Deutschtürken in NRW : Das Klischee vom Döner-Laden ist passé

Unternehmer, Ingenieure, Wissenschaftler: Köln ist das Zentrum erfolgreicher Deutschtürken. In der NRW-Landespolitik aber stehen sie noch am Rande.

Auf dem Regal im Wohnzimmer stehen sie, die Zeugnisse des Bildungsehrgeizes. Leo Tolstoi , Krieg und Frieden , deutsche Ausgabe. Daneben: Nikolai Gogol, Fjodor Dostojewski, türkische Ausgaben. Maksuni Solmaz, Maschinenbauingenieur und der Hausherr hier, sitzt auf seinem weißen Sofa davor und sagt: "Wenn man sich anstrengt, kann man hier in Deutschland alles erreichen."

Er muss es wissen, denn er hat viel erreicht auf seinem weiten Weg. Vom kleinen Dorf nahe Ankara, wo er vor 35 Jahren geboren wurde, bis in seine Eigentumswohnung im Kölner Stadtteil Porz, wo Solmaz heute mit seinen beiden Söhnen und seiner Frau lebt. Einst hat er im Schichtdienst beim Stahlriesen Thyssen geschuftet, jetzt ist er Diplomingenieur und Experte für Industrieversicherungen. Gerade ist er dabei, sich selbstständig zu machen.

Solmaz gehört zu einer immer größer werdenden Gruppe in Nordrhein-Westfalen : Türkischstämmige, die sich im deutschen Bildungssystem und der Arbeitswelt hochgearbeitet haben. Sie sind Unternehmer, Ingenieure, Manager. Nirgendwo sonst ist diese Gruppe so stark wie in Nordrhein-Westfalen, und nirgendwo sonst ist sie damit auch für die Parteien so wichtig.

Ein Drittel der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland lebt in Nordrhein-Westfalen, rund 843.000 Menschen sind es im gesamten Bundesland. Nur in den Stadtstaaten Bremen und Berlin ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung höher. Etwa jeder Dritte von ihnen, mehr als 250.000, hat einen deutschen Pass und kann somit wählen. Köln ist die Hochburg der Türkischstämmigen: Rund 92.000 leben hier, 60.000 mit türkischer, 32.000 mit deutscher Staatsbürgerschaft.

"Wenn ich Blödmann das kann, dann schaffst du das auch"

Maksuni Solmaz kam als Zehnjähriger nach Deutschland, seine Eltern waren gestorben und der älteste Bruder versuchte, der Familie hier ein neues Leben aufzubauen. Im hessischen Dillenburg kämpfte sich der junge Maksuni durch die Grund- und später die Gesamtschule. "Mein Deutsch war lange Zeit gar nicht gut", sagt er heute mit hessischem Akzent. Dann macht er eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker, wurde schon nach zweieinhalb Jahren fest eingestellt. Solmaz heiratete, gründete mit gerade einmal 22 Jahren eine Familie. Hier könnte seine Geschichte zu Ende sein.

Doch Solmaz wollte mehr. Angetrieben von seinem drei Jahre älteren Bruder, der es direkt auf das Gymnasium geschafft hatte, wagte er den nächsten Schritt: An der Berufsschule lernte er Maschinenbautechniker, nebenher arbeitete er trotzdem weiter, er musste ja seine Familie ernähren. Morgens um fünft stand er auf und lernte bis acht Uhr, dann ging er bis mittags zur Schule, nachmittags und nachts riss er seine Schichten bei Thyssen ab.

