Zukunftsdialog: Die Bürger haben eine Chance verpasst
Bald endet der Zukunftsdialog der Bundesregierung. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Dafür sind nicht nur technische Mängel verantwortlich, kommentiert Markus Horeld.
Am Sonntag wird ein Experiment beendet, das es in Deutschland so noch nicht gegeben hat. Zweieinhalb Monate lang konnten die Bürger auf dialog-ueber-deutschland.de über die Zukunft des Landes diskutieren. Es ging um die ganz großen Fragen: Wie wollen wir künftig zusammenleben, wie wollen wir lernen und wovon wollen wir leben? Dazu sollten die Menschen konkrete Vorschläge einreichen.
Die Bürger haben es getan. Mehr als 10.000 Ideen gingen ein, wurden diskutiert, von den Usern bewertet und nach Wichtigkeit sortiert. Am Ende der zweieinhalb Monate zeigt sich: Das Experiment ist grandios gescheitert.
Wollte die Bundesregierung, die diesen Zukunftsdialog initiiert hat, aus den zentralen Ergebnissen der Befragung konkrete Handlungsanweisungen ableiten, so müsste sie die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern unter Strafe stellen, Islamophobe hofieren, den sexuellen Missbrauch von Tieren bestrafen und das Waffenrecht liberalisieren. Das zumindest sind einige der Themen, die von den Teilnehmern zu den drängendsten Zukunftsproblemen Deutschlands gewählt wurden.
Großes Wünsch-dir-was
Sind sie das? Natürlich nicht. Es sind bloß die Auswürfe einiger weniger Ideologen, deren Beiträge unter mehr oder weniger undurchsichtigen Umständen die meisten Stimmen abgegriffen haben. Doch haben sie das Zeug dafür, ein im Grundsatz großartiges Projekt wie den Zukunftsdialog zu diskreditieren. Eine erkleckliche Anzahl an Bürgern hat den Bürgerdialog zu einer Agitations- und Wünsch-dir-was-Plattform verkommen lassen.
Leider sieht es mit den anderen Vorschlägen nicht viel besser aus. Sicher, manch bedenkenswerte Idee ist darunter, man könnte das bedingungslose Grundeinkommen nennen oder den nötigen Umbau unseres Schulwesens. Doch ein Großteil der Teilnehmer hat die übergeordnete Fragestellung schlicht umgedeutet: Aus dem "Wir" wurde ein "Ich". Wie will ich leben. Oder schlimmer: Wie will ich, dass andere leben. Was man auf der Website nach zweieinhalb Monaten Bürgerbeteiligung vorfindet, ist eine wilde Sammlung von Partikularinteressen und ideologischer Kampfschriften.
Man könnte es sich nun leicht machen und die Fehler dieses Projektes an seinen technischen und redaktionellen Unzulänglichkeiten festmachen. Zugangshürden, die Mehrfach-Votings verhindert oder eingeschränkt hätten, gab es praktisch keine. Eine Moderation der Beiträge war kaum auszumachen. Die aber ist nötig, damit ein produktiver Diskurs zustande kommt. Zahlreiche Community-Redaktionen beweisen dies tagtäglich.
Bürgerbeteiligung kann funktionieren
Doch ist all dies nur ein Teil des Problems. Gescheitert ist dialog-ueber-deutschland.de auch daran, dass wir Bürger es offenbar noch nicht gewohnt sind, uns öffentlich und kompetent über ein so abstraktes Thema wie Deutschlands Zukunft Gedanken zu machen.
Im Kleinen nämlich funktioniert Bürgerbeteiligung durchaus, wie Bürgerhaushalte und Infrastrukturprojekte zeigen. Große Zukunftsfragen aber klug zu beantworten, ist weitaus schwieriger, als sich für die Ausbesserung einer kaputten Straße zu engagieren. Es setzt voraus, dass der beteiligte Bürger nicht nur sich sieht und seine Umgebung, sondern ein ganzes Land mit mehr als 80 Millionen Bewohnern.
