Marina Weisband: "Das war sexistische Kackscheiße, mein Lieber"
Marina Weisband ist die bekannteste Piratin der Republik. Im Interview spricht die 24-Jährige über Panikattacken, den Medien-Hype und Chauvinismus in ihrer Partei.
ZEIT ONLINE: Frau Weisband, Sie sind so etwas wie der Star der Piraten, präsent in den Medien und überall bekannt an der Basis. Verträgt sich Startum eigentlich mit den Idealen einer basisdemokratischen Partei?
Weisband: Nein, das verträgt sich nicht. Und ich bin auch kein Star der Piraten. Ich bin eine von den Medien gehypte Person. Innerhalb der Piraten existiert kein Machtgefälle. Es gibt keine Vergötterung, ich werde ganz normal gegrüßt und geknuddelt. Natürlich kennt mich hier jeder und ich habe einen gewissen Einfluss, auch weil ich viel in der Öffentlichkeit bin. Aber ich habe keine Macht.
ZEIT ONLINE: Trotzdem nehmen Sie eine Sonderrolle ein. Viele Piraten loben Sie für Ihre Präsenz im vergangenen Jahr, andere sind neidisch auf Ihre Popularität.
Weisband: Respekt wird meistens mit Gegenrespekt erwidert: Ich hatte sehr viel Respekt vor meiner Aufgabe. Am Anfang hatte ich sogar Panikanfälle. Ich habe die Partei um Hilfe gebeten und jede Kritik ernst genommen.
ZEIT ONLINE: Haben Sie sich überfordert gefühlt? Ist Spitzenpolitik vielleicht doch eher etwas für gestandene 50-Jährige als für Studenten?
Weisband: Ich habe vor einem Jahr spontan kandidiert. Und die drei Tage danach nicht geschlafen. Ich habe immer wieder geweint und Panikattacken gehabt. Ich übertreibe nicht! Ich habe die ersten Wochen eigentlich immer nur überlegt: Wie kann ich wieder zurücktreten?
ZEIT ONLINE: Was war so schlimm?
Marina Weisband ist die wohl bekannteste Politikerin der Piratenpartei. Sie war seit 2011 Politische Geschäftsführerin der Partei und vertrat sie seither häufig in der Öffentlichkeit. Nun aber nimmt sich die 24-Jährige eine Auszeit, auf eigenen Wunsch. Sie will ihr Psychologie-Studium abschließen und mit etwas Abstand über ihre Zukunft nachdenken. Deshalb verzichtete sie auf eine erneute Kandidatur für den Bundesvorstand der Piraten.
Weisband: Der Druck, den ich mir selbst gemacht habe. Ich wurde von Anfang an als Hoffnungsträgerin gesehen – nach einer einzigen drei-minütigen, improvisierten Bewerbungsrede auf dem Parteitag. Ich habe immer nur geglaubt: Hallo, ich bin kein Hoffnungsträger, sondern eine 24-jährige Studentin. Ich kann das nicht so gut. Ich werde Fehler machen. Erst so nach etwa drei Monaten hatte ich das Gefühl: Ja! Ich bin richtig hier. Ich kann das Amt!
ZEIT ONLINE: Was war auf einmal anders?
Weisband: Ich hatte mich eingearbeitet. Und ich habe gesehen, dass das, was ich mache, gut ist. Dann kam irgendwann die Berlin-Wahl. Unser erster großer Erfolg. So kam ich plötzlich in die Medien. Das war wieder eine Herausforderung, diesmal zwar ohne Panik. Aber ich glaube schon, dass ich zuletzt am oberen Ende meiner Kompetenz angelangt war: Seit unseren Landtagseinzügen sitze ich mit Menschen in Talkshows, die in ihre Partei eingetreten sind, bevor ich geboren wurde. Die können aus ihrem ganzen Wissen schöpfen, das sie sich in ihren 20, 30 Jahren als Politiker angeeignet haben. Und ich habe versucht, mit meinem ein Jahr alten Wissen dagegen zu halten.
ZEIT ONLINE: Hat der Job Ihnen zu viel abverlangt? Die BILD titelte kürzlich von ihrem Schwächeanfall vor einem Talkshow-Auftritt.
Weisband: Sie meinen, weil ich umgekippt bin? Das ist ganz normal. Das passiert mir seit der Schule ständig. Das ist kein Anzeichen von Überforderung. Natürlich bin ich erschöpft und ausgezehrt. Das liegt aber daran, dass ich die ganze Explosion, die die Piraten in einem Jahr erlebt haben – von zwei auf zwölf Prozent – mitgetragen habe. Unsere Strukturen waren auf diese neue Parteigröße noch nicht ausgelegt. Inzwischen haben wir den Vorstand vergrößert. Ich habe gelernt: Der ideale Vorstand behält den Überblick und delegiert. Ich habe anfangs zu viel selbst gemacht.
