Familienpolitik : Kita-Pflicht – warum denn nicht?

An eine Kita-Pflicht traut sich in der Politik niemand ran. Dabei wäre diese zumindest für Kinder ab vier eine sinnvolle Sache, kommentiert Katharina Schuler.

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat am Wochenende einen mächtigen Wirbel ausgelöst. Die Politik müsse nicht nur für Kita-Plätze sorgen, sondern dafür, dass die "Kinder auch da sind", hatte sie in einem Interview gesagt. "Kita-Pflicht geht gar nicht", schallt es ihr seither aus allen Ecken entgegen. Dabei hatte Kraft ihre Bemerkung eigentlich gegen das geplante Betreuungsgeld gemünzt und wollte wohl lediglich sagen, die Politik dürfe keine Anreize setzen, die Kinder von Kitas fernhalten.

Eine Kita-Pflicht gilt vielen Politikern als verbotenes Thema, um das man tunlichst einen großen Bogen macht. Allzu schnell heißt es sonst in der Debatte, XY wolle eine Erziehungsdiktatur oder den Sozialismus wieder einführen. "Pflicht" macht sich im Umgang mit Wählern eben nie gut.

Dabei lohnt das Thema durchaus eine differenzierte Betrachtung. Richtig ist: Eine Kita-Pflicht für Kinder unter drei Jahren wäre aus mehreren Gründen keine gute Idee. Zum einen wird in Deutschland derzeit nur ein Viertel aller unter Dreijährigen in öffentlichen Einrichtungen betreut. Das lässt vermuten, dass ein großer Teil der Eltern dies für ihre Kinder nicht wünscht.

Diese Eltern dürfen nicht gezwungen werden, die Erziehung ihrer Kinder aus der Hand zu geben, nur weil dies für eine kleine Zahl von Kindern, die zu Hause nicht ausreichend gefördert werden, vermutlich besser wäre.

Keine Plätze, keine Pflicht

Ohnehin wäre es unsinnig, über eine Kita-Pflicht für alle Kleinkinder zu diskutieren, während die Politik nicht einmal sicherstellen kann, wie versprochen bis 2013 für mindestens 35 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze zur Verfügung stellen zu können. So hoch ist nämlich die Quote, mit der die Politik hofft, den ab August 2013 geltenden Rechtsanspruch erfüllen zu können.

Abgesehen davon sind Verfassungsrechtler davon überzeugt, dass eine Kita-Pflicht für Kleinkinder nicht mit dem Grundgesetz vereinbar wäre, das nun einmal das "natürliche Recht" von Eltern, ihre Kinder selbst zu erziehen, garantiert.

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Kommentare

327 Kommentare Seite 1 von 37 Kommentieren

Die Frage ist leicht zu beantworten:

Weil eine Kita nicht automatisch dafür garantiert, dass das Kind bezüglich seines sozialen Verhaltens von seinem Aufenthalt dort profitiert! Weil es verschiedene Vorstellungen einer erfolgreichen Kindererziehung gibt.
Eine Kita kann eine Bereicherung im Leben des Kindes sein, dennoch sollte es den Eltern freistehen selbst zu entscheiden, ob die Kitas in der Umgebung geeignet sind oder nicht. Es gibt schließlich auch Eltern, die sich wirklich mit ihren Kindern beschäftigen und sie nicht vor dem Fernsehr oder Computer parken.

Eltern können

den Umgang mit gleichaltrigen nicht ersetzen. Spielnachmittage, unter elterlicher Aufischt mit einzelnen Freunden sind nicht mit der Gruppendynamik in einer Kita zu vergleichen. Dort lernen die Kinder mit gleichaltrigen um zu gehen und sich in Gruppen zu Recht zu finden.

Was wären denn bitte die negativen Folgen? Wenn Eltern ihr Kind zu wertvoll ist um es mit Kindern aus sozialschwachen Familien spielen zu lassen sollen sie es eben in eine teure Kita schicken. Wenn wir es nicht schaffen endlich mehr Konsitenz in das Wissenniveau unserer Kinder zu bringen werden wir Intelektuell untergehen.

