Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird spannend: Neuesten Umfragen zufolge erreichen die Piraten neun Prozent der Stimmen und die FDP ist dank ihres Zugpferdes Wolfgang Kubicki wieder im Landtag vertreten. Obwohl Umfragen auch täuschen können: Vieles sieht danach aus, dass ab dem 6. Mai im Kieler Landtag sechs Parteien vertreten sein werden. Weil die Kleinen ungefähr gleich stark sind, wird die Mehrheitsbildung für ein Regierungsbündnis deutlich erschwert sein.

Diese Entwicklung besorgt SPD und Grüne , die die schwarz-gelbe Landesregierung ablösen wollen. Auch die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich einen Regierungswechsel – glaubt man den Umfragen. Doch derzeit gibt es keine Mehrheit für Rot-Grün.

Für ein linkes Dreierbündnis hat sich bereits der Südschleswigsche Wählerverband , die Partei der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, angeboten. Der SSW ist wegen des Minderheitenschutzes von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen und könnte drei bis fünf Abgeordnete im neuen Landtag stellen. Eine rot-grün-blaue Koalition, auch "Dänenampel" genannt, hätte nach damit derzeitigem Stand zwar nur eine knappe Mehrheit, wird aber von SPD und Grünen als beste aller Notlösungen angestrebt.

Der SSW will den skandinavischen Sozialstaat

Am Freitag verschickte der SSW eine selbstbewusste Pressemitteilung: "Wir sind der einzige Garant dafür, dass nach dem 6. Mai nicht das böse Erwachen folgt und Schleswig-Holstein noch eine Große Koalition oder andere unerwünschte Farbkombinationen bekommt", schreibt Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk .

Spoorendonk ist seit 15 Jahren das Gesicht des SSW und im Moment auch dessen Fraktionsvorsitzende. Wenn die resolut-herzliche ehemalige Lehrerin in ihrer knallblauen Windjacke Straßenwahlkampf mit Kaffee und Kranzkuchen macht, bleiben Jung und Alt stehen, um mit ihr zu klönen.

Der SSW wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Norden Schleswig-Holsteins gegründet. Er versteht sich als politische Vertretung der dänischen Minderheit und der Friesen. In den fünfziger Jahren wurden die Minderheitenrechte des SSW anerkannt , seitdem sitzt der Verband im Landtag.

Er bescheinigt sich selbst ein "skandinavisches Politikverständnis", orientiert am dänischen und schwedischen Schul- und Sozialstaatssystem. Daher ähneln sich SPD, Grüne und SSW in vielen ihrer Forderungen: Steuererhöhungen, Gemeinschaftsschule, soziale Gerechtigkeit.

Die Dänische Minderheit ist landesweit beliebt

Knapp 4.000 Mitglieder hat der SSW in Schleswig-Holstein. Wer zur dänischen Minderheit gehören will, muss nicht unbedingt dänischer Abstammung sein, er kann sich einfach dazu bekennen. Doch auch bei den übrigen Schleswig-Holsteinern ist die dänische Minderheit sehr beliebt. So genießen die dänischen Schulen im Land einen sehr guten Ruf.

Der SSW versteht es außerdem, sich als Regionalpartei mit Herz zu präsentieren. "Schleswig-Holsteinisches Naturprodukt. Ohne Berliner Zusätze!", steht auf den Flyern, die Spoorendonk in den Fußgängerzonen verteilt. "Wir sind nicht an eine Bundespartei gekoppelt, sondern wir können unser eigenes Ding für die Menschen hier im Land machen", sagt die Kandidatin.

In der schleswig-holsteinischen Landespolitik fiel der dänischen Minderheit schon mehrfach eine Schlüsselrolle zu. Als einziges Landtagsmitglied des SSW verweigerte Karl Otto Meyer 1987 nach dem Rücktritt von Uwe Barschel der schwarz-gelben Koalition seine Stimme und verhalf so dem SPD-Mann Björn Engholm an die Macht. Unvergessen ist der Wahlkrimi von 2005 , als der SSW sich zur Tolerierung der rot-grünen Minderheitsregierung von Heide Simonis bereit erklärte, der SPD-Frau aber konsequent eine Stimme zur Wiederwahl fehlte.