ZEIT ONLINE: Ihre Mitgliederzahl hat sich seit Ihrer Wahl vor einem Jahr mehr als verdoppelt, Ihre Umfragewerte verfünffacht. Erkennen Sie Ihre Partei noch wieder?
Weisband: Wir haben uns gar nicht mal so sehr verändert. Der Parteitag in Neumünster verlief eigentlich relativ ähnlich wie alle bisherigen, auf denen ich war. Wir haben immer noch ein Bällebad zum Toben und die AG Dicke Piraten. Die wichtigste Ausnahme: Es sind jetzt mehr Medien dabei. Ich habe aber immer noch das Gefühl, unter Freunden zu sein, die nicht alles todernst nehmen. Das ist wichtig. Andernfalls verbeißt man sich. Wirklich gut kann man nur arbeiten, wenn man ein bisschen Selbstironie hat.
ZEIT ONLINE: Aber entspannt wirkt Ihre Partei nicht gerade. Es gibt mehrere Konflikte, etwa den zwischen alten und neuen Mitgliedern.
Weisband: Ich kam auch erst 2009, nach der ersten großen Welle, dazu. Da hat sich niemand beschwert.
ZEIT ONLINE: Sehen Sie den Konflikt nicht?
Weisband: Doch, klar. Es gibt ein natürliches Misstrauen der Alt-Mitglieder, die denken: Wir haben die Piraten aufgebaut und jetzt kommt ihr. Das gab es aber 2009 auch schon. Ich glaube, das ist normal. Man gewöhnt sich schnell aneinander, wenn man dieselben Ideale hat.
ZEIT ONLINE: Die Jungen Piraten klagen über Mobbing von Frauen und Ausländern. Ist Chauvinismus ein Problem bei Ihnen?
Weisband: Ja, wie in jeder Partei und in der gesamten Gesellschaft gibt es dieses Problem auch bei uns. Aber wir dürfen das nicht relativieren und uns damit abfinden. Wir müssen an uns hohe Standards setzen und etwas gegen dieses Problem tun. Teilweise sind das abfällige Chat-Bemerkungen, die man für normal hält, die aber sexistisch sind. Hier muss man Aufklärung betreiben.
ZEIT ONLINE: Wie das?
Weisband: Indem man sagt, das war sexistische Kackscheiße, mein Lieber. So schaut Aufklärung aus. Also nicht einfach lächeln oder wegsehen, sondern thematisieren. Das größere Problem ist generell der Umgangston. Der ist relativ rau, nicht nur bei uns, in der Politik allgemein. Das schreckt nicht nur Frauen oft ab, sondern auch schüchterne Männer und generell Personen ohne dickes Fell. Unser Ziel ist es aber, die Zugänglichkeit von Politik zu erhöhen. Deshalb müssen wir Politik zu einem Ort machen, wo sich die Leute wohlfühlen.
ZEIT ONLINE: Warum ist der Ton in Ihren Partei-Foren und auf dem Parteitag oft so unhöflich?
Weisband: Das ist die Schattenseite des sehr offenen Heraussprechens. Wir sind kritische Menschen, stellen alles in Frage, kennen kein Pardon. Wir müssen da aber einen Kompromiss finden, sonst lähmt der Streit zu sehr. Aber das ist wohl ein typisches Merkmal einer sehr jungen Partei. Wir arbeiten daran: Als Gegenbewegung zu den Shit-Storms haben wir inzwischen die Flauschstorms eingeführt. Lange war es so: Egal, was man im Internet schreibt, man bekommt immer nur Geschrei zurück. Meist wird nur kommentiert, was einem nicht passt. Deshalb die Flauschstorms: Unsere Kommunikation hat sich dadurch verbessert.
ZEIT ONLINE: Sind Flausch- und Shit-Storms die Zukunft der Demokratie? Sie haben einmal gesagt, dass die neuen Möglichkeiten, die das Internet an demokratischer Teilhabe bietet, den Parlamentarismus langfristig überflüssig machen. Wollen Sie die Parlamente abschaffen?