In Südkorea schaffen mittlerweile ca. 65% das Abitur. Bei uns sind es seit Jahrzehnten um die 30%. Wir haben hier keine Manufakturen mehr wo Bildung keine Rolle mehr spielt.
Die Produktion wird immer mehr ausgelagert. Es wird Zeit das wir als Gesellschaft auf diese Entwicklungen reagieren anstatt am Familienbild der 50iger Jahre fest zu halten.

Anstand und soziale Integrität sind nicht eine Frage der Brieftasche sondern der Erziehung.

Antwort auf 70

"Was wären denn bitte die negativen Folgen?"

Ich bin mit 4 Jahren in den KIndergarten gekommen in dem auch meine große Schwester war. Ich hab mich dort so unwohl gefühlt, dass ich mich jeden Morgen schreiend mit Händen und Füßen gewehrt habe. Meine Eltern haben mich dann wieder hearusgenommen und es nochmal versucht als ich 5 war. Da hatte ich plötzlich keine Probleme mehr, hab mich in der großen Gruppe wohl gefühlt.
Wenn man mich mit 4 einfach gezwungen hätte, ich denke schon, dass es negative Folgen für mich gehabt hätte. Ich hätte auf jeden Fall das Vertrauen in meine Eltern verloren und wär ein tieftrauriges Kind geworden.
Die meisten Kinde sind denke ich mit 3-4 Jahren (viele sicher auch früher) bereit für den Besuch einer Kita, aber eben doch nicht alle!

Guter Kommentar!

Aber eigentlich sollte man ein solches Geschreibsel wie diesen Artikel bzw.Kommentar überhaupt keine Beachtung schenken.
Wo kommen wir denn da hin wenn sich bald alles und jeder ins Familienleben einmischen will und darf?
Wo lebe ich denn?
In der DDR???
Ich empfehle der Autorin mal die Lektüre des Grundgesetzes.Vielleicht erkennt sie dann dass wir hier nicht beim Wunschkonzert der Diktatoren-Verschnitte sind!

Es kann auf andere folgen haben....

...als die gefühlten wie Ihr Beispiel. Es kann auch auf der Makroebene zu Änderungen der Gesellschaft führen, die durchaus positiv oder negativ sein können und den Mikro Folgen an der einzelnen Person entgegen stehen können oder nicht. Immerhin wäre es ein wesentlicher Eingriff in die sozialisierung ein, zwei oder drei Jahre früher mit der Homogenisierung der Population zu beginnen. Das kann den gesamten Charakter der Kultur umdrehen.

Völlig unqualifiziert

und egoistisch was sie da von sich geben.
Es geht nicht darum das Südkorea Vorbild ist , sondern als Rohstoffarmes Land die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Wir können uns bei unserer geringen Geburtenrate nicht erlauben das wir nicht mal ein Drittel unserer Kinder mit einer höheren Bildung ausstatten.
Weil einige Eltern, sei es aus Not oder aus Arroganz, glauben das ihr Weg der Kindererziehung der Beste sei.

Sie können nicht mal annährend begreifen wie sehr wir auf schlaue junge Menschen angewiesen sind, damit wir unseren Lebenstandard in Deutschland halten können.

Ihre persönliche Erfahrung in allen Ehren,

aber ich kann mich nur aus Erzählungen daran erinnern wie ich mit 4 Jahren was auch immer gefühlt habe.

Es gibt auch eine Schulpflicht. Es geht darum gesellschaftlich ein Mindestmaß an Chancengleichheit zu garantieren. Daher ist es wichtig das jedes Kind in die Kita gehen kann, falls es die Eltern wünschen.Auch schon mit 3.
Unabhängig von der Einkommensklasse der Eltern!

Soziales Verhalten und Sprachkenntnisse sind das Wichtigste wenn Kinder in die Schule kommen.

Menschen mit Bildung ausstatten?

