Das Rederecht der Abgeordneten im Bundestag soll offenbar eingeschränkt und noch stärker als bisher von den Fraktionen kontrolliert werden. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf einen Entwurf zur Änderung der Geschäftsordnung. Er stütze sich auf die Stimmen von CDU / CSU , SPD und FDP . Grüne und Linke hätten im Geschäftsordnungsausschuss dagegen gestimmt. Das Plenum soll am 26. April über den Entwurf abstimmen.

Mit den neuen Regeln soll der Parlamentspräsident dem Bericht zufolge verpflichtet werden, das Wort nur noch den von der Fraktion eingeteilten Rednern zu erteilen. Andere Abgeordnete dürfe er nur ausnahmsweise und nur noch drei Minuten lang reden lassen – und auch dies nur "im Benehmen mit den Fraktionen". Bisher darf jeder Parlamentarier ein Votum vor einer abschließenden Abstimmung fünf Minuten lang begründen.

Der Bundestagspräsident solle sich aber nicht nur mit der Fraktion des Abgeordneten verständigen, den er "ausnahmsweise" reden lassen will. Er soll in diesem Fall auch alle anderen Fraktionen informieren und deren Stellungnahmen einholen. Zusätzlich solle er allen Fraktionen "die konkrete Platzierung in der Rednerfolge" mitteilen. All das soll es ihm offenbar besonders schwer machen, Vertreter abweichender Meinungen zu Wort kommen zu lassen, heißt es in der Süddeutschen Zeitung .

Bundestagspräsident Norbert Lammert war im September 2011 in die Kritik geraten, weil er bei der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm den beiden Abgeordneten Klaus-Peter Willsch (CDU) und Frank Schäffler (FDP) Redezeit einräumte . Sie vertraten von ihren Fraktionen abweichende Meinungen. Lammert wollte erreichen, dass sich die kontroverse öffentliche Debatte auch im Parlament widerspiegele . Die Fraktionschefs hatten protestiert, der Ältestenrat erteilte Lammert eine Rüge.