Rockergruppen : Innenminister diskutieren bundesweites Hells-Angels-Verbot

Die Zerschlagung der Berliner Hells-Angels-Gruppe könnte das Signal für ein bundesweites Vorgehen gegen die Rocker sein. Doch die Innenminister sind nicht einer Meinung.

Nach den Razzien bei den Hells Angels in Berlin und Potsdam erwägen Politiker und Polizei-Experten ein bundesweites Verbot der Rockerklubs. Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie ( CDU ) sagte, der Zeitpunkt sei da, "das ernsthaft zu diskutieren". Auch in Norddeutschland hatte es in den vergangenen Tagen großangelegte Aktionen gegen die Rocker gegeben. "Ich denke, je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto sicherer wird es, dass es bundesweite Strukturen gibt", sagte Schlie.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) reagierte skeptisch: Ein bundesweites Verbot sei bereits in der Vergangenheit geprüft worden, aber schwer durchsetzbar, da die Szene aus unabhängigen Gruppen, sogenannten Chapters, bestehe. Der Berliner Senat hatte am Mittwoch eine einflussreiche Gruppe der Hells Angels verboten , das Chapter Berlin City.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ) sieht derzeit noch nicht genügend Beweise für ein bundesweites Verbot von Rockerklubs. Nötig seien Belege dafür, dass deren Struktur nicht nur regional sei. Grundsätzlich hält Friedrich ein bundesweites Vorgehen für denkbar: "Sobald die Prüfung ausreicht für ein bundesweites Verbot, gibt es auch ein bundesweites Verbot."

Polizeigewerkschaft fordert verdeckte Ermittler

Nach Ansicht des Chefs der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt , wäre ein Verbot das letzte Mittel, das "sehr genau überlegt werden" müsse, sagte er der Zeitung Die Welt . "Was wir brauchen, sind verdeckte Ermittler mit weitreichenden Kompetenzen, Razzien und Durchsuchungen." Wendt warnte vor einer Eskalation der Rocker-Gewalt: "Es ist durchaus zu befürchten, dass die Rockerbanden in eine verstärkte bundesweite Auseinandersetzung kommen."

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) will das Thema auf der Innenministerkonferenz in Göhren-Lebbin ( Mecklenburg-Vorpommern ) mit seinen Kollegen diskutieren. Bei stern TV sagte er, dass es besser wäre, wenn man sich im Kampf gegen die Hells Angels "nicht nur einheitlicher vernetzt, sondern auch den Versuch unternimmt, hier einheitlich vorzugehen."

Die Polizei sucht nach der Ursache für ein Informationsleck, das den Hells Angels ermöglichte, sich auf die Razzien vorzubereiten. Es wird ermittelt, ob der Geheimnisverräter aus den Reihen der Polizeibehörde kommt. Innensenator Henkel sagte, dass er nicht glücklich sei, "dass es ganz offensichtlich Informationen aus der Behörde heraus gegeben" habe. Der Berliner Grünen-Innenexperte Benedikt Lux kritisierte den "Ermittlungs-GAU" – "den größten, den ich in den letzten zehn Jahren erlebt habe".

"Potsdam ist kein Rückzugsort"

Kurz nach der Razzia bei den Hells Angels in Berlin war auch ein Vereinsheim der Rocker in Potsdam durchsucht worden. "Wir hatten Hinweise darauf, dass hier Personen auftauchen und es zu Absprachen kommt", sagte ein Sprecher der zuständigen Polizeidirektion. "Potsdam ist kein Rückzugsort für verbotene Organisationen." Je 100 Beamte aus Berlin und Brandenburg hätten das Heim sowie Fahrzeuge durchsucht und dabei Hieb- und Stichwaffen gefunden, darunter Macheten und Axtstiele. 21 Personen wurden angetroffen, Festnahmen gab es nicht.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

lieber Rocker mit Regeln als andere Gruppen mit keinen....

mal ganz ehrlich !
-Prostitution wird es immer geben !!!
-Kriminalität im Milieu auch !!!
Da stellt sich doch die Frage, was ist jedem einzelnen lieber 2 große Rockerbanden, oder viele internationale nicht weniger gefährliche Triaden oder sonsige Mafia ähnliche Vereinigungen, die sich dann ständig, gegenseitig das Revier streitig machen.

Au weia....

Diesen Beitrag kann eigentlich nur jemand mit Lederjacke und entsprechendem Emblem hinter drauf geschrieben haben.

Was mich vor allem wundert ist: Es ist bisher der einzige Kommentar zu dem Artikel. Wo sind denn all die zivilcouragierten Foristen geblieben?

Wie dem auch sei: Drogen- und Menschenhandel gehören zur Schwerstkriminalität und die Gruppierungen, die auf diesem Gebiet tätig sind, gehören nun mal verboten. Wie eben die Mafia und sonstige.

@ 1 Schnirps

Sie sind ein wenig romantisch? "Wer einen Angel schlägt, ist des Todes". Egal, ob der angefangen hat. Da weiss man dann Bescheid, was passiert, wenn man einen Übergriff auf Freundin oder Freund abwehren will. Man darf appellieren, bei Manchen, die es da gibt, Glückssache, oder zuschauen.

Wer solche Regeln hat, ist unakzeptabel. Das mag angfänglich in USA gerechtfertigt gewesen sein, als die Ersten wegen ihrer Lebensweise von den "ehrbaren" Bürgern militant angefeindet wurden. Aber heute?

Und wenn man die als Ordnungskräfte hat, gibts oft genug Ärger, weil die nicht kommunizieren können im Gedränge und wenn es hektisch wird.

Sie verlassen sich immer nur auf Ihre Muskeln und ihren Ruf. Nichts von Konfliktbewältigung durch Deeskalation. Altamont zeugt meiner Info nach von dieser eher traurigen Tatsache.

Denn gegen Motorradclubs, und wenn die Tage und Nächte auf der Strasse vebringen würden, habe ich gar nichts.

Verzweifelter Versuch Stärke zu zeigen....

da gibts doch wohl andere Probleme die dringender sind -
[...]
und auf einer Veranstalltung wo HA zugegen sind fühle ich mich sicherer als im Stadion mit hunderten von Polizisten im Kreuz...

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf provozierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/au.

Abwägung

Für mich ist diese Bande eine Ansammlung von Leicht bis Schwerkriminellen, und ein "Easy Rider" hat da keine Chance.

Natürlich hat man dann mehr Rechte, Durchsuchungen durchzuführen, präventive Ermittlungen anzustellen, und die Nachwuchsförderung wird auch behindert. Deutschland würde ein Zeichen setzen. Aber müsste man Bandidos nicht auch verbieten?. Es ist halt alles eine Sache der Abwägung.

Die muss aber überzeugend sein, denn sonst könnte das Gefühl entstehen, dass Verbote mittlerweile regelmässiges (und billiges) Mittel zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit werden sollen.