Beispiele: Hochbegabte Kinder verfügen nicht nur über überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten, sondern auch über ein hohes Mass an Sensibilität. So ist ihre Lust zu lernen dann am grössten, wenn ihnen eine Lehrperson sympathisch ist und sie an ihren Stärken und Interessen zu packen vermag. Mit dieser Einstellung befinden sich die Mädchen und Knaben in bester Gesellschaft. So sahen auch berühmte Männer wie Albert Einstein, Richard Wagner oder Eduard Mörike nicht ein, warum sie Dinge lernen sollten, die sie nicht interessierten, und wurden zu klassischen Schulversagern. Joëlle Huser konstatiert: "Kinder mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten fordern von den Lehrern etwas sehr Anspruchsvolles, nämlich einen Unterricht, dessen Sinn sie einsehen."

Aus dem Deutschunterricht kennen viele Schüler Thomas Mann, einen der berühmtesten deutschen Schriftsteller überhaupt. Er ist der Superstar der Leute, die Bildung und Literatur für wichtig halten. Thomas Mann hat das Lübecker Gymnasium Katharineum vor dem Abitur verlassen. Berühmte Autoren wie Franz Kafka, Bertolt Brecht und Theodor Fontane waren kaum besser. Amerikas berühmter Präsident Abraham Lincoln hat sogar nie eine Schule besucht, er lernte zu Hause.

... Man kann Menschen nicht mit Bildung ausstatten, Menschen bilden sich, wenn sie interessiert sind mit dem woran sie interessiert sind. Dann statte man mich doch bitte mit Bildung aus, die mich zu Einstein II macht.

Auf Irrwegen

"Weil einige Eltern, sei es aus Not oder aus Arroganz, glauben das ihr Weg der Kindererziehung der Beste sei."

Na welch ein Glück, dass wir dann auf Leute wie Sie zurückgreifen können, die den arroganten Eltern endlich mal erklären, wie die gefälligst ihre Kinder großzuziehen haben. Und wo sich dann immer noch Renitenz regt, da muss dann halt der Staat, mit fester Hand - zum Wohle der Gemeinschaft versteht sich - die Kompassnadel norden.

War es das, was Sie meinten?

"ausgebildete Kindergartenkinder"

"Soziales Verhalten und Sprachkenntnisse sind das Wichtigste, wenn Kinder in die Schule kommen."

Ich kenne leider zu viele "ausgebildete" Kindergartenkinder, denen es genau daran mangelt. Würden wir ernsthaft untersuchen, wo sich Kinder besser entwickeln, ob Elternhaus oder Kita - die meisten Betreuungseinrichtungen könnten geschlossen werden.
Und auch die Schulpflicht garantiert keine Bildung, was die vielen Schüler ohne Abschluss bzw. die Abbrecher beweisen. Die Überhöhung der staatlichen kindlichen Bildung - was auch immer darunter zu verstehen ist - ist in unserem Land schon krankhaft.

Das sehe ich ähnlich...

...hier soll der Eindruck erweckt werden, dass Eltern ihre Kinder nicht selbst erziehen können. Mein Mann und ich haben anlässlich einer Kindergarteneröffnung in unserem Heimatort mal für einen Tag hospitiert (wir haben Zwillinge im Krippenalter) und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Erzieherinnen nichts anderes machen als wir mit den Kleinen daheim. Und über mangelnde Sozialkontakte können sich unsere Kinder auch nicht beschweren, es gibt schließlich Krabbelgruppen, Babyschwimmen, Eltern-Kind-Treffs, Nachbarskinder, Spielplätze.....Mein Mann und ich haben auch keinen bildungsfernen Hintergrund (deutschsprachig, Abi, abgeschlossenes Studium, Berufe (für mich auch mit Rückkehrmöglichkeit), und wir waren beide nicht in einer Kindertagesstätte). Auch haben wir unsere beiden Grossen ohne Kindergarten aufs Gymnasium gebracht (der Älteste seit 2 Jahren, die Jüngere wechselt im Herbst). Wo also liegt für uns der Vorteil der Kita? Und vielen Eltern aus unserem Umkreis geht es ähnlich, die geben ihr Kind nicht aus Überzeugung in die Krippe oder Kindergarten, sondern weil sie es sich schlicht und einfach nicht leisten können auf ein Einkommen zu verzichten.

mit einem

Lächeln, gebe ich Ihnen Ihren ersten Satz zurück, wertester Diplomat.