Bürgerbeteiligung auf dieser großen Ebene ist keineswegs generell zum Scheitern verurteilt, wie es die Ergebnisse des Zukunftsdialogs nun nahelegen. Beispiele wie das Piratenwiki zeigen, dass auch große Fragen so diskutiert werden können, dass vorzeigbare, konkrete Ergebnisse entstehen. Schwarmintelligenz ist dort kein leeres Schlagwort sondern Realität. Wirre Einzelmeinungen und extremistische Positionen werden durch die Masse der Teilnehmer meist aussortiert.
Beim Zukunftsdialog hat genau dies jedoch nicht funktioniert. Vielleicht war der Schwarm zu klein, vielleicht manch kluger Ideengeber nicht mutig genug, für seinen Vorschlag zu werben. Vielleicht brauchen wir auch mehr Zeit. Den Ideenreichtum der Bürger künftig nicht zu nutzen, wäre jedenfalls unverzeihlich.








Und sie funktioniert vor allem dann, wenn man als Bürger weiß das man auch für voll genommen wird.
Es gibt seit einiger Zeit die Möglichkeit der Online-Petition für Vorträge von Bürgern im Bundestag.
Die Politik hat das einen feuchten Kehricht gekümmert, was da vorgetragen wurde und auf einmal sollen alle im Viereck springen wenn ein ebenso irrelevanter "Zukunftsdialog" angeboten wird.
Meine Zeit kann ich da auch sinnvoller verbringen. Zumal man nach 10.000 Vorschlägen und Ideen, schon wieder dem Bürger den schwarzen Peter zuschiebt.
Das ist gelinde gesagt eine Frechheit.
Moin,
ja, die Bürger können und wollen beteiligt werden. Dazu muss man sie aber auch für voll nehmen. Der Zukunfts-Dialog mangelt hier gleich im mehrfacher Hinsicht. Das beginnt mit dem getrennten Bürger- und Expertendialog in der Einstiegsphase, die am Sonntag endet. Das ist der Klassiker der Fehleinschätzungen, Experten beraten hinter verschlossenen Türen, der Bürger darf auf einem eigenen Spielplatz auch Diskussion spielen. Und entsprechend sind die Beiträge. Auf methodische Feinheiten gehe ich hier gar nicht ein, schon vom groben Blick fühle ich mich an der Nase herum geführt. Wirkt wie "Du bist Deutschland" oder "Wir sind Papst" auf mich.
Der nächste Kracher ist das Zusammenführen und Sichten mit anschließender Wertung und Zusammenfassung, jetzt wieder ohne die Bürger einzubinden. Eigentlich auch ein Klassiker.
Nein, dieses Beteiligungs-Surrogat ist nicht förderlich, wer Beteiligung möchte, der besser bindet ein in Dinge wie Planfeststellungen oder Bauleitplanung, wo es noch viel Formalismus abzubauen und echte Beteiligung einzubauen gilt. Dies kann dann als Modell für andere Themenbereiche herhalten. Der umgekehrte Weg wird aber wieder beschritten, weg von der Bürgerbeteiligung. In Hessen gerade durch die Novellierung der Gemeindeordnung (auch unter dem Deckmantel der Bürgerbeteiligung) vollzogen. Echte Bürgerbeteiligung ist unbequem für beide Seiten. Lieben wir es nicht besser bequem? Dann reicht eben auch ein Surrogat.
Beste Grüße
Grabert
Moin,
ja, die Bürger können und wollen beteiligt werden. Dazu muss man sie aber auch für voll nehmen. Der Zukunfts-Dialog mangelt hier gleich im mehrfacher Hinsicht. Das beginnt mit dem getrennten Bürger- und Expertendialog in der Einstiegsphase, die am Sonntag endet. Das ist der Klassiker der Fehleinschätzungen, Experten beraten hinter verschlossenen Türen, der Bürger darf auf einem eigenen Spielplatz auch Diskussion spielen. Und entsprechend sind die Beiträge. Auf methodische Feinheiten gehe ich hier gar nicht ein, schon vom groben Blick fühle ich mich an der Nase herum geführt. Wirkt wie "Du bist Deutschland" oder "Wir sind Papst" auf mich.
