LandtagswahlGiftiges Klima in Kiel

Kurz vor der Wahl klagt die Kieler Opposition über unlautere Angriffe der CDU. Sogar der Name Barschel fällt. Dabei war bisher alles friedlich. Von Lisa Caspari von 

In Schleswig-Holstein , so scheint es, kann es keinen Landtagswahlkampf ohne Skandal geben. Das Land zwischen den Meeren ist für sein raues Politikklima bekannt. Unvergessen die Barschel-Affäre : Einen Tag vor der Landtagswahl 1987 veröffentlichte der Spiegel einen Bericht über die schmutzigen Wahlkampfmethoden im Umfeld des damaligen CDU-Ministerpräsidenten. Objekt der Spitzeleien: SPD-Kandidat Björn Engholm . Barschel trat zurück und starb kurz darauf einen mysteriösen Tod in einem Genfer Hotelzimmer.

Später kam heraus, dass Engholm schon länger Bescheid wusste über die Kampagne gegen ihn. Außerdem hatte sein Sozialminister dem Informanten des Spiegel Geld gezahlt. Dieser Informant war ausgerechnet ein CDU-Pressesprecher. Das alles ist genügend Stoff für eine ordentliche Räuberpistole und bis heute eine unverheilte Narbe in der Landespolitik. Aber dazu später.

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Vom Heide-Mörder zur Lolita-Affäre

Auch der Fall des fiesen "Heide-Mörders" hat sich bundesweit im Gedächtnis eingebrannt: Bis heute ist unklar, wer 2005 Heide Simonis in ganzen vier aufeinanderfolgenden Wahlgängen die eine entscheidende Stimme zur Wiederwahl als SPD-Ministerpräsidentin versagte. Der oder die Abweichler(in) muss aber aus ihrem eigenen politischen Lager gekommen sein, bis heute ist er oder sie nicht identifiziert. Simonis trat zurück, sprach von einem "hinterhältigen Dolchstoß".

Und erst vor wenigen Monaten stolperte der eigentlich für die Landtagswahl am kommenden Sonntag auserkorene CDU-Spitzenkandidat Christian von Boetticher über eine "Lolita-Affäre" . Jemand hatte der Presse gesteckt, der 40-Jährige hätte eine Beziehung mit einer 16-Jährigen gehabt. In Kiel glauben nicht wenige, dass es sich um eine gezielte Intrige aus der CDU heraus gehandelt hat, um den eigenen unbeliebten Frontmann endgültig loszuwerden. Von Boetticher gab eine denkwürdig schluchzende Pressekonferenz und versteckte sich danach tagelang in abgelegenen Hotels. Manch einer in Kiel befürchtete, er könne sich etwas antun.

"Hier geht es etwas plumper zur Sache als anderswo"

Hört das also nie auf mit dem politischen Gehaue und Gestachere im hohen Norden? Seltsam eigentlich, gibt es in Schleswig-Holstein doch nur 2,8 Millionen Einwohner, zwei Großstädte und sonst viel plattes Land. Kein Biotop also für große bundespolitische Karrieren und damit große Ellbogen-Wettkämpfe.

Der Kieler Politikwissenschaftler Joachim Krause erklärt sich den chronisch harten Wettbewerb in seinem Bundesland daher so: "In der Politik gibt es immer Intrigen, die schlimmsten sind die, von denen niemand etwas merkt. Schleswig-Holstein ist allerdings ein kleines, ländlich geprägtes Land, vieles bleibt hier nicht verborgen und vielleicht geht es hier in der Politik manchmal etwas plumper zur Sache als anderswo." Hinzu kommt: In Schleswig-Holstein sind die beiden politischen Lager in etwa gleich stark, bei Wahlen zählt oft jede Stimme. Ähnlich ist das in Hessen, auch hier ist das Politikklima eher rau. Krause betont aber auch: Das hässliche Ausmaß der Barschel-Engholm-Affäre sei in Schleswig-Holstein ein absoluter Ausnahmefall gewesen. Die "rauen Zeiten" seien lange vorbei.

Leserkommentare
    • Kelhim
    • 05. Mai 2012 0:27 Uhr

    So erzählt es die Partei schließlich selber.

    Antwort auf "Das ist in NRW...."
  1. "dass aus der Kurve fliegt"..."dass CDU-Landesgeschäftsführer Daniel Günther kürzlich getätigt haben soll"

    Bei allem nötigen Respekt: Es nervt, wenn ein seriöses Medium sich solche Blößen gibt.

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    Redaktion

    Liebe(r) dylan51,

    vielen Dank für den Hinweis. Die falschen "s" sind jetzt weg. Ein schönes Wochenende wünscht Lisa Caspari

  2. Absoluter Quatsch!

    Es gibt keine Ähnlichkeiten zwischen Schleswig-Holstein und NRW.

    Nennen Sie Roß und Reiter, bei dem Namen; falls Sie die Namen kennen.