Ich habe eine Tochter und kein gebundenes Humankapital. Und, Sie ahnen es, ich bereite sie unter anderem darauf vor, dieses Land später verlassen zu können, wenn sie es denn möchte. Sie wird, zum kritischen und politischen Denken erzogen, ihre Möglichkeiten und ihre Rahmenbedingungen anschauen, abwägen, und eine Entscheidung treffen. Sie ist frei, im besten Sinne. Dazu habe ich sie erzogen.

Integration

"als das wichtigste Argumentation für
* gelungene Sozialisation
* gelungene Integration
* die bessere Vorbereitung auf Schule und Leben"

Aha... und was bringen die ersten beiden Argumenten ganz normalen deutschen Mittelsstandskindern?
Vorbereitung aufs Leben? Ich bitte Sie, die armen Kinder, die sollen spielen , lachen und das Leben entdecken.. aber doch nicht Vorbereitet werden... der Ernst des Lebens beginnt noch früh genug.

Das bringt denen nichts

Aber das ist auch nicht Hintergrund. Oder glauben Sie, dass darüber nicht nachgedacht wurde. Ich stell mal die Gegenfrage: Schadet es den Kids? Nein. Und jetzt hängen Sie sich nicht an dem Wort "Vorbereitung" auf. Dann nennen wir es halt: An die Hand nehmen. Was auch immer sie wollen.

Kinder werden auch weiterhin lachen, spielen und das Leben entdecken. Also, manche Leute hören sich hier an, als würde man androhen die Kinder ins Bootcamp zu schicken.

Begriffsdefinition

unter Sozialisation wird gemeinhin verstanden das Miteinander unterschiedlicher Menschen in Klein- und Großgruppen, in 2-er Beziehungen, etc.

-deshalb betrifft es j e d e n Menschen und kleine Menschen brauchen Gleichaltrige, die versuchen, den Sandeimer wegzunehmen, um Konflikfähigkeit zu lernen. Frage: kennen Sie Eltern, die bei Gesellschaftsspielen die Kinder nicht gewinnen lassen?- auch verlieren will gelernt sein ;);)

Integration bedeutet auch, sich in eine Gruppe zu integrieren-
also betrifft es jedes Kindergartenkind-
die Erfahrung, dass manche Spiele nur mit anderen zusammen gespielt werden können, ist wichtig!

Obwohl meine Kinder in einer wunderbaren Enklave ( Sackgasse mit 23 Wohneinheiten und 20 Kindern, Gärten und Brachland dahinter) aufgewachsen sind, im Sommer immer als Horde die Strasse und Gärten bevölkert haben, wäre vor 20 Jahren keiner der Eltern auf die Idee gekommen, seine Kinder nicht ab 3 Jahre (wenn es möglich war !!- es gab nicht genug Plätze, sonst mit 4 Jahren) in den Kindergarten zu bringen.
Schon dabei gab es ganz unterschiedlichste pädagogische Ansätze, vom katholischen über den evangelischen bis zum Waldorfkindergarten war alles vertreten - das hat nur dazu geführt, dass nicht mit Kriegsspielzeug gespielt wurde, Fußball haben auch die Waldorfkinder gespielt - es war alles gut.

Zumindest der Kindergartenbesuch 2 Jahre lang sollte Pflicht sein- der Kinder zuliebe

Das Grundgesetz

Das schlagkräftigste Argument ist das in Art 6 Abs. 2 GG
http://www.gesetze-im-int...
garantierte Recht, daß "Pflege und Erziehung der Kinder das natürliche Recht der Eltern" sind "und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft"
Damit dürfte die Diskussion wohl beendet sein, ob eine Kitapflicht kommt oder nicht und zwar mit der eindeutigen Antwort, daß eine entsprechende Pflicht verfassungswidrig ist!
Ich glaube kaum, daß eine Zweidrittelmehrheit sowohl im Bundestag, als auch im Bundesrat zustande kommt um Art. 6 GG zu ändern!

