NRW-WahlRöttgen gibt nach bitterer Niederlage auf

Von einer persönlichen Niederlage sprach CDU-Spitzenkandidat Röttgen, der als Landeschef zurücktritt. Die SPD feiert ihren Wahlsieg, der sogleich die K-Frage befeuert.

Norbert Röttgen, Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein-Westfalen

Norbert Röttgen, Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein-Westfalen

Norbert Röttgen ist nach der deutlichen Wahlniederlage der CDU in Nordrhein-Westfalen von seinem Amt als CDU-Landeschef zurückgetreten. "Die Niederlage ist bitter, und sie tut richtig weh", sagte er. Das schlechte Abschneiden der Christdemokraten mache ihn "fassungslos", es sei "zuallererst meine persönliche Niederlage". Röttgen kündigte an, dass die NRW-CDU im kommenden Monat einen neuen Landeschef wählen solle.

Das Ergebnis sei aber nicht übertragbar auf den Bund. "Ich glaube, dass im Bund die Lage eine andere ist", sagte Röttgen, der auch Bundesumweltminister ist. "Es sind zwei unterschiedliche Ebenen. Ich bin davon überzeugt, dass die Inhaltsfrage 'Wie geht es weiter mit dem Land?' in der Bundestagswahl die entscheidende Weichenstellung und die entscheidende Debatte werden wird."

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Auch die Bundes-CDU zeigte sich enttäuscht von dem schlechten Ergebnis in Nordrhein-Westfalen. Unions-Fraktionsgeschäftsführers Peter Altmaier sprach im ZDF von einem "ganz schweren Tag für die CDU in Nordrhein-Westfalen, aber auch insgesamt." Das Ergebnis übertreffe seine schlimmsten Erwartungen.

CSU fordert Krisentreffen der Koalition

Die CSU forderte angesichts der Wahlpleite der CDU ein Krisentreffen der Parteivorsitzenden der schwarz-gelben Koalition im Bund. Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Philipp Rösler (FDP) müssten über die Konsequenzen aus der Wahl und die Umsetzung ausstehender Projekte auf Bundesebene beraten, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt in der Berliner Runde der ARD.

Allerdings hatte CSU-Chef Horst Seehofer erst am Wochenende Bedingungen für ein neues Spitzentreffen der Koalition gestellt. Er werde an weiteren Koalitionsausschüssen nicht mehr teilnehmen, "so lange die alten Beschlüsse nicht endlich umgesetzt sind", sagte er der Bild am Sonntag mit Blick auf den Streit um das Betreuungsgeld.

Kraft schließt Kanzlerkandidatur aus

Freude über das NRW-Wahlergebnis herrschte dagegen bei der SPD. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sagte, es sei "ein tolles Gefühl", dass die SPD nach zwölf Jahren wieder stärkste Partei im Land sei. Eine Ursache sei aus ihrer Sicht, dass die SPD im Wahlkampf "die Menschen in den Mittelpunkt gestellt" habe.

Einen Wechsel nach Berlin als Kanzlerkandidatin schloss sie aus. "Ich widerstehe da, weil ich auch hier mein Wort gegeben habe, dass ich hier bleibe." Zudem möchte sie ihre Politik in Nordrhein-Westfalen fortsetzen.

Der selbst als Kanzlerkandidat gehandelte SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel beschrieb Kraft als denkbare Kanzlerkandidatin: "Bei einem so überzeugenden Ergebnis gehört eine Ministerpräsidentin des bevölkerungsreichsten Bundeslandes zu denen, die für eine solche Kandidatur infrage kämen." Er fügte hinzu: "Aber sie hat es ausgeschlossen."

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warnte vor einer vorzeitigen Debatte über die Kanzlerkandidatur. "Nur wenn wir geschlossen bleiben, auch in der K-Frage, werden wir Erfolg haben." Sie begrüßte das Wahlergebnis als "klare Bestätigung von Rot-Grün" und als "großartigen Erfolg für Hannelore Kraft". Nun sei die Wahrscheinlichkeit deutlich größer geworden, "dass der nächste Bundeskanzler ein Sozialdemokrat ist."


Für die FDP sprach Spitzenkandidat Christian Lindner von einem "großen Ergebnis für die FDP in NRW". "Wir haben der rot-grünen Schuldenpolitik nicht zugestimmt. Unsere Fraktion hat sich dem Verschuldungskurs verweigert und eine Neuwahl in Kauf genommen." Er sagte, er habe aber nun keine Ambitionen, nach Berlin in die Bundespolitik zurückzukehren. "Nein, ich habe mich klar für Düsseldorf entschieden."

FDP-Chef Philipp Rösler kündigte als Konsequenz aus dem Wahlergebnis einen härteren Kurs seiner Partei an. Das Ergebnis zeige, dass die FDP konsequent zu ihren Ideen und Idealen stehen müsse.

Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann äußerte sich zufrieden mit dem Ergebnis. Die Wähler hätten den Grünen trotz der gewachsenen Zahl konkurrierender Parteien ihr Vertrauen gegeben, "damit wir gute Politik für Nordrhein-Westfalen machen können", sagte die stellvertretende Ministerpräsidentin in NRW. Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir sprach von "kräftigem Rückenwind" für Rot-Grün auch im Bund.

Erstmals im Landtag vertreten sind die Piraten. Der Bundesvorsitzende Bernd Schlömer freute sich über "das tolle Ergebnis". Er kündigte an, seine Partei wolle zu allen Politikfeldern gute qualitative Beiträge liefern. NRW-Spitzenkandidat Joachim Paul sagte im ZDF: "Die Wähler haben sich entschlossen, einen Schuss Chili mit in den Landtag hineinzuwählen."

Linkspartei kündigt Ursachenforschung an

Die Linkspartei gab sich trotz des Ausscheidens aus dem Landesparlament kampflustig. "Alle, die jetzt anfangen, das Totenglöckchen der Linken zu läuten, haben sich zu früh gefreut", sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht. "Es hat natürlich nicht geholfen, dass wir sehr viel Streitereien auf Bundesebene hatten", gab sie zu.

Die Landespartei kündigte Ursachenforschung für die Niederlage der Linken an. "Wir müssen jetzt gucken: Woran hat es gelegen?", sagte die Spitzenkandidatin der Partei, Katharina Schwabedissen.

 
Leserkommentare
  1. Röttgen war der einzige, der nicht erkennen konnte oder wollte, dass er einen granatenschlechten Job in NRW macht. Und nun erwartet er als Bundesminister wieder ernst genommen zu werden. Das ist nun ein Problem für Frau Merkel, die ihn bisher gewähren ließ.

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    Aus irgendwelchen Gründen war Norbert Röttgen bundesweit beliebt und angesehen. Das hat sich damit erledigt....Frau Merkel liegt ganz im Plan.

    Ich stelle mir die nächste Pressekonferenz, bei der Herr Rötgen leider den Abschied aus allen Ämtern wird bekannt geben müssen, so vor:

    Röttgen: "Also, ich geh dann mal."
    Merkel: "Ich möchte Ihnen, lieber Herr Röttgen, ganz bewußt, danken. Sie haben in NRW Verantwortung übernommen, das war richtig und das war wichtig. Ihr Abschied darf uns da nicht darüber hinwegtäuschen. Alles Gute."

    Und wieder einer wech.

    Aus irgendwelchen Gründen war Norbert Röttgen bundesweit beliebt und angesehen. Das hat sich damit erledigt....Frau Merkel liegt ganz im Plan.

    Ich stelle mir die nächste Pressekonferenz, bei der Herr Rötgen leider den Abschied aus allen Ämtern wird bekannt geben müssen, so vor:

    Röttgen: "Also, ich geh dann mal."
    Merkel: "Ich möchte Ihnen, lieber Herr Röttgen, ganz bewußt, danken. Sie haben in NRW Verantwortung übernommen, das war richtig und das war wichtig. Ihr Abschied darf uns da nicht darüber hinwegtäuschen. Alles Gute."

    Und wieder einer wech.

  2. Aus irgendwelchen Gründen war Norbert Röttgen bundesweit beliebt und angesehen. Das hat sich damit erledigt....Frau Merkel liegt ganz im Plan.

    Ich stelle mir die nächste Pressekonferenz, bei der Herr Rötgen leider den Abschied aus allen Ämtern wird bekannt geben müssen, so vor:

    Röttgen: "Also, ich geh dann mal."
    Merkel: "Ich möchte Ihnen, lieber Herr Röttgen, ganz bewußt, danken. Sie haben in NRW Verantwortung übernommen, das war richtig und das war wichtig. Ihr Abschied darf uns da nicht darüber hinwegtäuschen. Alles Gute."

    Und wieder einer wech.

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  3. Die neoliberal- konservative Politik der sozialen Kälte ist gescheitert. Frau Kraft ist die bessere Merkel - der gleiche Sachverstand aber mit einem Herz für den kleinen Mann.

    2 Leserempfehlungen
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    • Manuka
    • 14.05.2012 um 8:52 Uhr

    Gott sei es gedankt, dass die Linke nicht ernst genommen wurde...
    Gratis Hochschulbildung hört sich ja prima an, aber war mal einer von Ihnen kürzlich an einer staatlichen Hochschule?
    Studentenzahlen die nicht mehr gestemmt werden können, fehlende Mittel für Reinigungskräfte, Instandhaltung, Dozenten und weiß der Geier was noch. Unter aktuellen Umständen ist das lernen vielerorts nicht leichter geworden, sondern durch die Abschaffung der Gebühren deutlich erschwert worden. Wer das nicht glaubt kann sich ja vor Ort ein Bild machen.