Der soziale Aufstieg wurde sein Lebensprojekt. 2004 schrieb er sich für das Ingenieurstudium ein, 2005 zog Solmaz nach Köln. " NRW hat mich angezogen", sagt er, in Köln fühlte er sich wohl und sah gute Jobchancen. An der Fachhochschule versuchte ein Professor ihn, den Ausländer, gleich in einer der ersten Vorlesungen mit besonders schwierigen Fragen zu verunsichern. Solmaz blieb ruhig und sagte: Weiß ich nicht, erklären Sie mir das doch. "Ich hatte eine Familie zu ernähren und mein Leben lang bewiesen, dass ich arbeiten kann, da lasse ich mich doch von so einem nicht aus der Bahn werfen", sagt er heute. Wenige Jahre später war er selbst Dozent an der Hochschule.

Heute arbeitet er bei einem mittelständischen Rückversicherer, seine Frau hat ihren Schulabschluss nachgeholt und macht jetzt auch eine Ausbildung, er hat sie dazu immer wieder angetrieben. Die beiden Söhne gehen aufs Gymnasium. Seinen Neffen hat er jetzt auch überredet, zu studieren. "Wenn ich Blödmann das kann, schaffst du das auch", hat er ihm gesagt.

Klischee vom Döner-Laden ist längst Vergangenheit

Aufstieg durch Bildung und Fleiß, Familiengründung, Eigentumswohnung: Der Lebensweg des Maksuni Solmaz gleicht dem etlicher Nachkriegsbiografien, er und viele andere Migranten aus der Türkei wiederholen das, was viele Deutsche vor einigen Jahrzehnten geschafft haben.

Den deutschen Pass hat Solmaz "natürlich" beantragt, als sich vor zehn Jahren die Chance dazu bot. "Seitdem fühle ich mich erst richtig zugehörig hier", sagt er.

Zum Jahresende will er sich selbstständig machen, wie so viele Türkischstämmige in Nordrhein-Westfalen. Die Zahl der türkischstämmigen Unternehmer hat sich von Mitte der achtziger Jahre bis 2006 verdreifacht, auf rund 24.000 Betriebe mit 120.000 Beschäftigten. Mit dem Klischee vom Döner-Laden hat ihre Realität längst nichts mehr zu tun. Die Gastronomie wurde vom Einzelhandel überflügelt, die Deutschtürken haben den Sprung aus der sogenannten Ethno-Wirtschaft geschafft.

Einer der erfolgreichsten unter ihnen ist Canan Karadag. Der 40-Jährige hat sich hochgearbeitet vom Kloputzer bei McDonalds zum Kioskbesitzer und dann zum Supermarktbetreiber. Sieben Läden unter seinem Namen gibt es mittlerweile in Köln, das Sortiment ist vor allem: frisch. Die Hälfte seiner Kunden sind Türken, die andere Hälfte Deutsche. Karadag steht nicht wie der Ingenieur Solmaz um fünf Uhr morgens auf, er steht um vier Uhr auf.

Aufstieg durch Selbstständigkeit

Auch er hat längst den deutschen Pass, obwohl er die ersten 15 Jahre seines Lebens in der Türkei verbracht hat. Dort hatte seine Familie mehrere Geschäfte, die sie in der Wirtschaftskrise Mitte der Achtziger verlor. "Ich wusste immer, dass ich das in Deutschland wieder aufbauen will, ich wollte immer frei sein", sagt er. Seine Erklärung für die hohe Selbstständigkeit bei Deutschtürken: "Die Familien unterstützen sich viel besser, das gibt einem mehr Sicherheit, den Sprung zu wagen."

Und die Politik? Zwei Jahre lang war Karadag in der SPD , sein Traum war es, eines Tages Abgeordneter zu werden. So wie seine Cousine Sevim Dagdelen, die für die Linkspartei im Bundestag sitzt. "Die ist der Stolz der Familie", sagt Karadag. Die meisten Türkischstämmigen in NRW sympathisieren eher mit dem linken Lager, wie eine Studie des Zentrums für Türkeiforschung von 2009 zeigt: Wer von ihnen einen deutschen Pass hat und damit wahlberechtigt ist, wählt zu rund 46 Prozent SPD , zu 17 Prozent Grün, und zu über 8 Prozent die Linke . Die CDU kommt nur auf 3,4 Prozent, die FDP auf minimale 1,7 Prozent. Der Rest geht nicht wählen oder ist unentschlossen. Auch eine Einbürgerung aller Türken würde dem bürgerlichen Lager wenig nutzen, denn auch bei denen ohne deutschen Pass dominieren SPD und Grüne .