In Skandinavien...

...ist die Zeit der Gesichtsfrakturen durch körperliche Gewalt zum Teil 2-3 mal höher als in Mitteleuropa.
...z.B. in Finnalnd ist die Rate der Tötungsdelikte doppelt so hoch wie in Deutschland. Auch in Schweden ist die Rate der Tötungsdilikte höher.
...ist Drogenkonsum auch auf dem Land ein enormes Problem.
...Finnland, Schweden und Dänemark haben eine deutlich höhere Suizidrate als Deutschland.
...Frauen werden sowohl gesellschaftlich unter druck gesetzt möglichst schnell wieder zu Arbeiten (Gruppezwang), ausserdem reicht das Gehalt des Mannes nicht unbedingt aus die Familie zu ernähren (das ist in Deutschland freilich auch häufig der Fall).
...Deppression ist eine Volkskrankheit, bis zu 10% Prozent eines Jahrganges werden wegen Depressionen berentet.

...ob manche Probleme auch dadurch verstärkt werden, weil sich die Eltern um ihre Kinder nicht kümmern wollen/können.

Bitte bemühen Sie sich darum, Äußerungen, die keine Meinung, sondern Tatsachenbehauptungen sind, mit Quellen zu belegen. Danke, die Redaktion/fk.

Quellenlage...

Quellen kann ich nur Teilweise schnell aus dem Hemd zaubern:
Zur Selbstmordrate:
http://de.wikipedia.org/w...

Zum Thema Mordrate in Finnland und Schweden:
http://www.shortnews.de/i...

Zum Thema Gesichtsfrakturen beziehe ich mich nur auf einen Vortrag, vielleicht finde ich die Studie im internet später.

Zum Thema Depression in Nordeuropa:
http://www.euranet.eu/ger...

In Schweden gibt es zunehmend ernste Bedenken gegen Kitas

und die werden, wie von der Ärztin und Neurobiologin Annica Dahlström von der Uni Göteborg auch öffentlich artikuliert:

"Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit müssen wir fast alle Erkenntnisse im Bezug auf Kinder auf die Müllkippe der Geschichte werfen. Vielen Kindern geht es heutzutage richtig schlecht, und es wird sich weiter verschlimmern. Doch im heutigen demokratischen Schweden darf man nicht danach fragen, obe es einen Zusammenhang zwischen unserer modernen Sichtweise gibt, wie Kinder aufwachsen sollten, und den immer häufiger auftretenden Erkrankungen der Kinder....

Ein Kind, das herzzerreißend weint, wenn es in der Kinderkrippe abgeliefert wird, fühlt sich ausgeliefert. Erst im Alter zwischen 4 und 5 Jahren entwickeln Kinder einen Zeitbegriff..." (aus: Göteborgs Posten).

Nein, die Familienpolitik in Skandiavien ist keine Erfolgsgeschichte, sondern eine Katastrophe, die langsam offenkundig wird. Aber im Gegensatz zu Deutschland wird das dort, wenn auch nur zögerlich, in die politische Entscheidungsfindung einbezogen und in Form eine Betreuungsgeldes, weit höher als die lächerlichen 100 bis 150€ in Deutschland, seit vielen Jahren nunmehr gezahlt. Und viele Eltern nutzen das und betreuen wenigstens die ersten eineinhalb Jahre ihre Kinder selbst.

Ergänzung #168

Der ökonomische Aspekt:
Man vergleiche die Wirtschaftsleistung der BRD mit den gen. Staaten in den vergangenen
Jahrzehnten! (+ Volksvermögen abzügl. Schulden)
Bildung im Kleinstkindalter (Krippe!) scheint also nicht gar so relevant zu sein.

