Nach der Wahlniederlage der CDU in Nordrhein-Westfalen hat CSU-Chef Horst Seehofer Konsequenzen für die Arbeit der Koalition in Berlin gefordert. "Wir sollten etwas nicht schönreden, was nicht schön ist. Das ist die bittere Wahrheit, das war ein Desaster gestern", sagte Seehofer am Montagabend im ZDF .

"Meine Antwort ist schlicht darauf, dass wir jetzt nicht so tun, als wäre gestern nichts passiert", sagte der CSU-Vorsitzende. "Ich bin nicht mehr bereit, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wir müssen besser werden, auch in Berlin." Erneut forderte er ein Treffen der Parteivorsitzenden von CDU , CSU und FDP , um die dringendsten Probleme wie Energiewende , Vorratsdatenspeicherung und Betreuungsgeld zu lösen.

Mit Kritik an Wahlverlierer Norbert Röttgen hielt sich Seehofer zunächst auffallend zurück. Nachdem heute-journal -Moderator Claus Kleber und der CSU-Chef mit der Interview-Aufzeichnung fertig waren, sprachen beide jedoch noch einige Minuten miteinander – und die Kamera lief mit. Dabei fand Seehofer deutliche Worte für den Wahlkampf von Norbert Röttgen.

Seehofer: "Ich habe Röttgen gewarnt"

Auf die Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, den Notausgang nach Berlin nicht zugemacht zu haben, sagte Seehofer: "Ja, das war ein ganz großer Fehler." Er habe Röttgen gewarnt, dass es nicht dessen private Entscheidung sei, ob er nach NRW gehe oder nicht, das träfe die ganze Union, sagte Seehofer. "Ich habe mit ihm gesprochen, persönlich und über die Bild -Zeitung, und persönlich hat er mich dann abtropfen lassen. Die Kanzlerin war ja dabei."

Er ärgere sich darüber, dass der Union und FDP nach und nach die Landesregierungen abhandenkommen. Mit sieben Ministerpräsidenten sei man mittlerweile in der Minderheit, sagte Seehofer. "Was mir so weh tut, ist, dass ich glaube, dass die Union und FDP ein Potenzial haben, Deutschland gut zu regieren." Momentan mache das die Regierung aber nicht so gut, dass man die Zustimmung der Bevölkerung erhalte.

Einen Grund dafür sieht Seehofer eben genau in Nordrhein-Westfalen , namentlich bei Röttgen. "Der Röttgen hat gegen die Frau Kraft mit einem Verhältnis 37 zu 34 Prozent begonnen", sagte er mit Blick auf die Ausgangsposition vor der Wahl. "Und innerhalb von sechs Wochen ist das weggeschmolzen wie ein Eisbecher, der in der Sonne steht".

Im Anschluss an Seehofers offene Worte bemerkte Kleber, dass das, was vor und nach dem aufgezeichneten Interview gesagt wird, meist viel interessanter sei. Seehofer entgegnete: "Sie können das alles senden, was ich gesagt habe."