Weisband: Nein. Ich habe einem Journalisten Liquid Feedback erklärt. Er fragte, was wäre, wenn man Liquid Feedback zu Ende denkt? Wenn jeder Bürger sich daran beteiligen würde? Ich habe im Konjunktiv geantwortet: Wenn das wirklich jeder hätte, dann würde es die Parlamente überflüssig machen. Aber das ist nicht das erklärte Ziel der Piratenpartei. Wir haben durchaus das Potenzial, den Parlamentarismus zu reformieren – durch die Abschaffung des Fraktionszwangs oder den Verzicht auf feste Koalitionspartner. Aber wir wollen die Abgeordneten nicht abschaffen. Man braucht sie als moralische Kontrollinstanz.
ZEIT ONLINE: Dürfen Ihre Mandatsträger und die Parteiführung überhaupt etwas anderes tun, als die Ergebnisse von Liquid Feedback vorzulesen? Dürfen Sie Ihre eigene Meinung äußern?
Weisband: Ja, darf man. Problematisch ist, wenn eine Meinung vertreten wird, die sich nicht mehr aus dem Programm ableiten lässt. Die muss man als Privatmeinung kennzeichnen. Der Vorstand muss die Partei gut repräsentieren. Er hat bei uns die Funktion, Dienstleister und Sprachrohr zu sein. Er muss bündeln, was die Partei denkt – und es nach außen tragen. Bevor er aber sagt, dazu haben wir keine Position, sollte der neue Vorstand lieber sagen: Dazu haben wir zehn Positionen, die beliebtesten sind derzeit diese und jene. Bald stimmen wir darüber ab.
ZEIT ONLINE: Muss Ihr neues Führungsteam mutiger auftreten als das bisherige?
Weisband: Sie sagen so oft das Wort "Führung". Die haben wir gar nicht. Das ist ein Verwaltungsteam. Das ist der Punkt. Klar, wir müssen künftig besser mit den Medien umgehen. Wir müssen selbst nach vorn gehen und unsere eigenen Themen platzieren. Nicht immer nur auf Fragen antworten.
ZEIT ONLINE: Kommen Sie nächstes Jahr zurück an die Parteispitze?
Weisband: Da bin ich mir noch nicht sicher, ganz ehrlich. Aber in der Politik werde ich bleiben.
ZEIT ONLINE: Ist der Bundestag 2013 Ihr Ziel?
Weisband: Vielleicht. Ich habe Ihnen erzählt, wie mein Jahr begonnen hat. Ich hatte wenig Zeit zu reflektieren. Ich muss mich lösen, schauen, wie sehr ich es vermisse und wie mein Psychologie-Diplom so läuft.







... bescheiden und hochsympathisch.
das Mädchen? Das ist eine gestandene, erwachsene Frau.
nett, bescheiden, etc. ist ja schön und gut. Aber als Gesetzgeber im Bundestag, Abstimmen darüber ob Soldaten in einen bewaffneten Einsatz geschickt werden, wie unsere Energieversorgung in 20 Jahren aussieht, etc?
Da sollte vielleicht doch etwas mehr ausser einer sympathischen Ausstrahlung da sein.
... sexistische Kackscheisse, mein Lieber!
bescheiden und hochsympathisch... Hätte man doch auch zu einem 24-jährigen Mann gesagt oder? Besonders im Zusammenhang mit Lob, ist das doch sehr geläufig.
....Sache. Sie ist blitz gescheit und macht sich beachtliche Gedanken. Eine frische Brise und völlig unerwartet unter hiesigen Politikern.
oder am Aussehen ab?
das Mädchen? Das ist eine gestandene, erwachsene Frau.
nett, bescheiden, etc. ist ja schön und gut. Aber als Gesetzgeber im Bundestag, Abstimmen darüber ob Soldaten in einen bewaffneten Einsatz geschickt werden, wie unsere Energieversorgung in 20 Jahren aussieht, etc?
Da sollte vielleicht doch etwas mehr ausser einer sympathischen Ausstrahlung da sein.
... sexistische Kackscheisse, mein Lieber!
bescheiden und hochsympathisch... Hätte man doch auch zu einem 24-jährigen Mann gesagt oder? Besonders im Zusammenhang mit Lob, ist das doch sehr geläufig.
....Sache. Sie ist blitz gescheit und macht sich beachtliche Gedanken. Eine frische Brise und völlig unerwartet unter hiesigen Politikern.
oder am Aussehen ab?
wenige Frauen ihrer Art in der Politik.
"dieser Art" mit Kusshand in der Politik begrüßen!
---
Gutes Interview, Frau Weisband! Danke dafür.
---
Danke auch an die "Journaille"...
[...]
... daß sie mit der Wahl der Überschrift die Aussage von Frau Weisband so eindeutig bestätigt - Der Hype ist notwendig, Clickzahlen, da muss eine reißerische Überschrift schon sein!
