WahlkampfPromiboxen mit Gysi und Lindner

FDP und Linke kämpfen mit der Fünfprozenthürde. In ihrer Not treten ihre Spitzenpolitiker in einem albernen Show-Format gemeinsam auf. Von Michael Schlieben, Rendsburg

Plakat für das Politboxen zwischen Gysi und Lindner

Plakat für das Politboxen zwischen Gysi und Lindner

Das Wahlkampf-Frühjahr 2012 hat durchaus innovative Elemente zu bieten. Die SPD ließ im Internet über Plakatmotive abstimmen – und landete bei der Currywurst. Die Grünen zeigen unter dem Schlagwort "Einmischen possible", wie man Politik so mitgestalten kann. Und sogar die CDU diskutiert über die digitale Bürgerbewegung. Inspiriert hat die etablierten Parteien der Erfolg der Piratenpartei, die mit ihren Doodle- und Wiki-Tools alle ganz wuschig macht.

Die FDP – einst selbsternannte "Innovationspartei" – will da natürlich nicht nachstehen, wenn es um neue Wahlkampf-Formate geht. Sie lädt in Schleswig-Holstein zum "Politboxen". Die Regeln: Zwei Spitzenpolitiker treten gegeneinander an. Erst haben beide drei mal drei Minuten Zeit für Eröffnungsstatements ("Schlagworte"), danach kommt ein "offener Schlagabtausch" mit Zuschauerfragen.

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Schauplatz ist der Altstädter Markt in Rendsburg. Eine kleine Bühne ist aufgebaut, darauf: ein Boxring mit Seilen und Hockern in der Ecke. Es gibt künstlichen Rauch, Gong-Schläge und blonde Nummerngirls. Im ganzen Kleinstädtchen hängen Plakate, die auf das Event hinweisen. Sie sehen aus wie die von einer Quatsch-Wettkampfshow von Stefan Raab.

Roth und Nahles haben "gekniffen"

Die Duellanten werden in Superlativen angepriesen: als die "anerkannt besten und brillantesten Redner" des "aktuellen Politikgeschehens auf bundesdeutscher Bühne". Gemeint ist damit zum einen, in der linken Ring-Ecke, Gregor Gysi. Der Fraktionschef der Linkspartei hat solch nette Worte aus liberalem Mund noch nicht oft vernommen. Normalerweise tauchen Linke in FDP-Wahlkampfreden als Buhmänner, Staatsfeinde und Sozialisten auf. Neben seiner Rhetorik lobt der Moderator Gysis Mut: Claudia Roth und Andrea Nahles, beide ebenfalls angefragt, hätten "gekniffen".

Bei seinem Kontrahenten verwundert die liberale Entzückung weniger. In der rechten Ecke, ein Kopf größer als Gysi und 31 Jahre jünger, steht Christian Lindner. Der nordrhein-westfälische Spitzenkandidat gilt, spätestens seit seine Landespartei in den Umfragen wieder knapp über der Fünfprozenthürde liegt, als Hoffnungsträger der gesamten FDP. Der schleswig-holsteinische Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki bringt Lindner am Tag des Rendsburger Promi-Boxens sogar öffentlich für den Parteivorsitz ins Gespräch. Er sähe "keinen anderen, der geeigneter wäre, die Nachfolge von Philipp Rösler anzutreten", wenn dieser irgendwann nicht mehr wolle, so Kubicki.

Tatsächlich sind beide, Lindner wie Gysi, erstklassige Redner: lustig, packend, provokant. Nur zündet das Format zunächst nicht so recht. Die Schlagworte und Fragen haben keinen Bezug zueinander. Gysi spricht über Afghanistan. Lindner über Schulden. Gysi über den Bildungsföderalismus, Lindner über Schlecker. Beide schmettern ihre Argumente vor sich hin. Jeweils unterbrochen von einem Nummerngirl. Es käme ihm vor wie "Schattenboxen", sagt Lindner irgendwann treffend. Man trage seine Positionen vor, ohne auf den Gegner eingehen zu können.

