Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat am Wochenende einen mächtigen Wirbel ausgelöst. Die Politik müsse nicht nur für Kita-Plätze sorgen, sondern dafür, dass die "Kinder auch da sind", hatte sie in einem Interview gesagt. "Kita-Pflicht geht gar nicht", schallt es ihr seither aus allen Ecken entgegen. Dabei hatte Kraft ihre Bemerkung eigentlich gegen das geplante Betreuungsgeld gemünzt und wollte wohl lediglich sagen, die Politik dürfe keine Anreize setzen, die Kinder von Kitas fernhalten.

Eine Kita-Pflicht gilt vielen Politikern als verbotenes Thema, um das man tunlichst einen großen Bogen macht. Allzu schnell heißt es sonst in der Debatte, XY wolle eine Erziehungsdiktatur oder den Sozialismus wieder einführen. "Pflicht" macht sich im Umgang mit Wählern eben nie gut.

Dabei lohnt das Thema durchaus eine differenzierte Betrachtung. Richtig ist: Eine Kita-Pflicht für Kinder unter drei Jahren wäre aus mehreren Gründen keine gute Idee. Zum einen wird in Deutschland derzeit nur ein Viertel aller unter Dreijährigen in öffentlichen Einrichtungen betreut. Das lässt vermuten, dass ein großer Teil der Eltern dies für ihre Kinder nicht wünscht.

Diese Eltern dürfen nicht gezwungen werden, die Erziehung ihrer Kinder aus der Hand zu geben, nur weil dies für eine kleine Zahl von Kindern, die zu Hause nicht ausreichend gefördert werden, vermutlich besser wäre.

Keine Plätze, keine Pflicht

Ohnehin wäre es unsinnig, über eine Kita-Pflicht für alle Kleinkinder zu diskutieren, während die Politik nicht einmal sicherstellen kann, wie versprochen bis 2013 für mindestens 35 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze zur Verfügung stellen zu können. So hoch ist nämlich die Quote, mit der die Politik hofft, den ab August 2013 geltenden Rechtsanspruch erfüllen zu können.

Abgesehen davon sind Verfassungsrechtler davon überzeugt, dass eine Kita-Pflicht für Kleinkinder nicht mit dem Grundgesetz vereinbar wäre, das nun einmal das "natürliche Recht" von Eltern, ihre Kinder selbst zu erziehen, garantiert.