Doch verlassen sollten sich die Parteien darauf nicht: Der Supermarktbesitzer Karadag hat bisher SPD gewählt. "Weil die die beste Politik für Ausländer gemacht haben", wie er sagt. Doch am Sonntag, bei der Landtagswahl, wird er sein Kreuz das erste mal bei der FDP machen, "weil die am besten für uns Unternehmer sind".

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Kommentare

142 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Sehr schön! Ich gratuliere zum Erfolg!

NRW ist sicher ein relativ gutes Pflaster für Einwanderer, weil Einwanderung dort Tradition hat.

Aber jetzt berichten Sie (Zeit online) bitte auch mal über Einwanderer aus anderen Weltgegenden: von Portugal bis Kasachstan, von Ghana bis Vietnam!

(Die Medien habens immer so mit den Türken und Arabern ...)

Recht haben sie ja, aber...

Es stimmt, dass wenn es um Ausländer oder Migrationshintergründe geht, meist die Rede von Türken ist. Aber das Thema wurde bisher immer recht einseitig beleuchtet. Denn es gibt im Jahr 2012 mehr als nur diejenigen Türken, die entweder in Parallelgesellschaften verkümmern oder den Sprung zum Unternehmer geschafft haben - dank oder trotz ihrer türkischen Wurzeln.

Es gibt auch Menschen wie mich (ohne, dass ich mich selbst im Speziellen für interessant genug halte einen Artikel zu füllen :P). Ich bin Deutscher, hier geboren und aufgewachsen. Zu Mittag gab es heute Würstchen mit Spinat und Ei und gestern Kartoffelauflauf.
Doch würden sie mir ins Gesicht sehen, würden sie mir das nicht glauben und hätte ich nicht den Mund aufgemacht, würden sie nachts die Straßenseite wechseln. Ich bin Deutscher durch und durch, aber meine Eltern waren es nicht. Und so sehe ich auch aus.

Mein Aussehen ist das einzig fremdländische an mir und das reicht um mich in meinem (einzigen!) Heimatland fast tagtäglich zu diskriminieren. Ich spreche kein türkisch, war seltener in der Türkei als meine Freunde in ihren Urlauben und mit meinen Verwandten dort spreche ich wenn dann nur auf englisch. Ich bin einer derjenigen "Türken" die niemals türkisch waren, bei denen es nichts zu integrieren gab, da ich schon als Deutscher zur Welt kam und die dennoch nie ganz deutsch sein dürfen.

Ich würde mir sehr einen Artikel über Meinesgleichen wünschen, denn so gering ist unsere Anzahl schon lange nicht mehr.

Du meine Güte,

wie sehen Sie denn aus? :-))

"Doch würden sie mir ins Gesicht sehen, würden sie mir das nicht glauben und hätte ich nicht den Mund aufgemacht, würden sie nachts die Straßenseite wechseln. Ich bin Deutscher durch und durch, aber meine Eltern waren es nicht. Und so sehe ich auch aus."

Machen Sie sich nicht vielleicht zuviel Sorgen? Oder wohnen Sie vielleicht in der falschen Gegend?

Ich meine, unter meinen Freunden und Verwandten sind Leute von fast allen Kontinenten (nein, Australien ist nicht dabei), und das meiste Türkisch, das ich vor 40 Jahren mal gelernt habe, habe ich seitdem vergessen, ausser
"Merhaba", "Tesekkür ederim", "Allahaismarladik - güle güle", "Param yok" "Sen güzel kistir" usw.

