Bundespräsident Joachim Gauck in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem © Gali/AFP/Getty Images

Während seines Besuches in Israel hat Bundespräsident Joachim Gauck sein Gastland aufgerufen, den Friedensprozess mit den Palästinensern durch ein "Zeichen" in der Siedlungspolitik neu zu beleben. Auf einem Staatsbankett auf Einladung von Präsident Schimon Peres machte Gauck deutlich, dass er sich von Israel Zugeständnisse im Streit um den Siedlungsbau erhofft. Er wünsche sich, "dass Israel in der Siedlungspolitik ein Zeichen setzt", sagte der Bundespräsident. Dadurch könne Israel die friedensbereite Palästinenserführung stärken, die sich "radikalen Kräften gegenüber behaupten" müsse.

Gauck war mit dem Ziel nach Israel gereist, die enge Verbundenheit Deutschlands mit Israel gerade auch in politisch turbulenten Zeiten zu verdeutlichen. "Das Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels ist für die deutsche Politik bestimmend", versicherte Gauck bei der Begrüßung des Präsidenten Peres. Jenen Kräften, die Israels Existenzrecht bedrohen, trete Deutschland "entschlossen entgegen".

Peres hatte den Bundespräsidenten betont herzlich empfangen. Er würdigte Gauck als "kompromisslosen Demokraten", der sich "ein Leben lang für den Frieden eingesetzt" habe. Gauck zeigte sich dankbar für Israels Bereitschaft zur Versöhnung: "Deutschland und Israel sind enger als je zuvor verbunden".

Mit drastischen Worten verdeutlichte Israels Präsident Peres gegenüber dem Bundespräsidenten die Sorgen seines Landes über Irans nukleare Ambitionen. "Irans Präsident droht mit einer neuen Shoa", sagte Peres. "Das lässt unser Blut erstarren." Israels Führung hatte wiederholt klargemacht, dass sie eine atomare Aufrüstung des Iran notfalls militärisch verhindern wolle. Gauck sagte zu, dass sich Deutschland weiter um eine diplomatische Lösung des Atomstreits bemühen werde.

Gauck distanziert sich von Grass' Gedicht

Am Rande des Besuchs spielte auch das umstrittene Gedicht eine Rolle, in dem Günter Grass Israel der Aggression gegenüber dem Iran bezichtigte. In einem Interview mit der Zeitung Haaretz distanzierte sich Gauck von den Äußerungen. Grass habe "seine persönliche Meinung geäußert", sagte Gauck. "Das darf er. Ich stimme ihm ausdrücklich nicht zu."

Nach ihrem Gespräch im Präsidentenpalast besuchten Gauck und Peres die Holocaustgedenkstätte Yad Vaschem. In seinem Eintrag im Gästebuch warnte Gauck vor dem Vergessen und rief zum Beistand für Israel auf: "Vergiss nicht! Niemals! Und steh zu dem Land, das hier derer gedenkt, die nicht leben durften." 

Am Nachmittag empfing Gauck Überlebende des Überfalls auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München . Für Mittwoch ist eine Begegnung mit Regierungschef Benjamin Netanjahu vorgesehen, am Donnerstag reist Gauck zur Palästinenserführung nach Ramallah.