Entwicklungsminister Dirk Niebel ( FDP ) ist einer Statistik zufolge in Sitzungen des Bundeskabinett bisher durch keinen einzigen "O-Top" aufgefallen. Unter "O-Top" versteht man einen ordentlichen Tagesordnungspunkt mit mündlicher Begründung und eventueller Debatte. Das ergab eine Aufstellung von Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) anlässlich der 100. Sitzung des schwarz-gelben Bundeskabinetts in dieser Woche, berichtet die Leipziger Volkszeitung .

Wollte man aus der Anzahl der O-Tops einen Rückschluss auf die Bedeutung der Ministerien ziehen, so wären das Finanzministerium und das Außenministerium die wichtigsten Ressorts. Beide liegen mit jeweils 43 ordentlichen Tagesordnungspunkten gleich auf. 

Niebel hält aber auch in anderer Hinsicht einen Negativ-Rekord: Von allen Ministern ließ er sich in der Kabinettssitzung am häufigsten von einem Staatssekretär vertreten. Insgesamt 23 Mal habe der Entwicklungsminister gefehlt, dicht gefolgt von Bundesumweltminister Norbert Röttgen und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (jeweils 19 Mal).

Laut Niebel erklärt sich sein häufiges Fehlen aus den Erfordernissen seines Amtes. "Anders als das Auswärtige Amt , das für politische Gespräche nur ein paar Stunden pro Land braucht, verbringen wir für Projektbesuche oft zwei bis drei Tage im Land", sagte der Minister ZEIT ONLINE. "Da reicht's nicht immer bis zum Kabinett."

Auch dass er noch keinen "O-Top" gehabt habe, erkläre sich aus der Struktur seines Amtes. Bei diesen Tagesordnungspunkten gehe es um Gesetzesvorhaben. Ein Vorteil des Entwicklungsministeriums sei es, dass es für dieses Ressort im Grunde nur zwei relevante Gesetze gebe: das Entwicklungshelfer- und das Haushaltsgesetz. "Wenn es nicht nötig ist, ein Gesetz zu machen, ist es nötig, kein Gesetz zu machen", sagte Niebel.

Schwarz-gelbe Koalition leiste doppelt so viel

In den bisherigen Sitzungen der schwarz-gelben Bundesregierung seien insgesamt 1.125 Kabinettsvorlagen, darunter 306 Gesetzentwürfe, 123 Verordnungen und 14 Allgemeine Verwaltungsvorschriften im Kabinett verabschiedet worden, heißt es in der Aufstellung weiter.

Damit habe die amtierende Regierung nach zweieinhalb Jahren doppelt so viel geleistet, wie die vergangene Regierung der großen Koalition in ihrer gesamten Amtszeit, so Pofalla .

Eine durchschnittliche Kabintettssitzung dauere bei der schwarz-gelben Regierung 39 Minuten. Dabei sei die 24. Kabinettssitzung am 7. Juli 2010 mit drei Minuten die kürzeste und die 69. Kabinettssitzung am 6. Juli 2011 mit 81 Minuten (es ging um den Haushalt 2012 ) die längste Kabinettszusammenkunft gewesen.

Auch die Alterstruktur des Kabinetts wird in Pofallas Aufstellung berücksichtigt. Mit 51,61 Jahren ist der Altersdurchschnitt nach insgesamt sechs Ministerwechseln vergleichsweise niedrig. Zu diesem jugendlichen Erscheinungsbild tragen wesentlich die beiden jüngsten Mitglieder, Familienministerin Schröder (34) und Vizekanzler Philipp Rösler (39 Jahre), bei.