Die Sozialkompetenz betreffend:
Nach Aussagen von Erzieherinnen und Lehrern gab es noch nie so viele verhaltensgestörte Kinder wie z. Zeit.
Die Wartelisten der Psychotherapeuten werden immer länger.
Und das, obwohl fast alle Kinder eine Kita (3-6 Jahre) besuchen.

Die Lernkompetenz betreffend:
Statt endloser, sinnloser Experimente (Aussage einer Grundschullehrerin) sollten die Grundschulen gefördert werden: Kleinere Klassen, Förderunterricht, erstklassische Ausstattung der Schulen, Entrümpelung des Unterrichtsstoffes, verbesserte Einbeziehung des Elternhauses, optimierte Lehrerausbildung (mein Jüngster befindet sich in dieser Ausbildung) ........

Also...

Norwegen mit ähnlicher Betreuungsdichte von Kindern wie Schweden und Finnland liegt bei der Mordrate eindeutig unter Deutschland. Was sagt uns das?!?! Und für Schweden ist der Unterschied nicht signifikant, die Unterschiede über die Jahre ohnehin volatil, Anfang der 2000er hatte Schweden eine geringere Mordrate als Deutschland, dann einige Jahre danach wieder eine höhere...

http://en.wikipedia.org/w...

Lassen Sie doch solche fadenscheinigen Argumentationen!

Und zur Depression: Das hängt natürlich extrems davon ab, was in einem Sozial- und Krankensystem diagnostiziert wird und wie das System funktioniert. Was wissen Sie davon.

Um Ihnen zu zeigen, wie sinnlos solches Argumentieren ist:

In Schweden geht niemand auf Kur - in Deutschland schon. Mein Argument: Die Absenz von Kinderbetreuung in D schafft im späteren Leben Kranke Personen, die auf Kur gehen müssen.

Toll, gell?!

Schöne Grüsse aus Schweden!

P.S.: Woran liegt´s, dass in Schweden niemand auf Kur geht? Nicht an der Kinderbetreuung, sondern wegen anderer Faktoren. Raten Sie mal, welchen: Kuren sind vom staatl. Versicherer nicht vorgesehen... Rehabilitation nach Operationen etc. hingegen schon!

Also, also...

Das schwedische Betreuungsgeld wird wirklich nicht für die Betreuung in den ersten anderthalb Jahren benötigt, wie Sie schreiben. Machen Sie sich bitte kundig!

Das schwedische Elterngeld (nicht Betreuungsgeld!!!) reicht ziemlich genau 18 Monate, wenn das weitestgehend ausgezahlt ist, schicken praktisch alle Eltern ihre Kinder in die KiTA und praktisch niemand nimmt die 3000 Kronen Betreuungsgeld (die übrigens eine Gnade der Kommune sind - einige Kommunen haben dieses Betreuungsgeld, andere nicht). Und 3000 Kronen sind zwar mehr als 150 Euro, aber die Preislage in Schweden ist auch deutlich höher als in D. Vergleichen Sie mal den Preis der billigsten Lidl Zahnpasta in D und S. Unterschied fast 100% für das exakt gleiche Produkt....

Und Frau Dahlström steht doch ziemlich allein da unter den schw. Pädagogen...

Sinnlos...

...wenn sie der Meinung sind, dass die Erziehung keinen Einfluss auf Kriminalitätsrate, Wohlbefinden usw. hat, dann können sie die Erziehung ruhig dem Staat überlassen.
Ich bin da aber anderer Meinung.
Zur Depression: Für die Diagnose einer Depression gibt es klare international vereinbarte Kriterien. Sowohl in D als auch in S werden die Kriterien des ICD-10 angewandt. Von einer schlechteren medizinischen Versorgung in Deutschland zu spekulieren erscheint mir ebenfalls vermessen, da z.B. die Ärztedichte in D sogar höher ist als in S:
http://www.worldguide.de/...

