Die FDP lässt in den von ihr geführten Ministerien Mitarbeiter von Wirtschafts- und Interessenverbänden direkt mitwirken. Das schreibt die Financial Times Deutschland ( FTD ) unter Berufung auf den Lobbyistenbericht des Innenministeriums .

Der Zeitung zufolge waren zwei Mitarbeiter des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) und ein Mitarbeiter des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) mehrere Monate lang im Gesundheits- und Entwicklungsministerium tätig. Im Auswärtigen Amt werde ebenfalls ein Lobbyist des BDI eingesetzt.

Lobbyist soll an Gesetzesentwurf mitgeschrieben haben

Ein Mitarbeiter des VDEK soll im Gesundheitsministerium auch an einem Gesetzesentwurf mitgearbeitet haben. Dem Ministerium zufolge hat der VDEK-Lobbyist lediglich zugearbeitet.  Die FTD zitiert den Geschäftsführer der Organisation Transparency International, Christian Humborg, der diese externe Mitarbeit an Gesetzesentwürfen als klaren Regelverstoß kritisiert. Die Mitarbeit im Entwicklungsministerium sieht Humborg als "grenzwertig".

Der Organisation Lobbycontrol zufolge hat der BDI-Mitarbeiter im Auswärtigen Amt folgende Themen bearbeitet: Investitionsgarantien, Organisation von Projekten der Außenwirtschaftsförderung und der strukturellen Verbesserung der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsverbänden. Lobbycontrol kritisiert, dass dieser Bereich "klar die kommerziellen Interessen der BDI-Mitglieder" berührt. 

2008 hatte das Innenministerium den Einsatz von Leiharbeitern in Ministerien per Verordnung geregelt. Die Verordnung untersagt externen Mitarbeitern, in Funktionen mitzuarbeiten, die Geschäftsinteressen der leihenden Organisation unmittelbar berühren.

Im zweiten Halbjahr waren laut FTD 70 externe Mitarbeiter in den Ministerien beschäftigt. Der größte Teil kam aus dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt ( DLR ). Obwohl die Mitarbeit in der Regel nicht länger als ein halbes Jahr dauern soll, sind 43 Mitarbeiter länger in den Ministerien, maximal seit zehn Jahren.