Die Piratenpartei hat bei ihrem Parteitag im schleswig-holsteinischen Neumünster den Berliner Johannes Ponader zum Nachfolger für die bisherige Geschäftsführerin Marina Weisband gewählt. Der 35-Jährige kam auf 74,4 Prozent der Stimmen.

"Ich stehe hier nicht, um Politik zu machen, sondern um euch den Rücken freizuhalten, damit ihr Politik machen könnt", sagte der 35-jährige Berliner den Teilnehmern nach seiner Wahl. "Meine Aufgabe ist es nicht, inhaltliche Impulse zu geben", sagte Ponader. Seine Rolle sei die eines Transmissionsriemens zwischen der inhaltlichen Arbeit an der Basis und dem Vorstand.

Der Piratenpartei gehört Ponader seit 2010 an. Er studierte Theaterpädagogik an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Danach war er als freischaffender Künstler an zahlreichen Theaterproduktionen beteiligt – als Regisseur, Autor und Schauspieler. Im Piraten-Wiki zu seiner Kandidatur beschrieb sich Ponader als "Gesellschaftskünstler, polyamant, vegan".

Auf dem Offenbacher Parteitag hatte er im Dezember 2011 den gleichzeitig umstrittenen und umjubelten Antrag eingebracht, das sozialpolitische Modell eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) ins Parteiprogramm aufzunehmen. Im vergangenen Jahr engagierte sich Ponader auch in der Occupy-Bewegung. Er nahm aktiv an Diskussionsrunden auf der Wiese vor dem Berliner Reichstag teil.

Nicht auf Wahlerfolgen ausruhen

Der bisherige Generalsekretär Wilm Schumacher appellierte an seine Partei, sich nach den jüngsten Wahlerfolgen nun "in der parlamentarischen Arbeit" zu beweisen. "Wir müssen jetzt Themen setzen", sagte er. Es ist aber offen, ob für die Diskussion der fast 200 vorliegenden Anträge zur inhaltlichen Ausrichtung noch Zeit bleibt. Vieles dürfte auf den im November in Bochum geplanten Programmparteitag verschoben werden.

Auch Schumacher war bei der Wahl zum Generalsekretär nicht mehr angetreten. Zu seinem Nachfolger wählten die fast 1.400 Delegierten den Bremer Sven Schomacker. Am Samstag hatte die Partei den 41-jährigen Bernd Schlömer zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Als Stellvertreter wurden der bisherige Parteichef Sebastian Nerz und Markus Barenhoff bestimmt. Schatzmeisterin ist künftig die gelernte Bankkauffrau Swanhild Goetze.

Bisher sind die Piraten in Berlin und im Saarland in den Parlamenten vertreten und sitzen dort in der Opposition. In Schleswig-Holstein am nächsten Sonntag und in Nordrhein-Westfalen eine Woche später gilt ihr Einzug in den Landtag als wahrscheinlich. Bei bundesweiten Umfragen kamen sie zuletzt auf neun Prozent.