. Es ist aber ein schlechtes Zeichen, wenn aus der Mehrheit mit solchen Argumenten das eigene Fehlverhalten klein geredet wird. Das erinnert mich an Diskussionen zum Holocaust, bei denen mir jemand sagte, die Engländer hätten das KZ erfunden.

  3. Ich sehe, die türkischen Mitbürger halten in der Stunde der Trauer noch zusammen.
    Das ist etwas, was die Deutschen in ihrer Ergebenheit gegenüber der Wirtschaft nicht kennen.

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    • tecnyc
    • 13.04.2012 um 21:06 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

  4. Tat von Rechts von einem neuem TRIO ? Interner Streit ?
    Keine Zeugen.
    Irgendwie verstehe ich die Hilflosigkeit der Polizei- wenn keine Spuren da sind ist man erstmal machtlos.
    Und klar ist aber auch dass Neukölln nicht gerade der Hort der Friedlichen ist, da herrscht viel Konkurrenz und Cliquenbildung, dort sieht man die bittere Wahrheit, dass die Migration nicht stattgefunden hat. Ich erlebe auch Revierkämpfe von ausl.Gangs
    die sich auch schon mal gg.seitig das Auto anzünden, aber ansonsten ist es hier in Bayern harmlos, abgesehen von Graffitis, was scheinbar momentan nicht so IN ist.Vor U-Bahnschlägern muß man da schon mehr Angst haben.
    Mein Beileid den Angehörigen. Ich kann Ihnen die Trauer nicht nehmen.

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  5. alles, aber es würde mich auch nicht wirklich wundern, wenn hier erneut rechte Kräfte am Werk wären. Bis zur Aufdeckung der Zwickauer Zelle hat ja die Polizei bei den 'Dönermorden' auch vielfach auf die Mitschuld der Opfer gesetzt und diese verdächtigt, kriminelle Aktivitäten begangen zu haben. Einer der Kommissare, der schon früh auf die Möglichkeit einer rechten Terrorgruppe hingewiesen hatte, wurde belächelt und seine These als absurd bezeichnet - die ZEIT hat berichtet.
    Unsere Justiz ist auf dem rechten Auge oft immer noch blind.

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    Die Taten der mutmaßlichen Täter aus Zwickau gelten als erwiesen, so sie von einem Gericht festgestellt werden. Vorher haben alle beteiligte Personen als unschuldig zu gelten. Siehe Artikel über Emden.

    Die Taten der mutmaßlichen Täter aus Zwickau gelten als erwiesen, so sie von einem Gericht festgestellt werden. Vorher haben alle beteiligte Personen als unschuldig zu gelten. Siehe Artikel über Emden.

  6. Könnte man nicht eine Straße nach Burak B. benennen? Oder einen Platz?

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    • cvnde
    • 13.04.2012 um 23:13 Uhr

    Warum sollte man irgendetwas nach B. benennen?

    Bisher ist doch noch gar nicht raus was passiert ist, außer das B. durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen ist.

    oT

    • cvnde
    • 13.04.2012 um 23:13 Uhr

    Warum sollte man irgendetwas nach B. benennen?

    Bisher ist doch noch gar nicht raus was passiert ist, außer das B. durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen ist.

    oT

  7. Ich hoffe, dass die Ermittlungen schnell und gründlich zur Ergreifung des Täters führen.

    Das geht nicht ohne Mithilfe durch die Bevölkerung.

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    letztens im Fernsehen gebrachten Beitrag über die kriminellen Großfamilien türkisch/kurdischer Herkunft in Berlin Revue passieren lasse, ist der Glaube an die Mithilfe der Bevölkerung vermutlich ein frommer Wunsch.

    letztens im Fernsehen gebrachten Beitrag über die kriminellen Großfamilien türkisch/kurdischer Herkunft in Berlin Revue passieren lasse, ist der Glaube an die Mithilfe der Bevölkerung vermutlich ein frommer Wunsch.

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