Wenn Sie mir also Angst machen wollen, müssen Sie schon wirklich gefährlich aussehen!

Und vielleicht - ich weiss ja nicht, zu welcher Bevölkerungsgruppe der Türkei (Türken, Kurden, Armenier, Griechen, Syrer, Tscherkessen, was weiss ich) Ihre Eltern zählen - vielleicht wäre es ja gar nicht so schlecht, wenn Sie auch ein wenig Türkisch sprächen. ("N' bisken türkisch muss man ja könn', heutzutage." sagte vor 40 Jahren eine Berliner Verkäuferin zu mir, als ich sie fragte, woher sie wüßte, was "ekmek" heisst.)

Ich wollte nur ausdrücken, dass dieselben Medien, die Diskriminierung und Vorurteile beklagen, gleichzeitig ständig hauptsächlich über türkische und arabische Einwanderer berichten, so als ob es keine anderen gäbe, und damit ständig neue "Debatten" anstiften.

@ Klopperella

"...Ich würde mir sehr einen Artikel über Meinesgleichen wünschen, denn so gering ist unsere Anzahl schon lange nicht mehr."
--

Und warum schreiben Sie diesen Artikel dann nicht selber, und stellen ihn hier bei Zeit Online ein ? Das Angebot von Zeit Online gibt es , schauen Sie mal:

"Ihr Leserartikel auf ZEIT ONLINE

Haben Sie eine starke Meinung, die Sie überzeugend begründen können? Wollen Sie Ihre persönlichen Erfahrungen schildern und so ein abstraktes Thema greifbarer machen? Sind Sie Experte in einem Fachbereich und wollen Ihr Wissen in die Debatte einbringen? Dann freuen wir uns auf Ihren Leserartikel!"

Ein Versuch ist es allemal wert.

Integrationswillig oder nicht, wen juckt's?

Na so furchtbar seh ich nicht aus, dass ich alles und jedem immer Angst mache ;)

Mein Punkt, den ich in einem kurzen Kommentar nicht hervorbringen konnte, ist dass man mich sieht und gleich dem vermeintlichen Moslem (bin ich nicht) oder eben dem Türken gegenüber steht. Und dann wird im Vorfeld diskriminiert bis die Bude brennt.

Vor 3 Monaten war ich auf WG-Suche und das war ein wahres Diskriminierungsfest für mich mit. Über so Sätze an der Türschwelle wie "Oh... äh... ja, ne sorry. Aber Südländer wollten wir hier eigentlich nicht" hab ich mich sogar noch kommentarlos gefreut, denn mit offenen Diskriminierungen ist wesentlich leichter umzugehen als mit Versteckten, der tief in unserer Kultur verwurzelt ist und dem ich dann so oft begegnen darf.

Im Übrigen stellt sich mir da auch die Frage, inwiefern sich richtige Ausländer, die integrationswillig sind überhaupt integrieren können, wenn man wie ich kein bisschen fremdländische Kultur oder Sprache besitzt und dennoch ausgegrenzt wird, sobald man mich nicht nur im Internet liest oder übers Telefon hört. Immer wieder wird in den Medien das Fass aufgemacht, wie weit sich Ausländer erstmal selber integrieren müssen und wie weit Deutsche denn Mitschuld an mangelnder Integration tragen. Sie können sich vorstellen, dass ich da die Populärmeinung nicht teile, dass die Schuld ausschließlich beim dummen Ausländer liegt. Und das obwohl man mir sonst nicht gerade einen Gutmenschen-Kuschelkurs denen gegenüber vorwerfen kann.

Deutschtürken

So lange diese Mitbürger als Deutschtürken und nicht als türkischstämmige Deutsche bezeichnet werden, werden sie leider in der Wahrnehmung vieler Menschen Ausländer sein, selbst wenn sie in Deutschland geboren wurden und nur über den einen gültigen Pass, den deutschen nämlich, verfügen.

