Presseschau : "Gauck hat das Richtige gesagt, aber nicht genug"

Verantwortung und immerwährende Solidarität: Aus Sicht der Kommentatoren hat der Bundespräsident in Israel den richtigen Ton getroffen. Doch sie benennen auch Defizite.
Bundespräsident Joachim Gauck in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem © Gali Tibbon/AFP/Getty Images

Süddeutsche Zeitung : Mehr Offenheit statt bedingungsloser Unterstützung

"Es ist die Politik der Besatzung, des Siedlungsbaus, der alltäglichen Unterdrückung der Palästinenser, die Israels Bild in der Welt und auch in Deutschland negativ prägt. (...) Diese Kritik aber gilt nicht pauschal dem Staat, sondern vornehmlich der derzeitigen Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu . Diese Unterscheidung ist wichtig, aber sie kommt kaum zur Geltung – jedenfalls nicht in Jerusalem und nicht in Berlin . Israels Regierung hat sich gegen Kritik immunisiert, indem sie alle Vorhaltungen als antiisraelisch oder gar anti-semitisch zurückweist.

Selbst wenn das oft als durchsichtiges Manöver zu erkennen ist, zeitigt es in der deutschen Politik immer wieder das gewünschte Ergebnis. (...) Für das in Jahrzehnten gefestigte, aber natürlich niemals "normale" deutsch-israelische Verhältnis wäre es besser, wenn mehr Offenheit herrschen würde. Solidarität mit Israel bedeutet nicht, jede israelische Regierung bedingungslos zu unterstützen. Bundespräsident Gauck könnte dem deutsch-israelischen Verhältnis also am besten dienen, wenn er in Jerusalem nicht nur als stiller Freund, sondern auch als freundschaftlicher Mahner auftritt."

Leipziger Volkszeitung: Mehr als Freiheit und Solidarität

"60 Prozent der Deutschen meinen, ihr Land habe gegenüber Israel keine besonderen Verpflichtungen mehr. Weder Sonntagsreden noch opulente Appelle rufen flächendeckend Sympathie und Solidarität hervor. Das ist wirklich beunruhigend. Das "Nie wieder" bleibt Auftrag. Bundespräsident Joachim Gauck hat die Werte der Freiheit, die historische Verantwortung und die immerwährende Pflicht zur besonderen Solidarität beschworen. Dabei darf es aber auch ein Bundespräsident nicht belassen. Der Besuchsauftakt in der Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust Yad Vashem war notwendig und beeindruckend. Der Besuchsabschluss in den Palästinensischen Gebieten ist nicht minder wichtig. Verantwortung gegenüber Israel schließt die Interessensvertretung der Palästinenser ausdrücklich mit ein."

Donaukurier: Nicht genug gesagt

"Wenn man jüngsten Umfragen trauen darf, deckt sich die offizielle deutsche Israelpolitik immer weniger mit der Haltung der Bürger in der Bundesrepublik. Eine wachsende Mehrheit hält die israelische Politik demnach für aggressiv und rücksichtslos. Und das mit guten Gründen. Die Unterdrückung der Palästinenser, die Siedlungspolitik, die Ignoranz der Regierung Netanjahu gegenüber jeder ernsthaften Friedensperspektive für die Region – das lässt sich nicht einfach verschweigen oder verschämt andeuten. Gauck hat deshalb zwar das Richtige gesagt, aber eben nicht genug. Zur besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel gehört auch, dort, wo es notwendig ist, offene Kritik zu üben. "

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Kriegsängste geweckt

"Zur immer wieder zitierten "Macht des Wortes", über die der Bundespräsident verfügt, so er denn ein guter Rhetor ist, kommt ein anderer politisch wirksamer Faktor, der unabhängig von der Person ist: die Bedeutung der Präsenz. (...) Wenn er nun als Ziel seines ersten Staatsbesuchs Israel gewählt hat, zeigt dies, dass er auch die Bedeutung seiner Präsenz richtig einschätzt. Denn Israel steht in der Kritik. Seine Politik gegenüber den Palästinensern wird international als starr und ungerecht empfunden. Die wiederkehrende Drohung, das Land sehe eine atomare Aufrüstung Irans als lebensbedrohlich an und werde sie nicht tatenlos hinnehmen, hat allenthalben Kriegsängste geweckt – bis hin zu einem verstiegenen Gedicht. In dieser Lage ist es wichtig, Israel der unverbrüchlichen Solidarität Deutschlands zu versichern (...)."