Ausserdem ist auch die Suizidrate in Schweden höher ist als in Deutschland. Es ist allgemein bekannt, dass Depression mit die häufigste Ursache für Selbstmorde ist. Auf Anfrage kann ich ihnen gerne Quellen liefern.
In Ländern wie Griechenland, Spanien Italien, die noch ein starkes famliären Zusammengehörigkeitsgefühl besitzen und Kindererziehung Sache von Familie/Grossfamilie ist, sind die Selbstmordraten um ein z.T. etwa 1/4 - 1/3 der schwedischen Suizidrate (Griechenland).

Zum Thema Mordrate kann ich ihnen andere Statistiken liefern, die von Schweden ist demnach 7x so hoch wie die von Deutschland.
http://www.nationmaster.c...

Fortsetzung

Selbst die norwegische Mordrate ist demnach doppelt so hoch wie die deutsche, obwohl Norwegen vor allem wegen der Ölverkommen ja als Sonderfall und Insel der seligen angesehen werden kann (spätestens seit Breivik wissen, dass Norwegen eben doch nicht die Insel der Seligen ist).

Wenn wir das französiche Wikipedia anschauen, dann gibt es in Schweden immerhin noch im Bezug zur Bevölkerung fast 3 mal so viel Morde wie in Deutschland.

http://fr.wikipedia.org/w...

Wer sich mal abends in Stockholm oder Malmö herumtreibt, wird sich auch über schwerstbetrunkene Menschen wundern müssen.

So etwas gibt es im Schwabenland, in Griechenland, in Italien sehr viel weniger.

Zum Thema Bildungserfolg...

Dass ein skandinavisches Modell der Gezielten Förderung von Lernschwachen durchaus Erfolge bringen kann, haben die Finnen in der Pisa-Studie der Weltöffentlichkeit bewiesen, wobei allerdings z.B. Schweden schlechter abschnitt als Finnland. Ob aber Genies in in diesem System en Masse gedeihen, ist eine andere Frage.
Wenn ich nach Einfürung der Ganztagesbetreuung, die ich einmal auf die 70er Jahre ansetze, die Zahl der Nobelpreisträger in naturwissenschaftlichen Fächern in der Folge nach 1980 vergleiche; dann zeigt sich, dass auch kleine Länder durchaus Nobelpreisträger hervorbringen können. Die Schweiz, in der sich das traditionelle Familienbild besser hielt, als z.B. in Skandinavien war da besonders erfolgreich. Nobelpreistrager nach 1980: Physik: Schweden 0, Schweiz 2; Medizin: Schweden 3, Schweiz 2, Dänemark 1; Chemie: Schweden 0, Schweiz 2, Dänemark 1. Die altmodische Schweiz hat also in den letzten 30 Jahren mehr Nobelpreisträger hervorgebracht, als alle so modernen skandinavischen Länder zusammen. Bei etwa einem Drittel der Bevölkerung. Quellen kann ich auf Nachfrage gerne nenne, zählen muss man aber selber.
Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass Deutschland im IQ-Ländervergleich trotz Pisa Schock nicht so furchtbar schlecht dasteht, im Gegenteil besser als sämtliche skandinavische Länder - auch ohne Kinderkrippe für alle.

http://meinews.niuz.biz/i...

http://www.geschichteinch...

Prof. Annica Dahls ist Neurobiologin und Ärztin, keine Pädagogin

sie ist also eine Wissenschaftlerin, an harte Fakten gebunden, und keine sog. "Erfahrungswissenschaftlerin" wie das eher theoretisch arbeitende, nicht selten von der Realität abgehobene Pädagogen sind, lehrt an der Uni Göteborg und steht mit ihrer Meinung und ihren detailierten Untersuchungen durchaus nicht allein da. Natürlich wurden ihre Ergebnisse von den letzten Regierungen nicht gern gesehen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber es wird den eher phlegmatischen und friedlichen Schweden zunehmend bewusst, dass es gerade bei den verkrippten Kindern viele Probleme gibt, und anders als in Deutschland wurde eben mit Erziehungs- und Betreuungsgeld schon 2008 reagiert.

Und seitdem betreuen die allermeisten Schweden ihre Kinder bis zu eineinhalb Jahren selbst, wie Si einräumen, ein Umdenken ist also durchaus in Gang gekommen, und davon sollten wir in Deutschland lernen. Fehler müssen nicht unbedingt wiederholt werden.

