MeinungsforscherDie Piraten sind die neue Mitte

Erstmals haben die Piraten in einer Umfrage die Grünen überrundet. Forsa-Chef Güllner analysiert im Interview, wie das möglich ist.

ZEIT ONLINE: Herr Güllner, Ihr Institut hat eine Umfrage veröffentlicht, wonach die Piraten auf 13 Prozent kommen. Sie liegen damit vor den Grünen, die nur elf Prozent erhalten. Wie ist dieser Höhenflug zu erklären?

Manfred Güllner: Es gibt seit langer Zeit einen ziemlichen Unmut über die Art und Weise, wie manche politischen Akteure Politik machen. Wir sehen das ja an der immer größer werdenden Zahl von Nichtwählern. Die Piraten sind so eine Art Hülle, in die viele ihren Unmut über die anderen reinpacken können.

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ZEIT ONLINE: Aber warum gerade die Piraten?

Güllner: Durch die umfangreiche Berichterstattung sind die Piraten in den Köpfen präsent und alle, die sonst gesagt haben, ich gehe gar nicht zur Wahl oder ich wähle eine kleine Partei, die geben jetzt einen konkreten Namen an, nämlich Piraten.

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist dann überhaupt das Thema Internet für den Erfolg der Piraten?

Güllner: Die anderen Parteien wollen natürlich gerne glauben, dass der Erfolg nur mit dem Thema Internet zusammenhängt. Doch die Internetaffinität der Piraten ist nicht größer als bei den Grünen. Das ist nicht der entscheidende Grund für den Erfolg, entscheidend ist der Unmut über die etablierten Parteien. Die Piraten haben eine schöne Fahne, der Name weckt Kindheitserinnerungen und ist insgesamt positiv besetzt – da sehen auch die Grünen plötzlich altbacken aus.

ZEIT ONLINE: Wie ist die Alters- und Sozialstruktur der Piraten? 

Güllner: Die Piraten sind eine Mini-Volkspartei in dem Sinne, dass ihre Anhänger nicht aus einer homogenen Gruppe bestehen. Das unterscheidet sie von den Grünen, die ja in ihrer ganzen Geschichte eine homogene Wählerschaft hatten, nämlich die oberen Bildungs- und Einkommensschichten. Die Wähler der Piraten kommen dagegen auch aus den unteren Schichten, da gibt es Arme und Reiche, da sind Leute mit Hauptschulabschluss und Leute mit Hochschulabschluss.

ZEIT ONLINE: Wo stehen die Piraten-Sympathisanten politisch?

Güllner: Das sind Menschen mit unterschiedlichen Interessen und unterschiedlichen Wertvorstellungen, es sind aber keine Radikalen. Sie ordnen sich viel weiter in der Mitte ein als SPD-, Grünen- oder Linke-Anhänger und etwas mehr links als die Anhänger von CDU und FDP. Und die Sympathisanten kommen von allen Parteien, nicht nur von Grünen und Linken sondern auch von der Union, auch von der FDP und – etwas überproportional – aus dem Nichtwählerlager.

Leserkommentare
  1. entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, strotzt vor Fehlinterpretationen und -einschätzungen, daß es nicht mehr lustig ist. [...] die Piraten verstanden hat er jedoch nicht, ansonsten kann ich mir Aussagen wie "Doch die Internetaffinität der Piraten ist nicht größer als bei den Grünen." nicht erklären.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

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    Neben der reinen Sympathie für eine Partei werden bei solchen Befragungen auch weitere "tiefergehende" Fragen gestellt. Sie dürfen also davon ausgehen, das die meisten Gülnerschen Antworten durch Empirie gestützt sind. Aber natürlich kann ich nachvollziehen, das momentan jeder die Wahrheit auf die Piraten gepachtet. Leider wissen die Piraten selbst noch nicht so recht wo sie denn stehen wollen.

    • manu26
    • 10.04.2012 um 20:10 Uhr

    Mit Internetaffinität meint Herr Güllner wohl beides: netzpolitische Beschlagenheit und Internetkompetenz der grünen PolitikerInnen und WählerInnen.

    Doch weder haben die Grünen Netzpolitik verschlafen und sind erst durch die Piraten darauf gekommen (natürlich nun unter schärferer medialer Beobachtung) noch können nur die Piraten einen Computer bedienen. Im Gegenteil: auf http://gruen-digital.de/ finde ich mich deutlich besser informiert als von den Piraten, die in Sachen Netzpolitik ohnehin nur leere Worthülsen zu bieten haben.
    Als Partei der UND des Unpolitischen bleiben die Piraten Leichtmatrosen ohne Ziel und Kompass, die immerhin das Copy&Paste-Prinzip besser beherrschen als manch anderer.