Etwas mehr Seriosität täte auch der ZEIT von Zeit zu Zeit gut!
Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls
"dieser Art" mit Kusshand in der Politik begrüßen!
---
Gutes Interview, Frau Weisband! Danke dafür.
---
Danke auch an die "Journaille"...
[...]
... daß sie mit der Wahl der Überschrift die Aussage von Frau Weisband so eindeutig bestätigt - Der Hype ist notwendig, Clickzahlen, da muss eine reißerische Überschrift schon sein!
Etwas mehr Seriosität täte auch der ZEIT von Zeit zu Zeit gut!
Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls
das Mädchen? Das ist eine gestandene, erwachsene Frau.
Woody wollte doch nur nochmal ein Beispiel für Chauvinismus anbringen, finde ich ok? :D
nur für Minderjährigkeit und geistige wie politische Unreife stehen kann, sondern auch, so wie hier, für politische Unverbrauchtheit, frische Gedankengänge und (kann man auch erwähnen) jugendliches Äußeres.
Es ist manchmal erschreckend, welche Spuren der Feminismus der letzten Jahrzehnte in der bürgerlichen Denkweise hinterlassen hat, beispielsweise in der Eigenart, hinter harmlosesten Formulierungen reflexhaft einen Angriff zu sehen.
Ich wünsche mir mehr wie Maria Weisband. Dass sie auf der einen Seite bescheiden ist und gleichzeitig über einen klaren Blick verfügt, hat sich nicht nur in Talkrunden (z.B. zu Christian Wulff) bewiesen, sondern auch in der Antwort auf die erste Frage. Ihr sei gutes Gelingen beim Diplom und bei einer eventuellen Rückkehr im Anschluss gewünscht.
Ich halte die Aufregung hier auch für übertrieben!
In meinem Umfeld ist es sehr üblich, anerkennende Sätze über Männer mit "Der Junge..." zu beginnen. Von daher: Das Mädchen (Frau Weisband) ist klasse!
Woody wollte doch nur nochmal ein Beispiel für Chauvinismus anbringen, finde ich ok? :D
nur für Minderjährigkeit und geistige wie politische Unreife stehen kann, sondern auch, so wie hier, für politische Unverbrauchtheit, frische Gedankengänge und (kann man auch erwähnen) jugendliches Äußeres.
Es ist manchmal erschreckend, welche Spuren der Feminismus der letzten Jahrzehnte in der bürgerlichen Denkweise hinterlassen hat, beispielsweise in der Eigenart, hinter harmlosesten Formulierungen reflexhaft einen Angriff zu sehen.
Ich wünsche mir mehr wie Maria Weisband. Dass sie auf der einen Seite bescheiden ist und gleichzeitig über einen klaren Blick verfügt, hat sich nicht nur in Talkrunden (z.B. zu Christian Wulff) bewiesen, sondern auch in der Antwort auf die erste Frage. Ihr sei gutes Gelingen beim Diplom und bei einer eventuellen Rückkehr im Anschluss gewünscht.
Ich halte die Aufregung hier auch für übertrieben!
In meinem Umfeld ist es sehr üblich, anerkennende Sätze über Männer mit "Der Junge..." zu beginnen. Von daher: Das Mädchen (Frau Weisband) ist klasse!
... oder ist das nur die Piraten-Sprachregelung?
"Natürlich kennt mich hier jeder und ich habe einen gewissen Einfluss, auch weil ich viel in der Öffentlichkeit bin. Aber ich habe keine Macht."
Natürlich ist das Macht - es sei denn, man definiert es um jeden Preis anders. Und das ist ein Problem der Piraten: Sie versuchen so sehr anders zu sein und für alles neue Ausdrücke zu erfinden etc., dass sie dadurch Gefahr laufen, es sich und potentiellen Wählern unnötig schwer zu machen.
Ich glaube nicht, dass die Piraten bewusst Begriffe umdefinieren. In dem Beispiel auf das Sie sich beziehen zeigt sich mMn. vor allem eine mangelnde Reflexion mit dem Thema "Macht" und - insbesondere in einem Interview - sprachliche Ungenauigkeit die aber wohl zu verschmerzen ist (da es hier eben ein Interview und kein wissenschaftlicher Aufsatz ist).
Ich glaube aber das der Umgang und die Perspektive auf ein Thema wie "Macht" bei den Piraten tatsächlich nicht im herkömmlichen Sinne abläuft, weil die Strukturen innerhalb der Partei (noch) anders sind als es bspw. bei den schon länger etablierten Parteien der Fall ist. Auch besitzen die Piraten durch ihren basisdemokratischen Ansatz ein viel stärkeres Korrektiv die Machtfrage betreffend, da es hier praktisch/theoretisch jedem "no-name" möglich ist gehört zu werden.
