Umweltminister : Streit mit Merkel löste Röttgens Rauswurf aus

Am Tag danach werden weitere Details der Entlassung von Umweltminister Röttgen klar. Der Wahlverlierer verweigerte den Rücktritt, was Streit nach sich zog.
Norbert Röttgen und Angela Merkel © Pool/Reuters

Zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen soll es unmittelbar vor der Entlassung Röttgens eine heftige Auseinandersetzung gegeben haben. Schon länger lagen beide über Kreuz, weil Röttgen sich als CDU-Spitzenkandidat der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nicht klar zum Bundesland bekannte, sondern Bundesumweltminister bleiben wollte, sollte er die Wahl nicht gewinnen. Schon zu seinem Antritt als Kandidat in NRW hatte es nach Informationen von ZEIT ONLINE deshalb heftigen Streit zwischen der Kanzlerin und ihrem einstigen Hoffnungsträger gegeben.

Das setzte sich nun nach der Wahl fort, aus der Röttgen mit dem schlechtesten Ergebnis für seine Partei überhaupt hervorgegangen war. Nach Informationen der Rheinischen Post aus hochrangigen Regierungskreisen hatte Merkel Röttgen bereits am Dienstagabend gegen 17 Uhr zu einem Gespräch ins Kanzleramt gebeten und ihm den Rücktritt nahegelegt. Der CDU-Politiker habe sein Ministeramt aber nicht aufgeben wollen.

Außerdem habe er Merkel für die fehlende Unterstützung nach der verbalen Attacke von CSU-Chef Seehofer kritisiert, der ihn neben anderen Unionspolitikern für das fehlende Bekenntnis zu dem Bundesland harsch kritisiert hatte. Merkel habe Röttgen nach dem knapp einstündigen Gespräch schließlich eine Nacht Zeit gelassen, um über den Rücktritt nachzudenken, berichtet die Zeitung weiter. Röttgen blieb aber auch am Mittwochmorgen bei seiner Haltung.

Rauswurf mit Energiewende begründet

Nach der Kabinettssitzung habe Merkel Röttgen zur Seite genommen und ihm die Entlassung mitgeteilt. Die Entscheidung Merkels sei ein Prozess von "zwei Tagen" gewesen, heißt es. Am Montag habe sie ihn noch im Amt behalten wollen.

Merkel hatte den Rauswurf damit begründet, dass die anstehende Energiewende noch viele Aufgaben bereithalte. Dafür bedürfe es eines "personellen Neuanfangs", für den sie den bisherigen Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier vorschlug . Damit war klar, dass die Kanzlerin Röttgen dauerhaft beschädigt ansah. Sie wollte keinen Minister mehr, der sich in Verhandlungen mit dem FDP-geführten Wirtschaftsministerium , der Opposition und der Wirtschaft seine Wahlniederlage vorhalten lassen müsste. Denn die Energiewende kommt derzeit schlecht voran, die von Röttgen mit verantwortete Solarstrom-Förderkürzung liegt derzeit im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat.

Kritik aus der CDU

Am Vorgehen Merkels wurde allerdings auch Kritik aus der CDU laut. Bundestagspräsident Norbert Lammert bedauerte die Entscheidung und sagte, er hätte sie sich anders gewünscht. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hätte sich "mehr Menschlichkeit" gewünscht und vermisste eine zweite Chance für Röttgen. Ähnlich äußerten sich weitere Unionsvertreter. Auch in Nordrhein-Westfalen stieß der Rauswurf auf Unverständnis, wie der Fraktionschef Karl-Josef Laumann sagte.

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Kommentare

151 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

Dummheit? Ehrer ist interessant.....

....dass da draußen die Welt brennt, droht uns mit dem Feuersturm zu erfassen und man verschwendet Seitenweise Informationsvermittlung und -Analyse mit provinziellen Anekdoten und Geschwätz. Wir brauchen Lösungen für existentielle Probleme und haben sehr wenig Zeit. Die Bevölkerung ist schlecht informiert zu den Themen und die Parteien bzw die sie repräsentierenden Poltiker und Bürokraten haben ein gemeinschaftliches Gruppeninteresse gewisse Lösungen durchzusetzen. Es waren aber diese Gruppen, die die Grundlagen legten für die Lage und die Bürger belog über die Konsequenzen. Da dies die Gerichte offenbar auch taten, ist der Bürger ungeschützt und die Gefahren kulminieren.

Und es werden Seite um Seite den Details einer einer Ferner Liefen Wahl verschwendet. Wenn man es nicht besser wüsste, dächte man, die Medien und diese Zeitung verfolgten damit einen Zweck. Aber das kann nicht sein.

Das war sicherlich unüberlegt von Merkel

Sie hat wahrscheinlich in gar keinem Fall damit gerechnet, dass Röttgen so mutig ist und sich politisch lieber ermorden lässt, statt Selbstmord zu begehen.
Und dass die Täterin sich bei diesem "Mord" verletzen lässt, zeugt von einer Kurzschlusshandlung und Schwäche.
Aber auch diese Wunde wird verheilen, wenn sie nur lange genug im Kurhotel "Bundestag" sitzen bleibt.

