Der 1. August 2013 könnte für die Bundesregierung das Datum einer großen Blamage werden. Ab dann haben alle Kinder unter drei Jahren, deren Eltern berufstätig sind, einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Doch bislang sieht es nicht so aus, als könnten Eltern diesen überall einlösen. Daran ändert auch das heute von der Familienministerin vorgelegte Zehn-Punkte-Programm zum Kita-Ausbau nichts.

Kurz vor der Bundestagswahl müsste die Regierung dann einräumen, dass sie mit einem ihrer zentralen Projekte zumindest partiell gescheitert ist. Fast noch schlimmer wäre das allerdings für die Kommunen. Denn die müssen mit Schadensersatzforderungen rechnen , wenn sie Eltern den gewünschten Platz nicht anbieten können.

Der Druck auf alle Akteure ist also gewaltig. Sie wollen den Mangel so weit wie möglich begrenzen – von einer Zielerfüllung redet außer Kristina Schröder keiner mehr. Der Ausbau solle aber natürlich nicht auf Kosten der Qualität gehen, versichert die Ministerin. Und doch ist zu befürchten, dass genau das passiert.

Mangel an Fachkräften

In erster Linie liegt das an dem gravierenden Erziehermangel, der für die Kitas bereits heute ein Problem ist. Schon derzeit kann eine Kita in vielen Regionen froh sein, wenn sie freie Stellen überhaupt wieder besetzen kann. Auf die spezielle Qualifikation einer Fachkraft, auf ihre Begabung im Umgang mit Kindern kann die Einrichtung dabei kaum noch Rücksicht nehmen. Gleichzeitig sinkt der Druck auf die Erzieher, sich von sich aus weiterzubilden oder Zusatzqualifikationen zu erwerben.

Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, denn um den Rechtsanspruch zu erfüllen, werden weitere Zehntausende Fachkräfte gebraucht. Weil die Ausbildung von Erziehern jedoch mindestens drei Jahre dauert, lässt sich diese Lücke in nur einem Jahr nicht mehr schließen.

Die Bundesregierung will deshalb vor allem Tagesmütter und -väter anwerben, die lediglich einen Kursus von etwa sechs Wochen absolvieren müssen. Von denen, die schon heute in dieser Funktion arbeiten, haben 40 Prozent sogar gar keine Ausbildung. Auch wenn ein großer Teil dieser Pflegekräfte sicherlich trotzdem gute Arbeit macht: Allein die massive Werbung für diesen Beruf wird dazu führen, dass auch viele Menschen sich davon angesprochen fühlen, denen es eher um den Job als um die Kinder geht.

Zwar versichert die Ministerin, Bufdis (früher: Zivis) sollten keinesfalls die Aufgaben von Fachkräften übernehmen. Und doch weiß jeder, dass Praktikanten und andere Hilfskräfte sehr schnell in eine solche Rolle hineinwachsen, wo Not am ausgebildeten Personal ist.