    Das einzig Originäre ist wohl das Entdecken des "Postgender"-Eilands, das sonst niemand kennt.

    Neben der reinen Sympathie für eine Partei werden bei solchen Befragungen auch weitere "tiefergehende" Fragen gestellt. Sie dürfen also davon ausgehen, das die meisten Gülnerschen Antworten durch Empirie gestützt sind. Aber natürlich kann ich nachvollziehen, das momentan jeder die Wahrheit auf die Piraten gepachtet. Leider wissen die Piraten selbst noch nicht so recht wo sie denn stehen wollen.

    • manu26
    • 10.04.2012 um 20:10 Uhr

    Mit Internetaffinität meint Herr Güllner wohl beides: netzpolitische Beschlagenheit und Internetkompetenz der grünen PolitikerInnen und WählerInnen.

    Doch weder haben die Grünen Netzpolitik verschlafen und sind erst durch die Piraten darauf gekommen (natürlich nun unter schärferer medialer Beobachtung) noch können nur die Piraten einen Computer bedienen. Im Gegenteil: auf http://gruen-digital.de/ finde ich mich deutlich besser informiert als von den Piraten, die in Sachen Netzpolitik ohnehin nur leere Worthülsen zu bieten haben.
    Als Partei der UND des Unpolitischen bleiben die Piraten Leichtmatrosen ohne Ziel und Kompass, die immerhin das Copy&Paste-Prinzip besser beherrschen als manch anderer.

    Das einzig Originäre ist wohl das Entdecken des "Postgender"-Eilands, das sonst niemand kennt.

  2. liebe wählergemeinschaft und sorgt mit stimmen für die piraten dafür (die hoffung stirbt zuletzt!), dass das -noch kleine und mickrige- piratenboot in den nächsten wahlen immer mehr zum 'richtigen' schiff mutiert.

    => ohne druck ändern die traditionellen parteien ihr verharrungsvermögen eh nur in schwer meßbaren zeiteinheiten.

    aber man kennt aus zahlreichen beispielen, dass auch kleine räder große räder gaaaanz schnell 'auf trab bringen können' - und das ist auch gut so!!!

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    wäre eine Piratenpartei mit dem aktuellen Menschenbild vertritt, nicht sonderlich erfreulich. Siehe auch http://bit.ly/HfF3tI

    wäre eine Piratenpartei mit dem aktuellen Menschenbild vertritt, nicht sonderlich erfreulich. Siehe auch http://bit.ly/HfF3tI

  3. Sorry, aber was diese "Experten" sich zusammenreimen, das könnte doch fast jeder andere politikinteressierte Bürger auch in ähnlicher Weise.

    2 Beispiele:
    Kann mich erinnern, dass vor 2,3 Jahren noch alle Politikwissenschaftler usw. gesagt haben, die Piraten würden auf jeden Fall wieder in der Versenkung verschwinden, weil sie es nicht über die 5% Hürde geschafft haben (sprechen keine relevanten gesellschaftlichen Strömungen an blabla), aber jetzt wollen es natürlich alle gewusst haben....

    Ähnliches mit der FDP und den Grünen, da wird erst davon gesprochen, diese Parteien würden auf jeden Fall zu den neuen Volksparteien werden (FDP damals 14%, Grüne ein wenig später über 20%) und jetzt schaue man sich mal diese Parteien an...
    haben im nachhinein natürlich auch alle "Experten" gewusst.

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  4. Neben der reinen Sympathie für eine Partei werden bei solchen Befragungen auch weitere "tiefergehende" Fragen gestellt. Sie dürfen also davon ausgehen, das die meisten Gülnerschen Antworten durch Empirie gestützt sind. Aber natürlich kann ich nachvollziehen, das momentan jeder die Wahrheit auf die Piraten gepachtet. Leider wissen die Piraten selbst noch nicht so recht wo sie denn stehen wollen.

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    Antwort auf "Dieser Artikel,"
  5. dennoch ist die Vorstellung..das nun die Piraten das Schiff Deutschland ...steuern verlockend. Aber ebendsowenig wie der Hoffenheim ...Bayern München ist.., so sind die Piraten noch lange davon entfernt..die MItte zu sein,- aber immerhin spielen Sie jetzt in der 1. Liga.

