Finanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) hat sich grundsätzlich bereit erklärt, den Vorsitz der Euro-Gruppe zu übernehmen. "Als deutscher Finanzminister muss ich mich so oder so stark engagieren", sagte Schäuble der Welt am Sonntag . "Deswegen sage ich auch nicht, dass ich unter keinen Umständen den Vorsitz übernehmen kann, wie es andere getan haben."

Er nehme auch nicht wahr, dass ihn die anderen Finanzminister ablehnten. "Das ist ja auch nicht schlecht", sagte Schäuble. Er habe ein großes Interesse daran, dass die Euro-Gruppe ihre Aufgabe weiterhin so gut erfülle wie unter dem Vorsitz des luxemburgischen Premierministers Jean-Claude Juncker .

Juncker hatte in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, dass er seine Arbeit als Euro-Gruppen-Chef nach siebeneinhalb Jahren definitiv aufgeben will . Der Posten wird Ende Juni frei.

Schäuble gilt als Favorit

Schäuble ist laut EU-Kreisen Favorit für den Vorsitz der Finanzminister der 17 Euro-Staaten. Juncker selbst hat Schäuble als Nachfolger empfohlen, auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt ihn. Ob der neu gewählte französische Staatspräsident François Hollande sich ebenfalls für Schäuble ausspricht, ist laut Diplomaten unklar. Hollande will am Dienstag unmittelbar nach seiner Amtseinführung zu einem Treffen mit Merkel nach Berlin kommen.

Der Posten des Euro-Gruppen-Chefs gilt als arbeitsintensiv, aber sehr einflussreich. So bereitet der Vorsitzende die Treffen der Euro-Finanzminister vor, legt die Tagesordnung fest und formuliert zentrale Beschlussdokumente. Zuletzt hieß es aus EU-Kreisen, der Euro-Gruppen-Vorsitz solle im Paket mit anderen Spitzenpersonalien nach der Stichwahl in Frankreich im Mai festgelegt werden. Ein EU-Gipfel im Juni könnte dann den formellen Beschluss fassen.