  3. Nochmal Quatsch.

    Sie schreiben: "("die Dänen") sollen jetzt Wähler für die CDU gewinnen!"

    Die SSW: http://ssw.de/www/de/

    haben bereits schon klar ausgedrückt, das sie Rot Grün Unterstützen werden.

    • sagan
    • 05. Mai 2012 2:18 Uhr

    Kommt drauf an, wie Sie antisemitisch definieren. Bei der letzten Debatte über ein Gedicht in D wurde ja offensichtlich, dass sehr viele einen recht schwammigen, bzw. falschen Begriff haben.
    ...und den Begriff antisemitisch in einer verachtungswürdigen Weise instrumentalisieren.

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    • joG
    • 05. Mai 2012 12:23 Uhr

    ....heraussuchen. Wenn ich mich recht entsinne, ist die Definition dort verbalisiert und brauchbar.

    • joG
    • 05. Mai 2012 14:45 Uhr

    ...zum Anti-Semitismus recht gut dargestellt und die Definitionen:

    http://www.bundestag.de/d...

    http://www.bmi.bund.de/Sh...

    Für eine weitere Umfrage habe ich die Fragen nicht zur Hand. Wenn Sie aber suchen wollen, sind sie sicherlich im Internet auffindbar.

  4. Die CDU/JU-Kamgange mag sehr überzogen sein, die Panikmache der SPD vor "Rassismus gegenüber Dänen", oder wie man es nennen mag, ist leider ebenso reinstes politisches Kalkül. Ich kenne niemanden in SH, der etwas gegen die dänische (oder friesische) Minderheit hat, im Gegenteil die Nähe zu DK wird als kulturelle und mittlerweile auch als wirtschaftliche Bereicherung gesehen, ohne Zweifel. Der Ton sollte hier objektiver und ruhiger verlaufen.

    Eigentlich könnte der SSW ja so etwas wie die Piraten sein, aber auch der SSW hat sich nicht abheben können vom gewohnten (nun für die Bürger faden) Politikzirkus. Überzogen könnte man sagen: Die Lehrerpartei SSW plappert mit ihrem verfassungsrechtlich garantierten Status eh nur der SPD nach, kann keine eigenen Akzente setzen und betont andauernd nur die Interessenswahrung für die dän. Minderheit. Sie interessiert den Bürger nicht, das jahrzehntelange Lehrer-Spitzenpersonal ist keine Alternative für den Wähler.
    Folglich darf meines Erachtens eine Partei, die sich nur der SPD anschliesst, auch kritisch dargestellt werden, ohne das man ihr den Status abspricht - bei der FDP hacken ja auch Medien, Kabarettisten und Parteien mit Genuss auf eine demokratische Partei ein und freuen sich über deren Abschaffung.

    Das Land im Norden hat eigentlich bessere politische Fragen zu bieten, die gelöst werden sollten, daran sollten sich alle Akteure erinnern. Der SSW sollte sich nicht wichtiger nehmen als er ist.

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    • Pinto
    • 05. Mai 2012 11:05 Uhr

    Ein nettes Theaterstück mit Me(e)hrwert.

    Deutschland will eine Seemacht zum Schutz seiner Rohstoffe werden. Somalia sollte wohl ein testfall werden.
    "Bundesregierung blockiert EU-Pläne für mehr Transparenz im Rohstoffsektor "
    http://www.transparency.d...

    Daher geht es in Schleswig Holstein, Kiel nicht nur um ein plattes Land.
    Selbst der Schah Mohammad Reza Pahlavi besuchte damals die schicken Werften in Kiel, einer der wenigen möglichen See-Anlegeplätze Deutschlands. Siehe Doku "Der Polizeistaatsbesuch"

    Generell stellt sich die Frage ob Politiker einer dauerhafte Sicherheitsüberprüfung durch den VS, BND, MAD über sich ergehen lassen müssen.
    Das procedere geht tief ins Privatleben. Wie wurde dieses erweitert und wer hat die Daten, wer kann sie nutzen?

    Kiel ist national und international und erst recht für die Deutsche Waffenlobby systemrelevant. Die schicken auszuliefernde U-Boote...
    Die BayernLB, KfW, Deutsche Bank finanzierten Waffengeschäfte mit Diktatoren. Siehe Banktrack.

    Aus den Bundesländern die Waffen-/Finanzierung-/ Systemrelevant sind, ist wohl in Zukunft anderes zu erwarten.
    Unvorstellbar das sich an der machtpolitischen Parteilandschaft in manchen Bundesländern etwas ändert.
    Dann kommen sie, die Agent Provocateur.

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  5. Redaktion
    24. Danke!

    Liebe(r) dylan51,

    vielen Dank für den Hinweis. Die falschen "s" sind jetzt weg. Ein schönes Wochenende wünscht Lisa Caspari

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  • Schlagworte CDU | SPD | Björn Engholm | Grüne | Heide Simonis | Christian von Boetticher
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