DoktorarbeitSchavan will Plagiatsvorwürfe aufklären

Bildungsministerin Schavan sieht sich Vorwürfen zu ihrer 32 Jahre alten Dissertation ausgesetzt. Mit den Kritikern will sie reden, wenn die ihre Anonymität aufgeben. von afp und dpa

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)  |  © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan ( CDU ) sind anonyme Plagiatsvorwürfe laut geworden. Das Blog schavanplag listet zu ihrer 32 Jahre alten Doktorarbeit zahlreiche Stellen auf, an denen sie Quellen nicht ausreichend benannt haben soll. Es geht um die Arbeit Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung , mit der Schavan 1980 an der Universität Düsseldorf den Doktortitel im Fach Erziehungswissenschaften erworben hatte.

Die Ministerin erklärte sich bereit, bei der Aufklärung der Vorwürfe mitzuhelfen und Rechenschaft über ihre Quellen abzulegen. Schavan forderte aber, dass sich die Verfasser zu erkennen geben. "Es ist eine anonyme Seite, deshalb ist meine erste Antwort: Wer sich mit meiner Dissertation beschäftigt hat, mit dem bin ich gern bereit, über diese Dissertation zu sprechen, über das Zustandekommen", sagte sie in Berlin . Mit anonymen Vorwürfen könne man aber nur schwer umgehen.

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Die Universität Düsseldorf will ebenfalls die Vorwürfe untersuchen: Die Promotionskommission werde sich auf Wunsch Schavans bald mit der Arbeit befassen, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Berlin. Der Doktorvater, der heute 88-jährige Gerhard Wehle, sagte zu den Vorwürfen: "Solange ich nicht durch äußere Umstände dazu veranlasst werde, auf die Arbeit zu schauen, werde ich das nicht tun." Er habe die Plagiatsvorwürfe bisher nicht gesehen und werde keine Stellung dazu nehmen.

Teilweise angeblich schwerwiegende Plagiate

Teilweise ist Schavan bereits auf die Vorwürfe eingegangen. So wird sie in dem Blog wegen ihrer Zitierweise kritisiert. Die Ministerin erklärte dazu, sie habe eine Aussage des mittelalterlichen Theologen und Philosophen Thomas von Aquin wiedergegeben, die sich in der Tat auch in einer Arbeit ihres damaligen Zweitgutachters finde. Sie selbst habe aber nur Originalquellen verwendet.

Die Verfasser der Plagiatsseite geben an, sämtliche Literatur, die in der Arbeit genannt wird und als Plagiatsquelle infrage kommt, gesichtet zu haben. Ebenso sei die Arbeit systematisch mit Quellen abgeglichen worden, die bei Google Books durchsuchbar seien. Es sei aber durchaus möglich, dass weitere Literatur und Quellen verwandt worden seien, die unerwähnt blieben. Angeführt sind 56 von 325 Textseiten. Teilweise handele es sich um schwerwiegendere Plagiate.

Es gibt immer wieder Plagiatsvorwürfe gegen Politiker. Vor 14 Monaten war der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil er an Dutzenden Stellen seiner Doktorarbeit fremde Passagen als eigene Leistung ausgewiesen hatte.

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Leserkommentare
  1. ich würde lieber über ihre Leistung als Bildungsministerin sprechen. Da hätte sie gern gute Ideen abschreiben können.

  2. Da passt doch nun wirklich alles: Das Thema und Schavans heutiger Job als Bundesbildungsministerin. So was kann nur gefälscht sein.

  3. Na, wenn ich mich gut erinnere, hat sie schelmisch gegrinst bei Guttenbergs Abgang. Ob der wohl eine Denkpause eingelegt hat, um Schavans Arbeit zu lesen? Honni soit qui mal y pense.

  4. Wie Sie hier leicht nachprüfen können

    http://de.vroniplag.wikia...

    habe ich Ihnen lediglich ein Scheitern schon im Versuch der Aneignung fremder Darstellungsleistungen attestiert. Es wurde einfach zu stark verschleiert, dabei ist der Sinn so stark verfremdet worden, dass in meinen Augen kein Plagiat übrig blieb.

    Die Dokumentare bei VroniPlag waren da auch sehr unterschiedlicher Auffassung und konnten auch zuletzt keinen Konsens finden, so dass Sie es leider mit dieser Arbeit nicht aus dem Analysenamensraum auf die Hauptseite bei VroniPlag Wiki geschafft haben.

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    ging aber nicht.