Frau Merkel hätte sicherlich noch andere Optionen gehabt..

und dieser "Rausschmiß"..eines an für sich in der CDU einigermaßen gut integrierten Politikers..ist keine Bagatelle.

Und es ist auch nicht so ganz typisch "Merkel"..,denn andere, die einen Rauswurf wirklich verdient hätten, wurden von Ihr, wenn auch passiv,..noch lange protegiert.

Anders hier. Anstatt ihm alle Chancen zu nehmen,hätte Sie ihm die Möglichkeit zur Bewährung in seinem Job als Umweltminister geben können oder ihn.. innerhalb der CDU einem geeigneten Job zuführen können.

Diese Demontage ist aber "brutal" und zeigt nur das sie im "Affekt" gehandelt hat. Die Nerven liegen also blank.
Sie ist angeknockt. Das ist meine Vermutung.

Und dieser Rauswurf wird ihr Ende einläuten...gedämmert hat es ja schon länger...

MAcht Merkel doch selbst

Merkel hat die Ba-Wü Wahl auch zu einer Abstimmung über ihre Politik und das Groß-Verschwendungsprojekt S21 gemacht. Das sagte sie sogar wörtlich udn kämpferisch bei einer Bundestagsrede.

Und dann? Sie hat die Wahl verloren und nichts ist passiert. Es hatte für sie keine Konsequenzen, dass gemacht zu haben. Sie ist immernoch Volkes Liebling, und ich schäme mich immer noch zu diesem Volk zu gehören.

Ich will keine Amoralistin in meiner Regierung. Ich will Fairness, Stärke und Kompetenz. Statdessen bekomme ich Tricksereien, Taktieren und Königststilisierungen.

Schwarz Gelb hat ausgedient. Weg damit. Ich will ne neue Koalition ohne die CDU, ohne Merkel.

so sehr ich als NRW´ler ihren Wunsch teile - besonders nach

Röttgen

Was ist die Alternative? Die Currywurst? Tanti anstatt Mutti? Die drei Stooges? Claudia, ich marschier in Libyen ein?

ich verzweifele

Einem dem ich das unabhängig seiner Parteizugehörigkeit zu traue ist Oscar. Aber will ich Bartsch und Konsorten wirklich?

Sind die das kleinere Übel? Ich weis es nicht! Aber wenn wir den Knall nicht erleben wollen, muß sich was ändern.
Aber auch hier bin ich mir nicht sicher, dass der nicht schon eingetütet ist, mit 2 Jahren vorlaufzeit! Die Reichen haben ihr Geld in andere Regionen und Werte gebracht!

Das kleinere Übel am Arsch

Demokratie lebt durch Vielfalt, durch Pluralität. Die beste Regierung wäre eine aus Linke und Grüne, denn dann wird endlich mal aufgeräumt, was die anderen Konsensregierungen verschlafen haben oder was denen einfach nicht in den Kram gepasst hat. Eine solche Regierung könnte alle moralischen Straftaten der Vorgängerregierungen aufdecken, könnte klarschiff machen im Bereich der Diktatorenpakte von Lybien bis China, könnte menschenrechtliche Skandale wie das um Khaled al-Masri rechts- und wertekonform behandeln, könnte eine Agenda zur Massentierhaltungsabschaffung auf den Weg bringen, könnte den Mindestlohn und die Vermögenssteuer (wieder) Einführen.

Es wäre endlich das dran, was Pseudonächsteniebende und Möchtegernlinke aus Angst unangetastet lassen.

Entsprechend würde mir einer ab gehen wenn in Griechenland die echte Linke gewinnt.

Entsprechend abwertend denke ich über Konservative Regierungen und ihre Wähler.

Und doch. Ich freu mich über Rot-Grün in NRW (ebenfalls als NRWler). Einfach weil diese Regierung mit meinem Lebenswandel kompatibel ist. Für das Land wäre eine Linkere Regierung aber sicher besser.

Befehlsverweigerung...

...ist eben das schlimmste aller Vergehen.

Die Liste von Spitzenkandidaten, die nach verlorener Wahl ihre alte Ämter als Minister (-Präsidenten) oder Bundestagsabgeordenete behalten haben ist lang. Und es war keine Überraschung, dass ein Norbert Röntgen als Landesvater eines Arbeiterstaates nicht ankommt. Mission Impossible von Anfang an. Möglicherweise waren seine Tage schon vor der Wahl gezählt.

Ein legitimer Vergleich.

Zwar hat Herr Roettgen weder eine Doktorarbeit geschenkt bekommen noch sich heimlich eine Kredit zu ungewoehnlich guten Konditionen beschafft, ein Umstand der den Kreditnehmer in eine gewisse Abhaengigkeit und somit auch Erpressbarkeit fuehren kann, dennoch sei sein Rauswurf mehr als berechtigt. Denn, wer sich nach einer solchen herben Niederlage dennoch so arrogant benimmt, hat in der deutschen Politik nichts verloren. Die Bundeskanzlerin, Fr. Merkel, hat endlich sehr schnell ohne wenn und aber gehandelt und verdient daher ein grosses Lob.