Leserkommentare
  1. Irgendwann kommen wir schon in eine Zeit, wo der Mensch mit seinen Problemen im Mittelpunkt steht. Ich hoffe bis dahin auf einem friedlichen Weg zu gehen, solange müssen wir solche Shows aushalten.

    2 Leserempfehlungen
    • Hermez
    • 28.04.2012 um 11:06 Uhr

    ....oder etwa nicht?
    Was oder wen wollen die damit erreichen?
    Unterschichten-Fernseh-Zuschauer?

    2 Leserempfehlungen
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    Auch wenn ich den Begriff Unterschichten in Zusammenhang mit Menschen nicht gerade Freundlich gegenüber stehe.
    Ist das wohl genau das Ziel.
    Die FDP sorgt dafür das es immer mehr gibt die Bildungsferne Programme genießen können.
    Die Linke sieht sich, zu recht, als einzige Partei die sich um die Kleinen kümmert.

    Aber das es schon so weit ist hätte nicht nicht gedacht. Bald gibt es wieder Gladiatoren Kämpfe gesponsert von diesem oder nennen. Politische Hintergründe und Positionen interessieren nicht mehr.

    Immer nach den Motto: Politik ja find ich gut besonders mit Currywurst (oder Döner je nach Geschmack)

    Gysi aber wird dasselbe tun, was er auch im Bundestag macht, die Situation in diesem Land beim Namen benennen.

    Das wird wie immer kein Schwein interessieren und in 5 Jahren wird er wieder recht behalten haben und Deutschland wird 3 Billionen Schulden haben und nicht mehr 50% der Bevölkerung ohne Vermögen sein, sondern 60-70%. Das ist die Entwicklung seit über 20 Jahre und dem Wähler gefällt es offenbar.

    Auch wenn ich den Begriff Unterschichten in Zusammenhang mit Menschen nicht gerade Freundlich gegenüber stehe.
    Ist das wohl genau das Ziel.
    Die FDP sorgt dafür das es immer mehr gibt die Bildungsferne Programme genießen können.
    Die Linke sieht sich, zu recht, als einzige Partei die sich um die Kleinen kümmert.

    Aber das es schon so weit ist hätte nicht nicht gedacht. Bald gibt es wieder Gladiatoren Kämpfe gesponsert von diesem oder nennen. Politische Hintergründe und Positionen interessieren nicht mehr.

    Immer nach den Motto: Politik ja find ich gut besonders mit Currywurst (oder Döner je nach Geschmack)

    Gysi aber wird dasselbe tun, was er auch im Bundestag macht, die Situation in diesem Land beim Namen benennen.

    Das wird wie immer kein Schwein interessieren und in 5 Jahren wird er wieder recht behalten haben und Deutschland wird 3 Billionen Schulden haben und nicht mehr 50% der Bevölkerung ohne Vermögen sein, sondern 60-70%. Das ist die Entwicklung seit über 20 Jahre und dem Wähler gefällt es offenbar.

  2. Auch wenn ich den Begriff Unterschichten in Zusammenhang mit Menschen nicht gerade Freundlich gegenüber stehe.
    Ist das wohl genau das Ziel.
    Die FDP sorgt dafür das es immer mehr gibt die Bildungsferne Programme genießen können.
    Die Linke sieht sich, zu recht, als einzige Partei die sich um die Kleinen kümmert.

    Aber das es schon so weit ist hätte nicht nicht gedacht. Bald gibt es wieder Gladiatoren Kämpfe gesponsert von diesem oder nennen. Politische Hintergründe und Positionen interessieren nicht mehr.

    Immer nach den Motto: Politik ja find ich gut besonders mit Currywurst (oder Döner je nach Geschmack)

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    • xajija
    • 28.04.2012 um 11:34 Uhr

    Ach gott man kann doch drüber schmunzeln und die Sache einfach nicht so ernst nehmen. Ich finds eher lustig, da brauchts doch wirklich keine Aufregung :D

    7 Leserempfehlungen
  3. Wenn ich schmunzeln möchte gehe ich in Kabarett.
    Wollen sie die Kabarettisten arbeitslos machen ?

