Röttgens RücktrittMerkel rettet sich in Seehofers Arme

Der Rauswurf Röttgens war eine Machtdemonstration der Kanzlerin. Zugleich aber auch ein Eingeständnis, dass es ohne die CSU in der Union nicht geht, kommentiert M. Horeld.

Wie lange braucht man, um sich von einem alten Weggefährten zu trennen? Zwei Minuten, wenn man Angela Merkel heißt. Die Kanzlerin hat an diesem Mittwoch ihren Umweltminister Norbert Röttgen, ihren Vordenker in Sachen Schwarz-Grün, auf eine Weise abserviert, dass es den Beobachtern den Atem verschlug. Zwei Sätze des Dankes, einige zur Energiewende, zwei zum Nachfolger. Ende der Durchsage. Technokratisch hat man Merkel schon oft erlebt. So eiskalt noch nie.

Schon die Wortwahl war ein Affront. Im Artikel 64 des Grundgesetzes, den Merkel anführte, steht: "Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen." Merkel aber benutzte das Wort "entbinden". Sie habe dem Bundespräsidenten vorgeschlagen, "Norbert Röttgen von seinen Aufgaben als Bundesumweltminister zu entbinden." Nichtskönner, Versager, Wahlverlierer, all das schwingt in diesem Wort mit.

Anzeige

Der ehemalige Hoffnungsträger der CDU, der Wegbereiter für eine ideologische Öffnung dieser Partei, der mögliche Kanzlerkandidat der Post-Merkel-Ära – politisch tot. Röttgens Karriere ist mit einem Handstreich zu Ende gebracht worden. Erholen wird er sich davon lange nicht mehr. Womöglich nie.

Warum auf diese endgültige Art?

Natürlich gibt es aus Merkels Sicht einige Gründe, auf Röttgen sauer zu sein. Die Energiewende stockt, der Netzausbau kommt nur langsam voran, zuletzt stoppte der Bundesrat die Solarreform des Umweltministers.

Hinzu kam der unselige Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen, den Röttgen nie mit ganzem Herzen führte. Schon früh wurde in der Union vor einer Wahlniederlage gewarnt, wenn sich der Kandidat nicht ganz für Düsseldorf entscheide. Doch Röttgen hörte nicht. Nicht auf den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, und wohl auch nicht auf seine Kanzlerin. Auf der unbequemen Oppositionsbank im Landtag wollte er lieber nicht Platz nehmen.

Merkel ließ es geschehen. Nach dem Wahl-Debakel wird sie es bereut haben. Das mag einer der Gründe sein, warum sie Röttgen derart gnadenlos fallen ließ. Sie musste ihm und sie musste den anderen Aufmüpfigen in ihrem Bündnis zeigen, wie sie es auch kann, die Kanzlerin und Parteichefin, von der es sonst immer heißt, dass sie um Ausgleich und Harmonie bemüht sei.

Leserkommentare
    • vonDü
    • 16.05.2012 um 20:28 Uhr

    Merkel ist ein gute Beispiel dafür, dass diese These vielleicht nicht haltbar ist.

    34 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aus "sozialen" Gründen im Amt verbleiben darf?

    Röttgen ist schlicht inkompetent, wenn auch ein eiskalter Machkarrierist, der sich immer ein Hintertürchen offenhielt.

    Der Rauswurf war zwingend notwendig,

    k.

    Individuen. Wer behauptet dass eine Frau anders handelt als ein Mann ist ein Sexist. Wer behauptet, dass Frauen tendenziell anders handeln als Männer ist sachlich schon auf der besseren Spur.

    Sie scheinen mir sexistisch zu sein. Und bekommen dafür, wie kann es im Männer-dominierten Internet anders sein, Applaus dafür.

    ...
    sie basiert auf dem Vorurteil, dass Männer kühl-rational und Frauen emotional-soziale agieren. Völliger Blödsinn. Man denke an Thatcher, Rize etc. ...
    Ich bedaure das Gender immer wieder ein Thema in dieser politischen Diskussion ist. Denn das beide Geschlechter sich bezüglich eiskalter Pflichterfüllung in nichts nachstehen wurde spätestens beim Milgram-Experiment 1961 bewiesen.

    aus "sozialen" Gründen im Amt verbleiben darf?

    Röttgen ist schlicht inkompetent, wenn auch ein eiskalter Machkarrierist, der sich immer ein Hintertürchen offenhielt.

    Der Rauswurf war zwingend notwendig,

    k.

    Individuen. Wer behauptet dass eine Frau anders handelt als ein Mann ist ein Sexist. Wer behauptet, dass Frauen tendenziell anders handeln als Männer ist sachlich schon auf der besseren Spur.

    Sie scheinen mir sexistisch zu sein. Und bekommen dafür, wie kann es im Männer-dominierten Internet anders sein, Applaus dafür.

    ...
    sie basiert auf dem Vorurteil, dass Männer kühl-rational und Frauen emotional-soziale agieren. Völliger Blödsinn. Man denke an Thatcher, Rize etc. ...
    Ich bedaure das Gender immer wieder ein Thema in dieser politischen Diskussion ist. Denn das beide Geschlechter sich bezüglich eiskalter Pflichterfüllung in nichts nachstehen wurde spätestens beim Milgram-Experiment 1961 bewiesen.

