Waffenrecht : Bundestag beschließt deutschlandweites Waffenregister

Bisher sind die Daten von Waffen in Deutschland bei 600 Behörden verstreut. Nach zwei Amokläufen im Land ermöglicht das Parlament nun leichteren Überblick.

Zehn Jahre nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium hat der Bundestag die Einrichtung eines deutschlandweiten Waffenregisters beschlossen. Das Parlament stimmte für die Einführung der zentralen Kartei bis Ende dieses Jahres. Allerdings ist noch die Zustimmung des Bundesrates erforderlich.

Bislang sind die Daten über genehmigungspflichtige Waffen bei 600 einzelnen Behörden gespeichert, die aber nicht miteinander vernetzt sind. Künftig soll schnell abrufbar sein, wer Besitzer einer Waffe ist und wo er sie gekauft hat. "Der Weg einer erlaubnispflichtigen Waffe soll über den aktuellen Besitzer hinaus über etwaige Vorbesitzer bis hin zum Waffenhersteller oder Importeur zurückzuverfolgen sein", heißt es in dem Gesetzestext.

Deutschland setzt damit vorzeitig eine EU-Richtlinie um, die vorsieht, dass spätestens bis zum 31. Dezember 2014 ein zentrales Waffenregister einzuführen ist.

In Erfurt hatte im April 2002 ein ehemaliger Schüler am Gutenberg-Gymnasium zwölf Lehrer, zwei Schüler, eine Sekretärin und einen Polizisten erschossen, bevor er sich selbst tötete. Nach diesem Vorfall sowie nach dem Amoklauf von Winnenden ( Baden-Württemberg ) 2009 war das Waffenrecht geändert worden. Auch die Forderung nach einem zentralen Waffenregister kam damals auf.

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Kommentare

31 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Was bringt das bei Amokläufen?

Der Bezug zum Amoklauf ist mir hier unklar: Inwiefern hält ein Waffenregister einen Sportschützen davon ab, mit seinen legal erworbenen großkalibrigen Waffen auf Menschen zu schießen?!

Wohl eher ein Fall von "Wir müssen IRGENDWAS tun, das mit Waffen zu tun hat! Und da alle wirksamen Maßnahmen den Waffenliebhabern nicht gefallen (=wichtigere Wählergruppe als tote Schüler), richten wir halt nach einem Amoklauf ein Waffenregister ein!"

Brauchen wir wirklich die Waffe als Kulturobjekt?

Wenn es um Schützenvereine oder sportliche Aktivitäten mit der Waffe geht, frage ich mich, ob wir wirklich die Waffe als Kulturobjekt benötigen? Können jene, die sich im Schützenvereinbefinden nicht auch ohne Knarre gesellig sein? Ich bin mittlerweile sehr pasifistisch eingestellt und meine, dass sämtliche Waffen aus privaten Händen gehören. Zustände wie in den USA sollten wir hier im Keim ersticken.

Den Trieb, mit der Waffe zu hantieren kann man auch bei der Bundeswehr sehr gut. Dann sogar mit echten, schussbereiten Waffen. Und wer sich zu höherem berufen fühlt, darf gerne sein Verständnis von Demokratie am Hindukusch verteidigen, muss es aber dann mit seinm Gewissen aus machen.

Das Waffenregister sollte dafür sorgen, dass man all jenen die "Knarre" aus der Hand nimmt, die heute noch meinen Heim und Herd mit diesem verteidigen zu müssen. Sie sollten auch wissen, dass es immer jemanden gibt, der schneller sein wird. Wir brauchen hier kein Volk, welches heimlich unter Waffen steht. Das sollte nicht unser Verständnis von Zusammenleben und Gesellschaft sein.

Waffe als Kulturobjekt?

Es ist schon vermessen wie Sie die freien Bürger unter Kontrolle bringen wollen. Es bedeutet doch nicht gleich, dass derjenige der ein Waffe besitzt sie auch gegen Menschen richtet. Im übrigen sind Waffenbesitzer auch ohne Zentralregister "gläsern". Und die illegealen Waffen, die zu eine Unzahl in privaten Händen sind, die werden nicht erfasst. Die Polizeistatistik sagt auch aus, dass Gewaltverbrechen mit legalen Waffen sich im unteren Promillebereich ansiedeln lassen. Von illegalen Waffen kann das niemand behaupten. Diejenigen, die eine Berechtigung zum Führen eine Waffe besitzen, werden sehr genau geprüft. Eine Trunkenheitsfahrt wird diese Berechtigung bereits beenden. Das ist auch gut so! Daher ist eine weitere Bevormundung durch den Staat überflüssig!

Zusammenhänge

@Der-Sagittarius
Die Zusammenhänge, die Sie sich zwischen Schützen, Soldaten und gesellig sein zusammenreimen zeugen, mit Verlaub, von einer mehr als verzerrten Sichtweise.
Kein Wunder bei der medialen und teils politischen Zuarbeit.
Auch unter Schützen sind Pazifisten. Vielleicht sogar genau deswegen.
Auch wenn einige aktiv an der Dämonisierung, Kriminalisierung und Ausgrenzung von Legalwaffenbesitzern arbeiten, sind diese doch ein recht exakter Querschnitt unserer Gesellschaft.

Den Vorteil des Registers im Zusammenhang mit den genannten Taten kann ich allerdings nicht sehen. Gibt es doch nur Aufschluss über etwaige Tatwaffen.
Zumal bereits jetzt, bei bekannter Identität einer Person, die Informationen über Waffenbesitz dank einem dicken Vermerk in den Akten vorliegen.

Exakter Querschnitt der Gesellschaft

Mit der Bemerkung, dass Legalwaffenbesitzer einen exakten Querschnitt des Gesellschaft repräsentieren, haben Sie möglicherwiese Recht. Zur Beruhigung trägt dies aber nicht gerade bei, denn auch dann wäre der Anteil derjenigen, in deren Hände aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur keine Waffen gehören, erschreckend hoch.

Und um festzustellen, dass es auch in Deutschland eine Szene gibt, in der der Besitz von Waffen vergleichbar stark ideologisch befrachtet ist wie in Teilen der amerikanischen Gesellschaft, empfiehlt sich ein Blick in eine Diskussion, die sich vor kurzem auf dem Seiten der Bremer Bürgerschaft entsponnen hat, als dort eine Waffensteuer diskutiert wurde:

https://petition.bremisch...