Was die Piraten mMn. aber ignorieren - zumindest ist mir nichts Gegenteiliges bekannt - ist die Tatsache, dass sich im Laufe der Zeit mMn. immer eine gewisse Hierarchie, Deutungshoheit und "Führer" etablieren. Das muss schon aufgrund der Reduktion von Komplexität sein, denn es können auf einem Parteitag eben nicht 2.000 Leute gehört werden. Irgendwer muss die Vorschläge sichten und selektieren. Nur nach welchen Kriterien? Es ist die Frage, ob hier nur nach inhaltlichen Gesichtspunkten ausgewählt wird bzw. werden kann, oder ob nicht früher oder später "wichtige" Piraten den Ton angeben werden.
Die Zeit wird's zeigen, spannend ist die Beobachtung auf jeden Fall.
"Natürlich kennt mich hier jeder und ich habe einen gewissen Einfluss, auch weil ich viel in der Öffentlichkeit bin. Aber ich habe keine Macht."
Natürlich ist das Macht
Nein, das ist keine Macht. Lesen Sie zum Beispiel hier wie Macht ungefähr definiert wird. Die vermeintliche Macht, die ein abgeordneter Pirat hat, wird durch den Willen der Basis bestimmt. Sobald er etwas tut, das als Regelverstoß zu werten ist, dann wird die Macht entzogen. Ist das dann noch Macht? Der Unterschied zu den etablierten Parteien, zum Beispiel SPD, besteht darin, dass man selbst in den Spitzenpositionen den größten Bockmist verzapfen kann und die Basis absolut gar nichts dagegen ausrichten kann.
Ich glaube nicht, dass die Piraten bewusst Begriffe umdefinieren. In dem Beispiel auf das Sie sich beziehen zeigt sich mMn. vor allem eine mangelnde Reflexion mit dem Thema "Macht" und - insbesondere in einem Interview - sprachliche Ungenauigkeit die aber wohl zu verschmerzen ist (da es hier eben ein Interview und kein wissenschaftlicher Aufsatz ist).
Ich glaube aber das der Umgang und die Perspektive auf ein Thema wie "Macht" bei den Piraten tatsächlich nicht im herkömmlichen Sinne abläuft, weil die Strukturen innerhalb der Partei (noch) anders sind als es bspw. bei den schon länger etablierten Parteien der Fall ist. Auch besitzen die Piraten durch ihren basisdemokratischen Ansatz ein viel stärkeres Korrektiv die Machtfrage betreffend, da es hier praktisch/theoretisch jedem "no-name" möglich ist gehört zu werden.
Was die Piraten mMn. aber ignorieren - zumindest ist mir nichts Gegenteiliges bekannt - ist die Tatsache, dass sich im Laufe der Zeit mMn. immer eine gewisse Hierarchie, Deutungshoheit und "Führer" etablieren. Das muss schon aufgrund der Reduktion von Komplexität sein, denn es können auf einem Parteitag eben nicht 2.000 Leute gehört werden. Irgendwer muss die Vorschläge sichten und selektieren. Nur nach welchen Kriterien? Es ist die Frage, ob hier nur nach inhaltlichen Gesichtspunkten ausgewählt wird bzw. werden kann, oder ob nicht früher oder später "wichtige" Piraten den Ton angeben werden.
Die Zeit wird's zeigen, spannend ist die Beobachtung auf jeden Fall.
"Natürlich kennt mich hier jeder und ich habe einen gewissen Einfluss, auch weil ich viel in der Öffentlichkeit bin. Aber ich habe keine Macht."
Natürlich ist das Macht
Nein, das ist keine Macht. Lesen Sie zum Beispiel hier wie Macht ungefähr definiert wird. Die vermeintliche Macht, die ein abgeordneter Pirat hat, wird durch den Willen der Basis bestimmt. Sobald er etwas tut, das als Regelverstoß zu werten ist, dann wird die Macht entzogen. Ist das dann noch Macht? Der Unterschied zu den etablierten Parteien, zum Beispiel SPD, besteht darin, dass man selbst in den Spitzenpositionen den größten Bockmist verzapfen kann und die Basis absolut gar nichts dagegen ausrichten kann.
nett, bescheiden, etc. ist ja schön und gut. Aber als Gesetzgeber im Bundestag, Abstimmen darüber ob Soldaten in einen bewaffneten Einsatz geschickt werden, wie unsere Energieversorgung in 20 Jahren aussieht, etc?
