Günther Grass hat in einem in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Gedicht die israelische Politik gegenüber dem Iran heftig kritisiert. "Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden?", schrieb Grass in einem knapp 70-zeiligen Poem mit der Überschrift Was gesagt werden muss. Dies müsse er jetzt schreiben, "weil es morgen schon zu spät sein könnte". Er schweige nicht mehr, weil er der "Heuchelei des Westens überdrüssig" sei.

Außerdem kritisierte der 84-Jährige die geplante Lieferung eines weiteren U-Boots "aus meinem Land" nach Israel – "mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert". Zugleich bekundet Grass seine Verbundenheit mit Israel.

Zudem forderte Grass in dem Text, "daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird." Das Verschweigen der israelischen Atomrüstung empfinde er als "belastende Lüge".

Der Berliner Autor Henryk M. Broder kritisierte Grass. Dessen Werk sei "das übliche verbale Vorspiel zu einem Tabubruch, der mit der Verantwortung des Dichters, eine Katastrophe zu verhindern, begründet wird".

Eklat vor Jahren

Im Jahr 2006 hatte Grass einen Eklat verursacht : In seiner Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" bekannte er zur allgemeinen Überraschung, dass er als 17-Jähriger am Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS war.

Der Autor musste zum Teil heftige Kritik einstecken. Ihm wurde vor allem vorgeworfen, seine SS-Zugehörigkeit jahrzehntelang verschwiegen zu haben, während er andere immer wieder wegen ihrer NS-Vergangenheit öffentlich kritisierte.