Am Montag hatte Norbert Röttgen noch einmal sein ganzes rhetorisches Geschick aufgeboten. Seine Niederlage in Nordrhein-Westfalen sei "flächendeckend, umfassend und klar" gewesen, sagte er da. Für dieses Ergebnis übernehme er die Verantwortung nicht, er habe sie. Fast konnte man sich wundern, dass ein Mann in seiner Situation noch so viel Lust an der klangvollen Rede haben konnte. Doch schien es keinen Zweifel daran zu geben, dass Röttgen Minister bleiben wollte.

Nur zwei Tage später ist alles anders. Am Mittwochnachmittag rief die Kanzlerin die Hauptstadtpresse um 16:30 Uhr ins Kanzleramt. Ein Thema wurde nicht bekannt gegeben. Wenig später drang aus Unionskreisen durch, was so dringend sein sollte, unmittelbar vor dem langen Wochenende: Bundesumweltminister Norbert Röttgen werde zurücktreten, hieß es.

Merkel ging eiskalt vor

Doch der Sachverhalt war ein anderer. Norbert Röttgen trat nicht zurück. Er wurde gefeuert. Im knallroten Jackett trat Angela Merkel vor die Mikrofone und zeigte, dass auch sie Klartext reden kann. Allerdings in der schnörkellosen Variante: "Ich habe heute Vormittag mit dem Herrn Bundespräsidenten gesprochen, und ich habe ihm gemäß Artikel 64 des Grundgesetzes vorgeschlagen, Norbert Röttgen von seinen Aufgaben als Bundesumweltminister zu entbinden, um so in diesem Amt einen personellen Neuanfang möglich zu machen."

Zack. Das war’s dann für den einstigen Hoffnungsträger. Mit solcher Entschlossenheit und Kälte hat Merkel bisher noch niemanden aus ihrem Kabinett geworfen. Dabei gab es auch andere, die sich nicht mit Ruhm bekleckert hatten.

Man denke an den Plagiator Karl Theodor zu Guttenberg oder an Arbeitsminister Franz Josef Jung , der über die Kundus-Afffäre stürzte. Ihnen allen wurde wenigstens so viel Gesichtswahrung gegönnt, dass sie ihre Rücktritte selber bekannt geben durften und die Kanzlerin anschließend stets die Floskel verwendete "xy hat um seine Entlassung gebeten".