Wie Sie sagen, ....

....solange sie Deutschtürken sind und nicht Deutsche, werden sie als Selbstständige und Unternehmer aber nicht als Leitende in Unternehmen Erfolg suchen müssen.

PS: Wie ist das mit Polenstämmige? Kretschmar und andere Einwanderer des vorletzten Jahrhunderts werden nicht als solche nicht mehr gesehen. So finden sich mehrere Zuwanderungsgruppen, die zwischenzeitlich in der Täglichkeit (wenn auch schon in der Diskussion manches Mal) kaum wahrgenommen werden. Hugenotten oder Juden identifiziert man nicht einmal. Das dauert aber Zeit und kann durchaus ein Auf und ein Ab erfahren im Integrationsprozess.

@ reiserolli - Schweigen heisst nicht immer Zustimmung!"

Hier eine kleine Anekdote für Sie über unsere vietnamesichen Freunde.

http://www.migazin.de/201...

"Man redet viel über die hohe Abiturientenquote der Vietnamesen und die Mustergültigkeit ihrer gesellschaftlichen Anpassung und fragt sich, warum die integrationsunwilligen Problem-Türken nicht so sein können, wie die Asiaten. Die gesellschaftliche Erwartungshaltung der Asiaten ist hoch. Sie beinhaltet nur Verpflichtungen, wie nicht aufzufallen, nicht laut zu sein, keine Probleme zu verursachen, unsichtbar sein und seinen Platz in der Gesellschaft zu kennen. Nach all diesen Erfahrungen kann ich der türkischen Bevölkerung nur empfehlen, so zu bleiben, wie sie sind, und sei es drum, Probleme zu machen. Nur dann so erscheint es mir, verschafft man sich in Deutschland Gehör."

@ bayro79

Ganz sicher schafft man sich so in Deutschland Gehör, aber mit welchem Klang ?

Wenn man Mißtöne verursacht, dann darf man sich aber auch nicht über die entsprechende Reaktion wundern.

Wer wären denn die Zuhörer, würden sie sich Mißtöne widerspruchslos gefallen lassen ?!

Erregt man mit dem schaffen solch eines Gehörs zudem auch noch ´Probleme´, dann mag man sich auch hier nicht über das Maß der Abwehrhaltung wundern.

@ H.v.T.

Mißtöne ,Gehör schaffen, Ihr sog. Probleme liegen im Auge des Betrachters.

Solange es Lobbyismus gibt, wird es sich nicht daran ändern, Gehör zu verschaffen.

Die 1. türk. Generation konnte sich kein Gehör verschaffen, da keine dt. sprache vorhanden war. Sie mussten Ihre Moscheen in Gewerbegebieten und Hinterhöfen gründen. Kirchen und Synagogen stehen seltsamerweise an teuersten Plätzen der Städte .Steuererklärungen wurden links liegen gelassen, weil es niemand verstand es auszufüllen. Viel Geld ist beim Fiskus liegengeblieben.

Und die 3. Generation macht genau das, was die Gesellschaft forderte. Sie lernte die deutsche Sprache und verschafft sich jetzt Gehör. Ironie des Schicksals.

Man fordert das Recht auf Anerkennung und Gleichberechtigung, mehr nicht. Doppelte Maßstäbe sind Gift für eine Gesellschaft.

Der Artikel zeigt Erfolge:

türkische Migranten beteiligen sich in und wählen alle Parteien des Spektums, von denen im Artikel die Rede ist und machen ihren Weg.

Super Sache, kann man das auch über Migranten in anderen Ländern sagen und wie geht es deutschen Migranten in Ländern, in die sie gehen? Wie sieht ihr Weg in die Parlamente aus in Spanien, Kanada oder wohin auch immer deutsche Staatsbürger so auswandern?

Überlese ich diese Sachen über all die türkischen Erfolgsmeldungen oder gibt es sie medial nicht?