Der nächste Kracher ist das Zusammenführen und Sichten mit anschließender Wertung und Zusammenfassung, jetzt wieder ohne die Bürger einzubinden. Eigentlich auch ein Klassiker.
Nein, dieses Beteiligungs-Surrogat ist nicht förderlich, wer Beteiligung möchte, der besser bindet ein in Dinge wie Planfeststellungen oder Bauleitplanung, wo es noch viel Formalismus abzubauen und echte Beteiligung einzubauen gilt. Dies kann dann als Modell für andere Themenbereiche herhalten. Der umgekehrte Weg wird aber wieder beschritten, weg von der Bürgerbeteiligung. In Hessen gerade durch die Novellierung der Gemeindeordnung (auch unter dem Deckmantel der Bürgerbeteiligung) vollzogen. Echte Bürgerbeteiligung ist unbequem für beide Seiten. Lieben wir es nicht besser bequem? Dann reicht eben auch ein Surrogat.
Beste Grüße
Grabert
denn erstens ist das Parlament die Legislative und nicht die Bundesregierung. Erst recht nicht eine, sich als Staatsratsvorsitzende gerierende, Bundeskanzlerin.
Zweitens, selbst wenn, mit der derzeitigen Bundesregierung ist ein Zukunftsdialog ausgeschlossen. Warum? Ich sehe keine Veranlassung über die Zukunft der Regierung und ihrer Mitglieder zu ratschen. Die einzige Zukunft, die unsere Regierung interessiert
Und um in Zukunft die Arbeitslosenstatistiken noch besser frisieren zu können braucht es keinen Dialog mit den Bürgern.
Und um mir eine Show reinzuziehen gucke ich lieber die Muppetshow. Da werde ich wenigstens intellektuell gefordert.
MfG
AoM
Das bringt mehr als jeder Zukunfts"dialog" mit dieser Regierung.
und den anderen Lesern auch, lieber limdaepl, wie viel "mehr als jeder Zukunfts"dialog" mit dieser Regierung" das Wählen der Piratenpartei Ihrer Meinung nach bringen soll, was genau sie damit meinen und die Gründe für Ihre Meinung?
zu Ihrer entwaffnenden Naivität.
Über die allumfassenden nationsweiten Netzdiskussions- und Schwarmintelligenz-Phantasien der sog. Piraten will ich mich nicht äußern. Aber mal eine schlichte Beispiel-Frage:
10.000 (oder 10 Millionen) in Deutschland - oder in aller Welt? - äußern sich in engagierter Prosa mit subjektiv höchst fundierten Argumenten und Gegenargumenten zu der Frage, von wo nach wo, auf welchem Weg, mit welcher Technik und zu welchen Kosten die dringend benötigten Starkstrom-Trassen zum Nord-Süd-Transport der Windenergie errichtet werden sollen. Ein vor allem lokal hochkontroverses Thema, das nach Bürgerbeteiligung förmlich schreit.
Wer liest, sortiert, kanalisiert und bewertet mit der gebotenen Neutralität dieses unüberschaubare Konglomerat an Meinungsäußerungen? Wer macht daraus eine allgemein akzeptierte, finanzierte und realisierbare verbindliche Entscheidung?
Alternative:
Wie derzeit bei Volksabstimmungen/Bürgerentscheiden formuliert jemand (wer?) vorgefertigte Alternativvorschläge, die hoffentlich (memento S21!) von allen verstanden werden und durch Ankreuzen entschieden werden. Praktikabel, aber nichts Neues.
