Horst Seehofer ist sauer, richtig sauer. Ohne Einschränkungen hat er ein nach einem Interview geführtes Hintergrundgespräch zur Veröffentlichung freigegeben.

Die Gründe für seine Wut liegen auf der Hand. Ganz vordergründig ist da der Ärger über den Wahlverlierer Norbert Röttgen , der den Ratschlag des CSU-Chefs, sich ganz der Landespolitik zu widmen, in den Wind geschlagen hatte und nun das entsprechende Ergebnis kassierte.

Weit wichtiger allerdings dürfte der Streit über das Betreuungsgeld sein. Mit diesem wollte Seehofer eigentlich die Stärke und den Einfluss der CSU demonstrieren. Doch trotz eines entsprechenden Beschlusses des Koalitionsausschusses ist noch immer nicht klar, was davon am Ende übrig bleiben wird.

Schlimmer noch für Seehofer: Die endlose Debatte hat die Akzeptanz der neuen Sozialleistung in der Bevölkerung auf ein Minimum sinken lassen. Es könnte durchaus sein, dass die CSU mit dem Betreuungsgeld – wenn es endlich durchgesetzt ist – mehr Zustimmung verliert als sie gewinnt.

Angst vor der Landtagswahl in Bayern

Hinzu kommt, dass Seehofer die Angst vor den bayerischen Landtagswahlen im kommenden Jahr im Nacken sitzt. Das nach wie vor miserable Image der Koalition in Berlin bedroht auch sein Ziel, die CSU in Bayern an der Macht zu halten, wenn irgend möglich sogar wieder von der Koalition mit einem Partner unabhängig zu machen.

Doch hinter Seehofers Wutausbruch steckt auch eine Menge Kalkül. Ihn ärgert schon lange, dass Themen wie das Betreuungsgeld, die Vorratsdatenspeicherung, das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder die Energiewende in Berlin für seinen Geschmack zu lange diskutiert werden, ohne dass greifbare und für den Bürger nachvollziehbare Ergebnisse dabei rauskämen.

Das Treffen der drei Parteichefs der Koalition, das Seehofer nun fordert, wäre zwar sicher auch durch stille Vorzimmerdiplomatie zu erreichen gewesen. Weder Angela Merkel noch Philipp Rösler hätten ihm wohl ein Gespräch verweigert, wenn er dieses gewünscht hätte.