    Das ist überraschend genug.

    Die Langeweile hat ein Ende,..doch wie lange hält dieser Zauber ?

    Jedenfalls verändert er die politische Landschaft. Sollten die PIraten aber die passenden Koalitionspartner/innen finden..so könnte das unglaublich schnell wahr werden.

    Allerdings zeigt sich die SPd bisher wenig "kooperativ". Die Grünen sind schon schon anders. Mit den Linken gibt es auf lokaler Ebenen das ein oder andere Bündnis.

    Sollte die SPD IHRE Chance verschlafen..werden Sie wohl bald sogar unter 20 % sinken !! DEr Sinkflug hat momentan ja schon eingesetzt.

    Dann reicht es bestenfalls noch die Rolle der "Steigbügelhalter" von Merkels Gnaden.

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    • dacapo
    • 18.04.2012 um 9:26 Uhr

    ....... waren bisher die Linken, jetzt kommen die Piraten dazu. Das ist Fakt. Danach muss man sich unterhalten, was nun die sogenannten etablierten Parteien auf Trab bringt. Das wird dann auch irgendwann auf die Piraten zukommen, sollten sie auf der Bühne bleiben. Sie können sich schon darauf vorbereiten, sollten sie Politik machen wollen. Denn Politik ist nun mal zum großen Teil das Suchen nach Kompromissen. Die Wähler werden wieder enttäuscht sein und halten dann nach einer anderen Partei Ausschau, hoffentlich dann mit einem "länger" anhaltendem Wert als Namen. Denn was machen die Piraten in ca. 20 Jahren, schmücken sie sich dan mit Augenklappen und Kopftüchern, um den Namen zu unterstreichen. Piraten im politischen Sinne werden sie nicht mehr sein können.

    • dacapo
    • 18.04.2012 um 9:26 Uhr

    ....... waren bisher die Linken, jetzt kommen die Piraten dazu. Das ist Fakt. Danach muss man sich unterhalten, was nun die sogenannten etablierten Parteien auf Trab bringt. Das wird dann auch irgendwann auf die Piraten zukommen, sollten sie auf der Bühne bleiben. Sie können sich schon darauf vorbereiten, sollten sie Politik machen wollen. Denn Politik ist nun mal zum großen Teil das Suchen nach Kompromissen. Die Wähler werden wieder enttäuscht sein und halten dann nach einer anderen Partei Ausschau, hoffentlich dann mit einem "länger" anhaltendem Wert als Namen. Denn was machen die Piraten in ca. 20 Jahren, schmücken sie sich dan mit Augenklappen und Kopftüchern, um den Namen zu unterstreichen. Piraten im politischen Sinne werden sie nicht mehr sein können.

  6. und technikfeindlichen Grünen endgültig ablösen wird. Prima!

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    Fahren die Grünen in Pferdekutschen zur Arbeit? Haben die Zuhause nur Kerzenlicht und kochen auf offenem Feuer? - Oh Mann/Frau wo leben Sie eigentlich?

    Fahren die Grünen in Pferdekutschen zur Arbeit? Haben die Zuhause nur Kerzenlicht und kochen auf offenem Feuer? - Oh Mann/Frau wo leben Sie eigentlich?

  7. oder unzufrieden und unzufriedener?
    Najs ,wie schmal diese (Mitte) sein dürfte
    steht ja nirgends.
    Vor allem bei dieser Ideenvielfalt und
    Veränderungsvorschlägen

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    • docere
    • 11.04.2012 um 9:37 Uhr

    kam auch in mir auf.
    Mich würde auch der Wählerwechsel interessieren.
    Momentan sind es allen Anschein nach frustrierte Grüne.
    Wenn es eine "neue Mitte" wäre, dann müßten da auch etliche Wähler der Union/SDP sein.
    Woher bekommt die FDP den Zuwachs?
    Ich hadere mit dem Gedanken, dass es frühere Nichtwähler sind.

    • docere
    • 11.04.2012 um 9:37 Uhr

    kam auch in mir auf.
    Mich würde auch der Wählerwechsel interessieren.
    Momentan sind es allen Anschein nach frustrierte Grüne.
    Wenn es eine "neue Mitte" wäre, dann müßten da auch etliche Wähler der Union/SDP sein.
    Woher bekommt die FDP den Zuwachs?
    Ich hadere mit dem Gedanken, dass es frühere Nichtwähler sind.

  8. Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

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