Da sollte vielleicht doch etwas mehr ausser einer sympathischen Ausstrahlung da sein.
"Aber als Gesetzgeber im Bundestag, Abstimmen darüber ob Soldaten in einen bewaffneten Einsatz geschickt werden, wie unsere Energieversorgung in 20 Jahren aussieht. Da sollte vielleicht doch etwas mehr ausser einer sympathischen Ausstrahlung da sein."
Referenzieren Sie auf die Kompetenz der Regierungskoalition, die erst den Wiedereinstieg in die Atomenergie und dann die millardenteure Kehrtwendung verantwortet? Oder die CDU, die Soldaten in den Irak schicken wollte, um die Massenvernichtungswaffen zu beseitigen? Oder die ganz Große Koalition, die Eurovertragswerke ohne unabhängige Prüfung der Beitrittsvoraussetzungsstatistiken, ohne Sanktionsmöglichkeiten und ohne Wiederausstiegsregelungen verfasste.
Ich befürchte, so naiv wären die Piraten nicht gewesen.
Das aktuelle entscheidende Grüppchen aus Jurastudenten, gefuehrt von einer Physikerin loest also mehr wWohlbehagen aus? Das ich nicht lache.
Sachkompetenz ist in der Politik doch seit Jahren zweitrangig. Zuerst kommt es auf ein Netz aus Beziehungen an, damit man ueberhaupt macht erhaelt. Ob so ein Clown wie Seehofer mehr als einen Flohzirkus leiten KANN, wird erst nach der Wahl zum Ministerpraesidenten gefragt oder am besten doch gar nicht.
Mir jedenfalls sagt Frau Weisband sehr zu, sowohl die Aussagen zu politischen Themen wie auch der persönliche Eindruck.
Jemandem, der in Anbetracht von viel Verantwortung erst einmal an seinen Fähigkeiten zweifelt, traue ich das viel eher zu.
Er wird hinterfragen, sich Gedanken machen, mit sich ringen und dann entscheiden. Das ist es, was man von Bundestagsabgeordneten eigentlich erwartet.
Einem völlige souverän jehenseits der eigenen Kompetenz operierenden zu Guttenberg traue ich das bspw. viel weniger zu.
Das Ausmaß solcher Entscheidungen muss ja jeden an die Grenze dessen bringen, was er sich zutraut. Wer da nicht an sich zweifelt, ist nicht souverän, sondern leidet an Selbstüberschätzung. Von Politikern zu erwarten übermenschlichen Maßstäben zu genügen, ist Teil des Problems.
Was aber? Die Frau sagt, was sie kann und was sie nicht kann, wo sie ihre Schwächen hat und wo die Partei ihre Schwächen hat. Und sie sagt, was ich immer wieder gehört habe: Sie wollen lernen. Von welcher etablierten Partei - eingeschlossen die Grünen - hat man so etwas jemals gehört? Neue, ehrliche Töne. Ich bin überzeugt davon, dass diese Partei keine Eintagsfliege bleiben wird. Sie wird schon nach kurzer Zeit den anderen Beine machen - einschließlich den Grünen. Den anderen sowieso. Ich kann nur sagen: Ich freue mich auf Euch. Wer noch immer nicht kapiert hat, dass sich auch bei uns eine Revolution anbahnt, hat den Schuss nicht gehört. Ich denke mal, dass sich hier noch so einige umschauen werden, wenn diese Partei erst einmal Tritt gefasst hat. Von "Kackscheiße" wird dann keiner mehr reden. Auch nicht die Zeit, die ich mal fragen möchte, was sie mit dieser Headline eigentlich erreichen wollte, die wohl eher in die Blödzeitung gehört.
"Aber als Gesetzgeber im Bundestag, Abstimmen darüber ob Soldaten in einen bewaffneten Einsatz geschickt werden, wie unsere Energieversorgung in 20 Jahren aussieht. Da sollte vielleicht doch etwas mehr ausser einer sympathischen Ausstrahlung da sein."
Referenzieren Sie auf die Kompetenz der Regierungskoalition, die erst den Wiedereinstieg in die Atomenergie und dann die millardenteure Kehrtwendung verantwortet? Oder die CDU, die Soldaten in den Irak schicken wollte, um die Massenvernichtungswaffen zu beseitigen? Oder die ganz Große Koalition, die Eurovertragswerke ohne unabhängige Prüfung der Beitrittsvoraussetzungsstatistiken, ohne Sanktionsmöglichkeiten und ohne Wiederausstiegsregelungen verfasste.
