Peter Altmaier bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der designierte Umweltminister bahnt sich am Mittwochnachmittag im Reichstag einen Weg durch die Journalisten, gleich soll er seine überraschende Nominierung durch Angela Merkel vor den Fernsehkameras öffentlich kommentieren. Doch Altmaier nimmt sich Zeit, um außerhalb des Kamera-Blickfeldes erstmal fröhlich in alle Richtungen zu grüßen. In den Live-Schalten im Fernsehen hört man daher zunächst nur ein gut gelauntes "Hallo…hallo…hallo", ohne etwas zu sehen – dann erst schiebt sich der 53-Jährige auf den Bildschirm.

Für seine kommunikative Art ist der CDU-Politiker bekannt und sehr beliebt, auch bei Politikern anderer Parteien und bei den Hauptstadtjournalisten. Der Saarländer ist ein begeisterter Twitterer , kein Tag vergeht, ohne eine intensive Unterhaltung mit seinen politischen Anhängern und Gegnern. Als Altmaier am Mittwoch von Merkel nominiert wurde, war sein letzter Tweet sieben Stunden her. Ungewöhnlich – aber bis dato niemandem aufgefallen. Erst kurz vor seinem Pressestatement kommt via Twitter der Dank für Glückwünsche und der Aufruf: "Ich brauche Eure/Ihre Unterstützung jetzt erst recht."

Eine Ausnahmeerscheinung des Berliner Betriebes

Der Saarländer hat ein ausgleichendes Naturell, lässt sich in der Öffentlichkeit nie aus der Fassung bringen. Ideale Charaktereigenschaften für seinen bisherigen Job: Seit dem schwarz-gelben Wahlsieg 2009 war Altmaier parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag. Er musste Mehrheiten organisieren, sich mit den anderen Fraktionen abstimmen und seine 237 Unionsabgeordneten zusammenhalten. Nicht immer einfach, vor allem bei den umstrittenen Entscheidungen zu den Euro-Rettungsschirmen. Doch Altmaier patzte nie.

Der 53-Jährige gilt daher schon länger als Merkels Alleskönner. Die Kanzlerin vertraut ihm. "Altmaiers unbestechlicher Blick, sein Spaß an scharfen Gedanken und seine Fairness haben ihn (…) zu einer Ausnahmeerscheinung des Berliner Betriebs werden lassen", schrieb die ZEIT 2005 .

Wenn es brannte in der Koalition oder auch in der Union, verteidigte Altmaier die Positionen mit klugen, unaufgeregten Äußerungen im Fernsehen. Beinahe legendär waren seine Auftritte zuletzt bei der Affäre um Christian Wulff : In gefühlt jeder Talkshow kommentierte Altmaier die Vorwürfe gegen den Präsidenten – auch weil sich sonst kein Unionspromi mehr fand, der Wulff noch in Schutz nehmen wollte. Auch Altmaiers Distanz zum Präsidenten war spürbar, doch er argumentierte stets, juristisch sei hier keine Verfehlung begangen worden. Wenn es sein muss, dann ist der Merkel-Vertraute ein Parteisoldat.

Noch am Montagabend hat er Röttgen verteidigt

Als selbst der Saarländer dann nicht mehr in die Talkshows ging, war den politischen Beobachtern klar, dass Wulff nicht mehr lange zu halten sein würde. Und so war es.

Auch am vergangenen Wahlsonntag fiel Altmaier die unschöne Aufgabe zu, das CDU-Desaster von Nordrhein-Westfalen zu kommentieren. Der Unionsfraktionsgeschäftsführer gibt traditionsgemäß immer das erste Statement an Wahlabenden ab. Dieses Mal zeigte Altmaier seine ehrliche Bestürzung, sagte, das Ergebnis rühre "ans Mark unserer Partei". Am Montagabend verteidigte der Saarländer dann die NRW-CDU und Norbert Röttgen bei der ARD-Sendung hart aber fair , ohne sich jedoch zu weit für den Umweltminister aus dem Fenster zu lehnen. Ein ähnliches Muster wie im Fall Wulff.