Günter GrassEmpörung über Gedicht und Einreiseverbot

Israel hat Günter Grass wegen seines Gedichts ein Einreiseverbot erteilt. Schriftsteller und Politiker kritisieren weiter die Worte des Dichters – und Israels Reaktion. von dpa

Israel hat Günter Grass wegen seines Israel-kritischen Gedichts zur Persona non grata erklärt. Ein Sprecher von Innenminister Eli Jischai bestätigte eine entsprechende Entscheidung. Als Persona non grata, also unerwünschte Person, darf Grass nicht mehr nach Israel einreisen.

Jischai sagte nach Angaben seines Sprechers, das Gedicht von Grass habe darauf abgezielt, "das Feuer des Hasses auf den Staat Israel und das Volk Israel anzufachen". Grass wolle so "die Idee weiterbringen, die er früher mit dem Tragen der SS-Uniform offen unterstützt hat". Weiter sagte er: "Wenn Günter Grass weiter seine verqueren und lügnerischen Werke verbreiten will, sollte er dies vom Iran aus tun , dort kann er sicher ein begeistertes Publikum finden." 



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Der Literaturnobelpreisträger hatte in seinem Gedicht angeprangert, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne. Zudem schrieb er, dass Israel den Weltfrieden gefährde. Dies hatte ihm harsche Kritik und den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht.

Gedicht "Ausdruck des Zynismus"

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman kritisierte Grass nach Rundfunkangaben ebenfalls scharf. Bei einem Treffen mit dem italienischen Regierungschef Mario Monti habe er gesagt, die Äußerungen des deutschen Schriftstellers seien ein Ausdruck des Zynismus. Intellektuelle wie er seien bereit, "Juden auf dem Altar der Antisemiten zu opfern".

Der israelische Historiker Tom Segev nannte das Einreiseverbot gegen Grass im Interview mit Spiegel Online einen "absolut zynischen und albernen Schritt des Innenministeriums". Die Motivation des Ministers zu diesem Schritt sei der Versuch, "seine politische Zukunft zu sichern".

In Deutschland wurde Grass wegen des Gedichts unter anderem von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) scharf kritisiert. In einem Beitrag für die Bild am Sonntag schrieb Außenminister Westerwelle: "Israel und Iran auf eine gleiche moralische Stufe zu stellen, ist nicht geistreich, sondern absurd." Und er fuhr fort: "Iran verweigert völkerrechtswidrig seit Jahren umfassende Zusammenarbeit bei der Kontrolle seines Nuklearprogramms." Der Iran habe das Recht auf eine zivile Nutzung der Atomenergie. Es habe aber nicht das Recht auf atomare Bewaffnung. "Wer die davon ausgehende Bedrohung verharmlost, verweigert sich der Realität."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck , hält das israelische Einreiseverbot für Grass für überzogen und falsch. Dem Handelsblatt Online sagte er : "Das ist unsouverän und demokratisch nicht klug. Ich hoffe, dass man das noch einmal überdenkt". Gleichzeitig äußerte Beck jedoch Verständnis für die Verärgerung in Israel. "Grass zeigt sich ignorant gegenüber der tatsächlichen Bedrohung Israels durch den Iran, den ständigen Angriffen auf Israels Staatsgebiet durch Raketen aus dem Gaza-Streifen und die Infragestellung seines Existenzrechtes durch den Iran und seinen Verbündeten in der Region." 

Leserkommentare
  1. Wer hat denn diesen Ausgrenzungsakt letztlich veranlasst? Und bitte, was soll denn dabei Positives herauskommen?
    Versucht doch mal
    1. Herauszubekommen, was er wirklich meinte, was sein eigentliches Anliegen war
    2. Mit ihm ein Gespräch zu führen in Form eines gleichberechtigten Dialoges mit größtmöglicher Offenheit
    3. Erst dann ist eine Reaktion angemessen.

    Wo sind wir eigentlich?