Hamburger Abendblatt: Keine Gleichgewichtigkeit mit den Palästinensern

"Der Auftakt der Gauck-Visite darf vielmehr als glänzend gelungen bewertet werden; auch in Israel erkennt man offenbar, dass dieser Mann meint, was er sagt. Man kann allerdings darüber streiten, ob der erste Israel-Besuch des neuen deutschen Staatsoberhauptes gleich auch noch den Palästinensergebieten gelten musste. Für die Menschen dort ist das fraglos eine wichtige Geste. Gauck sollte in Jerusalem aber sehr deutlich machen, dass damit für Deutschland keine politische Gleichgewichtigkeit zwischen Jerusalem und Ramallah hergestellt wird."

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Kommentare

98 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Ich mag Israel, aber Nethanjahu?

"(...) Israels Regierung hat sich gegen Kritik immunisiert, indem sie alle Vorhaltungen als antiisraelisch oder gar anti-semitisch zurückweist." Nun ja, dies muss man wiederum nicht hinnehmen und eine Kritik an der Sache aufrecht erhalten. Jedem Leser sei gesagt: Du bist kein Politiker auf dem internationalen diplomatischen Parkett. Bleibe in deinen Kreisen und auf Augehöhe mit deinem Gegenüber. Ich bin noch nie wegen meiner Nethanjahu-Kritik als Antisemit betitelt worden. Es ist eine Frage von Ton, Sachverstand und konstruktiver Kritik. Wer nur platt irgendetwas nachplappert wird in diesem Thema keinen Erfolg haben. Sobald niemand mehr den Schlußstrich fordert, ist dieser gezogen.

Nicht der Staat Israel

schränkt die Heirat von Juden mit Andersgläubichen ein, sondern der jüdische Glaube.
Ca. 30 % der Staatsbürger Israels sind Christen oder Muslime.
Gläubige Juden in aller Welt respektieren ihre "religiösen Gesetze". Ihr Glaube verbietet ihnen z.B zu missionieren oder missioniert zu werden. Deshalb waren sie vor der Gründung Israels immer eine Minderheit und sind es immer noch außerhalb Israels. Weil sie sich nicht "christanisieren" ließen, wurden sie über Jahrhunderte verfolgt.
Auch in der Judenverfolgung wegen ihres Glaubens liegen die Wurzeln des Antisemitismus.

Nach Ihrem Beitrag ist es schwer, sachlich zu bleiben.

@5: relativierende Anmerkungen

"..., aber wussten sie, dass israel die heirat von juden und andersgläubigen verbietet."

Dann dürfte es in Israel keine Mischehen geben, was aber nicht der Fall ist. Es gibt sie, weil sie eben nicht verboten sind! Sie werden "nur" nicht im religiösen Sinne als gültig erachtet (nach den Religionsgesetzen)!

"ich habe noch nie eine kritik zu dieser rassitischen politik gehört."

a) daß Sie nie davon gehört haben, bedeutet ja nicht, daß es sie nicht gibt (die Kritik)
b) Es geht nicht um Rasse, es geht um Glaubenszugehörigkeit

Wen es interssiert, einfach mal "googeln" (o.ä.)

Gruß,
M.R.

Das ist nicht ganz richtig

Eine Ehe zwischen Juden und Nichtjuden ist in Israel religiös nicht anerkannt, dafür, daß der säkulare Staat Israel solche Ehen verbietet, hätte ich gern eine Quelle.

Richtig ist, daß es in Israel keine Standesämter* gibt, 'Im Ausland vollzogene standesamtliche Trauungen werden jedoch anerkannt, auch wenn sie nach religiösem Eherecht problematisch wären. So hat sich in den letzten Jahren ein regelrechter Heiratstourismus in Richtung Zypern entwickelt.' http://de.wikipedia.org/w... Hier ein Artikel darüber aus der SZ http://www.sueddeutsche.d... hier http://www.hagalil.com/ar... dessen Richtigstellung.

