Pro NRWDie Rückkehr der rechten Zündler

Die Anti-Islam-Demo in Köln bleibt friedlich. Auch weil bewaffnete Salafisten festgenommen werden. Das rechte Pro-NRW-Häuflein aber erreicht sein Ziel. von 

Während einer Kundgebung der rechtsextremen Splitterpartei Pro NRW in Köln demonstrieren auch deren Gegner.

Während einer Kundgebung der rechtsextremen Splitterpartei Pro NRW in Köln demonstrieren auch deren Gegner.  |  © Henning Kaiser dpa/lnw

Endlich sind sie wieder da, die Fernsehkameras und Reporter, endlich sind sie nicht mehr allein mit ihren Plakaten und Parolen. Kaum ist er aus dem VW-Bus gestiegen, hält einer der Aktivisten von Pro NRW das bekannte Schild mit der rot durchgestrichenen Moschee hoch, und schon klicken die Verschlüsse der Objektive wie wild. Da lächelt Markus Beisicht zufrieden.

Beisicht ist Vorsitzender von Pro NRW, jener rechtspopulistischen Mini-Partei, die seit Jahren mit Stimmungsmache gegen Muslime um Aufmerksamkeit und Wähler kämpft. Seit es am Rande einer ihrer Kundgebungen am vergangenen Samstag in Bonn zu Auseinandersetzungen zwischen radikalen Salafisten und der Polizei gekommen ist, bei denen 29 Beamte verletzt wurden, stehen Beisicht und seine Mitstreiter wieder im Rampenlicht. "Wir haben sicherlich deutliche Duftmarken in diesem ansonsten recht öden Wahlkampf gesetzt", sagt der Parteichef ZEIT ONLINE. Was er nicht sagt: Ohne die Verletzten vom Wochenende hätte diese "Duftmarken" wohl niemand wahrgenommen.

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Die heutige Kundgebung in Köln bildete den Abschluss der "Freiheit statt Islam"-Tour, bei der die "Pro"-Aktivisten elf Tage lang durchs Bundesland von Moschee zu Moschee zogen und vermeintlich "islamkritische Karikaturen" zeigten. Die Polizei ist diesmal in Hundertschaft-Stärke dabei, um Ausschreitungen von Anfang an zu verhindern. Rund 100 Salafisten hatten im Vorfeld ein Platzverbot bekommen, und "fünf bis zehn" haben die Behörden "bei der Anreise und in der Umgebung" festgenommen, wie ein Polizeisprecher sagt. Sie hätten unter anderem Messer und Eisenstangen dabei gehabt.

Als die Kundgebung beginnt, ist dann weit und breit niemand zu sehen, der sich als Salafist einordnen ließe. Beisicht und Co. bleiben unter sich. 20 bis 25 Parteimitglieder und Unterstützer sind es vielleicht, die sich in einer Seitenstraße im Kölner Stadtteil Ehrenfeld in Sichtweite der Baustelle der dortigen Großmoschee versammelt haben. Auf jeden Teilnehmer kommen rund zwei Pressevertreter. Eine Straßenecke entfernt stehen zirka 300 Gegendemonstranten, der Bezirksbürgermeister ist dabei und Volker Beck , der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion. Aus den Fenstern lehnen sich die Anwohner und beäugen beide Seiten. Als Beisicht voller Pathos ins Mikrophon ruft, man habe "die Fackel der Freiheit durch NRW getragen", grinsen einige von ihnen belustigt auf ihn herunter.

Wettbewerb für die besten Anti-Islam-Zeichnungen

Die tatsächliche Größe von Pro NRW und ihr öffentlicher Effekt stehen in einem absurden Missverhältnis. Köln ist die Geburtsstadt und Hochburg der Truppe, hier sitzen sie mit fünf Abgeordneten im Stadtrat, trotzdem bekommen sie kaum 20 Anhänger zusammen. "Das sind nur 20 bis 30 Provokateure, die durchs Land reisen und versuchen, Aufmerksamkeit zu erregen", sagt Armin Laschet im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2010 Integrationsminister in Nordrhein-Westfalen und würde bei einem Wahlsieg seiner Partei am kommenden Sonntag wohl Innenminister.