Aufwachen, Leute! "Bürgerbeteiligung" - gar im Piraten-Sinne - bedeutet selbst in einem weitaus kleineren als 80-Mio.-Volk: Alle twittern, (un-)liken, posten, simsen und labern endlos und mit hohem Stuss-Anteil durcheinander, und sollte doch jemals irgend etwas entschieden werden, sind schon längst alle Katzen auf den Bäumen.
und den anderen Lesern auch, lieber limdaepl, wie viel "mehr als jeder Zukunfts"dialog" mit dieser Regierung" das Wählen der Piratenpartei Ihrer Meinung nach bringen soll, was genau sie damit meinen und die Gründe für Ihre Meinung?
zu Ihrer entwaffnenden Naivität.
Über die allumfassenden nationsweiten Netzdiskussions- und Schwarmintelligenz-Phantasien der sog. Piraten will ich mich nicht äußern. Aber mal eine schlichte Beispiel-Frage:
10.000 (oder 10 Millionen) in Deutschland - oder in aller Welt? - äußern sich in engagierter Prosa mit subjektiv höchst fundierten Argumenten und Gegenargumenten zu der Frage, von wo nach wo, auf welchem Weg, mit welcher Technik und zu welchen Kosten die dringend benötigten Starkstrom-Trassen zum Nord-Süd-Transport der Windenergie errichtet werden sollen. Ein vor allem lokal hochkontroverses Thema, das nach Bürgerbeteiligung förmlich schreit.
Wer liest, sortiert, kanalisiert und bewertet mit der gebotenen Neutralität dieses unüberschaubare Konglomerat an Meinungsäußerungen? Wer macht daraus eine allgemein akzeptierte, finanzierte und realisierbare verbindliche Entscheidung?
Alternative:
Wie derzeit bei Volksabstimmungen/Bürgerentscheiden formuliert jemand (wer?) vorgefertigte Alternativvorschläge, die hoffentlich (memento S21!) von allen verstanden werden und durch Ankreuzen entschieden werden. Praktikabel, aber nichts Neues.
Aufwachen, Leute! "Bürgerbeteiligung" - gar im Piraten-Sinne - bedeutet selbst in einem weitaus kleineren als 80-Mio.-Volk: Alle twittern, (un-)liken, posten, simsen und labern endlos und mit hohem Stuss-Anteil durcheinander, und sollte doch jemals irgend etwas entschieden werden, sind schon längst alle Katzen auf den Bäumen.
Die Bürgerschelte von Markus Horeld ist verfrüht, kontraproduktiv und zart durchschimmernd unverschämt.
Ich selbst habe dieses Experiment, als es ruchbar wurde, leise schmunzelnd betrachtet, na ja, kenn wa doch, wissen wa doch was die crowd wieder draus machen wird.
Ja, und es hat sich offenbar bestätigt, JA!
Aber das Ergebnis des Versuchs als vernichtend hinzustellen ist schlicht unfair.
Der Autor begeht den gleichen Irrtum wie die Piraten, die den Nerd voraussetzen, als den der sie verstehen kann.
Die Leute haben es noch nicht gelernt, sich seriös an solchen Dingen zu beteiligen bzw. wurden durch bisherige Praktiken sogar gehindert, die Seriosität einer solchen Sache überhaupt in Betracht zu ziehen.
Ja, und die Teilnehmer hätten den Sinn nicht verstanden, aus dem "Wir" sei ein "Ich" geworden, bla.
Dann versuche man das bei der nächsten Auflage zu reparieren. Oder vielleicht zählt man zigtausend "Ichs" ja auch zu einem "Wir" zusammen - wie es euch gefällt.
Für mich ein ziemlich missratener Kommentar. Ein Bericht über gezielte Schummeleien, Resets und das mit Statements der Macher, welche Erkenntnisse gezogen wurden, wäre konstruktiver gewesen.
Die Veranstaltung war ein erster Versuch! Schuldzuweisungen für sein völlig absehbares Danebengehen sind mir zu arrogant.
