Presseschau"Gauck hat das Richtige gesagt, aber nicht genug"

Verantwortung und immerwährende Solidarität: Aus Sicht der Kommentatoren hat der Bundespräsident in Israel den richtigen Ton getroffen. Doch sie benennen auch Defizite.

Bundespräsident Joachim Gauck in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Bundespräsident Joachim Gauck in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Süddeutsche Zeitung: Mehr Offenheit statt bedingungsloser Unterstützung

"Es ist die Politik der Besatzung, des Siedlungsbaus, der alltäglichen Unterdrückung der Palästinenser, die Israels Bild in der Welt und auch in Deutschland negativ prägt. (...) Diese Kritik aber gilt nicht pauschal dem Staat, sondern vornehmlich der derzeitigen Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu. Diese Unterscheidung ist wichtig, aber sie kommt kaum zur Geltung – jedenfalls nicht in Jerusalem und nicht in Berlin. Israels Regierung hat sich gegen Kritik immunisiert, indem sie alle Vorhaltungen als antiisraelisch oder gar anti-semitisch zurückweist.

Selbst wenn das oft als durchsichtiges Manöver zu erkennen ist, zeitigt es in der deutschen Politik immer wieder das gewünschte Ergebnis. (...) Für das in Jahrzehnten gefestigte, aber natürlich niemals "normale" deutsch-israelische Verhältnis wäre es besser, wenn mehr Offenheit herrschen würde. Solidarität mit Israel bedeutet nicht, jede israelische Regierung bedingungslos zu unterstützen. Bundespräsident Gauck könnte dem deutsch-israelischen Verhältnis also am besten dienen, wenn er in Jerusalem nicht nur als stiller Freund, sondern auch als freundschaftlicher Mahner auftritt."

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Leipziger Volkszeitung: Mehr als Freiheit und Solidarität

"60 Prozent der Deutschen meinen, ihr Land habe gegenüber Israel keine besonderen Verpflichtungen mehr. Weder Sonntagsreden noch opulente Appelle rufen flächendeckend Sympathie und Solidarität hervor. Das ist wirklich beunruhigend. Das "Nie wieder" bleibt Auftrag. Bundespräsident Joachim Gauck hat die Werte der Freiheit, die historische Verantwortung und die immerwährende Pflicht zur besonderen Solidarität beschworen. Dabei darf es aber auch ein Bundespräsident nicht belassen. Der Besuchsauftakt in der Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust Yad Vashem war notwendig und beeindruckend. Der Besuchsabschluss in den Palästinensischen Gebieten ist nicht minder wichtig. Verantwortung gegenüber Israel schließt die Interessensvertretung der Palästinenser ausdrücklich mit ein."

Donaukurier: Nicht genug gesagt

"Wenn man jüngsten Umfragen trauen darf, deckt sich die offizielle deutsche Israelpolitik immer weniger mit der Haltung der Bürger in der Bundesrepublik. Eine wachsende Mehrheit hält die israelische Politik demnach für aggressiv und rücksichtslos. Und das mit guten Gründen. Die Unterdrückung der Palästinenser, die Siedlungspolitik, die Ignoranz der Regierung Netanjahu gegenüber jeder ernsthaften Friedensperspektive für die Region – das lässt sich nicht einfach verschweigen oder verschämt andeuten. Gauck hat deshalb zwar das Richtige gesagt, aber eben nicht genug. Zur besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel gehört auch, dort, wo es notwendig ist, offene Kritik zu üben. "

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Kriegsängste geweckt

"Zur immer wieder zitierten "Macht des Wortes", über die der Bundespräsident verfügt, so er denn ein guter Rhetor ist, kommt ein anderer politisch wirksamer Faktor, der unabhängig von der Person ist: die Bedeutung der Präsenz. (...) Wenn er nun als Ziel seines ersten Staatsbesuchs Israel gewählt hat, zeigt dies, dass er auch die Bedeutung seiner Präsenz richtig einschätzt. Denn Israel steht in der Kritik. Seine Politik gegenüber den Palästinensern wird international als starr und ungerecht empfunden. Die wiederkehrende Drohung, das Land sehe eine atomare Aufrüstung Irans als lebensbedrohlich an und werde sie nicht tatenlos hinnehmen, hat allenthalben Kriegsängste geweckt – bis hin zu einem verstiegenen Gedicht. In dieser Lage ist es wichtig, Israel der unverbrüchlichen Solidarität Deutschlands zu versichern (...)."