Für die Landtagswahl dürfte die Eskalation zwischen den Radikalen beider Seiten keine Konsequenzen haben, vermutet Laschet. Die Strategie des amtierenden SPD-Innenministers Ralf Jäger unterstützt er. Jäger hatte immer wieder versucht, den Pro-Aktivisten das Leben durch Auflagen so schwer wie möglich zu machen – vor allem in Sachen Karikaturen.

Einen "Wettbewerb" für die besten Anti-Islam-Zeichnungen hatte die rechte Partei ausgerufen, die Ergebnisse präsentieren sie stolz auf jeder ihrer Kundgebungen, halten sie möglichst hoch, damit auch möglichst viele sich von ihnen provoziert fühlen können. Es sind recht sauerpöttische und platte Werke. Auch die wohl berühmteste islamkritische Karikatur des Dänen Kurt Westergaard haben die Aktivisten dabei, auf DIN-A3 ausgedruckt hängt das Bild des Propheten mit einer Zündschnur im Turban etwas schief im übergroßen Rahmen. Für Beisicht ist Westergaard ein "Held".

Dass der "Held" mit ihm nichts zu tun haben will, sagt Beisicht nicht. In einem Interview hat Westergaard seinen "schärfsten Protest" zum Ausdruck gebracht, "Ich lehne es strikt ab, mit einer politischen Partei oder Bewegung in Verbindung gebracht zu werden", sagte er. Westetergaard will nun über den Journalistenverband dagegen vorgehen, dass Pro NRW seine Werke weiter nutzt.

Leserkommentare
  1. friedliche Demonstrationen durch Schlägertruppen aufzumischen; dadurch Andere einzuschüchtern und von Meinungsäußerungen abzuhalten. Und dann berichten (lassen), man sei provoziert worden.
    Informieren Sie sich diesbezüglich unter 1932/1933 Machtergreifung - und irgendjemand marschierte dort auch zum Schutze vor Provokateuren (Sozis und Kommunisten).
    Geschichte wiederholt sich.

    • xajija
    • 08. Mai 2012 21:15 Uhr

    Ich hab auf den papstdemos in freibrug teilgenommen, da hat niemand polizisten abgestochen. alle waren friedelich in feierlaune und abends waren wir feiern. wir haben gegen den papst demonstriert in mitten von nonnen und christen. keiner hat da zugestochen.

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    • xpeten
    • 08. Mai 2012 21:50 Uhr

    schauen Sie einfach noch einmal hin.

  2. Das hat der Herr Beisicht nett gesagt, und treffend.

    Ich kenne das von meinem früheren Kater. Also, als er noch ein Kater war, heute macht der so was nicht mehr.

    Guter Ausgang in Köln. In einem stimme ich dem ZEIT-Bericht nicht zu: Die Braunen hätten erreicht was sie wollten. Ja, die Fotoreporter, schon gut, und da weiß ich wovon ich rede.

    Aber sonst? Ohne ihre braune Hose stehen sie da, die Gutsten! Wäre ich wirklich der einzige mit diesem Fazit?

  3. Durch ihr Verhalten hat ProNRW die Radikalsten und Gewaltbereitesten unter den Salafisten zu Straftaten veranlasst und ihnen damit ihre Maske heruntergerissen, sodass die Polizei diese einsammeln konnte.

    Dafür bin ich ProNRW sogar dankbar.

    • H.v.T.
    • 08. Mai 2012 21:18 Uhr

    das gewaltsame Handeln der Salafisten nebenbei betrachtet wird.

    Auch wenn die etablierten Medien vermeiden möchten, dass eine zu starke Kritik an den Salafisten auch den ´einfachen´ Moslem treffen könnte, so dürfen sie dennoch dem ´Einheimischen´ nicht das Gefühl vermitteln, Bürger 2. Klasse zu sein.

    Wir haben ein Recht auf Einhaltung der Grundrechte, und unser Recht darf nicht nach Beliebigkeit ausgelegt wird.

  4. Letzlich hilft allerdings gegen religiösen Wahn nur Bildung.

    Wenn wir verhindern möchten , dass wir in 30 Jahren einen Bürgerkrieg zwischen Islamisten und westlich gesinnten Bürgern bekommen, müssen wir jetzt anfangen, die Kinder der Islamisten in den Schulen mittels Bildung zu zähmen.

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    Ehm...

    ...???

    die Gewalttäter in Bonn, komen doch größtenteils aus dem Umfeld der durch Saudi-Mitteln finanzierten König-Fahd Akademie.
    Und diese propagieren ganz unverblümt, dass sie die Einführung der Scharia a la Saudi-Arabien in Deutschland wollen.
    In diesem Fall, stellen wir uns eher ein Bein, wenn wir diese noch mit unseren Mitteln weiterbilden.

    Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Nur Aufklärung hilft - gegen jede Religion!

    Wollen wir doch mal schauen.
    Waren nicht Attentäter von 9/11 Studenten aus Hamburg?
    Ein Kofferbomber von Köln studierte Mechatronik
    usw.

    Ohne Bildung kann man keinen Plastiksprengstoff entwickeln und Bomben basteln.
    Ohne Bildung kann man keine Jumbos fliegen und in Wolkenkratzer lenken ...., .... , ...
    Lesen Sie nach, wie die Bildungselite sich 1933 in bestimmte Ämter setzte.

    Fazit, Bildung schützt nicht vor Ideologie-Blindheit. Eher im Gegenteil.
    Gebildete wissen, wie man Ideologie einsetzt um Ungebildete zum Nachlaufen zu fanatisieren - so dass sie später sich rausreden, "sie hätten keine Alternative gehabt."

    Denkt man sich aber die Ideologie weg, dann gäbs auch keine Fanatisierung.

    Man sollte besser zwischen Gebildeten mit Vernunft und Halb-Gebildeten mit Vernunftferne unterscheiden.
    Toleranz-Extreme sind für mich Vernunftferne, wie jeder Extremismus von Uneinsichtigkeit geprägt ist.

  5. Immerhin sind die noch mutig genug zu demonstrieren; von provozieren kann ich nichts sehen.
    Außerdem: zur Provokation gehören immer zwei: einer der provoziert, und einer der sich provozieren lässt.
    Wer im vorliegenden Fall rechtsextremer Zündler ist, ist doch eindeutig: die Haudrauf- Schutztruppe, die die Polizeiabsperrungen überläuft, Steine wirft, Messer und Schusswaffe(n) einsetzt. Oder meinen Sie, ein Polizei- Einsatzleiter weiss Schüsse nicht zu identifizieren?
    Wenn hier dann von einem Häuflein eingeschüchterter aber Standhafter Demonstranten (in diesem Fall: demokratische Rechte einfordernd und ausübend) als Zündler und Extremisten geschrieben, und von den bewaffneten und die Polizeikräfte angreifenden Gewalttätern als maximale Protestler (Nebenthread) - na, dann haben wir hier ein beredtes Zeugnis von untergehender Rechtskultur.

    Antwort auf "Partei"
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    • Bashu
    • 09. Mai 2012 0:35 Uhr

    vor diversen Kirchen postieren würde, mit Plakaten die Jesus ins Lächerliche ziehen, so würde man die Gefühle der Gläubigen die die Kirche besuchen, verletzen. Was bitte ist der Sinn davon?

    Ich bin nicht gläubig, aber in diesem Land hat nunmal jeder Recht auf seinen Glauben, deshalb respektiere ich alle Gläubigen.

    Der Bruchteil unserer Mitbürger, die zu Gewalt greifen, ob Salafisten oder Nazis, gehören verhaftet.

    Ich halte nichts von Sippenhaft für alle Ausländer, weil sich ein paar von ihnen daneben benehmen. Ansonsten müsste ich ja auch Sippenhaft für alle Deutschen fordern, weil ein paar hirnverbrannte Nazis ihre Mitbürger ermorden.

    Vielleicht sehen das einige hier anders, aber dann sollten sie sich gut überlegen, ob ihre Ansichten mit unserem Grundgesetz vereinbar sind...

    Wieso ist es Provokation, wenn ein religiöses Bilderverbot, dass in erster Linie dahingehend zu verstehen ist, dass diese Bilder wegen der Gefahr der Anbetung und übertriebenen Verehrung nicht dargestellt werden dürfen, um Irritationen im Glauben zu vermeiden, für die Anhänger einer Religion existiert, diese Anhänger aber dann sogar extra zu diesen, ihnen verbotenen, Bildern hinlaufen und sie anzusehen ?

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    Ich kann nur ahnen, wie Ihr Einwand gemeint ist.

    Und ich gebe zu, dass mein Plan (Zähmung des religiösen Wahns duch Bildung) kein leichtes Unterfangen ist.

    Aber ein Versuch sollte es uns doch wert sein.

    Zumal die Hoffnung bekanntlich zu letzt stirbt .

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