Ich befürchte, so naiv wären die Piraten nicht gewesen.
Das aktuelle entscheidende Grüppchen aus Jurastudenten, gefuehrt von einer Physikerin loest also mehr wWohlbehagen aus? Das ich nicht lache.
Sachkompetenz ist in der Politik doch seit Jahren zweitrangig. Zuerst kommt es auf ein Netz aus Beziehungen an, damit man ueberhaupt macht erhaelt. Ob so ein Clown wie Seehofer mehr als einen Flohzirkus leiten KANN, wird erst nach der Wahl zum Ministerpraesidenten gefragt oder am besten doch gar nicht.
Mir jedenfalls sagt Frau Weisband sehr zu, sowohl die Aussagen zu politischen Themen wie auch der persönliche Eindruck.
Jemandem, der in Anbetracht von viel Verantwortung erst einmal an seinen Fähigkeiten zweifelt, traue ich das viel eher zu.
Er wird hinterfragen, sich Gedanken machen, mit sich ringen und dann entscheiden. Das ist es, was man von Bundestagsabgeordneten eigentlich erwartet.
Einem völlige souverän jehenseits der eigenen Kompetenz operierenden zu Guttenberg traue ich das bspw. viel weniger zu.
Das Ausmaß solcher Entscheidungen muss ja jeden an die Grenze dessen bringen, was er sich zutraut. Wer da nicht an sich zweifelt, ist nicht souverän, sondern leidet an Selbstüberschätzung. Von Politikern zu erwarten übermenschlichen Maßstäben zu genügen, ist Teil des Problems.
Was aber? Die Frau sagt, was sie kann und was sie nicht kann, wo sie ihre Schwächen hat und wo die Partei ihre Schwächen hat. Und sie sagt, was ich immer wieder gehört habe: Sie wollen lernen. Von welcher etablierten Partei - eingeschlossen die Grünen - hat man so etwas jemals gehört? Neue, ehrliche Töne. Ich bin überzeugt davon, dass diese Partei keine Eintagsfliege bleiben wird. Sie wird schon nach kurzer Zeit den anderen Beine machen - einschließlich den Grünen. Den anderen sowieso. Ich kann nur sagen: Ich freue mich auf Euch. Wer noch immer nicht kapiert hat, dass sich auch bei uns eine Revolution anbahnt, hat den Schuss nicht gehört. Ich denke mal, dass sich hier noch so einige umschauen werden, wenn diese Partei erst einmal Tritt gefasst hat. Von "Kackscheiße" wird dann keiner mehr reden. Auch nicht die Zeit, die ich mal fragen möchte, was sie mit dieser Headline eigentlich erreichen wollte, die wohl eher in die Blödzeitung gehört.
Woody wollte doch nur nochmal ein Beispiel für Chauvinismus anbringen, finde ich ok? :D
Da hat wohl mein Ironiedetektor versagt;)
Da hat wohl mein Ironiedetektor versagt;)
Ich glaube nicht, dass die Piraten bewusst Begriffe umdefinieren. In dem Beispiel auf das Sie sich beziehen zeigt sich mMn. vor allem eine mangelnde Reflexion mit dem Thema "Macht" und - insbesondere in einem Interview - sprachliche Ungenauigkeit die aber wohl zu verschmerzen ist (da es hier eben ein Interview und kein wissenschaftlicher Aufsatz ist).
Ich glaube aber das der Umgang und die Perspektive auf ein Thema wie "Macht" bei den Piraten tatsächlich nicht im herkömmlichen Sinne abläuft, weil die Strukturen innerhalb der Partei (noch) anders sind als es bspw. bei den schon länger etablierten Parteien der Fall ist. Auch besitzen die Piraten durch ihren basisdemokratischen Ansatz ein viel stärkeres Korrektiv die Machtfrage betreffend, da es hier praktisch/theoretisch jedem "no-name" möglich ist gehört zu werden.
Was die Piraten mMn. aber ignorieren - zumindest ist mir nichts Gegenteiliges bekannt - ist die Tatsache, dass sich im Laufe der Zeit mMn. immer eine gewisse Hierarchie, Deutungshoheit und "Führer" etablieren. Das muss schon aufgrund der Reduktion von Komplexität sein, denn es können auf einem Parteitag eben nicht 2.000 Leute gehört werden. Irgendwer muss die Vorschläge sichten und selektieren. Nur nach welchen Kriterien? Es ist die Frage, ob hier nur nach inhaltlichen Gesichtspunkten ausgewählt wird bzw. werden kann, oder ob nicht früher oder später "wichtige" Piraten den Ton angeben werden.