„Gäste“, Leberkäse und Sozialleistungen

„Sie meinen wohl jene leberkäsessenden Deutschen, die in den Gastgeberländern von deren Sozialleistungen leben? Sancta simplicitas!“

Verstehe ich Ihren Vorschlag dann in etwa richtig:

Ausländer bzw. Bürger ausländischer Herkunft, die nicht von Sozialleistungen leben, dürfen sprechen wie sie wollen und essen, was sie wollen; wer auf Sozialleistungen angewiesen ist, muss leider auf seine Muttersprache und gewohnte Ernährung verzichten. ;)

أحق أن تحجب الغٌر تعلٌم !

130 TMaibaum:

"Ausländer bzw. Bürger ausländischer Herkunft, die nicht von Sozialleistungen leben, dürfen sprechen wie sie wollen und essen, was sie wollen; wer auf Sozialleistungen angewiesen ist, muss leider auf seine Muttersprache und gewohnte Ernährung verzichten."

Im Unterstellen sind Sie sehr schnell.

Ich würde sagen, es wäre angemessen, im Ausland von seiner eigenen Hände Arbeit und nicht von den dortigen Sozialleistungen zu leben. Im ersten Fall bin ich ein Gewinn, im zweiten eine Last.

na ja

sarazin weißt im kern darauf hin, dass die migrationspolitik gescheitert ist.
das ist erst mal richtig und dank dieser debatte muss sich die politik diesem versagen nun auch langsam stellen.

der artikel zeigt, wo es hingehen muss, wir brauchen diese qualitative stärkung bei arbeitskräften.
sie ist aber noch die ausnahme.

weit über 75 prozent der beim arbeitsamt gemeldeten türkischen mitbürger ist ohne beruf.
so ein unterirdisches migrationsniveau hat kein land der welt.
an den lehrstellen liegt es nicht, die sind in größenordnungen nicht besetzt ...

82 Spitzbub:

"Für diese Behauptung hätte ich gern Daten"

Statistiken u. diverse Studien zeigen, daß das immer nur noch die Minderheit und nicht die Regel ist:

http://www.spiegel.de/pan...
"Die Gruppe junger Migranten ohne Konfession sei am besten in die deutsche Gesellschaft integriert. "Sie steuern beispielsweise zu 41,2 Prozent das Abitur an, haben zu 62,9 Prozent deutsche Freunde und fühlen sich zu 66,1 Prozent als Deutsche", erklären die Autoren der Studie. Bei jungen Muslimen sei dies anders: Sie verfolgten zu 15,8 Prozent den Abiturabschluss, hätten zu 28,2 Prozent deutsche Freunde und fühlten sich zu 21,6 Prozent als Deutsche."

Datenreport 2008 (S. 202) des Stat. BA:
2001 - 2006 Anteil Personen o. Schulabschluss an d. türk. Bev. in D von 18% auf 19% gestiegen, Anteil d. Abiturienten von 8% auf 7% gesunken sei. Sie schneiden am schlechtesten unter den aufgeschlüsselten Gruppen (Türken, Südeuropäer, Südosteuropäer, Aussiedler, Deutsche) ab, sind die einzige Gruppe mit stagnierender bzw. rückläufiger Tendenz. (Zahlen gem. Sozioökonomischen Panel);

Mikrozensus 2009: Abit.-anteil Deutsche 21,5%, Personen m. MiHiGru: insgesamt 20,0%, Türkischstämmige
7,8%; m. 20,5% doppelt so oft o. Schulabschluss als
Schnitt Migranten (10,4%), die Deutschen o. MiHiGru bei
1,5%.

Berufl. Ausbildungssituation: Datenreport 2008 besonders ungünstig für die Türken (60% o. jede Ausbildung, Migranten: 43%, Deutsche: 19%)
Kinder türk. Migranten: 57% o. Berufsabschluss.