"Die Leute haben es noch nicht gelernt, sich seriös an solchen Dingen zu beteiligen bzw. wurden durch bisherige Praktiken sogar gehindert, die Seriosität einer solchen Sache überhaupt in Betracht zu ziehen"
Die Sache war postitiv gesehen ein Versuch zu mehr Beteiligung, negativ gesehen könnte es ein Versuch gewesen sein, genau diese lächerlich zu machen.
Warum? Ich habe mich daran beteiligt, bereits wenige Tage nach Freischaltung gab es buchstäblich hunderte ja tausende Beiträge und Kommentare. Durch die Unübersichtlichkeit und das äußerst vagen Themen (Zukunft, da fällt allein mir massenweise ein) war gesichert, dass haufenweise Unsinn und redundante Beiträge usw. reinkamen und NIEMAND ernsthaft alle Vorschläge hätte lesen können, sie gar bewerten oder geschweige denn argumentativ darauf eingehen. Das würde Tage oder Wochen erfordern, unmöglich.
Nach dem einem Beitrag habe ich es dann auch gelassen, sinnlos, reine Zeitverschwendung. Selbst wenn irgendeine Idee bei der Regierung landen würde, sie handelt ja nicht unbedingt so wie sie handelt, weil sie keine Leute mit Phantasie hat, sondern weil die Macht so verteilt ist wie sie ist.
Ein typisches Projekt der Internet-Ausdrucker und beredtes Beispiel für ihre Kompetenz, ist ja nicht so, dass es keine Software gibt, mit der man gescheit diskutieren könnte. Ist auch nicht so, dass es keine konkreten Themen gäbe.
Im besten Fall lernen die jetzt daraus, wählen werde ich trotzdem die Piraten.
"Die Veranstaltung war ein erster Versuch! Schuldzuweisungen für sein völlig absehbares Danebengehen sind mir zu arrogant."
Auch erste Versuche darf und soll man bewerten. Und "leise" schmunzeln ist mir, ehrlich gesagt, zu wenig.
Über Resets und Schummeleien bitte hier weiterlesen: http://www.zeit.de/digita...
....den Ausdruck einer Meinung zu verbieten, so ist das schon irgendwo vernichtend, auch wenn es nicht wundern darf, bedenkt man wie wenig liberal die hiesige Kultur ist.
Auch ist interessant, dass kein Vorschlag mehr Stimmen bekam als 140 Tausend. Kein Mensch hat sich offenbar interessiert sich einzubringen.
"Die Leute haben es noch nicht gelernt, sich seriös an solchen Dingen zu beteiligen bzw. wurden durch bisherige Praktiken sogar gehindert, die Seriosität einer solchen Sache überhaupt in Betracht zu ziehen"
Die Sache war postitiv gesehen ein Versuch zu mehr Beteiligung, negativ gesehen könnte es ein Versuch gewesen sein, genau diese lächerlich zu machen.
Warum? Ich habe mich daran beteiligt, bereits wenige Tage nach Freischaltung gab es buchstäblich hunderte ja tausende Beiträge und Kommentare. Durch die Unübersichtlichkeit und das äußerst vagen Themen (Zukunft, da fällt allein mir massenweise ein) war gesichert, dass haufenweise Unsinn und redundante Beiträge usw. reinkamen und NIEMAND ernsthaft alle Vorschläge hätte lesen können, sie gar bewerten oder geschweige denn argumentativ darauf eingehen. Das würde Tage oder Wochen erfordern, unmöglich.
Nach dem einem Beitrag habe ich es dann auch gelassen, sinnlos, reine Zeitverschwendung. Selbst wenn irgendeine Idee bei der Regierung landen würde, sie handelt ja nicht unbedingt so wie sie handelt, weil sie keine Leute mit Phantasie hat, sondern weil die Macht so verteilt ist wie sie ist.
