NRW-LandtagswahlRöttgen rumpelt sich rein

96 Prozent Zustimmung für den Teilzeit-Kandidaten: Norbert Röttgen hat die CDU in Nordrhein-Westfalen erstmal hinter sich gebracht. Probleme aber hat er noch genug.

248 stimmberechtigte Vertreter der CDU Nordrhein-Westfalen warten am Mittwochabend in der Mülheimer Stadthalle auf ihre Nummer eins, auf ihren Frontmann. Mit 30 Minuten Verspätung betritt Norbert Röttgen, Spitzenkandidat für die anstehende Landtagswahl und gleichzeitig Bundesumweltminister, endlich den Saal. Er hatte noch in Berlin zu tun.

Der Bundespolitiker, der seinen Landesverband warten lässt: Es ist eine typische Szene für den schwierigen Wahlkampfstart, den Norbert Röttgen und die NRW-CDU zurzeit hinlegen. Das fehlenden Bekenntnis des 46-Jährigen, im Zweifel auch als Oppositionsführer nach Düsseldorf zu gehen und dafür sein Ministeramt aufzugeben, ist dabei nicht der einzige Punkt. Personalquerelen und offene inhaltliche Fragen machen der Landes-CDU ebenso zu schaffen. Der heutige Abend, an dem die Liste für die Landtagswahl aufgestellt werden soll, ist deshalb auch eine Gelegenheit zur Selbstvergewisserung: Kandidat und Partei sollen eins werden, ihre gegenseitige Vorbehalte endlich ablegen, endlich gemeinsame Sache machen.

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Tagsüber gab es allerdings noch Aufregung um einige SMS: Jemand hatte der Bild-Zeitung gesteckt, dass der Vorsitzende des Bezirksverbandes Mittelrhein, Axel Voss, per Textnachricht Parteifreunde dazu aufgerufen hatte, die Kandidatenliste für die Landtagswahl abzulehnen. Denn, so Voss, sein Verband käme dabei viel zu schlecht weg: "Eine derartige Missachtung unserer Liste ist ohne Beispiel", zitierte die Zeitung den erbosten Politiker, der auch im Europaparlament sitzt. Sein Vorgänger als Bezirkschef war übrigens ausgerechnet Norbert Röttgen selbst.

Der Kritiker fehlt

Bei der entscheidenden Abstimmung am Mittwochabend aber war Voss gar nicht dabei. "Irgendwo in Südeuropa" im Urlaub sei er, sagte eine Mitarbeiterin am Nachmittag, nur eine kurze Stellungnahme schickte sein Büro: Er, Voss, habe Norbert Röttgen immer unterstützt, und die Listenaufstellung sei im Übrigen ein "rein parteiinterner Vorgang, der nicht kommentiert wird."

Julius Knappertsbusch gehört zu jenem Bezirksverband Mittelrhein. Eine Wut-SMS von seinem Vorsitzenden habe er aber nicht bekommen, sagt er. Noch kurz vor der Abstimmung über die Landesliste ist er gelassen. "In so einer Situation gibt es immer auch Emotionalitäten", sagt Knappertsbusch nüchtern zum Fall Voss. "Ich habe im Gefühl, dass Norbert Röttgen heute ein sehr gutes Ergebnis bekommen wird."

Was genau aber ist ein sehr gutes Ergebnis für einen Spitzenkandidaten? Röttgens Konkurrenten bei SPD und FDP holten jeweils über 99 Prozent, selbst die traditionell streitlustigen Grünen stimmten mit über 98 Prozent für Sylvia Löhrmann als Spitzen-Frau. Allzu deutlich darf Röttgen dahinter heute Abend nicht zurückbleiben, um erst gar keinen öffentlichen Zweifel an der Rückendeckung seines Landesverbandes aufkommen zu lassen.

Schon tagsüber hatte er sich siegesgewiss gezeigt, am Abend erwähnt er den SMS-Vorfall in seiner Rede mit keinem Wort. Stattdessen wettert Röttgen über das "inhaltsleere Machtbündnis" von SPD und Grünen, beschimpft das bisherige Kabinett als "Ansammlung namenloser Inkompetenz".

Leserkommentare
  1. 1. Nur 96

    Prozent!

    Das ist wirklich schwach...

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    die jüngst ihre Spitzenkandidaten gekürt haben, haben Ergebnisse über 95% erzielt. Da fühlt man sich schon an die DDR erinnert.

    die jüngst ihre Spitzenkandidaten gekürt haben, haben Ergebnisse über 95% erzielt. Da fühlt man sich schon an die DDR erinnert.

  2. Ist dieses Bild wirklich von 2012? Modern ist ja etwas anderes...

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    • Schnel
    • 05.04.2012 um 10:36 Uhr

    Mensch, mit Herrn Hintze im Rücken (mit oder ohne Dolch), moderner geht es nicht!

    • Schnel
    • 05.04.2012 um 10:36 Uhr

    Mensch, mit Herrn Hintze im Rücken (mit oder ohne Dolch), moderner geht es nicht!

  3. Die Überschrift sagt alles! Vielleicht noch?
    Grollen; bullern, rumoren, scheppern;

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    • Schnel
    • 05.04.2012 um 10:36 Uhr

    Mensch, mit Herrn Hintze im Rücken (mit oder ohne Dolch), moderner geht es nicht!

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  4. Nimmt Herr Röttgen unbezahlten Wahlkampfurlaub oder bezahlen wir Bürger indirekt seinen Wahlkampf über sein Ministergehalt?

    6 Leserempfehlungen
    • WiKa
    • 05.04.2012 um 10:53 Uhr

    … ja wer träumt nicht davon, aus einer relativ sicheren Position nach dem Schinken angeln und wenn es schief geht halt bei der Wurst zu bleiben. Dumm nur, dass derart elitäres Gehabe für die meisten Michel nicht reicht, die sich dann schon über ein wenig Butter auf dem Brot freuen.

    Er, nebst seiner Partei gehören auch auf Bundesebene in die Wüste geschickt, aber da müssen wir wohl noch bis 2013 warten, schade, manchmal würde man sich wünschen diese seltsame indirekte Demokratie könnte schneller ticken.

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  5. >> Norbert Röttgen hat die CDU in Nordrhein-Westfalen erstmal hinter sich gebracht <<

    ... zweideutig. Ist gemeint: Röttgen hat den Auftritt hinter sich gebracht? Das ist wohl so. Dass er die Partei hinter sich versammelt hätte, ist aber nicht zu erkennen.

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    • CM
    • 05.04.2012 um 11:56 Uhr

    Das muß man sich wohl so vorstellen, daß bis zur ersten Hochrechnung alle mit dem Messer unter dem Jacket hinter ihm stehen und es kurz danach hervorholen. Die Steigerung von "Feind" ist bekanntlich "Parteifreund".

    • CM
    • 05.04.2012 um 11:56 Uhr

    Das muß man sich wohl so vorstellen, daß bis zur ersten Hochrechnung alle mit dem Messer unter dem Jacket hinter ihm stehen und es kurz danach hervorholen. Die Steigerung von "Feind" ist bekanntlich "Parteifreund".

  6. Immer wieder belustigend wie sich machnche über Diktaturen und "gelenkte Demorkratien" aufregen und dann festellen müssen das man hier im Prinzip auch keine Wahal hat.

    Siehe auch Prsäsidentenwahl, wo nicht direkt gewählt wird.

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