*In Spanien sind standesamtliche Trauungen übrigens erst seit der vollgültigen Homosexuellenehe möglich, nur, um eine Proportion herzustellen.

Mischehen

"Dann dürfte es in Israel keine Mischehen geben, was aber nicht der Fall ist. Es gibt sie, weil sie eben nicht verboten sind!"

natürlich gibt es mischehen, diese wurden allerings nicht in israel geschlossen, da sie in diesem land verboten sind. juden müssen ins ausland reisen, wollen sie ihren nicht-jüdischen partner heiraten. das ist eine faschistische ideologie und ist mit nichts zu begründen auch nicht mit der tatsache, dass juden minderheiten waren. es verstösst gegen menschenrechte und ist in einer freiheitlichen demokratischen gesellschaft nicht denkbar.

Erstens ist das nicht richtig,

zweitens gibt es hier keinen Grund nun Israel im Speziellen Vorwürfe zu machen:

"Ägypter verlieren wegen Mischehen Staatsbürgerschaft"
Ägyptischen Männern, die mit einer jüdischen Israelin verheiratet sind, droht der Verlust der Staatsbürgerschaft. Der Oberste ägyptische Verwaltungsgerichtshof wies das Innenministerium in einem Urteil an, Massnahmen zu erlassen, um diesen Männern und den Kindern der Mischehen die Staatsbürgerschaft zu entziehen.

http://www.tagesschau.sf....

Mischehen

"zweitens gibt es hier keinen Grund nun Israel im Speziellen Vorwürfe zu machen"

natürlich mache ich israel vorwürfe genauso wie ich ägypten kritisere für diese haltung.

es zeigt allerdings, dass israel eben ein land ist, dass sich hier nicht von ländern wie ägypten unterscheidet.

ausserdem stellt sich mir ohnehin die frage, wie israel überhaupt entscheidet wer jüdischen glaubens ist und wer nicht, da hier nicht nur die eheschliessung betroffen ist, sondern auch der anspruch auf die staatsbürgerschaft.

Nethanjahu

Haben Sie gewusst, dass Israel eine Demokratie ist ?
Wir können ausschliessen, dass die christlichen und islamischen Einwohner Israels diese Parteien gewählt haben, viele der Ulraorthodoxen gehen nicht zur Wahl, bleiben also rund 70 % der Bevölkerung. Die haben sich ihre Regierung gewählt. Diesen Liebermann, diesen Nethanjahu.
Wenn Sie also mit deren Politik nicht einverstanden sind, dann äussern Sie Kritik an den Israelis, die diese Parteien gewählt haben und dass ist nun leider die Mehrheit.

Sie sollten sich informieren

"Wir können ausschliessen, dass die christlichen und islamischen Einwohner Israels diese Parteien gewählt haben,"

bevor Sie willkürliche Vermutungen an Tatsache hinzustellen versuchen:

"Das Wahlverhalten der arabischen Israelis
Über 90 Prozent stimmten 1999 für Ministerpräsident Ehud Barak und trugen so massgeblich zu seiner Wahl bei....Über 88 Prozent von ihnen bejahen die Aussage, dass Israel ein demokratischer Staat sein sollte und unterstützen seine rechtsstaatlichen Prinzipien. Sie geniessen die Freiheit, sich politisch zu organisieren, zu wählen und gewählt zu werden. Das Wahlverhalten israelischer Araber und ihre Einstellung zu den politischen Parteien reflektiert sehr genau ihre jeweilige Stimmungslage."
http://www.anti-defamatio...

"Die hebräischsprachigen Christen wählen alles, was säkulare Juden in Israel auch wählen - da ist das Spektrum sehr breit: von der Arbeiterpartei bis zu den Ultra-Nationalisten. Nur die jüdisch-religiösen Parteien wie die Schas haben unter Christen normalerweise keine Anhänger. Die wachsende Zahl russischer Einwanderer, unter denen ja viele aus christlich-orthodoxem Milieu stammen, sieht zumeist in dem russischen Aufsteiger Liebermann ihren besten Fürsprecher."
http://www.domradio.de/ak...

