Die rot-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen hat zehn Tage vor der Landtagswahl laut einer Forsa-Umfrage ihren Vorsprung verloren. Laut einer am gestrigen Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa kommt ein rot-grünes Bündnis derzeit nur auf 47 Prozent der Stimmen. CDU , FDP und Piraten würden zusammen ebenfalls 47 Prozent erreichen – damit hätten SPD und Grüne im Landtag keine Mehrheit.

In der Umfrage liegt die SPD bei 37 und die CDU bei 32 Prozent. Die Grünen und die Piraten erreichen jeweils 10 Prozent. Die FDP käme auf 5 Prozent . Die Linke wäre nach nur zwei Jahren im Parlament mit 3 Prozent wieder draußen. Die Piraten würden erstmalig in den nordrhein-westfälischen Landtag einziehen.

Nach einer Erhebung des Instituts YouGov für den Kölner Stadtanzeiger und Sat1-NRW haben SPD und Grüne noch einen knappen Vorsprung. Zusammen kämen sie demnach auf 47 Prozent, CDU, FDP und Piraten nur auf 46 Prozent. Die SPD erzielt in dieser Umfrage 36 Prozent, die CDU verliert einen Punkt und kommt auf 31 Prozent.

Die Wahl in Nordrhein-Westfalen wird oft als kleine Bundestagswahl bezeichnet, denn in keinem Bundesland gibt es so viele Stimmberechtigte wie an Rhein und Ruhr . Rund 13,2 Millionen Menschen sind am 13. Mai zur vorgezogenen Neuwahl des Düsseldorfer Landtags aufgerufen, mehr als ein Fünftel der Wahlberechtigten bundesweit. Unter ihnen sind 346.000 Erstwähler.

TV-Runde beendet Wahlkampf

Der Landtagswahlkampf war zuvor mit einer Fernsehdebatte zu Ende gegangen. An der traditionellen Runde im WDR nahmen auch die Piraten teil. Ihr Spitzenkandidat Joachim Paul räumte ein, dass seine Partei nicht auf alle Fragen eine Antwort habe. Die Wähler wüssten aber, dass die Piraten die richtigen Fragen stellten.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) beurteilte eine mögliche Zusammenarbeit mit den Piraten im künftigen Landtag skeptisch. Dazu seien die Positionen der Neulinge zu unklar. Mehrfach fragte sie bei den Positionen der Piraten nach. Paul ließ offen, ob die Piratenpartei eine Minderheitsregierung stützen würde. Seine Partei wolle auf den Oppositionsbänken lernen. Eine Zusammenarbeit in Sachfragen sei aber denkbar. FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner (FDP) sagte, wenn seine Partei ins Parlament komme, werde es wahrscheinlich eine große Koalition unter Führung der SPD geben.

Wie schon beim TV-Duell zwischen Kraft und ihrem Herausforderer Norbert Röttgen (CDU) sorgte das Betreuungsgeld für heftigen Streit. Röttgen stand bei diesem Thema allein. Lindner sagte, Deutschland habe derzeit "andere Prioritäten". Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann nannte das Betreuungsgeld eine "Anti-Bildungs-Prämie". Sie wolle aber kein Kind in die Kita zwingen, sagte die Schulministerin.

Paul unterstützte die Forderung von SPD und Grünen nach Einführung einer Vermögenssteuer. Man müsse "ein bisschen an der Steuerschraube drehen", sagte er. Linke-Spitzenkandidatin Katharina Schwabedissen forderte eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf das Niveau wie unter Kanzler Helmut Kohl (CDU). Die SPD-geführten Länder wollen noch vor der Sommerpause einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Vermögenssteuer in den Bundesrat einbringen.