Hamburger Abendblatt: Keine Gleichgewichtigkeit mit den Palästinensern

"Der Auftakt der Gauck-Visite darf vielmehr als glänzend gelungen bewertet werden; auch in Israel erkennt man offenbar, dass dieser Mann meint, was er sagt. Man kann allerdings darüber streiten, ob der erste Israel-Besuch des neuen deutschen Staatsoberhauptes gleich auch noch den Palästinensergebieten gelten musste. Für die Menschen dort ist das fraglos eine wichtige Geste. Gauck sollte in Jerusalem aber sehr deutlich machen, dass damit für Deutschland keine politische Gleichgewichtigkeit zwischen Jerusalem und Ramallah hergestellt wird."

 
Leserkommentare
    • lando
    • 30.05.2012 um 11:19 Uhr

    Bitte keine Klischeés verwenden! Terrorismus hat viele Gesichter. Sie scheinen wirklich eine Abneigung gegenüber dem Islam zu haben, dieser Eindruck ensteht zumindest gerade.

    Aber wenn jemand "Warschauer Ghetto" und "deutsche Bierzelte" in diesem Zusammenhang nennt, ist sehr schwer auf sachlicher Ebene zu argumentieren.
    Aber nur zur Info: Slebstmordattentate sind keine Erfindung der Araber: Stichwort: Kamikaze-Flieger während des 2.WK...

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

    sie wird die die heutige Realität sowie die Geschichte widerlegt.

    Und Assassinen gab es z.B. bereits im 11. Jhd., Selbstmordanschläge also lange vor dem 2. WK.

    http://de.wikipedia.org/w...

    • Anthon
    • 30.05.2012 um 21:07 Uhr

    denn offensichtlich keine jüdischen oder christlichen selbstmordattentate nennen.
    Die kamikazeflieger waren übrigens keine juden.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

    sie wird die die heutige Realität sowie die Geschichte widerlegt.

    Und Assassinen gab es z.B. bereits im 11. Jhd., Selbstmordanschläge also lange vor dem 2. WK.

    http://de.wikipedia.org/w...

    • Anthon
    • 30.05.2012 um 21:07 Uhr

    denn offensichtlich keine jüdischen oder christlichen selbstmordattentate nennen.
    Die kamikazeflieger waren übrigens keine juden.

  1. 58. Mangel?

    Ich denke nicht, dass dies die Alternative ist. Es gibt auch eine Loyalität, die nicht "unthinking" ist. Zudem: wenn man sich die Debatten in Israel, Amerika und Europa ansieht, dann stellt man schnell fest, dass es den jüdischen Gemeinden sicher nicht an Meinungsvielfalt mangelt.

  2. haben, mit vielen Generationen von palästinensischen
    Vorfahren auf dem Gebiet des heutigen Israel, wenn man
    das Land für eine bestimmte Zeit verläßt, wegen eines
    Studiums oder eines Auslandsjobs, dann verliert man den
    Anspruch darauf zurückzukehren.

    Man darf auch als in Israel lebender Palästinenser
    keine Frau aus Gaza oder der Westbank heiraten....
    jedenfalls dann nicht, wenn man mit dieser Frau im
    Kernland Israel leben will.

    Man kann aber, mit jüdischer Großmutter gesegnet,
    und seit unzähligen Generationen irgendwo auf der
    Welt außerhalb Israel lebend, JEDERZEIT nach Israel
    problemlos einwandern und die Staatsbürgerschaft
    erhalten.

    Die Definition "Jüdischer Staat" und die zunehmende
    Konzentrierung auf den ausschließlich jüdischen Charakter
    Israels, sie bedingen konsequenterweise einen Auschluß
    alles "Nichtjüdischen".

    "Nichtjüdisch" wird zunehmend als Bedrohung empfunden.

    3 Leserempfehlungen
  3. Verbrecher gewesen, würde ich wohl zu keiner Zeit auch nur im Ansatz dafür Schuldgefühle oder gar Verantwortung verspüren, geschweige denn verkünden.