Man kann einen ellenlangen Stammbaum...

haben, mit vielen Generationen von palästinensischen
Vorfahren auf dem Gebiet des heutigen Israel, wenn man
das Land für eine bestimmte Zeit verläßt, wegen eines
Studiums oder eines Auslandsjobs, dann verliert man den
Anspruch darauf zurückzukehren.

Man darf auch als in Israel lebender Palästinenser
keine Frau aus Gaza oder der Westbank heiraten....
jedenfalls dann nicht, wenn man mit dieser Frau im
Kernland Israel leben will.

Man kann aber, mit jüdischer Großmutter gesegnet,
und seit unzähligen Generationen irgendwo auf der
Welt außerhalb Israel lebend, JEDERZEIT nach Israel
problemlos einwandern und die Staatsbürgerschaft
erhalten.

Die Definition "Jüdischer Staat" und die zunehmende
Konzentrierung auf den ausschließlich jüdischen Charakter
Israels, sie bedingen konsequenterweise einen Auschluß
alles "Nichtjüdischen".

"Nichtjüdisch" wird zunehmend als Bedrohung empfunden.

Ausdrucksweise

Ich weiss nicht, ob Ihnen bewusst ist, dass Sie durch Ihre Ausdrucksweise schon dabei sind, in Abgrenzungen zu verfallen.
In Israel leben christliche, jüdische und moslemische Israelis.
Die von Ihnen gewählte Ausdrucksweise Araber (meist leicht verächtlich gemeint) suggeriert, dass diese eine andere Rasse sind und eigentlich nicht zum jüdischen Gottesstaat zugehörig sind.
Auch wenn Israel in Bezug auf Religion toleranter ist, als alle Nachbarstaaten bedeutet dies aber nicht (siehe Liebermann) dass dieses ein gewünschter Zustand ist, da man die ´´Araber´´(Palästinenser= Ureinwohner) als 5te Kolonne wahrnimmt.
Als Islamischer Abgeordneter in der Knesset als Terroristenunterstützer bezeichnet, nicht wieder wählbar, können sie selbst nachlesen, wie sie diskriminiert werden.
Wir sprachen auch nicht über die Wahl im letzten Jahrhundert.

@ Mischehen

In Israel gibt es keine Zivilehe (wie in Deutschland). Der Staat (Israel) hat die Ausgestaltung der Ehe den Religionsgemeinschaften überlassen. D.h., daß der Staat Israel der falsche Adressat der Kritik ist. Das kommt auch darin zum Ausdruck, daß im Ausland geschlossene Ehen vom Staat anerkannt werden (wenn sie staatlich verboten wären, dann dürften sie auch staatlich nicht anerkannt werden).

In Deutschland sind interreligiöse Ehen staatlich erlaubt, anders sieht es aber schon bei gewissen Konfessionen aus. Hier werden den zukünftigen Ehepartnern auch Steine in den Weg gelegt.

mehr vielleicht später ....

Null Verstanden.

Meine Anregung war "Du bist kein Politiker auf dem internationalen diplomatischen Parkett. Bleibe in deinen Kreisen und auf Augehöhe mit deinem Gegenüber." Das sollte heissen, dass man sich in Augenhöhe mit einem Israeli und diskutiere mit ihm. Das Ergebnis, das nehme ich gern vorweg, wird überraschend ausfallen!

Ich beobachte Nethanjau seit September 1993, vor allem seit seiner Zeit als Oppositionsführer 1994. Sie müssen mir also weder etwas über Israel, noch über Bibi oder Demokratie erklären. Und wieder: Inhaltlich kommt wieder nur dürftiges rüber. Statt dessen Belehrungen ohne vorhher richtig gelesen zu haben. Schade.

abwegiige intetpretation

israelische araber ist eine bezeichnung die sie in der bpb genauso finden wie um spiegel oder der faz.
ebenso wie israelische drusen oder israelische bahai oder israelische juden.
Daraus rassismus abzuleiten ist ein völliger unsinn - ebenso wie die.ahistorische deklarierung der palästinenser zu "ureinwohnern", worin sich in der tat ein völkisches denken widerspiegelt.