Natürlich ist es auch noch ein großes Risiko, sein Kind mit 18 Monaten, also einer besonders sensitiven Phase der kindlichen Hirnentwicklung, in eine kollektive Betreuung, weg von der Mutter zu geben, selbst wenn die Betreuungsschlüssel in Schweden (1:4) im Vergleich zu deutschen Krippen (1:6, in der Praxis oft 1:10) deutlich besser sind.

Deshalb ist es eine Sclussfolgerung aus der größten Krippenstudie (NICHD), ein Kind am besten nicht bevor es zweieinhalb Jahre ist, und dann auch nur maximal halbtags, fremdbetreuen zu lassen.

@2 in Skandinavien

gilt der Kitaplatz als ...

natürlich gilt er es dort. Und völlig zu Recht.
Das kann man insofern aber leider nicht auf Deutschland übertragen, weil Skandinavien Qualität bietet und zwar allen, die daran beteiligt sind: den Erziehern und somit den Kindern.

Sie müssen doch sicher zugeben, dass man als Erzieher andreres mit den und für die Kinder bewerkstelligen kann, wenn auf einen Erzieher 7 Kinder kommen. Man in schönen, gepflegten, hellen, großen und vor allem gut ausgestatteten Räumen arbeiten kann,

als wenn (wie hier in Deutschland) 12-13 Kinder auf einen Erzieher kommen, die in durchschnittlich 45 Quadratmeter gepfercht werden und neuerdings sogar von Ungelernten betreut werden sollen (vorübergehend).

Daumen hoch

Ein ausgezeichneter Kommentar, der das Thema endlich mal abseits der Polemik angeht. Nicht nur das die Kinder besser sozialisiert werden und auf die Schule vorbereitet werden, zudem ist auch noch eine Schutzfunktion für die Kinder dabei enthalten, denn wo wenn nicht in der Kita fällt auf wenn ein Kind nicht richtig ernährt oder medizinisch versorgt wird? Von Misshandlungen im Elternhaus möchte man gar nicht anfangen... Kit-Pflicht ab dem 4. Lebensjahr ist absolut wünschenswert und hoffentlich finden sich Politiker die dieses Thema offensiv angehen.

Es ist fragwürdig ...

... ob den Kindergärtnerinnen dann Missstände in Familien dann tatsächlich auffallen würden. Denn sie betreuen ja eine Menge aufgedrehter, Aufmerksamkeit einfordernder Kinder gleichzeitig. Meine Erfahrung mit der Institution Schule ist jedenfalls, dass Leher hilflos sind, sie wissen nicht, was sie machen sollen, sind überfordert, und manche von ihnen wenden sogar selbst psychische Gewalt an (also Mobbing). Man ist als Kind ziemlich schutzlos der Familie und der Schule ausgeliefert, in die man nun zufälligerweise einmal hineingeraten ist. Und wenn dann doch einmal das Jugendamt eingeschalten wird (wie im Falle einer Freundin), spielt die psychisch kranke Mutter eine heile Welt vor, und das Jugendamt zögert, zu handeln, weil es keinen Fehler machen möchte. Wenn du in Deutschland in einer kaputten Familie bist, hast du in 99 % der Fälle einfach mal Pech gehabt.

Kein Zwang!

Eltern, die ihre Kinder partout nicht mit drei Jahren in die KiTa geben wollen, kann man dazu nicht zwingen. Notfalls wird es Rechtsstreitigkeiten - mit guter Aussicht auf Elternerfolg - ohne Ende geben bei den paar Prozent Eltern, die überhaupt davon betroffen sind.
Ein verpflichtendes Vorschuljahr vor Eintritt in die Grundschule hingegen, in dem allen Kindern das sprachliche Rüstzeug vermittelt wird, damit sie eine faire Ausgangsposition in der Grundschule haben, wäre durchaus sinnvoll und rechtlich unbedenklicher.
k.