    >>Liebe Freunde, schade diesen schavanplag nicht auf den üblichen Wikiplagg-Seiten zu finden ist, da dort wenigstens eine Person als Hoster der genannten Seite zur Verfügung steht. Wollte nur anmerken, dass dieser BLOG sich auf dem selben Server befindet wie die Webseite der griechischen Rechtsextremisten von der "Goldenen Moorgenröte." Ich möchte nicht einen direkten Zusammenhang vermuten, jedoch anmerken warum es nicht möglich ist die oben genannten normalen Wikiplagg Seiten zu verwenden. Das anonymisierte Benutzen eine US-Servers hat einen komischen Beigeschmack beim Betrachten dieser Seite. Bei bei der Dokumentation geht nicht hervor wie oft die mutmaßlichen Stellen von verschiedenen Mitgliedern des Schwarms geprüft worden sind. Einfach alle mutmaßlichen Plagiate schon als Plagiate zu verkaufen entspricht nicht der mir sonst bekannten Methodik. Beste Grüße aus Deutschland Elcycinu(Ger)

  5. jetzt laßt doch mal die arme Annette in Ruhe. Die kann doch auch nix dafür, daß sie Bundesbildungsdingsda geworden ist.
    Außerdem kann die doch immer so gut ... äh ... öh ... nur nicht hetzen, mir fällt bestimmt noch was ein ...

  6. Wenn sich die Plagiatsvorwürfe als begründet herausstellen wird es besonders peinlich, dass wir hier über die Bildungsministerin sprechen.

    Was, abgesehen von diesen Vorwürfen, ihre Leistung als Bildungsministerin angeht, schließe ich mich meinen Vorrednern an!

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    Ist die Adresse des Plagiatsvorwurfes bekant, kann gegen diese eine einstweilige Verfügung eingeleitet werden.

  7. Hab mir gerade Ausrisse (Vergleiche zwischen Schavans Dissertation und dem Original) angeschaut, auf http://schavanplag.wordpr...

    Meiner Ansicht nach wurde ein neuer großer Plagiatsfall aufgedeckt
    Wieder mal Hut ab vor der Leistung der XY-Plag Leute.

    Und die Aufforderung, dass sich die Betreiber der Seite zu erkennen geben sollten, ist einfach nur albern.
    Ein Jeder kann diese Seite begutachten und sehen, dass mit knallharten Fakten und sonst nichts gearbeitet wird.

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    ....und ich kann dort ehrlich gesagt keinen großartigen neuen Plagiatsfall sehen. Viele der als "Kategorie A" eingestuften "Plagiate" sind im aller strengsten Sinne der wissenschaftlichen Arbeitsmethoden schon Plagiate, aber mit diesem Maßstab würden 9 von 10 Fachartikel aus dem Sozial- u. Gesiteswissenschaftlichen Bereich auch nur so von "Plagiaten" wimmeln.

    Ich bin selber im akademischen Bereich tätig und finde die Arbeit von Vroniplag & Co richtig und wichtig, aber hier werde ich das Gefühl nicht los, dass das Urteil zu erst gefällt wurde und jetzt die Begründungen nachgereicht werden.

  8. Doktorarbeiten und kein Ende. Zunächst: wenn Vorwürfe zutreffen, dann treffen sie zu, egal wer sie zuerst erhoben hat. Die Reaktion von Frau Schavan ist daher zumindest ungeschickt, wenn man ihr nichts Gutes will, kann man auch sagen: verdächtig. Ansonsten: Das Ausgraben von Doktorarbeiten scheint zwar Sport zu werden und die Öffentlickeit scheint davon nicht genug zu bekommen, jedoch wird es irgendwann auch egal, ob Frau Schavan bei einer Führerscheinprüfung den Prüfer bestochen hat, wenn sie über 30 Jahre unbeanstandet Auto gefahren ist (ohne Führerschein fahren wäre etwas anderes). Letztlich ist das alles nur noch Erbsenzähler- und Besserwisserei. Wer sich moralisch über Politiker entrüsten will, hat doch wirklich genügend andere Felder.

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    ist aber die Bildungsministerin Schavan nie gewesen. Ein relevanter Teil der Probleme, mit denen die Hochschulen heute zu kämpfen haben, werden ihr angelastet.

    Die Kritik an ihr ist nur wirkungslos und unbeachtet verpufft, da Politiker längst keine Verpflichtung und Verantwortung den Gesellschaftsbereichen gegenüber mehr sehen, in denen sie fröhlich herumpfuschen.