Politiker und ihre Wahrnehmung

"60 Prozent der Deutschen meinen, ihr Land habe gegenüber Israel keine besonderen Verpflichtungen mehr. Weder Sonntagsreden noch opulente Appelle rufen flächendeckend Sympathie und Solidarität hervor."

Ich denke das hat weniger mit Israel zu tun als mit dem massiven Vertrauensverlust der Deutschen in ihre Politiker. Ich sehe das ja auch bei mir selbst.
Mittlerweile ist man so zynisch geworden das selbst die Uhrzeit von einen Politiker vorgelesen nicht mehr als Wahr empfunden wird und man sich fragt wer sie denn dafür bezahlt hat.

Natürlich gibt sich Israel alle mühe vor der Welt einen möglichst schlechten eindruck zu machen das es selbst den Medien schwer fällt das wieder glatt zu bügeln.
Aber als Hauptgrund sehe ich das nicht.

Bashing

Sie schreiben: "Ich denke das hat weniger mit Israel zu tun als mit dem massiven Vertrauensverlust der Deutschen in ihre Politiker. Ich sehe das ja auch bei mir selbst.
Mittlerweile ist man so zynisch geworden das selbst die Uhrzeit von einen Politiker vorgelesen nicht mehr als Wahr empfunden wird und man sich fragt wer sie denn dafür bezahlt hat."
Sehen Sie das wirklich so? Natürlich, es gibt eine Menge zu kritisieren. Aber man sollte doch auch erkennen, dass D. im Großen und Ganzen sehr gut dasteht: kaum je war das Land wohlhabender, sicherer, freier als heute. Ich kann mit dieser einseitigen Politiker-Bashing nix anfangen.

Der beste Freund

Donaukurier
"Zur besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel gehört auch, dort, wo es notwendig ist, offene Kritik zu üben"

Der beste Freund, große Bruder, werauchimmer mit besonderem Verantwortungsgefühl steht in der Tat auch stets in der Pflicht, nicht immer nur "haste toll gemacht" zu sagen, sondern auch mal konstruktive, offene Kritik zu üben.

Wenn diese Kritik gar nicht erwünscht ist, oder reflexartig pauschal mit antisemitischen Vorwürfen abgetan wird, dann darf und sollte man dieses "besondere Freundschaftsverhältnis" nochmal prüfen.

Solidarität sollten eigentliche alle Menschen einander gewähren (ja, ich weiß, Tuckutakalala-Land..), aber "immerwährend" klingt so sehr nach "bedingungslos", daß ich mich gerade frage wieviele Generationen noch mit der historischen Schuld belastet werden sollen?

Mit Unrecht von vor zwei Generationen kann man doch keine Unterstützung (mindestens aber ausbleibende Kritik) für gegenwärtiges Unrecht rechtfertigen.

Der beste Freund

kritisiert zuerst unter vier Augen. Und wenn es bereits öffentliche Kritik von allen Seiten hagelt, dann muss der beste Freund daran nicht unbedingt teilnehmen, zumal dieser auch erst seit 1945 Freund und superdemokratischer Freiheitlicher ist.

Seit Jahrzehnten entwicklen wir Verständnis für arabischen bzw. islamischen Terror, der nahezu alles mit der Besetzung heiliger Stätten durch Israel begündet. Aber hat der Staat Israel nicht auch Verständnis für seine Reaktion darauf verdient, erst recht vonden, die tausende Kilometer entfernt in relativer Sicherheit sitzen?

.....

Sie drehen die Dinge, als wären die Siedlungsprojekte am vergangenen Wochenende beschlossen worden; als lägen Oslo und Camp David nicht schon Jahre zurück; als würden die palästinensischen Minderheiten nicht schon jahrzehntelang unterdrückt.

Israel verstößt gegen UN-Abkommen, verletzt Menschenrechte und ist vermutlich der größte Aggressor in der gesamten Region.

Das Wattebauschgeschwinge und Gerede von bedingungsloser und nicht endender Solidarität - ich bin es leid. Nichts ist weiter von der Realität entfernt.

