Hannelore Kraft : Die fast ideale Kanzlerkandidatin

Netter als Steinbrück, ruhiger als Gabriel, lebendiger als Steinmeier: Kraft ist der neue Superstar der SPD. Ist ihr Erfolg auf den Bund übertragbar?
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) © Tobias Schwarz/Reuters

Fast hatte man den Eindruck, Sigmar Gabriel wollte Hannelore Kraft imitieren. Er saß am Wahlabend in der Talkrunde von Günther Jauch – und gab sich sichtlich Mühe, freundlich, sachlich und ruhig rüberzukommen. Der SPD-Vorsitzende wollte sich nicht provozieren lassen, und wenn es doch mal geschah und er sich ein wenig echauffieren musste, wechselte er danach schnell wieder zurück zu dem Gestus und Duktus, der eher an die nordrhein-westfälische Landesmutter als den alten Streithansel Gabriel erinnerte.

Natürlich, säuselte Gabriel mehrfach, gehöre Frau Kraft nun "automatisch" zum Kreis der Spitzenkandidaten. Auch als Kanzlerkandidatin sei sie "denkbar". Das ging ihm vermutlich nur deshalb so flott von den Lippen, weil Kraft selbst mehrfach erklärt hatte, nicht nach Berlin zu wollen, sondern mindestens die kommenden fünf Jahre in Nordrhein-Westfalen zu bleiben.

Trotzdem ist Kraft spätestens seit Sonntag der neue Superstar der SPD . Anders als die drei potentiellen Kanzlerkandidaten hat sie nun schon zum zweiten Mal eine Landtagswahl gewonnen. Welch großen Anteil die Spitzenkandidatin am Ergebnis ihrer Partei hatte, zeigen die persönlichen Umfragen, in denen sie stets mit großem Abstand ihren CDU-Rivalen Röttgen hinter sich ließ . Mehr noch: Kraft ist beliebter als ihre Amtsvorgänger Rüttgers, Steinbrück und Clement. Ihre Popularitätswerte sind vergleichbar mit dem allseits verehrten Landesvater Johannes Rau.

Woher kommt das? Die Voraussetzungen, unter denen Kraft Ministerpräsidentin wurde, waren ja alles andere als gut. Seit ihrem Amtsantritt versuchen ihr Opposition und viele Medien das Etikett der "Schuldenkönigin" anzuhängen . Ihr diesjähriger Haushalt fiel erst vorm Verfassungsgericht durch, dann im Landtag. Mit beidem hatte sie nicht gerechnet. Häufiger wirkte Kraft in den vergangenen beiden Jahren nicht souverän. Mal wurde sie von ihrer grünen Vize-Ministerpräsidentin getrieben, mal stand sie wie eine Bittstellerin vor den Oppositionsparteien.

Ausgleichen und vermitteln

Gerade hierin aber liegt ein Schüssel ihres Erfolges. Kraft ist keine Politikerin, die nur darauf bedacht ist, den Kurs zu diktieren und ihre Agenda durchzudrücken. Im Gegenteil, ihre Stärke ist, ausgleichen und vermitteln zu können.

Das zeigte sich zunächst in ihrer eigenen Partei. Als Kraft die NRW-SPD übernahm, war die ein zerstrittener und skandalgeplagter Haufen. Besonders mit den beiden Ex-Ministerpräsidenten, den liberalen Modernisierern Steinbrück und Clement, fremdelte die Basis. Kraft hingegen befriedete den großen Traditionsflügel der Partei: Sie reintegrierte die Gewerkschaften, etwa indem sie den Landes-DGB-Chef Guntram Schneider zum Arbeitsminister machte.

Die Wähler dankten Kraft die arbeitnehmerfreundliche Politik: Bei der Landtagswahl holte die SPD große Teile des Ruhrpotts zurück, die sie einst an die CDU verloren hatte. Dennoch inszenierte sich Kraft nie einseitig als "Arbeiterführerin" , wie es ihr CDU-Vorgänger Rüttgers reichlich penetrant getan hatte. Stets betonte die gelernte Bankkauffrau, die aus einfachen Verhältnissen stammt, auch ihre Wirtschaftskompetenz und Unternehmernähe. Das kam an: Die meisten ihrer neuen Wähler holte die SPD von der CDU.