    Die Beanstandung wird dann einfach nur nicht beachtet. Insofern ist es nur logisch, dass irgendwann irgendeiner, wenn das dumme Mernschenvolk da draußen in der außerpolitischen Barbarei schon nicht gehört und keiner qualifizierten Antwort für würdig befunden wird, nachzugraben anfängt, woran das wohl liegen mag.

    Und siehe da: Womöglich fehlts schon an der - stimmen denn die Recherche-Ergebnisse - betrügerisch erschlichenen Basiskompetenz...

    Das würde die bisher nur unterdrückten und marginalisierten Beanstandungen vollinhaltlich unterstützen und erklären.

    • cornus
    • 02. Mai 2012 21:16 Uhr

    ich bin nun wahrlich keine Anhängerin von Frau Schavan und ihre Verdienste als Bundesministerin für Bildung und Forschung - mir fallen da keine ein.
    Wie auch immer: dieses ganze Politiker-Bashing, in dem man alte Doktorarbeiten ausgräbt geht mir gewaltig auf den Keks, denn es verhindert die eventuell wichtige und richtige Kritik an der inhaltlichen Arbeit, weil es in spekulativer Art und Weise den Focus auf die Personen lenkt. Da ist dann das Bauchgefühl 'ich hab's ja schon immer gewusst, alle Politiker sind......' - der Stammtisch lässt grüßen.

    Warum zum Henker wird denn nicht die Vergabe-Praxis der Universitäten unter die Lupe genommen? An den Unis ist nun wirklich so einiges im Argen, gerade bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen -ein weites Forschungsgebiet für Plagiatjäger! Nur sind Wissenschaftler ja nicht so spektakulär vorzuführen.

    Und warum hat Frau Schavan nicht recht, wenn sie sagt, dass sie sich nicht mit anonymen Kritikern auseinander setzt? Sind wir wirklich schon so weit, dass wir anonyme Denunzianten als Helden feiern? Hier wird doch glatt behauptet, auf diesen Seiten würde wissenschaftlich sauber gearbeitet. In dem Fall haben die Kritiker ja auch nichts zu verlieren und können sich outen, dann ist es auch keine Denunziation sondern eine offene Auseinandersetzung. Alles andere finde ich moralisch verwerflich - einfach widerwärtig das Ganze, egal wer jetzt am Pranger steht!

    In zwei Dingen haben sie Recht: Zum einen müssen die Universitäten ihre Promotionspraxis neu entwickeln. Hier ist der Abschreiberei gerade in philologischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Arbeiten immernoch Tür und Tor geöffnet. Zum anderen ist die anonyme Auseinandersetzung mit dem Thema problematisch. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Betreiber von XYplag weitermachen und wühlen und schnüffeln sollen, was das Zeug hält. Ich hoffe nämlich, dass dadurch all diejenigen von einer Promotion abgeschreckt werden, die das machen, um sich den Titel einfach nur als Karrieremöglichkeit an den Hut zu stecken. Als Doktorand und Überzeugungstäter was Forschung angeht möchte ich meinen hoffentlich irgendwann eintretenden Erfolg nicht dadurch geschmälert sehen, dass andere den Weg des geringsten Widerstands gehen.

    dokumentiert, womit wir es in der Praxis zu tun haben.

    Sie ist nichts anderes, als die sittliche Verwahrlosung und Verelendung jener Führungselite, die sich unter der Herrschaft solcher "Eliten" wie Kohl, Genscher, Lambsdorf, Waigel, R. Scholz, W. Rasch usw. nicht nur als Dirigenten und Regisseure der organisierten Parteispendenkriminalität einen Namen gemacht haben, sondern auch als Drücker, Koberer und Werber für solche Finanzanlagenbetrugsorganisationen wie der Göttinger Gruppe.

    [...]

    Wer sich die Praxis anschauen will, der schaut sich einfach auf dem heutigen Campus seiner Universitätsstadt um und studiert die dortigen, modernen Günstlings- und Vetternwirtschaftsstrukturen, mit denen diese "Leistungsträgerbrut" hochgezogen wird.

    Das sind keine Kuckucksjungen, das sind moderne Vipern und Nattern, die da für uns heran gezogen werden.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/se

    Politiker werfen den Opfern Ihrer Politik Versagen vor.

    Dann darf man und muss man Plagiate und Tricksereien dieser Leute aufdecken.

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  • Quelle dpa, AFP
  • Schlagworte Annette Schavan | CDU | Google | Doktorarbeit | Karl-Theodor zu Guttenberg | Literatur
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