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    Muss ich noch hinzufügen:

    "Der Ausdruck bezeichnet auch heute noch die Strategie politischer (oder industrieller) Machthaber, das Volk mit Steuersenkungen, Wahlgeschenken und eindrucksvoll inszenierten Großereignissen von wirtschaftlichen oder politischen Problemen abzulenken.
    Dies kritisiert aber gleichzeitig auch eine abgestumpfte Gesellschaft, deren Interesse über elementare Bedürfnisse und „niedere Gelüste“ nicht hinausgeht."

    http://de.wikipedia.org/w...

    Mehr ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

    • xajija
    • 28.04.2012 um 12:35 Uhr

    Oh das ist aber traurig, wenn man zum schmunzeln extra ins kabarett muss ^^

    Muss ich noch hinzufügen:

    "Der Ausdruck bezeichnet auch heute noch die Strategie politischer (oder industrieller) Machthaber, das Volk mit Steuersenkungen, Wahlgeschenken und eindrucksvoll inszenierten Großereignissen von wirtschaftlichen oder politischen Problemen abzulenken.
    Dies kritisiert aber gleichzeitig auch eine abgestumpfte Gesellschaft, deren Interesse über elementare Bedürfnisse und „niedere Gelüste“ nicht hinausgeht."

    http://de.wikipedia.org/w...

    Mehr ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

    • xajija
    • 28.04.2012 um 12:35 Uhr

    Oh das ist aber traurig, wenn man zum schmunzeln extra ins kabarett muss ^^

  4. Muss ich noch hinzufügen:

    "Der Ausdruck bezeichnet auch heute noch die Strategie politischer (oder industrieller) Machthaber, das Volk mit Steuersenkungen, Wahlgeschenken und eindrucksvoll inszenierten Großereignissen von wirtschaftlichen oder politischen Problemen abzulenken.
    Dies kritisiert aber gleichzeitig auch eine abgestumpfte Gesellschaft, deren Interesse über elementare Bedürfnisse und „niedere Gelüste“ nicht hinausgeht."

    http://de.wikipedia.org/w...

    Mehr ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

    Antwort auf "Arbeitslose"
  5. sind beide bald geschichte

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    Für unser Land und uns als Volk wird der Tod der letzten Opposition die Todesglocken endgültig einläuten.

    Das bedeutet Alternativlosigkeit in Reinkultur und wir können nur noch auf das Ausland hoffen, das uns dann durch seine Politik retten muss, wie unwahrscheinlich das auch ist.

    Ich verstehe nicht, warum so viele Deutsche keinerlei Interesse an ihrem eigenen Schicksal haben, das numal auch von unsere Politik gestaltet wird.

    Aber lieber lässt man sich von außen kontrollieren, durch Springer und Co, als wäre es 1930. 82 Jahre später aber kein Stück klüger, immer noch lässt man sich nach belieben manipulieren.

    Für unser Land und uns als Volk wird der Tod der letzten Opposition die Todesglocken endgültig einläuten.

    Das bedeutet Alternativlosigkeit in Reinkultur und wir können nur noch auf das Ausland hoffen, das uns dann durch seine Politik retten muss, wie unwahrscheinlich das auch ist.

    Ich verstehe nicht, warum so viele Deutsche keinerlei Interesse an ihrem eigenen Schicksal haben, das numal auch von unsere Politik gestaltet wird.

    Aber lieber lässt man sich von außen kontrollieren, durch Springer und Co, als wäre es 1930. 82 Jahre später aber kein Stück klüger, immer noch lässt man sich nach belieben manipulieren.

  6. Damit outet sich Lindner endlich als das, wofür er wirklich steht: für die ideologische Radikaltität der anderen Seite, rechts von der CDU/CSU, nahe der NPD. Wenn in Deutschland gefragt wird, warum es keine populistische Rechte gäbe, dann bitte immer den Blick auf die FDP wenden. Unter Genscher und seinen Epigonen hat sich die Partei in 30 Jahren zum Thatcherismus und den wahren deutschen Neokons gewandelt.

    Nur die Nostalgiker der ZEIT trauern an dieser Stelle hin und wieder ihrer alten FDP der Freiburger Thesen nach. Doch diese liberale Partei gab es nur von Mitte der 60er bis Ende der 70er. Zu dieser Zeit hatten Süddeutsche und die Zeit einen Verwandten im Geiste als Partei.