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Kommentare

77 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Richtig, Frau Kraft strahlt eine Besonnenheit, Bodenständigkeit

& Ehrlichkeit aus, die einer Kanzlerin oder einem Kanzler gut zu Gesicht stehen würden.

Dennoch ist diese Diskussion wenig hilfreich, denn Sie ist nun mal für 5 Jahre mit einer überzeugenden Mehrheit für NRW gewählt worden.

Es ist daher absoluter "plumpquatsch" jetzt diese Diskussion zu entfachen.

Ehrlichkeit, Besonnenheit & Bodenständigkeit?

Das ist wohl ein schlechter Witz! Frau Kraft ist populistisch und hat außer Schulden nichts für NRW zuwege gebracht. Sie trifft nur genau die Lebenshaltung der heutigen Gesellschaft: man möchte alles haben und auf nichts verzichten. Schulden drücken doch heute nur noch die wenigsten. Schulden machen ist doch normal! So wie im Persönlichen, so auch in der Politik. Und dann gibt es ja noch die dummen Bayern,die dann im Finanzausgleich zahlen dürfen! Von der Schuldenkönigin zur Schuldenkanzlerin! Das wär´s doch!

Diese Diskussion ist

so überflüssig wie ein Kropf. Die SPD und die Grünen sonnen sich in einem Erfolg, welchen sie dem erbärmlichen Auftreten von Röttgen zu verdanken haben. Dabei ist noch zusätzlich entstanden, dass da Chamäleon Lindner auch noch etwas gewonnen hat. Die beiden künftigen Regierungsparteien in NRW sollen nun einmal zeigen, wie sie das Land aus der Krise führen können bzw, ob dies überhaupt möglich sein wird. Nach fünf Jahren könnte man dann über eine "Anschlußverwendung" sprechen. Aber keineswegs früher. Da wird von den Politikern immer Verlößlichikeit verlangt und dann schaffen die Medien neue Fronten. Zu durchsichtig, danke nein.

Nee klappt leider nie....

Frau Kraft mit ihren rot-grünen Schuldenprogramm würde sich nahtlos einreihen in die ganze SPD Kanzlerkandidatenreihe. Alle samt und sonders Geldverschwender. Sozialstaat und Wohltaten auf Pump. Tolles Programm.

Ich meine ich kann das immer nicht so richtig nachvollziehen. Inzwischen ist doch offensichtlich, dass jahrelang SPD geführte Länder wirtschaftlich meist einfach schlechter da stehen als die jahrelang CDU geführten.

Jahrzehnte lang SPD - Berlin, NRW, Bremen, MV, Brandenburg...
Jahrzehnte lang CDU/CSU - Hessen; Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen.

Hat sich schon mal jemand gefragt, woran das liegt? Vielleicht sollte man erst mal den Gürtel enger schnallen und die richtigen Weichenstellungen in Investitionen und Wachstum vornehmen, bevor man Geschenke verteilt? Nur so ne Idee.

Nach dem Krieg war NRW immer noch das Bundesland mit der höchsten Industriedichte und nach der Wende hatten insbesondere im Osten alle ähnlich Ausgangsbedingungen. Trotzdem stehen Bayern im Westen und Sachsen im Osten einsam an der Spitze.

Fazit: Die SPD konnte es nie und kann´s immer noch nicht. Egal ob Gabriel, Kraft oder Steinbrück.

So sachlich hat man ja schon lange nicht mehr argumentiert!

Die Roten können es nicht, und wo die CDU regiert, sind alle wohlhabend und in Arbeit.

Schonmal nach Schleswig-Holstein gesehen? Die waren auch jahrzehntelang CDU-regiert und sind heute völlig pleite.

Unter Umständen kommt es nicht so sehr auf die Regierungskoalition an, als vielmehr auf grundlegendere Sozial- und Wirtschaftsstrukturen. In NRW mit der Stahlkrise kann auch die Union nicht von heute auf morgen alles in blühende Landschaften verwandeln.

Achja, blühende Landschaften, war da nicht was? - Genau, die Zone! Zu der gehört übrigens etwas mehr als Sachsen und da hat es die Union auch nicht geschafft, überall für Wohlstand und Arbeit zu sorgen...