SPD-Spitzenmann Torsten Albig (M.) am Montag im Berliner Willy-Brandt-Haus © Wolfgang Kumm/dpa/lbn

Der Spitzenkandidat der SPD in Schleswig-Holstein, Torsten Albig, kann für eine Wahl zum Ministerpräsidenten mit Stimmen der Piraten rechnen. Das macht eine Wahl Albigs wahrscheinlicher, denn es mindert das Risiko im Landtag, die nötige Mehrheit zu verfehlen, zumal die sich abzeichnende Koalition aus SPD, Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband nur eine Stimme Mehrheit im Parlament hat.

"Die Piraten vor Ort werden jede sinnvolle Entscheidung, die unseren Werten entspricht, mittragen", kündigte der politische Bundesgeschäftsführer Johannes Ponader an. Auch Landtagsabgeordnete der neu eingezogenen Piratenpartei sagten, sie könnten sich vorstellen, Albig zu wählen. Der müsste ihnen dafür inhaltlich entgegen kommen. Man denke da an einen Verzicht auf Vorratsdatenspeicherung und auf staatliche Spähsoftware zur Verbrechensbekämpfung, sagte der Piraten-Abgeordnete Uli König der Rheinischen Post. Dem schlossen sich seine Kollegen Sven Krumbeck, Angelika Beer und Spitzenkandidat Torge Schmidt an.

Albig sagte daraufhin, er werde "natürlich" um Zustimmung der Piraten werben. "Wir haben in vielen Punkten große Übereinstimmung." Die künftigen Inhalte der Koalition würden "für die Piraten zustimmungsfähig" sein, kündigte Albig an.

Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am Sonntag hatten CDU und SPD nahezu gleichauf abgeschnitten. Bisher sieht es nicht danach aus, als ob die Christdemokraten einen Regierungspartner finden. Ihr Wunschpartner FDP allein genügt nicht für eine Mehrheit. Deshalb ist ein Bündnis von Rot, Grün und SSW wahrscheinlich.

Sollten die Piraten Albig unterstützen, wäre ein Debakel, wie es die SPD 2005 mit Heide Simonis erlebt hat, unwahrscheinlich: Die Wiederwahl der SPD-Amtsinhaberin scheiterte damals, weil in vier Wahlgängen jeweils ein Abgeordneter die Zustimmung verweigert hatte. Der bis heute Unbekannte ging als "Heide-Mörder" in die Geschichte ein – auch deshalb, weil Probeabstimmungen der Fraktionen jeweils Mehrheiten ergeben hatten.