Ein typisches Projekt der Internet-Ausdrucker und beredtes Beispiel für ihre Kompetenz, ist ja nicht so, dass es keine Software gibt, mit der man gescheit diskutieren könnte. Ist auch nicht so, dass es keine konkreten Themen gäbe.
Im besten Fall lernen die jetzt daraus, wählen werde ich trotzdem die Piraten.
"Die Veranstaltung war ein erster Versuch! Schuldzuweisungen für sein völlig absehbares Danebengehen sind mir zu arrogant."
Auch erste Versuche darf und soll man bewerten. Und "leise" schmunzeln ist mir, ehrlich gesagt, zu wenig.
Über Resets und Schummeleien bitte hier weiterlesen: http://www.zeit.de/digita...
....den Ausdruck einer Meinung zu verbieten, so ist das schon irgendwo vernichtend, auch wenn es nicht wundern darf, bedenkt man wie wenig liberal die hiesige Kultur ist.
Auch ist interessant, dass kein Vorschlag mehr Stimmen bekam als 140 Tausend. Kein Mensch hat sich offenbar interessiert sich einzubringen.
Mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Aktion nicht wirklich gewollt war. Man muss den Initiatoren schon den Vorwurf machen, dass eine an sich gute Idee nicht konsequent umgesetzt wurde. Wie im Artikel bereits beschrieben gehört zu einem Dialog auch ein Moderatorenteam das den Uebeblick behält. Man kann den Buergern also nicht den Vorwurf machen sie haben eine Chance verpasst, wenn grobe Fehler im Ablauf/Organisation gemacht werden. Eine Diskussion/Dialog ohne Moderator endet meistens im Chaos. Eine professionellere Herangehensweise wäre sicher hilfreich gewesen. Ich würde den Spieß umdrehen, hier hat die Bundesregierung eine Chance verpasst.
Dass es besser gehen kann beweisen viele Firmen heute schon. Da werden die Mitarbeiter aufgefordert und ermutigt sich durch eigene Vorschläge und Diskussionen an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen/Arbeitsabläufe zu beteiligen. Und das mit Erfolg.
...Moderation führt immer auch zu willkürlicher Zensur. An welcher Stelle zieht man den Trennstrich zwischen "populär aber unmöglich", "nicht political correct" oder "gerechtfertigter Kritik". In der Praxis unmöglich. Dazu kommt, dass weniger Gebildete durch ihre ruppigere und direktere Sprache schnell aussortiert und mundtot gemacht werden.
Moderation ist schon nötig, aber nur um grobe Rechtsverstöße auszuschliessen oder redundante Themen zusammenzuführen. Die technischen Mängel des Forums kann man damit nicht ausgleichen. Es fehlte vor allem an Übersichtlichkeit. Und das absolute K.O.-Kriterium waren die vagen Themenvorgaben.
Ich kann stundenlang über das Pro- und Contra eines gesetzlichen Mindestlohns diskutieren. Aber unmöglich über hunderte grundverschiedene pauschale "Zukunfts"vorschläge. Wenn man derart überfordert wird, verliert man einfach die Lust. Aber die Regierung wird schon *wissen*, warum sie uns "dummes" Volk nicht über den Mindestlohn diskutieren lässt, sondern lieber über nichtssagende unverbindliche Themen...
...Moderation führt immer auch zu willkürlicher Zensur. An welcher Stelle zieht man den Trennstrich zwischen "populär aber unmöglich", "nicht political correct" oder "gerechtfertigter Kritik". In der Praxis unmöglich. Dazu kommt, dass weniger Gebildete durch ihre ruppigere und direktere Sprache schnell aussortiert und mundtot gemacht werden.
Moderation ist schon nötig, aber nur um grobe Rechtsverstöße auszuschliessen oder redundante Themen zusammenzuführen. Die technischen Mängel des Forums kann man damit nicht ausgleichen. Es fehlte vor allem an Übersichtlichkeit. Und das absolute K.O.-Kriterium waren die vagen Themenvorgaben.
