NRW-LandtagswahlCDU kürt Röttgen zum Spitzenkandidaten

Allen Querelen zum Trotz hat die CDU in NRW Geschlossenheit gezeigt. Bundesumweltminister Röttgen fuhr bei der Wahl zum Spitzenkandidaten ein gutes Ergebnis ein. von afp, dpa und reuters

Norbert Röttgen mit seiner Frau Ebba bei der CDU-Landesmitgliederversammlung in Mühlheim an der Ruhr

Norbert Röttgen mit seiner Frau Ebba bei der CDU-Landesmitgliederversammlung in Mühlheim an der Ruhr  |  © Oliver Berg

Nordrhein-WestfalensCDU hat Norbert Röttgen mit 96,4 Prozent der Stimmen zu ihrem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gekürt. Fünfeinhalb Wochen vor der NRW-Wahl erhielt der Bundesumweltminister auf einer CDU-Delegiertenversammlung in Mülheim an der Ruhr 238 Ja-Stimmen. Neun Delegierte stimmten mit Nein, einer enthielt sich.

In seiner Bewerbungsrede griff Röttgen SPD und Grüne in NRW scharf an. Das einstige politische Projekt Rot-Grün sei in NRW "verkommen zu einem inhaltslosen, inhaltsleeren Machtbündnis". "Rot-Grün hatte eine Chance, Rot-Grün hat die Chance nicht genutzt, und jetzt geht es darum, Rot-Grün abzulösen, damit unser Land wieder eine Chance hat", sagte Röttgen unter dem Beifall der Delegierten.

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Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hielt Röttgen vor, sie nehme die Menschen nicht ernst. "Hochmut kommt vor dem Fall", sagte der Bundesumweltminister. Scharfe Kritik übte der CDU-Spitzenkandidat auch an der Haushaltspolitik von SPD und Grünen. "Verschuldung ist unsozial", sagte Röttgen.

Röttgen kündigte zudem an, er wolle im Falle eines CDU-Wahlsiegs die Energiepolitik zur "Chefsache" machen und in einem eigenständigen Energieministerium bündeln. Kurz vor der CDU-Landesvertreterversammlung hatte Röttgen in Düsseldorf die parteilose Wissenschaftlerin Claudia Kemfert als Energieministerin in seinem Schattenkabinett vorgestellt. Die 43-Jährige arbeitet als Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ( DIW ).

Kritik an Röttgens Landesliste

Vor dem Parteitag hatte es Kritik aus den eigenen Reihen an Röttgens Führungsstil gegeben. Der Vorsitzende des Parteibezirks Mittelrhein, Axel Voss, rief dazu auf,  gegen die von Röttgen angeführte Landesliste zu stimmen. Der Europaabgeordnete sah seinen Bezirk bei der Verteilung der Listenplätze benachteiligt. Zur Delegiertenversammlung erschien Voss nicht, er sei im Urlaub, hieß es.

Mit dem Votum für Röttgen haben nun alle fünf Düsseldorfer Landtagsparteien ihre Spitzenkandidaten bestimmt. Bereits am Wochenende hatte die SPD ihre Landesvorsitzende Kraft mit 99,3 Prozent auf Platz eins gewählt. Die FDP setzte ihren früheren Generalsekretär im Bund, Christian Lindner, mit 99,7 Prozent an die Spitze der Liste. Die Grünen kürten die Vize-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann mit 98,5 Prozent zur Spitzenkandidatin. Die Linke wählte ihre NRW-Chefin Katharina Schwabedissen mit 70,3 Prozent auf den ersten Listenplatz.

Die seit knapp zwei Jahren amtierende Minderheitsregierung von SPD und Grünen hatte am 14. März im Düsseldorfer Landtag keine Mehrheit für ihren Landesetat bekommen. Daraufhin beschloss das Landesparlament seine Auflösung. Der neue Landtag wird am 13. Mai gewählt.

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Leserkommentare
  1. Sehr geehrter Herr Röttgen,

    meinen Glückwunsch zur Nominierung als Spitzenkandidat der CDU-NRW. Anzumerken ist, dass Christian Lindner ein besseres prozentuales Ergebnis erzielte. Aber das nur nebenbei.

    Allerdings stellt sich mir die Frage, wie ernst Sie es mit Ihrer Kandidatur meinen. Würden Sie in NRW als Oppositionsführer im Landtag arbeiten wollen oder lieber in Berlin als Umweltminister?

    Ich vermisse hier ein klare Positionierung von Ihnen. Ihr Vorwurf an Frau Kraft, sie nehme die Menschen nicht ernst, liegt m E. ziemlich daneben. Ich denke, dass Sie selbst die Menschen in NRW nicht ernst nehmen. Wieso sollten Sie ins Amt des Ministerpräsidenten gewählt werden, wenn Sie sich nicht festlegen wollen, im Falle einer Niederlage in NRW bleiben zu wollen?

    Sorry, allein schon Ihr Verhalten in dieser Frage genügt mir, Sie nicht zu wählen.

    Es war aber schön, dass man mal darüber gesprochen hat.

    Mit freundlichen Grüßen

    Eine Leserempfehlung
    • tbw
    • 04. April 2012 23:19 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf unangebrachte Vergleiche. Stattdessen tragen Sie bitte mit sachlichen Argumenten zum Thema des Artikels bei. Die Redaktion/mak

  2. Nicht das ich vor Begeisterung aufgesprungen wäre, nein: vor Lachen wäre ich fast herunter gefallen. Ein Wahlergebnis von 96% als gut zu bezeichnen, ist angesichts der Situation geschmeichelt. Eine Partei mit dem Rücken an der Wand leistet sich keine Geschlossenheit! Dass hat die FDP besser hingekriegt. Die hat offenbar begriffen, wie hoch das Wasser steht.