  2. So einseitig das "Gedicht" von Günter Grass ist, so maßlos sind z.T. die Reaktionen und Bewertungen seiner Kritiker - und in ihrer Maßlosigkeit bestätigen sie manches, was Gras in seinem Text vorweggenommen hat.

    2 Leserempfehlungen
    • kaia66
    • 08. April 2012 14:28 Uhr

    Leider bekommt GG durch diese Aktion noch mehr Plattform als ohnehin schon, bei einem peinlichen Gedicht, das meine 10 jährige besser hätte schreiben können. Ich schäme mich fremd für diesen alten SS Mann. Anhand der vielen Bekundungen in den Leserzeilen sieht man, wie viel Antisemitismus doch noch da ist in unseren deutschen Köpfen. Schrecklich! Angsteinflössend.

    3 Leserempfehlungen
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    >>Anhand der vielen Bekundungen in den Leserzeilen sieht man, wie viel Antisemitismus doch noch da ist in unseren deutschen Köpfen. Schrecklich! <<
    ===============================
    Wo genau meinen Sie diesen erkennen zu können?

    ziemlich spät finde ich - unser allseits geschätztes und millionenfach gelesenes Berliner Original Sarrazin vergessen?

    hier wächst zusammen was zusammen gehört!

  3. 332. @yriost

    Auszug aus Ihrem Beitrag "Dummer Kommentar":

    "Wer sollte in diesem Fall besserer Experte sein als der jüdische Dichter Biermann, der im Gegensatz zu Grass sprachmächtige Gedichte produziert hat?.....Wie dieser Debatte generell das differenzierte Denken zu kurz kommt."

    Dumm gelaufen, Biermann ist nun wirklich Geschmacksache und dass er Jude ist, wie Sie sagen, macht seine Reime auch nicht sprchmächtiger.

    Und wenn Sie in dieser Debatte das differenzierte Denken vermissen, schauen Sie sich mal Ihren Beitrag an. Differenziert?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Dummer Kommentar"
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    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte nicht für Eigenwerbung. Die Redaktion/mak

  4. 333. Wo genau

    >>Anhand der vielen Bekundungen in den Leserzeilen sieht man, wie viel Antisemitismus doch noch da ist in unseren deutschen Köpfen. Schrecklich! <<
    ===============================
    Wo genau meinen Sie diesen erkennen zu können?

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    Antwort auf "SS lässt grüssen"
  5. wenn in China ein Sack Reis umgefallen ist. Lächerliche Diskussion, immergleiche Rituale, ganz großes Gähnen.

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  6. Die Reaktion von Israel finge ich überzogen.

    Ich freue mich, dass Günter Grass die Wahrheit über die Waffenlieferungen gesagt und auf die Gefahr eines Atomkrieges seitens Israel hingewiesen hat.
    Endlich spricht mal jemand die Tatsachen aus und ich hoffe sehr, dass Israel seine Aggressionen künftig unterlässt und vor allem, dass Deutschland sich für friedliche Lösungen, statt für Waffenlieferungen, einsetzt.

    Es muss nicht jeder gleich judenfeindlich sein, nur weil er eine ehrliche Aussage macht und diese auch vertritt.
    Die Gedichtform haben schon ganz andere Schriftsteller für politische Kritiken gewählt.

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    • achjaa
    • 08. April 2012 14:32 Uhr

    dass Grass' Thesen auch für Sie rassistisch sind.

    Aus Worten folgen leider öfter Taten, als einem lieb sein kann. Besonders, wenn Hass gepredigt wird. Ansonsten kann man "Verbrechen" auch im nicht-juristischen Sinne verwenden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >>Zumindest haben Sie mit Ihrer Antwort impliziert, dass Grass' Thesen auch für Sie rassistisch sind.<<
    ============================
    Nein, tat ich nicht.

    >>Ansonsten kann man "Verbrechen" auch im nicht-juristischen Sinne verwenden.<<
    ============================
    Nämlich genau wie? Gedanken "präventiv" als Verbrechen darzustellen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Günter Grass | Guido Westerwelle | Wolf Biermann | Eli Jischai | Iran | Israel
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