Ich erwarte von meiner Regierung endlich die Reaktion, die auch anderen aggressiv-expansionistischen Apartheids-Regimen entgegengebracht wird: Kritik, öffentlicher Druck, diplomatische Isolation.

Die Kriegstreiberei gegen den Iran wird mit Sicherheit nicht die letzte Ungeheuerlichkeit sein.

Kleine Anmerkung

Es ist vollkommen falsch und voreingenommen, wenn Sie hier von "arabischem" oder "islamischen" Terror sprechen. Terrorismus ist niemals Religions- oder Regionsbezogen, sondern wird nur als solcher unter diesem Deckmantel angewendet.

Jedes Land hat das Recht sich vor Terrorismus zu schützen. Aber dann erklären Sie mir bitte, was den Bau einer zig Kilometer langen Mauer (die von der UN als Verstoß gesehen wird und aufs schärfste verurteilt worden ist) oder die Annektierung von Land, mit Schutz vor Terrorismus zu tun hat!?

"mit Schutz vor Terrorismus zu tun"?

reicht Ihnen der partielle Rückgang der selbstmordattentate um 100%?

"bei Selbstmordattentaten, die vom Westjordanland ausgingen, 2003 in Gebieten mit Zaun insgesamt 46 Menschen getötet und 221 verletzt worden. In Gebieten ohne Zaun im gleichen Zeitraum 89 Tote und 411 Verletzte. Im ersten Halbjahr 2004 bei Selbstmordattentaten in Gebieten ohne Zaun 19 Menschen getötet und 102 weitere verletzt worden, während in Gebieten mit Zaun in demselben Zeitraum keine Menschen zu Tode gekommen seien.[3] Inzwischen spricht die Allgemeine Israelische Sicherheitsbehörde Shabak von einer „signifikanten Reduzierung“ von Selbstmordanschlägen, seit mit dem Bau der Sperranlage begonnen wurde."

http://de.wikipedia.org/w...(Westjordanland)#Zielsetzung_und_R.C3.BCckgang_der_Selbstmordanschl.C3.A4ge

Es geht nicht um Religion

Sie sollten nicht Ihre Abneigung gegenüber Religionen (in diesem Fall gegenüber dem Islam) auf diese Wiese zum Ausdruck bringen.

Wie gesagt, Terrorsimus bedient sich vieler Deckmäntel, die Religion ist immer ein gern benutzter.

Abgesehen davon, sollten Sie nicht mit welt.de Quellen argumentieren, nicht sehr glaubwürdig. Der Axel Springer Verlag ist nicht gerade für seine Objektivität bekannt...

Mauerbau gegen Terrorismus

Meinen Sie wirklich, dass irgendeine Mauer Selbstmordattentäter abhält!? Bitte, aber wenn Sie dieser Argumentation glauben schenken, dann scheinen Sie mehr als Naiv zu sein.

Wenn Sie hier schon mit Zahlen jonglieren, sollten Sie sich mal genauer erkundigen, was dies für die Menschen in der Region bedeutet. Aber soweit scheinen Sie nicht zu denken. Man straft unschuldige Menschen damit ab! Aber schön, dass Sie sich als demokratisch bezeichnen. Der Zweck heiligt die Mittel, oder was...traurig!

Verständnis

Ich habe Verständnis sowohl für "islamisch/arabischen" (Gänsefüsschen!) Terror, als auch für israelischen. Ich habe Verständnis dafür, dass Israel Terroristen nicht mit dem Schwingen von Wattebäuschen abwehrt, dabei sogar oft vom rechtstaatlichen Weg abweicht. Für letzteren fehlt manchmal auch die rechtstaatliche Unterstützung aus den Herkunftsländern der Terroristen, sei es aus Unvermögen oder aus Überzeugung. Ich heisse die israelische agressive Politik nicht gut, weiss es aber nicht wirklich besser.

Die offizielle deutsche Diplomatie mag sich gegen Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern der Welt einsetzen, gegen das Abschlachten der Wale und das Abschmelzen der Polkappen noch dazu, dafür UN-Resolutionen und Handelsembargen mittragen.