    Und dann die Krönung: er wolle Energiepolitik zur "Chefsache" machen und in einem eigenständigen Energieministerium bündeln. Damit kann er in Berlin schon keinen Stich machen und ließ sich die Wurst vom Brot klauen (von einer Frau). Zudem denke ich, dass Energiepolitik DAS vordringliche Thema in NRW ist, dass er es gleich zur Chefsache machen muss. Vermutlich ist es eher so, dass anderes von ihm kaum zu erwarten ist. Möglicherweise kann er aber so besser Posten verschachern in das eigenständige Energieministerium.

    Mag sein, dass das böse klingt. Aber ich bin wirklich erschrocken wie unsensibel Politiker sein können. Allein schon, dass er sich nicht bedingungslos dem Land NRW und den Wählern hingeben will, ist eine Ohrfeige für die Wähler. So stellt sich Röttgen als harmloser, ausstrahlungsarmer Opportunist dar.

    Da kann Frau Kraft mit Fug und Recht gelassen bleiben. Der Name ist ja schon Ausdrucksstark und sie ist bestimmt nicht "unsozial".

  3. Gut geschrieben, aber warum wird ueber diese fuer Deutshcland unwichtigen Vorwahlen so viel geschrieben?

    Dem Auto sollte man nebenbei fuer die Phrase "konservativer Vordenker" einen Preis verleihen...

  4. Ähm, Räusper also ich kann mich diesem Eindruck nicht erwehren!
    Meines Wissens haben wir doch gerade eine "Energiewende" vor zu bereiten, zu planen und mit der Umsetzung zu beginnen? Sollte da der Umweltminister nicht eigentlich genug zu tun haben?
    Offensichtlich nicht, denn er findet mal eben noch Zeit für einen Landestagswahlkampf und nicht einfach nur so ein bißchen unterstützend sondern gleich als Spitzenkandidat!
    Wie war das doch gleich noch: " Meine Kraft dem Wohle des Deutschen Volkes widmen werde...." ausser es ist gerade mal irgendwo ein Landtagswahlkampf bei dem man möglicherweise Ministerpräsident werden könnte?
    Oder anders herum: Och nööö das mit dem MP hat dann doch nicht geklappt, na dann bleiben wir halt Umweltminister!

    So sieht das also aus wenn unsere "Spitzenpolitiker" ihre "ganze" Kraft auf eine Aufgabe konzentrieren und Ihrer "Verantwortung" gerecht werden?
    Nein das hat er nicht gesagt, aber keine Antwort ist auch eine Antwort!

    Danke Herr Röttgen für diese erhellenden Einblicke!

    Aber an unsere Regierungschefin: ich habe die Tage meinem Chef gesagt das ich die nächsten 8 Wochen mal bei der Konkurrenz mitarbeite und ihm dann mitteilen werde ob ich anschließend ganz dort bleibe ( Natürlich nur wenn mir das Angebot dann zusagt) oder meine alte Stelle weiterführe!

    Raten Sie mal was ich für eine Antwort bekommen habe ;).

    Jetzt weiß ich auch warum nur noch 9% der Menschen Politiker für vertrauenswürdig halten.
    Quelle: GFK Vertrauensindex 2011.

    LG

    Klaus

    2 Leserempfehlungen
    • CM
    • 05. April 2012 8:33 Uhr

    Die Chancen der CDU in NRW stehen schlecht, und mit Herrn Röttgen an der Spitze stehen sie noch schlechter - nur, den Job wollte kein anderer machen. Daß sich ausgerechnet ein erfolgloser und in den egenen Reihen nicht geachteter Bundesminister auf solch ein Himmelfahrtskommando begibt liegt wohl daran, daß er mit seinem jetzigen Job nicht ganz zufrieden ist.

    Wie könnte er auch, als Platzhalter auf einem Ministerposten einer für Frau Merkel völlig bedeutungslosen Kategorie: Umweltschutz? Ist das nicht das, was man am besten in Hochglanzbroschüren druckt und dann schnell wieder vergißt? Ja, und darauf setzt man eben einen Kandidaten, dem auf dem Weg die Karriereleiter hinauf die nicht vorhandenen Ecken und Kanten noch weiter abgeschliffen wurden, einen aus der 'Generation aalglatt', der eigene Überzeugungen, sofern für ihn selbst noch erkennbar, Parteiräson und Umfragen unterordnet. Röttgen hat nicht immer gehorcht, er war auch auf dumme Art aufmüpfig, also lästig. Man merkt ihm an, daß Demütigungen an ihm nagen, zum Beispiel bei Verhandlungen mit Stromkonzernen draußen bleiben zu müssen.

    Und so einen, der wie ein Hund getreten wurde, schickt man auf eine aussichtslose Mission, die seine Karriere beenden könnte. Die Grußworte von Parteifreunden, er möge doch bitte nach der Wahl in NRW bleiben, klingen wie die Bitte, bloß nicht wiederzukommen.

    Wovon träumt Herr Röttgen noch? Von einer zweiten Karriere, fern von der strengen Mutti?

    Er verwechselt Träume mit Illusionen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, AFP
  • Schlagworte Norbert Röttgen | SPD | CDU | Grüne | Hannelore Kraft | Bundesumweltminister
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