Kanzlerin Angela Merkel will einem Magazinbericht zufolge den Kita-Ausbau beschleunigen, um sich die Unterstützung der eigenen Partei für die Verabschiedung des umstrittenen Betreuungsgeldes zu sichern. Merkel wolle flankierend zum Betreuungsgeld den Ausbau der Kindertagesstätten vorantreiben und dafür unter Umständen auch zusätzliches Geld zur Verfügung stellen, berichtet der Spiegel .

Merkel habe das Ziel, das Betreuungsgeld noch vor der Sommerpause durch den Bundestag zu bringen. Nach den neuesten Planungen solle der Gesetzentwurf am 6. Juni ins Kabinett kommen. Unklar sei allerdings, ob Finanzminister Wolfgang Schäuble bereit sei, zusätzliches Geld zur Verfügung zu stellen. Auch die FDP sei für ein solches Kompensationsgeschäft bisher nicht offen.

Im November hatten die Koalitionsspitzen vereinbart, dass ab 2013 zunächst 100 Euro monatlich für Kinder im zweiten Lebensjahr und ab 2014 150 Euro für Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr gezahlt werden, die nicht in einer staatlich geförderten Krippe sind. Den Staat wird das mindestens 1,2 Milliarden Euro pro Jahr kosten.

Schröder sieht sich durch Merkels Vorschlag bestätigt

Eine Sprecherin des Bundesfamilienministerium sagte: "Bundesfamilienministerin Kristina Schröder betont nicht ohne Grund seit Wochen, dass das vor uns liegende Jahr zum Jahr des Kita-Ausbaus werden muss." Betreuungsgeld und Kita-Ausbau gehörten zusammen. Zu den Details des Berichts wollte sie keine Stellung nehmen.

Während die CSU sich für das Betreuungsgeld stark macht, ist es in der CDU umstritten. Der Koalitionspartner FDP steht der geplanten Leistung skeptisch gegenüber. CSU-Politiker hatten ihren Druck dem Bericht zufolge zuletzt erhöht und damit gedroht, ihre Teilnahme am Koalitionsausschuss auszusetzen, bis das Betreuungsgeld kommt. CSU-Chef Horst Seehofer sei am Donnerstag sogar der traditionellen Kaminrunde der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin ferngeblieben.

Kritiker warnen, das Betreuungsgeld werde Kinder von frühkindlicher Bildung und Mütter von der Berufstätigkeit abhalten. Vor allem Frauen in der Unionsfraktion lehnen die als "Herdprämie" geschmähte Zahlung an Mütter ab, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Sie argumentieren, das Geld wäre besser in den Ausbau von Kindertagesstätten investiert. Auf einen Kita-Platz haben Eltern bereits ab August 2013 einen Rechtsanspruch. Experten gehen jedoch davon aus, dass bis dahin nicht genügend Plätze zur Verfügung stehen werden.