Torsten Albig will Schleswig-Holstein mit Zuneigung gewinnen. "Mein Lieblingsland" ist der Wahlkampf-Slogan der SPD im Norden. Auf jeder Broschüre, auf jedem Plakat prangt ein Herz, das zur Hälfte himmelblau und zur anderen Hälfte hellrot eingefärbt ist. Mit diesen romantischen Farben arbeitet der Noch-Oberbürgermeister von Kiel auf einen Politikwechsel nach der Wahl am 6. Mai hin. Rot-Grün ist das erklärte Ziel. Albig will Ministerpräsident werden .

Der Kandidat setzt dabei ganz auf direkten Kontakt zu den Leuten, er radelt derzeit täglich durchs Land, besucht Kindergärten und Bio-Bauernhöfe. "Eine Art Oberbürgermeister-Wahlkampf in groß" für das 2,8 Millionen Einwohner-Land sei das, erzählt er stolz.

Seine Strategie ist bisher erfolgreich: Laut einer aktuellen Umfrage führt die SPD mit 32 Prozent knapp vor der CDU . Albig ist inzwischen der beliebteste Politiker im Land. Dabei ist der 48-Jährige erst seit 2009 so richtig in der Kommunal- und Landespolitik aktiv. Vorher war Albig Sprecher im Bundesfinanzministerium , zuerst von Oskar Lafontaine , dann von Hans Eichel , zuletzt von Peer Steinbrück .

"Die Gefühle der Menschen ansprechen"

Der Mann mit der Glatze, dem großen Lächeln und der tiefen Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert, den er einzusetzen weiß. Zur inhaltlichen Auseinandersetzung komme der dem Wirtschaftsflügel nahestehende Sozialdemokrat allerdings vor lauter Radeln und Händeschütteln kaum, lästern politische Gegner.

Den Spitzenkandidaten ficht dies nicht an. "Um die Wahl zu gewinnen, muss ich die Gefühle der Menschen ansprechen", sagt er. "Zehn-Seiten-Papiere diskutieren" bringe da wenig. Albig sitzt im Frühstücksraum eines Hotels in Lübeck . Im Morgengrauen schon hat er im kalten Wind vor dem Bahnhof gestanden und mit seinen Helfern 600 Brötchen-Tüten mit SPD-Logo an Berufspendler verteilt. "Ich will mich nicht mit der CDU oder Kubicki auseinander setzten, sondern mit dem, was das Land besser macht", sagt er.

Doch was genau das Land besser machen soll, bleibt vage. Mehr soziale Gerechtigkeit trotz des Sparzwangs im hoch verschuldeten Flächenland verspricht der SPD-Kandidat. Gespart werden solle im "Dialog mit dem Bürger". Selbst die Grünen lästern ob solcher Allgemeinplätze über den potenziellen Regierungspartner: Vom langjährigen Weggefährten eines Bundesfinanzministers erwarte man eigentlich Konkreteres.

Starke Piraten

Doch Rot-Grün hat inzwischen ein ganz anderes Problem: Die Piraten kommen der jüngsten Umfrage zufolge auf 10 Prozent, während die Werte für die schleswig-holsteinischen Grünen binnen weniger Wochen von 18 auf 13 Prozent geschrumpft sind. Ein "Hammer" sei diese Entwicklung, sagt Albig und fügt hinzu: "Die Piraten sind ein Problem für die Grünen und damit auch für die SPD."

Für eine Regierungsmehrheit wird es so nämlich nicht mehr reichen . Nur der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) kann Rot-Grün nach derzeitigem Stand mit ihren voraussichtlich zwei bis drei Abgeordneten an die Regierung helfen. Die Partei der dänischen Minderheit, für die die Fünfprozenthürde nicht gilt, ist zum Mitregieren in einer so genannten "Dänenampel" bereit – wenn man ihr trotz Haushaltsnotlage genügend finanzielle Unterstützung für die dänischen Schulen und Kultureinrichtungen zusagt.

Die SPD versucht derweil, die rot-grüne Option doch noch irgendwie möglich zu machen: Landeschef Ralf Stegner warnt inzwischen per Pressemitteilung davor, die Piraten zu wählen. Doch selbst mit dem SSW könnte es nach momentanem Stand knapp werden.