    Warum sollte ich das aber tun müssen, wenn Verbrecher aus früheren Generationen die noch nicht einmal mit mir verwandt waren, nur zufällig im gleiche Land wie ich lebten und zufällig die gleich Sprache sprachen, schwerste Verbrechen an einem ganzen Volk verübten.

    Das was ich tun kann, was wir alle tun können, ist die Geschichte zu würdigen und alles dafür zu tun, dass in diesem Land niemals mehr solch eine Ideologie die Macht erlangt, dass schon der kleinste Ansatz in eine solche Entwicklung im Keime erstickt wird.
    Das setzt jedoch mindestens Interesse an politischen Vorgängen voraus und vor allem die Bereitschaft, sich aktiv daran zu beteiligen. Das mindeste was man dabei tun kann, ist regelmäßig zur Wahl zu gehen, um unliebsamen Strömungen gar nicht erst eine Chance zu geben. Denn leider sorgen manchmal die Nichtwähler, ohne es vielleicht zu wollen, für eine Erstarken extremer Richtungen.

    Von daher hätte ich gegen eine generelle Wahlpflicht nichts einzuwenden, denn gegen die Pflicht, z.B. bei Rot anhalten zu müssen, hat ja jeder vernünftige Mensch auch nichts.

    Erst wenn wir hier unsere Bürgerpflicht vernachlässigen und uns durch unsere Passivität an falschen Entwicklungen schuldig machen, kann man uns zurecht persönlich dafür Verantwortlich machen, nur dann !

    Eine Leserempfehlung
    • lando
    • 30.05.2012 um 11:26 Uhr

    "durch Errichtung der Sperranlage, obliegt weder Ihrer noch meiner meinung, da sie Fakt und jederzeit belegbar ist" --> Meine Meinung: Die Mauer muss weg, weil Völkerrechtswidrig!

    "Aber Sie leugneten die israelische Notlage, sowie die damit verbundene Zielsetzung und den Effekt der Sperranlage." --> Also doch 'Der Zweck heiligt die Mittel'. Ein Rechtsstaat ist das dann für mich nicht mehr!

    "So etwas nennt man Faktenresistenz" --> Sie haben noch nicht einmal Fakten genannt, ausser wikipedia, naja...

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    • Anthon
    • 30.05.2012 um 21:18 Uhr

    schon gar nicht, wenn es der eigenen beiträge derart an sachlicher inhaltlichkeit mangelt wie in ihrem falle.
    ihre einwände sollten sie belegen, anstatt erbrachte belege ohne argumente zu diskreditieren.

    • Anthon
    • 30.05.2012 um 21:18 Uhr

    schon gar nicht, wenn es der eigenen beiträge derart an sachlicher inhaltlichkeit mangelt wie in ihrem falle.
    ihre einwände sollten sie belegen, anstatt erbrachte belege ohne argumente zu diskreditieren.

    • Trixz
    • 30.05.2012 um 11:27 Uhr

    Meiner Meinung nach haben wir keine besondere Verantwortung gegenüber Israel. Wir haben jedoch die gleich Verantwortung gegenüber Israel, wie gegenüber jedem anderen Staat. Im Geschichtsverlauf ist Vieles falsch gelaufen, aber die jetzige Generation hat sich nichts zu Schulden kommen lassen.
    Ich hoffe, dass meine Generation endlich Israel als souveränen Staat ansieht ohne irgendwelche Schuld zu empfinden.

    2 Leserempfehlungen
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    "Meiner Meinung nach haben wir keine besondere Verantwortung gegenüber Israel."
    Kann man so sehen. Dann aber bitte auch keine "besondere Verantwortung" gegenüber den Palästinensern. Keine Abermillionen an deutschen Steuergeldern für das Faß ohne Boden namens PA. Keine Extrawurst für Palästinenser bei der UN, Abschaffung des vererbbaren Flüchtlingsstatus etc.

    "Meiner Meinung nach haben wir keine besondere Verantwortung gegenüber Israel."
    Kann man so sehen. Dann aber bitte auch keine "besondere Verantwortung" gegenüber den Palästinensern. Keine Abermillionen an deutschen Steuergeldern für das Faß ohne Boden namens PA. Keine Extrawurst für Palästinenser bei der UN, Abschaffung des vererbbaren Flüchtlingsstatus etc.