    • Manuka
    • 14.05.2012 um 8:52 Uhr

    Gott sei es gedankt, dass die Linke nicht ernst genommen wurde...
    Gratis Hochschulbildung hört sich ja prima an, aber war mal einer von Ihnen kürzlich an einer staatlichen Hochschule?
    Studentenzahlen die nicht mehr gestemmt werden können, fehlende Mittel für Reinigungskräfte, Instandhaltung, Dozenten und weiß der Geier was noch. Unter aktuellen Umständen ist das lernen vielerorts nicht leichter geworden, sondern durch die Abschaffung der Gebühren deutlich erschwert worden. Wer das nicht glaubt kann sich ja vor Ort ein Bild machen.

  4. Wer hat denn diesen Liberalismus-Fanatikern so viele Stimmen gegeben?
    Gibt es in NRW so viele Reiche Unternehmer die von deren Politik profitieren?

    Dass die Linke nun offiziell nicht vertreten ist, ist schade...

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    1. Zählen Sie doch mal die Stimmen von CDU und FDP bei der letzten Wahl zusammen und vergleichen mit der jetzigen; ich tue es für Sie, es waren rund 41%. Jetzt sind es noch rund 34%, also deutlich weniger. Viele CDU-Wähler haben halt FDP gewählt, weil Lindner kaum Fehler, Röttgen aber nur Fehler gemacht hat.
    2. Und die Linke ist in dann überflüssig (Lafontaines Protestpartei), wenn die SPD sich mal wieder auf ihre Kernthemen besinnt.
    3. Erfreulich, dass zuverlässige Führungspersönlichkeiten Zustimmung bekommen und Blender abgestraft werden; siehe FC Bayern, Karl Theodor zu Guttenberg, Mappus, Sauerland, Wulff, Sarkozy und viele weitere, die das Volk für ihre Zwecke missbrauchen.

    1. Zählen Sie doch mal die Stimmen von CDU und FDP bei der letzten Wahl zusammen und vergleichen mit der jetzigen; ich tue es für Sie, es waren rund 41%. Jetzt sind es noch rund 34%, also deutlich weniger. Viele CDU-Wähler haben halt FDP gewählt, weil Lindner kaum Fehler, Röttgen aber nur Fehler gemacht hat.
    2. Und die Linke ist in dann überflüssig (Lafontaines Protestpartei), wenn die SPD sich mal wieder auf ihre Kernthemen besinnt.
    3. Erfreulich, dass zuverlässige Führungspersönlichkeiten Zustimmung bekommen und Blender abgestraft werden; siehe FC Bayern, Karl Theodor zu Guttenberg, Mappus, Sauerland, Wulff, Sarkozy und viele weitere, die das Volk für ihre Zwecke missbrauchen.

    • IQ130
    • 13.05.2012 um 20:59 Uhr

    NRW - das Land der hoteliers.

    Gerade die FDP sollte doch dort nichts verloren haben, oder?

    Möglicherweise wollen manche die FDP psychisch fertig machen....

    Röttgen hat die FDP stark gemacht und muss nun weg. Ein Treppenwitz der Wahlgeschichte.

    Eine Leserempfehlung
    • Karst
    • 13.05.2012 um 21:00 Uhr

    Die K-Frage wird immer wieder von den Medien gestellt.

    Soweit ich weiß hat Kraft bereits mehrfach ausdrücklich gesagt, dass sie in NRW bleiben wird.

    Wie wäre es, wenn die Medien die Frage einfach nichtmehr auf sie bezogen stellen würden?

    Und ade, Herr Röttgen. Ich werde Sie in NRW nicht vermissen.
    Hoffentlich verabschieden Sie sich auch bald aus Berlin, denn da sind sie bisher ja auch nicht positiv aufgefallen.

    In Brüssel ist sicher noch ein Zimmer frei.

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  5. 1. Zählen Sie doch mal die Stimmen von CDU und FDP bei der letzten Wahl zusammen und vergleichen mit der jetzigen; ich tue es für Sie, es waren rund 41%. Jetzt sind es noch rund 34%, also deutlich weniger. Viele CDU-Wähler haben halt FDP gewählt, weil Lindner kaum Fehler, Röttgen aber nur Fehler gemacht hat.
    2. Und die Linke ist in dann überflüssig (Lafontaines Protestpartei), wenn die SPD sich mal wieder auf ihre Kernthemen besinnt.
    3. Erfreulich, dass zuverlässige Führungspersönlichkeiten Zustimmung bekommen und Blender abgestraft werden; siehe FC Bayern, Karl Theodor zu Guttenberg, Mappus, Sauerland, Wulff, Sarkozy und viele weitere, die das Volk für ihre Zwecke missbrauchen.

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    Antwort auf "FDP Ergebnis..."
  6. Jetzt sucht er sein eigenes Endlager.

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