Keine sieben Jahre ist es her, da war Steinbrück selbst noch Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen . Dennoch gilt er an der hiesigen Basis nicht gerade als Sympathieträger. Die Genossen in der Jahrhunderthalle halten ihn zwar für klug, aber auch für ziemlich neoliberal. Steinbrück selbst fremdelt sichtlich mit Parteipartys wie dieser hier. Als zwischendurch eine Rockband spielt, ist er der einzige, der in der in der ersten Reihe sitzt und nicht rhythmisch mitklatscht. Als die Band am Schluss mit stehenden Ovationen gefeiert wird, ist er der Letzte, der sich erhebt. Und das auch nur, weil Kraft ihn dazu auffordert.

Frank-Walter Steinmeier ist da schon lockerer drauf. Der Kanzlerkandidat von 2009 klatscht und schunkelt – und hat auch Witze vorbereitet. Er möge Schwarz-Gelbe nur im Fußball, sagt er mit Blick auf das Pokalfinale am Samstag. An nordrhein-westfälische Wahlkämpfe erinnere er sich immer gern zurück, sagt Steinmeier und fügt hinzu: Außer an 2005, als die SPD nach zig Jahren die Macht verlor. Ob das als Seitenhieb auf den damaligen Ministerpräsidenten Steinbrück zu verstehen ist? Der jedenfalls, nur wenig entfernt von Steinmeier am Stehpult lehnend, schaut nun recht grimmig.

Gabriel widmet dem ganzen keine allzu große Aufmerksamkeit. Er sitzt in der ersten Reihe – und interessiert sich nicht für den Talk seiner beiden Kontrahenten. Währenddessen schwätzt er, twittert und lässt sich mit Hannelore Kraft fotografieren. Das Foto betrachtet er hinterher demonstrativ und ausgiebig. Auch eine Art, seine Geringschätzung zu zeigen.

WasFDP wieLinke an Kraft kritisieren

Die Party plätschert so vor sich hin. Immer wieder wird sie von Musikern, Artisten und anderen Showeinlagen unterbrochen. Um politische Inhalte geht es kaum, mehr um die Demonstration von guter Stimmung und Stärke.

Hannelore Kraft gefällt das sichtlich. Sie lacht an diesem Abend viel, gibt Autogramme und umarmt Genossen. Als sie schließlich ans Mikrofon tritt, dauert es länger, bis sie sich bei allen bedankt hat. Während ihrer Rede ahnt man, warum ihr die übrigen Parteien von FDP bis Linke Themenarmut vorwerfen. Ihre Wahlkampfslogans klingen beliebig, wie: "NRW im Herzen". Lindner wie Lafontaine können sich ausgiebig darüber echauffieren.

Ein paar Inhalte streift Kraft dann aber doch noch in Bochum. Sie kündigt an, weiter in Bildung und soziale Vorsorge investieren zu wollen, aber sie kündigt auch Schuldenabbau und Einsparungen an. Ohne konkret zu werden freilich: Sie warnt die anwesenden Gewerkschafter und Sozialpolitiker nur schon mal vorsorglich vor "Punkten, die wehtun".

Gabriel drängelt, Kraft tanzt

Es ist keine besonders gute Rede von Kraft, wieder einmal nicht. Sie verhaspelt sich, betont nicht immer richtig, von fehlender Originalität ganz zu schweigen. Dennoch ist der Jubel groß. Kraft ist in ihrer Partei und im Bundesland überaus beliebt. Sie gilt als glaubwürdig und herzlich. Kunstvolle Formulierungen und mitreißende Gedanken kann sie da getrost anderen Rednern überlassen. Nicht wenige, die in ihr die perfekte Kanzlerkandidatin für 2013 sehen.

Am Ende gibt es noch ein Gruppenbild. SPD-Promis, Musiker, Artisten, Jusos – sie alle zwängen sich auf die Bühne. Gabriel schafft es, sich zwischen zwei Kinder in die erste Reihe zu drängen. Er steht nun neben Kraft, die ausgelassen zur Musik klatscht und tanzt. Die Fotografen knipsen. Die beiden "Stones" haben sich längst verzogen.