„Ethno-Wirtschaft“

„Artikel-Zitat: "Deutschtürken haben den Sprung aus der sogenannten Ethno-Wirtschaft geschafft."
Für diese Behauptung hätte ich gern Daten, die sie statistisch belegen. Ein paar Gegenbeispiele reichen nicht.“

Und die implizite These, Deutschtürken wären a) in einer „Ethno-Wirtschaft“ gefangen, aus der sie b) den „Sprung schaffen“ müssten, bedarf natürlich keinerlei Bestätigung...

Die Deutschtürken können es den Deutschdeutschen aber auch wirklich nicht recht machen: Sind sie überdurchschnittlich oft arbeitslos, ist das schlecht (und natürlich allein ihre Schuld). Machen sie sich erfolgreich selbständig, indem sie z.B. türkische Produkte überwiegend an Landsleute verkaufen, ist das „Ethno-Wirtschaft“, aus der heraus sie den „Sprung schaffen“ müssen... Auf diese Weise wird die Messlatte für „Integration“ immer höher gelegt. (Was ist eigentlich mit einem deutsch-deutschen Wirt, der seinen überwiegend deutsch-deutschen Gästen „gutbürgerliche Küche“ serviert - ist das nicht auch „Ethno-Wirtschaft“?)

Klar doch!

Was ist eigentlich mit einem deutsch-deutschen Wirt, der seinen überwiegend deutsch-deutschen Gästen „gutbürgerliche Küche“ serviert - ist das nicht auch „Ethno-Wirtschaft“?
Klar doch - aber ist das was Schlimmes? - Aber wer die gutbürgerliche Küche nicht langsam dem "mediterranen" Geschmack der Deutschen anpasst, um dessen Erfolg muss ich doch fürchten...

Ein Wort noch zu den vermissten Statistiken: Die Wirklichkeit soziale hat eben immer noch ein paar Nischen mehr als auch die differenzierteste Statistik erfasst. Da ist doch die konkrete Lebensgeschichte erfrischender, und es geht ja auch nicht nur um Ökonomie, auch um Familie und Politik.

121 TMaibaum:

"Die Deutschtürken"

Ist das ein Deutscher oder ein Türke?

"Sind sie überdurchschnittlich oft arbeitslos, ist das schlecht"

Siehe Beitrag 119.

"natürlich allein ihre Schuld"

Nicht mehr und nicht weniger als bei ihren deutschen Mitbürger. Jeder ist seines Glückes Schmied. Warum sollte das bei den Türkischstämmigen anders sein?

"Machen sie sich erfolgreich selbständig"

Die rund 64.000 türk. Unternehmen in Deutschland mit ca. 320.000 Beschäftigten erwirtschafteten 2005 ca. 30 Mrd. Euro. Im Verhältnis zu den Deutschen eine unterdurchschnittliche Rate an selbstst. Unternehmen, geschaffenen Arbeitsplätzen und erwirtschaftetem BIP im Verh. zur Gesamtbevölkerung. Generell ist der Anteil der Selbstständigen mit MiHiGru mit 8,3% an den Erwerbspersonen geringer als bei Personen o. MiHiGru (10,2%), der Anteil der Erwerbslosen bei Migranten mit 12,4% etwa doppelt so hoch wie bei Menschen ohne
MiHiGru (6,4%).
Stat. BA 2010: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund (Fachserie 1, Reihe 2.2), verfügbar unter
www.destatis.de.

"indem sie z.B. türkische Produkte überwiegend an Landsleute verkaufen, ist das „Ethno-Wirtschaft“"

Wenn sie nur Türkischstämmige beschäftigen und auch nur mit solchen handeln, kann man das so nennen.

"Was ist eigentlich mit einem deutsch-deutschen Wirt, der seinen überwiegend deutsch-deutschen Gästen „gutbürgerliche Küche“ serviert?"

Ein deutscher Wirt in Deutschland. Hier in D nicht extra erklärungsbedürftig.