  4. Ich weiss nicht, ob Ihnen bewusst ist, dass Sie durch Ihre Ausdrucksweise schon dabei sind, in Abgrenzungen zu verfallen.
    In Israel leben christliche, jüdische und moslemische Israelis.
    Die von Ihnen gewählte Ausdrucksweise Araber (meist leicht verächtlich gemeint) suggeriert, dass diese eine andere Rasse sind und eigentlich nicht zum jüdischen Gottesstaat zugehörig sind.
    Auch wenn Israel in Bezug auf Religion toleranter ist, als alle Nachbarstaaten bedeutet dies aber nicht (siehe Liebermann) dass dieses ein gewünschter Zustand ist, da man die ´´Araber´´(Palästinenser= Ureinwohner) als 5te Kolonne wahrnimmt.
    Als Islamischer Abgeordneter in der Knesset als Terroristenunterstützer bezeichnet, nicht wieder wählbar, können sie selbst nachlesen, wie sie diskriminiert werden.
    Wir sprachen auch nicht über die Wahl im letzten Jahrhundert.

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    • Anthon
    • 30.05.2012 um 21:38 Uhr

    israelische araber ist eine bezeichnung die sie in der bpb genauso finden wie um spiegel oder der faz.
    ebenso wie israelische drusen oder israelische bahai oder israelische juden.
    Daraus rassismus abzuleiten ist ein völliger unsinn - ebenso wie die.ahistorische deklarierung der palästinenser zu "ureinwohnern", worin sich in der tat ein völkisches denken widerspiegelt.

    • Anthon
    • 30.05.2012 um 21:38 Uhr

    israelische araber ist eine bezeichnung die sie in der bpb genauso finden wie um spiegel oder der faz.
    ebenso wie israelische drusen oder israelische bahai oder israelische juden.
    Daraus rassismus abzuleiten ist ein völliger unsinn - ebenso wie die.ahistorische deklarierung der palästinenser zu "ureinwohnern", worin sich in der tat ein völkisches denken widerspiegelt.

  5. die Zahl der Fluchtversuche liess auch nach dem ´´DDR´´Mauerbau spürbar nach.
    Wird dadurch der Bau gerechtfertigt ?
    Für die Machthaber der Zone war dies der Fall, nachzuvollziehen.
    Für die Menschen wurde es ein Gefängnis, trotz Reisefreiheit in den Komm. Ostaen.
    Das Ergebnis wurde 1990 dann der Welt präsentiert.
    Nun beziehen Sie dies auf die Palästina Mauer. Ja , die Zahl der Selbstmordanschläge hat nachgelassen, nachzuvollziehen.
    Die Ursachen wurden aber nicht beseitigt.

    Eine Leserempfehlung
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    ?
    Die Mauer der DDR war dazu da, Menschen an der Ausreise aus der DDR zu hindern.
    Die Mauer der Israelis ist dazu da, Terror und Mord an Bürgern Israel zu verhindern.
    Da sehen Sie keinen Unterschied?

    • Anthon
    • 30.05.2012 um 21:26 Uhr

    keine angriffe abhalten. Er war ein angriff auf die freiheit der eigenen bevölkerung.
    Die israelische sperranlage dient dem schutz der eigenen bevölkerung - und dem schutz arabischer jugendlicher.
    Ihre gleichsetzung stellt ein exempel unwahrhaftiger rhetorik.

    ?
    Die Mauer der DDR war dazu da, Menschen an der Ausreise aus der DDR zu hindern.
    Die Mauer der Israelis ist dazu da, Terror und Mord an Bürgern Israel zu verhindern.
    Da sehen Sie keinen Unterschied?

    • Anthon
    • 30.05.2012 um 21:26 Uhr

    keine angriffe abhalten. Er war ein angriff auf die freiheit der eigenen bevölkerung.
    Die israelische sperranlage dient dem schutz der eigenen bevölkerung - und dem schutz arabischer jugendlicher.
    Ihre gleichsetzung stellt ein exempel unwahrhaftiger rhetorik.

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