    Seit 1982 gibt es die liberalen Menschen nur noch außerhalb der FDP, anfangs durch Wechsel bei der SPD, dann entwickelten sich die Grünen zur politischen neue Mitte und mittlerweile sind liberal-konservative Sichtweisen bei der CDU daheim. Aktuell könnten die Piraten diese Mitte neu besetzen.

    FDP und Linke: das sind die beiden radikalen Konzepte zu Organisation von Wirtschaft und Gesellschaft.

    3 Leserempfehlungen
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    Die FDP hat von allen im Bundestag vertretenen Parteien die wenigstens Übereinstimmungen mit der NPD. Die NPD ist letztlich eine staatsradikale Partei, während die FDP als einzige liberale Partei im Bundestag eher staatsskeptisch ist. Wenn die FDP "rechts" ist, kann es die NPD nicht sein und umgekehrt.

    Die FDP hat auch herzlich wenig mit "Neokons" zu tun. "Neokons" würden sicher keinen Homosexuellen zum Parteivorsitzenden machen, die Bedingungen für Migration nicht erleichtern, nicht gegen die Vorratsdatenspeicherung kämpfen und hätten nicht eine Intervention in Libyen abgelehnt.

    Genauso falsch ist es, die "Freiburger Thesen" zum Maßstab liberaler Politik zu machen. Mit klassischem Liberalismus hatten diese Thesen nicht mehr viel zu tun. Sie stellen bestensfalls den linken Rand der liberalen Spektrums dar und sind nicht ohne Grund nur schwer vom Sozialdemokratismus zu unterscheiden. Die FDP war vom äußerst linken Zeitgeist der 70er erfasst und hat sich mittlerweile glücklicherweise wieder deutlicher dem klassischen Liberalismus zugewandt.

    Dass sie dadurch zum Lieblingsfeind linker Zeitungen wie der "Zeit" und der "Süeddeutschen" wurde, ist nur folgerichtig. Zwangsquoten, staatlich diktierte Löhne, höhere Zwangsabgaben, Ökodirigismus und andere Forderungen aus diesem linken Lager sind mit liberalem Denken nicht vereinbar und werden von der FDP folgerichtig abgelehnt.

    Damit war so ziemlich alles in ihrem Artikel grob falsch. Informieren Sie sich besser!

    Die FDP hat von allen im Bundestag vertretenen Parteien die wenigstens Übereinstimmungen mit der NPD. Die NPD ist letztlich eine staatsradikale Partei, während die FDP als einzige liberale Partei im Bundestag eher staatsskeptisch ist. Wenn die FDP "rechts" ist, kann es die NPD nicht sein und umgekehrt.

    Die FDP hat auch herzlich wenig mit "Neokons" zu tun. "Neokons" würden sicher keinen Homosexuellen zum Parteivorsitzenden machen, die Bedingungen für Migration nicht erleichtern, nicht gegen die Vorratsdatenspeicherung kämpfen und hätten nicht eine Intervention in Libyen abgelehnt.

    Genauso falsch ist es, die "Freiburger Thesen" zum Maßstab liberaler Politik zu machen. Mit klassischem Liberalismus hatten diese Thesen nicht mehr viel zu tun. Sie stellen bestensfalls den linken Rand der liberalen Spektrums dar und sind nicht ohne Grund nur schwer vom Sozialdemokratismus zu unterscheiden. Die FDP war vom äußerst linken Zeitgeist der 70er erfasst und hat sich mittlerweile glücklicherweise wieder deutlicher dem klassischen Liberalismus zugewandt.

    Dass sie dadurch zum Lieblingsfeind linker Zeitungen wie der "Zeit" und der "Süeddeutschen" wurde, ist nur folgerichtig. Zwangsquoten, staatlich diktierte Löhne, höhere Zwangsabgaben, Ökodirigismus und andere Forderungen aus diesem linken Lager sind mit liberalem Denken nicht vereinbar und werden von der FDP folgerichtig abgelehnt.

    Damit war so ziemlich alles in ihrem Artikel grob falsch. Informieren Sie sich besser!

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