„Ethno“ sind immer die anderen.

„Generell ist der Anteil der Selbstständigen mit MiHiGru mit 8,3% an den Erwerbspersonen geringer als bei Personen o. MiHiGru (10,2%)“

Na sowas. Und wie einer Ihrer Mitstreiter oben ausführte: „Es gibt kein türkisches Unternehmen in NRW, dass mehr als 800 Beschäftigte hat.“

Das sind natürlich skandalöse Zahlen, aber: Wo steht denn eigentlich geschrieben, dass die Bevölkerungsgruppe „mit MiHiGru“ einen exakt so großen Anteil an Selbstständigen aufweisen muss wie eine ohne?

„"Was ist eigentlich mit einem deutsch-deutschen Wirt, der seinen überwiegend deutsch-deutschen Gästen „gutbürgerliche Küche“ serviert?"
Ein deutscher Wirt in Deutschland. Hier in D nicht extra erklärungsbedürftig.“

Es geht auch nicht darum, was „extra erklärungsbedürftig“ ist, sondern ob es sinnvoll ist, es als fragwürdige „Ethno-Wirtschaft“ zu apostrophieren, wenn z.B. ein Unternehmer türkischer Herkunft eine türkische Zielgruppe hat - während bei einem autochthonen deutschen Unternehmer, der eine autochthone Zielgruppe hat, wohl niemand auf einen solchen Begriff kommen würde. Frei nach Sartre: L'ethno, c'est les autres!

Von Freunden und Gefühlen

„Sie steuern beispielsweise zu 41,2 Prozent das Abitur an, haben zu 62,9 Prozent deutsche Freunde und fühlen sich zu 66,1 Prozent als Deutsche", erklären die Autoren der Studie.“

Vielleicht ist ein politisches Klima, in dem nicht nur ängstlich-penibel Statistiken darüber hin- und hergeschoben werden, wer welche Freunde hat, sondern sogar darüber, wer sich wie „fühlt“, auch eher Teil des Problems als Teil der Lösung.

130 TMaibaum:

´Generell ist der Anteil der Selbstständigen mit MiHiGru mit 8,3% an den Erwerbspersonen geringer als bei Personen o. MiHiGru (10,2%)“´

"Und wie einer Ihrer Mitstreiter oben ausführte: „Es gibt kein türkisches Unternehmen in NRW, dass mehr als 800 Beschäftigte hat.“"

Wo ist der Zusammenhang mit den oben von mir zitierten Zahlen, und was meinen Sie mit "Ihrer Mitstreiter"?

"Wo steht denn eigentlich geschrieben, dass die Bevölkerungsgruppe „mit MiHiGru“ einen exakt so großen Anteil an Selbstständigen aufweisen muss wie eine ohne?"

Über welches Thema diskutieren wir hier wohl?

"Es geht auch nicht darum, was „extra erklärungsbedürftig“ ist, sondern ob es sinnvoll ist, es als fragwürdige „Ethno-Wirtschaft“ zu apostrophieren, wenn z.B. ein Unternehmer türkischer Herkunft eine türkische Zielgruppe hat - während bei einem autochthonen deutschen Unternehmer, der eine autochthone Zielgruppe hat, wohl niemand auf einen solchen Begriff kommen würde."

Sie waren derjenige, der auf diesen "deutsch-deutschen Wirt" verwiesen hatte, der hier in D für seine deutsche Zielgruppe kocht. Das ist für D wohl nichts Besonderes und braucht auch nicht extra erwähnt zu werden, zumal dieser deutsche Wirt ja mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für ausländische Kunden kocht. Wenn türkische Unternehmer in D allerdings ihre Geschäfte nur mit Türken abwickeln und sich auch nur an die türkische Zielgrppe in D richten, kann man das wohl mit Fug und Recht als Ethno-Wirtschaft bezeichnen. Verständlich?