  1. Die Union ist seit heute wieder ein Stück konservativer.

    Nein, Sie hat heute wieder einen Teil Ihrer Wähler verloren. Wie konservativ die Partei wirklich ist, dass bestimmt die Summe Ihrer Mitglieder. Daran hat sich nichts geändert.

    9 Leserempfehlungen
  2. "Merkel wird in den vergangenen Tagen gespürt haben, dass ihr das Heft des Handels entgleitet, falls sie nicht reagiert."

    prinzipiell ist reagieren immer auch eine option. gleichwohl gilt fie funktion bundeskanzler (m/w) der grundsatz richtlinienkompetenz. in dem fall muss der satz so lauten:

    "Merkel wird in den vergangenen Tagen gespürt haben, dass ihr das Heft des Handels entgleitet, falls sie nicht regiert."

    nun ist das eiskalte fallenlassen eines einstigen ziehsohnes kein ausdruck von regieren, sondern von hinrichtung. folgt man weiter dem text

    "Die Union ist seit heute wieder ein Stück konservativer."

    so wurde eine ganz erichtung hingerichtet. falls altmayer nicht ein völlig richtungsloser beamter ist, so kennt er bereits jetzt seine zukunft.

    8 Leserempfehlungen
  3. Mal gucken, ob er zurücktrittt, wenn er in Bayern 23,5 Prozent holt. Wenn es einen größeren Opportunisten in der Politik gibt, möchte ich den nicht sehen.

    22 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bugme
    • 16.05.2012 um 20:48 Uhr

    ...Lafontaine, wobei es ein dichtes Kopf an Kopf Rennen ist

    In Bayern 23,5% für die Union? Das haben nicht mal die Extremclowns Huber+Beckstein geschafft. Seehofer erobert bei der nächsten Wahl für die CSU die absolute Mehrheit zurück.

    • bugme
    • 16.05.2012 um 20:48 Uhr

    ...Lafontaine, wobei es ein dichtes Kopf an Kopf Rennen ist

    In Bayern 23,5% für die Union? Das haben nicht mal die Extremclowns Huber+Beckstein geschafft. Seehofer erobert bei der nächsten Wahl für die CSU die absolute Mehrheit zurück.

    • bugme
    • 16.05.2012 um 20:48 Uhr

    ...Lafontaine, wobei es ein dichtes Kopf an Kopf Rennen ist

    3 Leserempfehlungen
    • 3land
    • 16.05.2012 um 20:49 Uhr

    das alleine bedeutet schon, dass allergrößte Vorsicht geboten ist.

    Seine Attacke diente nur dem Zweck, das Umfeld, bzw. die Position Merkels zu schwächen.

    In dieses Bild passt die Attacke auf die Guttenberg Kritikerin Anette Schavan, Merkels engste Vertraute.

    Ach, Politik kann manchmal so durchsichtig sein.....

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Guttenberg-Fan. Er konnte bis dahin nur mitspielen, um die Stimmen bei der CSU nicht zu verlieren. Guttenberg hatte damals Seehofer sehr stark gefährlich werden können. Ein Wort von Guttenberg und Seehofer wäre längere Zeit Ministerpräsident Bayerns.

    Guttenberg-Fan. Er konnte bis dahin nur mitspielen, um die Stimmen bei der CSU nicht zu verlieren. Guttenberg hatte damals Seehofer sehr stark gefährlich werden können. Ein Wort von Guttenberg und Seehofer wäre längere Zeit Ministerpräsident Bayerns.

  4. Seehofer hat noch lange nicht erreicht, was er wollte. Was er getan hat ist folgendes: Er hat eine schwimmende Frau Merkel im tiefen Wasser gesehen, dann hat er ihr einen Rettungsanker zugeworfen. Frau Merkel hat diesen Anker aufgefangen, und sie hat den schweren Anker festgehalten. Seehofer steht indes mit beiden Beinen am Ufer, die untergehende Kanzlerin lustvoll betrachtend.

    Etwas besseres, als das die Kanzlerin untergeht, genauer mit seinem ihr zugeworfenen Anker untergeht, kann ihm gar nicht passieren. Sollte es zu Neuwahlen kommen, was ich sehr hoffe, dann steht ganz Bayern geschlossen hinter ihm. Seehofer hat seine Schäfchen, ich meine natürlich Stimmchen, ins Trockendock gebracht.

    Liefern und diese Regierung, das glaubt doch kaum noch jemand.

    8 Leserempfehlungen
  5. Kohl`s kleine Angie hat gelernt die Stühle abzusägen.....christlich halt....

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    was ist hier noch christlich. Ich glaube die Lenker dieser partei sitzen auf großen großen Koffern und in unbezahlbaren Palästen.

    was ist hier noch christlich. Ich glaube die Lenker dieser partei sitzen auf großen großen Koffern und in unbezahlbaren Palästen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service