Ich kann stundenlang über das Pro- und Contra eines gesetzlichen Mindestlohns diskutieren. Aber unmöglich über hunderte grundverschiedene pauschale "Zukunfts"vorschläge. Wenn man derart überfordert wird, verliert man einfach die Lust. Aber die Regierung wird schon *wissen*, warum sie uns "dummes" Volk nicht über den Mindestlohn diskutieren lässt, sondern lieber über nichtssagende unverbindliche Themen...
Man kann den meisten BürgerInnen in Deutschland also nur zu ihrer Klugheit gratulieren, dass sie sich nicht beteiligt haben.
Vermutlich haben nämlich viele Interessenten recht schnell verstanden, dass es nicht um ernsthaft Beteiligung, sondern ganz klar um Kanzlerinnen-PR geht (aus Steuerzahlergelder natürlich).
Welche Aussicht auf "Bürgerbeteiligung" gab es denn?
10 Leute werden ins Kanzleramt eingeladen (die "meistgeklickten" Vorschläge). 10 weitere Leute bzw. Vorschläge werden von den Experten-AGs ausgesucht (also diesen Beschäftigungstherapiegruppen für W3-Professoren, die nebenher liefen). So wird dann auch gleichzeitig sichergestellt, dass maximal 10 Verrückte bei Angela am Kaffeetisch sitzen.
Und was passiert dann? Man (vermutlich die Arbeitsknechte der W3-Professoren und eine Kanzleramts-Redigierstelle) schreiben ein schönes Sammelbändchen, man macht eine große Trara-Präsentation und ab geht das Ding in die Bibliotheken dieser Republik, wo es niemand ausleiht.
Währenddessen macht der Berliner Zirkus natürlich genauso weiter wie bisher.
Warum sollte man sich an so einem schlechten Witz beteiligen, lieber Herr Horeld?
er fasst das Welt- und Zeitverständnis der ZEIT in herovrragenderweise zusammen.
Im Kommentarbereich werden Andeutung zu den anscheinend im Dialog bevorzugten Themen mit "bleiben sie sachlich, verzichten sie auf Polemik" zensiert und der Artikel nennt die Leute die wohl eher den Zeitgeist in D getroffen haben Ideologen, da man nicht in der Lage ist eine fundierte Auseinandersetzung mit deren Themen zu führen. Was übrigens auch in der letzten Printausgabe deutlich wird.
Das der Zukunftsdialog zum scheitern veruteilt war, sollte jedem realistisch denkenden Menschen von vornherein klar gewesen sein.
Zum einen interessiert die meisten Dt. nicht was mit ihrem Land passiert, so lange es ihnen noch "gut" geht. Sieht man an der Wahlbeteiligung und dem alltäglichen Phlegma gegenüber Entscheidungen der s.g. Eliten. Sowie dem Aufstieg der Piratenpartei, die im Prinzip vollkommen ohne Konzept Wahlen gewinnen.
Zum anderen wurde der Dialog auch kaum beworben oder publik gemacht, so dass er an vielen vorbeigelaufen sein dürfte. Was imho auch gewollt war, denn nun hat man die Legitimation der Bürger steht hinter unserer Arbeit, also machen wir weiter, denn alles ist gut.
Erinnert irgendwie an die letzten Jahre der DDR.
ist, dass man nicht dagegen stimmen kann. Dadurch kommen verzerrte Ergebnisse zustande. Ich kann mir z.B. kaum vorstellen, dass sich in Deutschland eine Mehrheit dafür aussprechen würde, das Waffenrecht zu lockern. Dennoch ist dieses Thema ganz oben. Auf den ersten Blick mag das schockieren. Doch wenn man weiter nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass dieser Vorschlag durch die Möglichkeit einer negativen Abstimmung wahrscheinlich nicht so weit nach oben gekommen wäre, im Gegenteil. So verhält es sich auch mit anderen Vorschlägen. Einige Vorschläge, nebenbei bemerkt, finde ich dagegen sehr diskussionswürdig.
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