So schonungslos fiel in der Parteizentrale der Bundes-CDU lange keine Wahlanalyse mehr aus. Mit 26,3 Prozent hat die CDU am Sonntagabend in Nordrhein-Westfalen nicht nur ihr schlechtestes Wahlergebnis aller Zeiten in diesem Bundesland erzielt, sie hat vielmehr das letzte, das auch schon ein historisch schlechtestes war, nochmal um rund acht Prozentpunkte unterboten. Da fällt selbst einem geübten Wahlerklärer wie dem Parlamentarischen Geschäftsführer Peter Altmaier das Schönreden schwer.

"Dieses Ergebnis übertrifft unsere Befürchtungen bei weitem", sagt er stattdessen. Der Wahlausgang komme einem "Keulenschlag" gleich.

Bei Generalsekretär Hermann Gröhe ist es vor allem die Kürze seines Statements, aus der sich der Ernst der Lage ablesen lässt. Ein paar dürre Sätze müssen reichen, um die wichtigste Landtagswahl dieses Jahres zu kommentieren.

Dennoch wird am Sonntagabend schnell erkennbar, wie die CDU im Bund gedenkt, sich das NRW-Ergebnis vom Leib zu halten. Sowohl Altmaier als auch Gröhe verweisen darauf, dass es bei dieser Wahl in erster Linie um Nordrhein-Westfalen gegangen sei.

Röttgens Verantwortung

Im Übrigen zollt Gröhe dem NRW-Spitzenkandidaten und Umweltminister Norbert Röttgen dafür Respekt, dass er sich entschieden habe, "persönlich Verantwortung zu übernehmen". Röttgen selbst und die NRW-spezifischen Umstände – nicht etwa die Bundespartei sind demnach Schuld an dem Debakel.

In der Tat hat Norbert Röttgen so umfassend die Schuld an dieser Niederlage auf sich genommen, wie dies lange kein Spitzenkandidat mehr getan hat. " Es war meine Niederlage , es war mein Wahlkampf, meine Themen und meine Überzeugungen", hatte er gesagt. In der letzten Wahlkampfwoche war ihm noch vorgeworfen worden, er wolle Bundeskanzlerin Angela Merkel in seine absehbare Niederlage hineinziehen. Diesem Eindruck schien er nun entgegentreten zu wollen.

Wenn das Herz blutet

Die CDU-Spitze belohnt den gescheiterten Ex-Hoffnungsträger für seinen schnellen Rücktritt vom CDU-Landesvorsitz, indem sie klar stellt, Röttgens Ministeramt stehe nicht in Frage.

Das einfache Parteivolk ist da weniger versöhnlich. Schweigend hatte die überschaubare Zahl der CDU-Mitglieder, die am Sonntagabend den Weg ins Adenauer-Haus gefunden hatte, Röttgens Erklärung gelauscht. "Und jetzt schön bequem nach Berlin zurückgehen", ruft ein älterer Herr, dem nach eigenem Bekunden "das Herz blutet", dazwischen.