Aber ist es nicht möglich, bei einem Land darauf zu verzichten? Eben weil Deutschland nicht neutral ist?

Die Tatsache der um 100% reduzierten Selbstmordattentate

durch Errichtung der Sperranlage, obliegt weder Ihrer noch meiner meinung, da sie Fakt und jederzeit belegbar ist.

"sollten Sie sich mal genauer erkundigen, was dies für die Menschen in der Region bedeutet. Aber soweit scheinen Sie nicht zu denken. "

Doch, durchaus. Aber Sie leugneten die israelische Notlage, sowie die damit verbundene Zielsetzung und den Effekt der Sperranlage.
So etwas nennt man Faktenresistenz.

Wenn Sie schon derart unredlich die israelischen Opfer ausblenden, sollten Sie sich mal genauer erkundigen, was dies für die arabischen Menschen in der Region bedeutet: Keine arabischen Jugendlichen mehr, die als Märtyrerbomben enden. Aber soweit scheinen Sie nicht zu denken.

Das ist faktisch falsch...

Bitte keine Klischeés verwenden! Terrorismus hat viele Gesichter. Sie scheinen wirklich eine Abneigung gegenüber dem Islam zu haben, dieser Eindruck ensteht zumindest gerade.

Aber wenn jemand "Warschauer Ghetto" und "deutsche Bierzelte" in diesem Zusammenhang nennt, ist sehr schwer auf sachlicher Ebene zu argumentieren.
Aber nur zur Info: Slebstmordattentate sind keine Erfindung der Araber: Stichwort: Kamikaze-Flieger während des 2.WK...

Keine sachliche Argumentation

"durch Errichtung der Sperranlage, obliegt weder Ihrer noch meiner meinung, da sie Fakt und jederzeit belegbar ist" --> Meine Meinung: Die Mauer muss weg, weil Völkerrechtswidrig!

"Aber Sie leugneten die israelische Notlage, sowie die damit verbundene Zielsetzung und den Effekt der Sperranlage." --> Also doch 'Der Zweck heiligt die Mittel'. Ein Rechtsstaat ist das dann für mich nicht mehr!

"So etwas nennt man Faktenresistenz" --> Sie haben noch nicht einmal Fakten genannt, ausser wikipedia, naja...

Nunja, wenn man die von mir erwähnte Autobiographie

liest, wird man schnell zu der Erkenntnis kommen, dass der Terror von der israelischen Politik geradezu gewünscht wird. Herrschte mal längere Zeit Ruhe, gab es wieder eine "gezielte Tötung", eine Scharon-Provokation o.ä. und erneut flammte der Terror auf. Der bietet nämlich den willkommenen Vorwand für all die Maßnahmen, die Mauer, die Kontrollen, die Abschnürungen, Ausgangssperren, die Verhaftungen auch vollkommen friedlicher Palästinenser. Da wurden die erklärte Gewaltlosigkeit und die wiederholten Statements gegen Terror und Gewalt von Nussibeih als besonders gefährliche und hinterlistige Camouflage des palästinensischen Terrors bezeichnet. Insofern sind israelische Bürger UND Palästinenser Geiseln dieser zutiefst menschenverachtenden Politik.

Interesse an der Aufrechterhaltung des Konflikts

haben im Grunde beide Seiten. Mancher radikale israelische Politiker, der arbeitslose israelische Siedler tief im Westjordanland weitab jeder Beschäftigungsmöglichkeit ebenso wie der Hamas-Kämpfer oder Funktionär rechtfertigen ihre Existenz über den Konflikt, der auf beiden Seiten für Einkünfte und nicht zuletzt eine soziale Stellung sorgt. Haushalts- und Militärhilfe für Israel aus dem sogenannten Westen, Spenden aus Arabien für Hamas und Co. Der äussere Feind ist häufig dankbares Beschäftigungsfeld für ansonsten ratlose Aktivisten oder Politiker. Und wenn der Konflikt oder das Interesse daran erlahmt, ist jedes Selbstmordattentat, jeder Raketenangriff und jede Tötung eines vermeintlichen Terrorführers dazu geeignet, den Konflikt wieder anzufachen.