Die Zeit wird's zeigen, spannend ist die Beobachtung auf jeden Fall.
>>Irgendwer muss die Vorschläge sichten und selektieren. Nur nach welchen Kriterien? Es ist die Frage, ob hier nur nach inhaltlichen Gesichtspunkten ausgewählt wird bzw. werden kann, oder ob nicht früher oder später "wichtige" Piraten den Ton angeben werden.<<
In der Tat sehe ich das ähnlich und zwar bezogen auf das, was von Piraten unter "Transparenz" so allgemein verstanden wird.
Momentan scheint es noch darauf hinaus zu laufen, dass jeder jeden Pups zu einem Thema im Internet veröffentlichen kann/soll. Das läuft erstmal auf einen "Informationsfriedhof" hinaus, analog zum sog. "Datenfriedhof" in der Statistik.
Man sieht schlicht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und das ist das Gegenteil von Transparenz.
Transparent wird sowas nur, wenn "man" (wer?) anfängt, die Einzelinformationen zu sortieren, zu systematisieren und zusammenzufassen (nach welchen Kriterien?). Erst auf dieser Stufe beginnt es wieder transparent zu werden, weil man allmählich die Bäume wieder erkennen kann.
Soweit ich das verstanden haben (korrigiert mich), wird beim Liquid Verfahren in erster Linie das Kriterium der jeweiligen Mehrheit angewandt, aber irgendwie kein inhaltliches. Erst müssen 10% einem Thema zustimmen, dann kann jeder daran werkeln, dann gilt wieder nur eine Quote und schließlich wird das so ausgewählte von der Mehrheit verabschiedet.
Wenn alle Bäume gleich wären, den gleichen Nutzen hätten usw., könnte man das machen. So aber wird es nur "wichtige" Piraten produzieren.
Ja sicher ist das Macht, aber gemeint haben dürfte sie etwas anderes.
Die führenden Mitglieder der anderen Parteien haben oft eine sehr starke Kompetenz beim Vorgeben der öffentlich vertretenen Meinung. Da setzen Vorstandsmitglieder die Strategie fest und von Parteimitgliedern wird erwartet, dies dann im Wahlkampf mit zu tragen. Diese Art von Meinungsmacht haben führende Piraten bislang offensichtlich nicht, und diese Macht ist in der Partei auch verpönt.
>>Irgendwer muss die Vorschläge sichten und selektieren. Nur nach welchen Kriterien? Es ist die Frage, ob hier nur nach inhaltlichen Gesichtspunkten ausgewählt wird bzw. werden kann, oder ob nicht früher oder später "wichtige" Piraten den Ton angeben werden.<<
In der Tat sehe ich das ähnlich und zwar bezogen auf das, was von Piraten unter "Transparenz" so allgemein verstanden wird.
Momentan scheint es noch darauf hinaus zu laufen, dass jeder jeden Pups zu einem Thema im Internet veröffentlichen kann/soll. Das läuft erstmal auf einen "Informationsfriedhof" hinaus, analog zum sog. "Datenfriedhof" in der Statistik.
Man sieht schlicht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und das ist das Gegenteil von Transparenz.
Transparent wird sowas nur, wenn "man" (wer?) anfängt, die Einzelinformationen zu sortieren, zu systematisieren und zusammenzufassen (nach welchen Kriterien?). Erst auf dieser Stufe beginnt es wieder transparent zu werden, weil man allmählich die Bäume wieder erkennen kann.
Soweit ich das verstanden haben (korrigiert mich), wird beim Liquid Verfahren in erster Linie das Kriterium der jeweiligen Mehrheit angewandt, aber irgendwie kein inhaltliches. Erst müssen 10% einem Thema zustimmen, dann kann jeder daran werkeln, dann gilt wieder nur eine Quote und schließlich wird das so ausgewählte von der Mehrheit verabschiedet.
Wenn alle Bäume gleich wären, den gleichen Nutzen hätten usw., könnte man das machen. So aber wird es nur "wichtige" Piraten produzieren.
Ja sicher ist das Macht, aber gemeint haben dürfte sie etwas anderes.
Die führenden Mitglieder der anderen Parteien haben oft eine sehr starke Kompetenz beim Vorgeben der öffentlich vertretenen Meinung. Da setzen Vorstandsmitglieder die Strategie fest und von Parteimitgliedern wird erwartet, dies dann im Wahlkampf mit zu tragen. Diese Art von Meinungsmacht haben führende Piraten bislang offensichtlich nicht, und diese Macht ist in der Partei auch verpönt.
gibt es viel zu wenige finde ich.
Bleibt kritisch :)
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